Ein Wunder?
Die Ostkirchen, die arabischen Länder sowie eine kleine Minderheit „ultrakonservativer Konzilsväter“ stellten sich gegen eine Konzilserklärung über die Juden.

Der Artikel des Bischofs steht unter dem Titel „Heftiger Widerstand aus arabischer Welt, Ostkirche und Lefebvre“.
Er besteht im wesentlichen aus einem längeren Zitat des verstorbenen Erzbischofs von Wien, Franz Kardinal König († 2004).
Das Zitat ist einem kürzlich im ‘Herder Verlag’ erschienen Buch „Offen für Gott – offen für die Welt/Kirche im Dialog“ entnommen.
Darin sind die Aufzeichnungen von Kardinal König aus der Konzilszeit enthalten.
Bischof Algermissen würdigt Kardinal König in seinem Artikel als „einen der markantesten Gestalten der neueren Kirchengeschichte“.
Der Kirchenfürst habe das Zweite Vatikanum entscheidend mitgeprägt.
Kardinal König erinnert im zitierten Text daran, daß jede Konzilserklärung ihre eigene Geschichte habe. Am turbulentesten sei diese bei der Ausarbeitung der Konzilserklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen ‘Nostra Aetate’ gewesen.
Bereits kurz nach seiner Wahl zum Papst habe Johannes XXIII. den Kurienkardinal Augustin Bea († 1968) gebeten, darüber nachzudenken, wie man die Judenfrage ins Konzil einbringen könnte.
Auch Kardinal König ist sehr früh gebeten worden, mitzuarbeiten. So hat er von Anfang an die vielen Krisen und das wechselhafte Schicksal dieser kurzen Erklärung aus erster Hand miterlebt.
Es sei „ein Wunder“, daß ‘Nostra Aetate’ überhaupt zustande gekommen sei – so Kardinal König:
„Mit Ausnahme einer kleinen Minderheit ultrakonservativer Konzilsväter lastete der Holocaust schwer auf der Mehrheit der Konzilsväter und veranlaßte uns, alle die vielen verschiedenen Formen von Antisemitismus, die über Jahrhunderte eine solche Schande über Europa gebracht hatten, zu überprüfen.“
Eine Diskussion der Judenfrage auf dem Konzil sei sofort auf heftigen Widerstand gestoßen.
Die Kritik sei aus der arabischen Welt, den Ostkirchen und der „kleinen, aber lautstarken konservativen Gruppe von Konzilsvätern um Erzbischof Lefebvre“ gekommen.
„Ich habe daher die größte Bewunderung für Papst Johannes XXIII. und Kardinal Bea, daß sie – trotz heftigem Widerstand, ständigen Intrigen und ausgesprochenen Verleumdungen – durchgehalten haben“ – so die polemische Formulierung von Kardinal König.
Die Opposition habe bis ganz zum Ende des Konzils die Massenmedien mobilisiert und diplomatische Proteste seitens der arabischen Staaten bewirkt.
Kardinal König erhielt „buchstäblich Säcke von Briefen“ – viele von Christen aus dem Nahen Osten. Diese flehten ihn an, eine Erklärung über die Judenfrage zu verhindern.
Sogar Flugblätter wurden in Umlauf gebracht worden. Einige von ihnen seien „geradezu bösartig und verleumderisch“ gewesen.
„Als die kleine Gruppe von Konzilsvätern, die gegen jegliche Deklaration über die Judenfrage waren, realisierten, daß sie eine solche nicht verhindern konnte, versuchte sie, sie zu verwässern und machte immer wieder neue Einwände gegen die Texte geltend.“
Deshalb mußte die Erklärung vor ihrer Verabschiedung am 28. Oktober 1965 vier oder fünfmal geändert werden.
Es habe vier Jahre gebraucht, um eine Einigung über diese kürzeste der Konzilserklärungen zu erreichen: 2.221 Konzilsväter stimmten schließlich dafür, 88 dagegen und 3 enthielten sich der Stimme.
Bischof Algermissen kommentiert die Erinnerungen von Kardinal König und erklärt, daß sich die Methoden der Verhinderung kaum geändert hätten:
„Sie sind heutzutage mitunter wohl noch heftiger und verdeckter als damals vor vierzig Jahren.“
Für den Bischof eine ernüchternde Einsicht. Dennoch helfe der Heilige Geist der Kirche je neu, notwendige Schritte in die Zukunft zu tun.
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Freitag, 25. August 2006 23:02
Jörg Guttenberger, Köln: Dogma
Aufgrund der sehr kontroversen Auseinandersetzung bin ich der Dogmengeschichte noch einmal nachgegangen.
Hier ist 1870 ein Einschnitt: bis dahin wurde das Dogma, vom Papst oder in seinem Auftrag auf einem Konzil
verkündet, als Ergebnis einer Auseinandersetzung über theologische Fragen, z. B. die Eigenschaft Mariens
als Gottesgebärerin oder zuletzt die Unfahlbakeit des Papstes. Man kann aber nicht sagen, die Gegner
der Unfehlbarkeit seien vor 1870 bereits versteckte Schismatiker gewesen, denn so lange ein Dogma nicht
verkündet ist, kann man normalerweise unterschiedlicher Meinung sein, jedenfalls dann, wenn die Meinung
der hl. Schrift nicht entgegenstgeht.
Nach 1870 sind die Dogmen von den Päpsten nach Anhörung des Weltepiskopates aufgrund des Unfehlbarkeitsdogmas von 1870 verkündet worden.
Nach 1870 sind die Dogmen von den Päpsten nach Anhörung des Weltepiskopates aufgrund des Unfehlbarkeitsdogmas von 1870 verkündet worden.
Montag, 21. August 2006 10:28
stat crux: Athanasius, es reicht!
Suhard hat 1947 erstmals das Wort „integrisme“ in einem amtlichen Text verwendet. Der Wortgebrauch ist älter: „catholicisme integral“ forderten die radikalen Antimodernisten. Begnini und das Sodalitium Pianum (vulgo „Sapieniere“ = Tannenwald) haben sich aber nie gegen das kirchliche Amt vergriffen, sondern die Auflösung durch Benedikt XV. klaglos hingenommen. Im übrigen ist dieser ca. 50 köpfige Verein NICHT durch Merry del Val angeführt worden, der als profunder Diplomat die Begnini-Methoden für nicht zielführend hielt. Del Val hat bis zu seinem Tod eine wichtige Rolle innegehabt, aber die Grenze zum „Integralismus“ nie überschritten. Im reinsten Wortsinn ist das erst Lefebvre „gelungen“ (und niemand ist ihm gefolgt, trotz gewisser Sympathisanten in der röm. Kurie). Sie stehen mit ihrer Höllenpredigt auf verlorenem Posten. Es bewegen sich EBEN NICHT rd. 200 Staaten dieser Erde auf die Hölle zu, da grenzt das Lefebvre’sche Weltbild (1.11.1990, Econe) schlicht an Wahnsinn.
Sonntag, 20. August 2006 12:52
Malachias †: Antworten
@Guttenberger: Sorry, wenn ich Ihnen zu nahe getreten bin! „Pharisäer“ muß übrigens nicht zwingend
als Schimpfwort verstanden werden…
@Athanasius:
Zwischen dem konziliaren Unsinn, der Fehlinterpretation der „fortwährenden Auserwählung“ und dem übertrieben Antijudaismus des Verschwörungstheoretikers Johannes Rothkranz gibt es auch den einfachen römisch-katholischen Zwischenweg
Bitte weisen Sie uns nach, inwiefern der „Antijudaismus des Verschwörungstheoretikers Johannes Rothkranz“ über den von Ihnen skizzierten „römisch-katholischen Zwischenweg“ hinausgeht!
Die Katholische Kirche bis zu Papst Pius XI. und dem Jesuitengeneral Ledóchowski hatte konsequent einen hauptsächlich theologisch, also nicht – zumindest nicht in erster Linie – ethnologisch/rassistisch begründeten Antijudaismus vertreten
, der dann von
der zionistisch gesteuerten Konzilssekte
unter dem Totschlagwort „Antisemitismus“ wie das berühmte „Kind
mit dem Bade ausgeschüttet“, d.h. als politisch/„katholisch“ nicht korrekt eingestuft, wurde…
@Athanasius:
Zwischen dem konziliaren Unsinn, der Fehlinterpretation der „fortwährenden Auserwählung“ und dem übertrieben Antijudaismus des Verschwörungstheoretikers Johannes Rothkranz gibt es auch den einfachen römisch-katholischen Zwischenweg
Bitte weisen Sie uns nach, inwiefern der „Antijudaismus des Verschwörungstheoretikers Johannes Rothkranz“ über den von Ihnen skizzierten „römisch-katholischen Zwischenweg“ hinausgeht!
Die Katholische Kirche bis zu Papst Pius XI. und dem Jesuitengeneral Ledóchowski hatte konsequent einen hauptsächlich theologisch, also nicht – zumindest nicht in erster Linie – ethnologisch/rassistisch begründeten Antijudaismus vertreten
Sonntag, 20. August 2006 00:07
Jörg Guttenberger, Köln: Graf von Galen: Pius-Brüder
Ihr Vergleich ist zwar arg überspitzt, aber nicht schlecht gewählt, zumal mein beruflicher Schwerpunkt als Betriebswirt die Versicherungsmathematik war!
Sonntag, 20. August 2006 00:00
Graf von Galen: Wider VII, @ Guttenberger
Sie kommen mir vor wie ein Mathematiker, der sagt :
„Wir wissen nun das 2+2 > 3 und < 5 ist. Nur die
rückständigen Piusbrüder wagen noch zu behaupten,
daß 2+2 niemals 3 oder 5 oder irgendeinen anderen
Wert als 4 ergeben kann.“
„Wir wissen nun das 2+2 > 3 und < 5 ist. Nur die
rückständigen Piusbrüder wagen noch zu behaupten,
daß 2+2 niemals 3 oder 5 oder irgendeinen anderen
Wert als 4 ergeben kann.“
Samstag, 19. August 2006 23:20
Jörg Guttenberger, Köln: Pünktchen, Malachias, Athanasius
P: Sie haben leider recht: Reaktionäre wie die Pius-Brüder mit ihrem statischen Denken sind genauso
schlimm, wie die Progressiven.
M: Werden Sie nicht ausfallend! Was soll das Dienstmädchengeschwätz von Gutmenschen und Pharisäer?
M. u. A: Röm. 11,28 redet im Präsens und nicht im Futur! Der Paulus-Text beschreibt ausschließlich den damaligen Zustand. Vor Ihrer fehlenden Dynamik graust mir.
Wieso leugne ich Dogmen? An die Unfehlbarkeit der Kirche glauben auch die besonders kirchenvätertreuen Byzantiner. Bis zu VATI wurden Dogmen vom Konzil beschlossen und vom Papst verkündet. Seit VATI verkündet der Papst die Dogmen inn eigener Machtvollkommenheit ohne Konzil. Da die Päpste vor einer Dogmenverkündung immer den Weltepiskopat befragt haben, hat sich de facto nichts geändert.
Bei welchem Kirchenvater finden Sie einen Hnweis auf die päpstliche (nicht allgmein die kircliche) Unfehlbarkeit?
Der Vorwurf, ichnwolle Diskutantn frustrieren, ist in seiner Unsachlichkeit ebenfalls unhaltbar!
M: Werden Sie nicht ausfallend! Was soll das Dienstmädchengeschwätz von Gutmenschen und Pharisäer?
M. u. A: Röm. 11,28 redet im Präsens und nicht im Futur! Der Paulus-Text beschreibt ausschließlich den damaligen Zustand. Vor Ihrer fehlenden Dynamik graust mir.
Wieso leugne ich Dogmen? An die Unfehlbarkeit der Kirche glauben auch die besonders kirchenvätertreuen Byzantiner. Bis zu VATI wurden Dogmen vom Konzil beschlossen und vom Papst verkündet. Seit VATI verkündet der Papst die Dogmen inn eigener Machtvollkommenheit ohne Konzil. Da die Päpste vor einer Dogmenverkündung immer den Weltepiskopat befragt haben, hat sich de facto nichts geändert.
Bei welchem Kirchenvater finden Sie einen Hnweis auf die päpstliche (nicht allgmein die kircliche) Unfehlbarkeit?
Der Vorwurf, ichnwolle Diskutantn frustrieren, ist in seiner Unsachlichkeit ebenfalls unhaltbar!
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