Heiliges Land
Vom Wahn zur Depression
In Israel herrscht eine allgemeine Atmosphäre der Enttäuschung und Mutlosigkeit. Von Uri Avnery
(kreuz.net) Von der Manie zur Depression.

Es sind nicht nur die Politiker und Generäle, die jetzt Anklagen auf einander abfeuern – wie wir vorausgesehen haben.

Auch die normale Öffentlichkeit äußert sich aus den verschiedensten Ecken mit Kritik.

Die Soldaten kritisieren die Kriegsführung. Die Reservesoldaten klagen über das Chaos und das Fehlen von Vorräten.

In allen Parteien gibt es neue Oppositionsgruppen und drohende Absplitterungen: bei Kadima, in der Arbeiterpartei. Auch bei der Linkspartei Meretz brodelt es, weil die meisten ihrer Vertreter den Kriegsdrachen fast bis am Schluß unterstützt hatten, um seinen Schwanz im letzten Augenblick zu fangen und mit ihrer kleinen Lanze zu durchbohren.

An der Spitze des Kritikermarsches – welch Überraschung! – stehen die Medien: die ganze Horde der Interviewer und Kommentatoren, Korrespondenten und „Presstituierten“.

Sie waren – mit sehr wenigen Ausnahmen – vom Krieg begeistert, haben getäuscht, in die Irre geführt, verfälscht, ignoriert, hinters Licht geführt, fürs Vaterland gelogen, jede Kritik erstickt und jeden als Verräter gebrandmarkt, der gegen den Krieg war.

Sie laufen nun an der Spitze des Lynchmobs. Wie vorauszusehen!

Die gegenwärtige Phase wird vom israelischen Generalstabschef Dan Halutz symbolisiert.

Gestern erst war er der Held der Massen. Es war verboten, nur ein Wort gegen ihn zu äußern.
Schlauer General
Einen Augenblick bevor er seine Soldaten in die Schlacht sandte, fand der israelische Generalstabschef noch Zeit, seine Aktien zu verkaufen, da er ein Fallen des Aktienmarktes erwartete.


Heute wird er als Kriegsgewinner präsentiert.

Einen Augenblick bevor er seine Soldaten in die Schlacht sandte, fand er noch Zeit, seine Aktien zu verkaufen, da er ein Fallen des Aktienmarktes erwartete.

(Hoffentlich hat er einen Augenblick vor Kriegsende Zeit gefunden, die Aktien wieder zurückzukaufen).

Der Sieg hat – wie allgemein bekannt – mehrere Väter. Der Fehlschlag ist ein Waisenkind.

Aus der Menge der Anklagen und Beschuldigungen ragt ein Slogan hervor, der jedem, der ein gutes Gedächtnis besitzt, einen Schauer über den Rücken laufen läßt: „Die Politiker ließen die Armee nicht gewinnen.“

Es ist genau so, wie ich vor zwei Wochen schrieb. Vor uns ersteht die alte Legende: „Sie stießen der Armee einen Dolch in den Rücken.“

Das hört sich so an: Zwei Tage vor dem Ende des Libanonkrieges begann die Landoffensive anzulaufen. Dank unserer tapferen Soldaten – Männer der Reserve – war sie ein Riesenerfolg. Doch als wir gerade dabei waren, einen großen Sieg zu erlangen, trat die Feuerpause in Kraft.

Davon ist kein einziges Wort wahr.

Diese geplante und seit Jahren von der Armee trainierte Operation wurde deshalb nicht eher ausgeführt, weil es klar war, daß sie keine nennenswerten Ziele erreichen, sondern nur Menschenleben kosten würde.

Die Armee würde tatsächlich große Gebiete erobern können, aber nicht in der Lage sein, die Hisbollahkämpfer aus diesen zu verdrängen.

Die grenznahe Stadt Bint Dschbeil zum Beispiel wurde dreimal von der Armee eingenommen. Doch die Hisbollahkämpfer blieben bis zum Schluß dort.

Wenn wir zwanzig Städte und Dörfer wie Bint Dschbeil eingenommen hätten, wären die Soldaten und Panzer an zwanzig Orten den tödlichen Angriffen der Guerillas mit ihren hoch effizienten Panzerfäusten ausgesetzt gewesen.

Uri Avnery (83) wurde im nordrhein-westfälischen Beckum als Helmut Ostermann geboren. Er ist ein israelischer Publizist und Friedensaktivist und veröffentlicht auf seiner Webseite regelmäßig Stellungnahmen zum Konflikt im Nahen Osten.
      
6 Lesermeinungen
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#6   matt   12:29:06 | Dienstag, 22. August 2006
@Artois
gottwidrig sind doch bitte schön auch die europäischen Staatsgebilde. Oder wie erklären Sie es Sich sonst, dass es hier Abtreibung, Homoehe, sog. Religionsfreiheit, Multikulti-Götzen, Materialismus etc… gibt. Schauen Sie Sich doch die Staaten an. Gottlosigkeit regiert überall. In diesem Sinn: wenn man jetzt diesem Judenstaat Israel sein Existenzrecht aufgrund „Gotteswidrigkeit“ abspricht, dann hätte heute gleich garkein Staat mehr ein Recht auf Existenz, ausser vielleicht dem Vatikan, wenn der nicht wiederum von der V2-Sekte okkupiert wäre.
Ich sagte es ja bereits: die heutige Welt ist ein einziges Chaos.
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#5   Artois †   16:33:17 | Montag, 21. August 2006
@Matt
Zweifellos kann auch ein Angriffskrieg ein gerechter Krieg sein. Allerdings doch nur unter bestimmten Bedingungen. Bedingungen, wie sie z.B. 1941 herrschten, als Deutschland zu Recht in Stalins Aufmarsch hineinstieß. Besonders segensreich war diese Entscheidung allerdings trotzdem nicht, sie war zwar „gerechtfertigt“ aber dumm, – sehr dumm sogar.
Der heutige Pseudostaat „Israel“ hat zweifellos überhaupt kein Recht Waffen zu tragen und Krieg zu führen, da er gottwidrig ist.
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#4   möchtegern-kathole   21:33:05 | Sonntag, 20. August 2006
solange …
… sie Gott nicht anerkennen, gilt ihr spruch: „sein Blut komme über uns“. Es kam reichlich …
Nein ich wünsche ihnen nicht „Blut“, aber ihre Geisteshaltung ist doch der Grund dafür.
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#3   matt   17:09:13 | Sonntag, 20. August 2006
ja ich weiß…gut gesagt
ich wollte auch garnicht diese ideologische Verbindung herstellen zwischen dem damaligen und dem heutigen Israel. Das war jetzt etwas schlecht formuliert. Meine Ansichten zu den Juden habe ich ja bereits klar gemacht.
Ich wollte damit eigentlich generell sagen: nicht jeder Krieg ist ungerecht, auch wenn es sich nicht bloß um einen Verteidigungskrieg handelt, wie es im „alten Israel“ ja keineswegs der Fall war. Und obwohl – wie Sie richtig feststellten – das „heutige Israel“ nicht das ist, wofür es sich hält, so halte ich es dennoch für gerechtfertigt, dass es sich in dieser Weise wehrt gegen die Überfälle der Araber.
Oder was soll es sonst tun? Es sich gefallen lassen, weiterverhandeln, oder wie die Araber fordern, sich ausradieren lassen. Ich weiß ja nicht, was Gott nun bezweckt mit diesem Judenstaat, der sich Israel nennt, aber ich denke mir nicht, dass ihm die Moslems etwa lieber sind. Also verstehe ich nicht wieso kreuz.net so penetrant für die Araber Partei ergreift, also ob es sie aufgeilte, wenn die Moslems den Juden eine reinhaun und über sie siegreich sind.
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#2   Brandenburgis   16:48:25 | Sonntag, 20. August 2006
@matt
Leider ist Israel nicht Israel, da nur die Kirche = Israel ist.
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#1   matt   16:30:44 | Sonntag, 20. August 2006
ja was also soll man machen?
wie soll man mit den Arabern verfahren die einem ständig Raketen ins Land schießen? Soll man dauerhaft in den Bunker ziehen?
Ich weiß nicht was kreuz.net für Lösungsvorschläge bereitstellt. Ich weiß nur, dass Gott damals sein Volk Israel aufgerufen hat in das Land, das von Heiden besetzt war vorzudringen und diese mit Gewalt zu vertreiben. Und solange Israel treu ergeben war trugen sie nur Siege davon, weil Gott mit ihnen war.
Schau kreuz.net. Wenns nach den Israeliten gegangen wäre säßen die heute noch in Ägypten fest als kleine unterdrückte Minderheit. Es waren nicht die Israeliten, die den Auszug wollten, Gott hat sie „rausgehaut“. Oder glaust Du etwa nicht an den Exodus und den Werdegang Israels mit Gott kreuz.net?
Es ist eine ungeheure Widersprüchlichkeit in Deiner Antikriegspropaganda kreuz.net. Gott selbst hat Kriege vom Zaun gebrochen, jaja. Er sagte zu Israel: geh hin und vernichte die Heidenvölker in dem Land, dass ich dir zugedacht habe, so wie es Abraham verheissen war.
Lies doch mal die Geschichte im Alten Testament kreuz.net. Ich befürchte nämlich, das hast Du irgendwie verdrängt.
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