Altersblödsinn?
Seinen Ruf als „Moralisten“ hat sich Günter Grass verscherzt. Jetzt weckt er auch Zweifel an seiner geistigen Zurechnungsfähigkeit.

Im Interview erklärte der gefeierte „Moralist“, seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS über sechzig Jahre verschwiegen zu haben.
Der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Professor Dr. Bernhard Vogel, kommentiert am 16. August in einem in der ‘Frankfurter Allgemeinen’ publizierten Leserbrief die Aussagen des Schriftstellers:
„Das späte, zu späte Bekenntnis erregt die Gemüter“ – so Vogel.
Vogel stimmt Grass völlig zu, der im Interview erklärte: „Das von Deutschen organisierte Verbrechen, das planmäßige, ist einzigartig, ist einmalig.“
Aber unerträglich sei sein Versuch, die deutsche Nachkriegsgeschichte umzuinterpretieren.
So sollen Christa Wolf, Erich Loest und andere nach Grass in der kommunistischen DDR angeblich „sofort mit einer neuen und glaubhaften Ideologie versorgt“ worden sein.
Vogel erinnert den offenbar Gedächtnisschwachen Greis daran, daß die DDR-Ideologie für die zweite Diktatur auf deutschem Boden gestanden ist: „mit Indoktrination, Ausgrenzung Andersdenkender, Verfolgung, Haft und Todesschüssen“.
Grass wage es sogar, die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft mit der Zeit des Nationalsozialismus gleichzusetzen – ja sie als noch schlimmer hinzustellen.
Grass-Originalton: „Wir hatten Adenauer, grauenhaft, mit all den Lügen, mit dem ganzen katholischen Mief.“
„Diese Behauptungen des bald 80 Jahre alten Mannes sind verwerflicher als der Eintritt des 17 Jahre alten in die Waffen-SS“ – so Vogel.
Grass leugne den kulturellen Aufbruch und die von der Geschichtsschreibung anerkannte Modernisierungsleistung der Ära Adenauer.
„Konrad Adenauer steht für unser Grundgesetz, für den moralischen und materiellen Wiederaufbau unseres Vaterlandes, steht für die Aussöhnung mit Frankreich, für die Aussöhnung mit Israel, für den Beginn des europäischen Einigungsprozesses.“
Er stehe für die Freiheit im Westen, welche Voraussetzung für die schließlich wieder gewonnene Einheit des deutschen Vaterlandes gewesen sei:
„Adenauer hat ethische und moralische Maßstäbe gesetzt. Mit ihm und seinem Wirken hat die friedlichste und freiheitlichste Periode der deutschen Geschichte begonnen.“
Wer Ronald Reagan und Helmut Kohl auf das heftigste kritisiert habe, als sie am 5. Mai 1985 unter großer öffentlicher Erregung den Soldatenfriedhof in Bitburg besuchten, auf dem auch einige junge Waffen-SS-Leute liegen, und zugleich die Tatsache verschwieg, selber der Waffen-SS angehört zu haben, der besitze heute kein Recht, Konrad Adenauer zu verleumden und die junge Bundesrepublik Deutschland mit der Hitler-Zeit zu vergleichen.
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Montag, 28. August 2006 00:10
blueberry: @ Benedikt
Naja also wie gesagt es handelt sich um einen von beliebig vielen Versuchen der Rückstand eines nicht-westlichen
Landes gegenüber dem Westen aufzuholen.
Ich sagte ja schon: Ägypten ist einen ähnlichen Weg gegangen bis Nasser. Nasser verfolgte einen eher sozialistischen Kurs der durchaus zu nennenswerten Erfolgen führte, bspw. einem Gesundheitssystem, fixierten Mieten und Schulbildung für alle. Sadat leitete dann einen Westkurs und Wirschaftliberalisierungen ein die schnell zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen des Durchschnittsägypters führten.
Was ich damit sagen will: es kommt einfach auf die Rahmenbedingungen und die gesellschaftlichen Gegebenheiten an. Man kann nicht einfach sagen: Marktwirtshaft ist der Weg ins Glück und alles andere funktioniert nicht. Wenn ich ein starkes Bürgertum habe wie in Deutschland das über Bildung, Eigeninitiative und die nötigen finaziellen Polster verfügt oder weiß wie es sie sich verschaffen kann, dann funktioniert Marktwirtschaft. Wenn ich aber ein rückständiges Dritt Welt Land habe wo der Normalbürger von 3-5 Dollar pro Tag lebt, dann brauch ich nicht davon auszugehen dass da eine Marktwirtschaft zu Massenwohlstand führen wird. Schon gar nicht wenn sämtliche entsprechende Traditionen fehlen.
Und letztendlich war die Sowjetunion eine Supermacht die Deutschland im Krieg besiegt hat, die Menschen zum Mond geschossen hat…
Letztendlich muss man halt flexibel sein. Weder das eine noch das andere ist die Lösung.
Ich sagte ja schon: Ägypten ist einen ähnlichen Weg gegangen bis Nasser. Nasser verfolgte einen eher sozialistischen Kurs der durchaus zu nennenswerten Erfolgen führte, bspw. einem Gesundheitssystem, fixierten Mieten und Schulbildung für alle. Sadat leitete dann einen Westkurs und Wirschaftliberalisierungen ein die schnell zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen des Durchschnittsägypters führten.
Was ich damit sagen will: es kommt einfach auf die Rahmenbedingungen und die gesellschaftlichen Gegebenheiten an. Man kann nicht einfach sagen: Marktwirtshaft ist der Weg ins Glück und alles andere funktioniert nicht. Wenn ich ein starkes Bürgertum habe wie in Deutschland das über Bildung, Eigeninitiative und die nötigen finaziellen Polster verfügt oder weiß wie es sie sich verschaffen kann, dann funktioniert Marktwirtschaft. Wenn ich aber ein rückständiges Dritt Welt Land habe wo der Normalbürger von 3-5 Dollar pro Tag lebt, dann brauch ich nicht davon auszugehen dass da eine Marktwirtschaft zu Massenwohlstand führen wird. Schon gar nicht wenn sämtliche entsprechende Traditionen fehlen.
Und letztendlich war die Sowjetunion eine Supermacht die Deutschland im Krieg besiegt hat, die Menschen zum Mond geschossen hat…
Letztendlich muss man halt flexibel sein. Weder das eine noch das andere ist die Lösung.
Sonntag, 27. August 2006 23:55
Benedikt: @ Parzifal
Ursache vielleicht nicht. Aber die Revolution war 1917. Beinahe 30 Jahre hat sie also nicht vermocht, die Verhältnisse zu verbessern.
Sonntag, 27. August 2006 23:38
Parzifal: @ Benedikt
Dieser Schluss ist mir nicht klar. Weil es zu Sowjetzeiten schlecht war, muss es im Zarenreich nicht gut
gewesen sein.
Der Unterschied zwischen dem Wohlstand in Russland und Deutschland beruhte erstmal darauf dass Deutschland bereits ein entwickeltes Industrieland war, während Russland (zum Bsp. bemerkt von Peter dem Großen) seit etlichen Jahrhunderten hinter her hinkte. Russland war also ein Agrarland mit einer Feudalgesellschaft. Dann stellte sich die Frage:„Wie schaffen wir es aus einem Agrarland ein Industrieland zu machen?“. Zur damaligen Zeit wurde diese Frage eben beantwortet mit:„Durch Planwirtschaft!“. In den meisten anderen unterentwickelten Ländern (arabische Länder, China…) wurde diese Frage ähnlich beantwortet. Die Planwirtschaft bot sich deshalb an, weil man für eine Marktwirtschaft damit sie funktionieren kann gewisse Voraussetzungen benötigt (Rechtsstaat, starkes Bürgertum mit Eigeninitiative usw.), diese Voraussetzungen waren in den meisten Ländern (Agrargesellschaft, Feudalismus) nicht gegeben. Die Planwirtschaft war also nicht Ursache der russischen Rückständigkeit.
Prof. Erhard vermutlich auch nicht.
Man hatte auch Angst vor einer Revolution und dem Einfluss der Sowjets. Deswgen legte man Wert auf gute Sozialversicherungen.
aus welchen Elementen die Eliten des Nachkriegsdeutschland häufig bestanden.
Es gab schon immer eine starke liberale Strömung in D. Bismarck hat sie ins Abseits gedrängt, nach dem Krieg konnte sie sich wieder voll entfalten.
Der Unterschied zwischen dem Wohlstand in Russland und Deutschland beruhte erstmal darauf dass Deutschland bereits ein entwickeltes Industrieland war, während Russland (zum Bsp. bemerkt von Peter dem Großen) seit etlichen Jahrhunderten hinter her hinkte. Russland war also ein Agrarland mit einer Feudalgesellschaft. Dann stellte sich die Frage:„Wie schaffen wir es aus einem Agrarland ein Industrieland zu machen?“. Zur damaligen Zeit wurde diese Frage eben beantwortet mit:„Durch Planwirtschaft!“. In den meisten anderen unterentwickelten Ländern (arabische Länder, China…) wurde diese Frage ähnlich beantwortet. Die Planwirtschaft bot sich deshalb an, weil man für eine Marktwirtschaft damit sie funktionieren kann gewisse Voraussetzungen benötigt (Rechtsstaat, starkes Bürgertum mit Eigeninitiative usw.), diese Voraussetzungen waren in den meisten Ländern (Agrargesellschaft, Feudalismus) nicht gegeben. Die Planwirtschaft war also nicht Ursache der russischen Rückständigkeit.
Prof. Erhard vermutlich auch nicht.
Man hatte auch Angst vor einer Revolution und dem Einfluss der Sowjets. Deswgen legte man Wert auf gute Sozialversicherungen.
aus welchen Elementen die Eliten des Nachkriegsdeutschland häufig bestanden.
Es gab schon immer eine starke liberale Strömung in D. Bismarck hat sie ins Abseits gedrängt, nach dem Krieg konnte sie sich wieder voll entfalten.
Sonntag, 27. August 2006 16:45
Benedikt: @ Parzifal
Das hieße ja im Umkehrschluss dass zur Zeit des Zaren und seit der Wende in Russland das Schlaraffenland
geherrscht hat bzw. herrscht.
Dieser Schluss ist mir nicht klar. Weil es zu Sowjetzeiten schlecht war, muss es im Zarenreich nicht gut gewesen sein.
ich bin auch niemand der an den Neoliberalismus als Allheilmittel glaubt.
Ich auch nicht. Prof. Erhard vermutlich auch nicht.
Diese Kräfte waren nach 45 weg, stattdessen gab es Eliten die Demokratie befürworteten.
Sie wissen doch genauso gut wie ich, aus welchen Elementen die Eliten des Nachkriegsdeutschland häufig bestanden.
Dieser Schluss ist mir nicht klar. Weil es zu Sowjetzeiten schlecht war, muss es im Zarenreich nicht gut gewesen sein.
ich bin auch niemand der an den Neoliberalismus als Allheilmittel glaubt.
Ich auch nicht. Prof. Erhard vermutlich auch nicht.
Diese Kräfte waren nach 45 weg, stattdessen gab es Eliten die Demokratie befürworteten.
Sie wissen doch genauso gut wie ich, aus welchen Elementen die Eliten des Nachkriegsdeutschland häufig bestanden.
Sonntag, 27. August 2006 15:43
Parzifal: @ Benedikt
Also Änderungen des Grundsatzprogramms gibt es in allen Parteien zu allen Zeiten. Soweit ich informiert
bin stand im Grundsatzprogramm der Union auch mal Forderungen nach Verstaatlichung oder eine Form des
Sozialismus.
Zu meinen dass die Russen nur deshalb verhältnismäßig schlechter gelebt haben als die Deutschen weil sie zufällig die Planwirtschaft hatten, ist doch etwas eindimensional gedacht. Das hieße ja im Umkehrschluss dass zur Zeit des Zaren und seit der Wende in Russland das Schlaraffenland geherrscht hat bzw. herrscht.
Wenn Sie mal Ägypten betrachten so hat das einfache Volk zu Nassers Zeiten wesentlich besser gelebt als nach den marktwirtschaftlichen Reformen Sadats.
Sie reden hier nur etwas naiv die neoliberale Propaganda der Weltbank nach derzufolge man nur wirtschatsliberale Reformen durchführen muss um das Paradies auf Erden zu errichten. Die meisten Entwicklungsländer die es so halten erleben aber auch massive Nebenwirkungen. Gerade die einfache Bevölkerung!
Ich bin kein Kommunist, aber ich bin auch niemand der an den Neoliberalismus als Allheilmittel glaubt.
Ihre Meinung dass die Demokratie nach 45 nur funktionierte weil die Wirtschaft geboomt hat kann ich auch nicht ganz teilen. Es gab nach Bismarck und 1918 starke reaktionäre und erzkonservative Kräfte in Dtl., die sich in Tradition des Kaiserreichs sahen und deshalb Demokratie prinipiell abgelehnt haben. Diese Kräfte waren nach 45 weg, stattdessen gab es Eliten die Demokratie befürworteten.
Zu meinen dass die Russen nur deshalb verhältnismäßig schlechter gelebt haben als die Deutschen weil sie zufällig die Planwirtschaft hatten, ist doch etwas eindimensional gedacht. Das hieße ja im Umkehrschluss dass zur Zeit des Zaren und seit der Wende in Russland das Schlaraffenland geherrscht hat bzw. herrscht.
Wenn Sie mal Ägypten betrachten so hat das einfache Volk zu Nassers Zeiten wesentlich besser gelebt als nach den marktwirtschaftlichen Reformen Sadats.
Sie reden hier nur etwas naiv die neoliberale Propaganda der Weltbank nach derzufolge man nur wirtschatsliberale Reformen durchführen muss um das Paradies auf Erden zu errichten. Die meisten Entwicklungsländer die es so halten erleben aber auch massive Nebenwirkungen. Gerade die einfache Bevölkerung!
Ich bin kein Kommunist, aber ich bin auch niemand der an den Neoliberalismus als Allheilmittel glaubt.
Ihre Meinung dass die Demokratie nach 45 nur funktionierte weil die Wirtschaft geboomt hat kann ich auch nicht ganz teilen. Es gab nach Bismarck und 1918 starke reaktionäre und erzkonservative Kräfte in Dtl., die sich in Tradition des Kaiserreichs sahen und deshalb Demokratie prinipiell abgelehnt haben. Diese Kräfte waren nach 45 weg, stattdessen gab es Eliten die Demokratie befürworteten.
Sonntag, 27. August 2006 13:01
Benedikt: @ Parzifal
Was wollen Sie denn? Die SPD hat doch in Godesberg 1959 selbst eingesehen, dass mit ihrem Programm kein
Staat zu machen gewesen ist. Eine Fähigkeit zur Selbstreflektion, die den heutigen Parteien wohl fehlt
(?).
Ich behaupte: Die Deutschen wurden nur Demokraten, weil sie nach 1949 erlebten, dass eine Demokratie funktionieren kann. Woraus leiteten sie das ab? Aus dem Wirtschaftwunder, dem Nachkriegsaufschwung. Das alles hätte es mit Planwirtschaft wohl kaum gegeben. Die Deutschen wären schnell wieder in Sehnsüchte nach dem starken Mann verfallen (auch die Befürchtung Adenauers). Denn die Deutschen lebten selbst im soundsovielten Kriegsjahr immer noch besser als die Russen in Friedenszeiten. Das berichten jedenfalls die Rotarmisten, die sich die pommer’schen und schlesischen Höfe 1945 mal „genau angesehen“ (um mal in einen Euphemismus zu fallen) haben.
Denken Sie mal drüber nach!
Ich behaupte: Die Deutschen wurden nur Demokraten, weil sie nach 1949 erlebten, dass eine Demokratie funktionieren kann. Woraus leiteten sie das ab? Aus dem Wirtschaftwunder, dem Nachkriegsaufschwung. Das alles hätte es mit Planwirtschaft wohl kaum gegeben. Die Deutschen wären schnell wieder in Sehnsüchte nach dem starken Mann verfallen (auch die Befürchtung Adenauers). Denn die Deutschen lebten selbst im soundsovielten Kriegsjahr immer noch besser als die Russen in Friedenszeiten. Das berichten jedenfalls die Rotarmisten, die sich die pommer’schen und schlesischen Höfe 1945 mal „genau angesehen“ (um mal in einen Euphemismus zu fallen) haben.
Denken Sie mal drüber nach!
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