14:38:26 | Samstag, 19. August 2006
Die Hisbollah wurde nicht zerstört. Ihre Kämpfer haben sich in der Schlacht bewährt. Ja, sie haben sogar Komplimente israelischer Soldaten eingeheimst. Von Uri Avnery.
(kreuz.net) 33 Tage Krieg. Der längste unserer Kriege seit 1949. Auf der israelischen Seite 154 Tote –
117 von ihnen Soldaten.
3970 Raketen wurden gegen uns abgefeuert, 37 tote und mehr als 422 verwundete
Zivilisten.
Auf der libanesischen Seite ungefähr tausend tote Zivilisten – Tausende Verwundete. Eine
unbekannte Zahl toter und verwundeter Hisbollahkämpfer.
Mehr als eine Million Flüchtlinge auf beiden
Seiten. Eine unbeschreibliche Verwüstung und Zerstörung im Libanon.
Was ist zu diesem horrenden Preis
erreicht worden?
„Traurig, bescheiden, deprimiert“, so beschrieb der Journalist Joseph Werter den israelischen
Ministerpräsidenten Ehud Olmert ein paar Stunden, nachdem die Feuerpause in Kraft getreten war.
Olmert
bescheiden? Ist das derselbe Olmert, den wir kennen? Derselbe Olmert, der auf den Tisch schlug und schrie:
„Nie mehr!“ Der sagte: „Nach dem Krieg wird die Situation vollkommen anders aussehen als zuvor!“ Der einen
„‘Neuen Nahen Osten’? als Folge des Krieges versprach?“
Die Resultate des Krieges sind deutlich:
• Die
Gefangenen, die als Casus belli – oder als Vorwand – dienten, sind noch nicht frei gelassen worden. Sie
werden als Folge eines Gefangenenaustauschs zurückkommen, genau wie Hassan Nasrallah es vor dem Krieg
vorgeschlagen hat.
Ein Kriegsheld
Der Anführer der Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, ist gesund und
munter. Sein Prestige wuchs in den Himmel. In der arabischen Welt – von Marokko bis zum Irak – werden
ihm zu Ehren Lieder komponiert.
• Die Hisbollah ist geblieben, was sie war. Sie wurde nicht zerstört,
nicht entwaffnet. Sie wurde auch nicht von dort vertrieben, wo sie war. Ihre Kämpfer haben sich in der
Schlacht bewährt. Ja, sie haben sogar Komplimente israelischer Soldaten eingeheimst. Ihre Kommando- und
Kommunikationsstruktur funktionierte bis ans Ende. Ihre TV-Station sendete weiter.
• Der Anführer
der Hisbollah, Scheich Hassan Nasrallah, ist gesund und munter. Hartnäckige Versuche, ihn zu töten,
mißlangen. Sein Prestige wuchs himmelhoch. In der ganzen arabischen Welt – von Marokko bis zum Irak –
werden ihm zu Ehren Lieder komponiert. Sein Foto schmückt die Wände.
• Die libanesische Armee wird
entlang der Grenze aufgestellt werden, Seite an Seite mit einer großen internationalen Truppe. Das ist
die einzige materielle Veränderung, die erreicht wurde.
Das wird die Hisbollah nicht ersetzen. Sie wird
in der Gegend bleiben, in jedem Dorf und in jeder Stadt.
Es ist der israelischen Armee nicht gelungen,
die Hisbollah auch nur von einem einzigen Dorf zu entfernen. Das war einfach unmöglich, ohne die ganze
Bevölkerung zu vertreiben, von der sie ein Teil ist.
Die libanesische Armee und die internationalen
Kräfte können und wollen sich nicht mit dieser Miliz anlegen.
Ihre Präsenz hängt vom Einverständnis
der Hisbollah ab.
Es wird praktisch eine Art Koexistenz der drei Kräfte entstehen, von denen jede weiß,
daß sie mit den beiden andern klar kommen muß.
Vielleicht ist es der internationalen Truppe möglich,
die Hisbollah an Überfällen zu hindern, wie dem Überfall, der dem Krieg vorausging.
Sie wird aber
auch israelische Aktionen verhindern, wie die Aufklärungsflüge unserer Luftwaffe über dem Libanon.
Das war der Grund, weshalb die israelische Armee zu Beginn des Krieges so strikt gegen die Aufstellung
einer internationalen Truppe war.
Uri Avnery (83) wurde im nordrhein-westfälischen Beckum als Helmut
Ostermann geboren. Er ist ein israelischer Publizist und Friedensaktivist und veröffentlicht auf seiner
Webseite regelmäßig Stellungnahmen zum Konflikt im Nahen Osten.
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SuZy 14:33:23 | Dienstag, 22. August 2006
#11
matt 23:25:30 | Sonntag, 20. August 2006
#9
Guldin 21:44:03 | Sonntag, 20. August 2006
#8
matt 21:32:50 | Sonntag, 20. August 2006
#5
FritzG 19:45:13 | Samstag, 19. August 2006
#2
matt 15:50:24 | Samstag, 19. August 2006
#1
Gerhard 15:28:50 | Samstag, 19. August 2006