18:04:50 | Mittwoch, 23. August 2006
Die Rock-Musik verwendet den harten Beat und die Trivialität als bewußte Provokation des guten Geschmacks. Er lebt vom Biß. Zieht man dieser Musik – wie in modernen Kirchenliedern – die Zähne, bleibt Kitsch übrig. Von Prof. Dr. h.c. Josef Friedrich Doppelbauer.
(kreuz.net/
Sisa) Man kann, grob gesehen, zwei Hauptrichtungen und eine dritte Nebenrichtung der Popularmusik
unterscheiden:
a) Die kulturellen Ziele werden mit Stil, Sex und Subversion definiert (Macolm McLuhan).
Man strebt einen exzessiven Lebensstil an, der von „Zwängen“ der Gesellschaft, auch des Christentums,
befreien soll und daher weitgehende Emanzipation von überlieferten Werten propagiert.
Die Bandbreite
reicht von berechtigtem Protest bis zur bewußten Destruktion.
Früher war
in den besten Zeiten der Kirche
die Kirchenmusik als geisterfüllte Seelensprache der integrierende Faktor. Heute wird sie einerseits
auf einfachste Formen reduziert, andererseits auf triviale Halbkunst.
Die Rolling-Stones verkündeten
beim Open-Air-Festival in Altamont (Californien) ihre „Sympathy with the devil“. Es gab Gewalttätigkeiten
mit tödlichem Ausgang.
Die Hard-Rocker „Black Sabbath“ werden bei ihren „schwarzen Messen“ von Gewalt
begleitet, ebenso die Veranstaltungen anderer „Heavy-Metal-Gruppen“.
b) Es wird eine Bewußtseinsintensivierung
durch emotionale Steigerung und meditative Praktiken östlicher Herkunft angestrebt und als bewegende
Kraft „Neue Religiosität“ angegeben.
Diese „Neue Religiosität“ soll eine Überreligion sein, die sich
passender Elemente aus allen Weltreligionen bedient.
Die Tageszeitung ‘Salzburger Nachrichten’ vom 20.
August 1983 definierten sie als „Jesus-Rock und inneres Licht“. Es wimmelt da von Gurus.
Man braucht
zur Information nur das Buch von J.E. Behrendt „Ein Fenster aus Jazz“ zu lesen.
c) Eine Nebengruppe ist
der von christlichen Charismatikern gemachte Versuch, eine kirchen-christliche Popularmusik zu entwickeln.
Man verwechselt aber Gefühl mit Gefühlsseligkeit.
Die indirekte Vertreibung
der Kirchenmusik als hoher
Kunst der Ganzheit wird sich noch bitter rächen.
Diese Musik ist überwiegend sentimental und alles
eher als rhythmisch. Sie drapiert sich nur mit den üblichen Pop- und Rockinventar, ohne sie strukturell
integrieren zu können.
Der harte Rock verwendet den harten Beat und die Trivialität als bewußte Provokation
des guten Geschmacks. Er lebt vom „Biß“; zieht man dieser Musik die Zähne, bleibt Kitsch übrig.
Die
Charismatiker verstehen sich als Ergänzung einer einseitig auf Verstand und Willen ausgerichteten Religionsübung
und wollen das Gefühl als religiöses Erleben einbeziehen. Sie spüren die Dürre eines bloß belehrenden
Gottesdienstes, greifen aber meist zu vordergründigen, zu untauglichen Mitteln, was die Musik betrifft.
Dieses Nebeneinander, einerseits Appell an den Verstand (Wille), andererseits Appell an das Gefühl (Erlebnis),
zeigt die wunde Stelle der Liturgiereform.
Früher war in den besten Zeiten der Kirche die Kirchenmusik
als geisterfüllte Seelensprache der integrierende Faktor. Heute wird sie einerseits auf einfachste Formen
reduziert, andererseits auf triviale Halbkunst.
Diese indirekte Vertreibung der Kirchenmusik als hoher
Kunst der Ganzheit wird sich noch bitter rächen. Dieser Wertrelativismus ist schlechtes Erbe der Aufklärung.
Ich
halte es
für Blindheit und Irreführung, alles was existiert, als Gottes Schöpfung auszugeben, und so
zu tun, als ob der Mensch nicht schon längst neben Gottes Schöpfung eine zweite, menschliche Schöpfung
errichtet hätte.
Ich halte es für Blindheit und Irreführung, alles was existiert, als Gottes Schöpfung
auszugeben, und so zu tun, als ob der Mensch nicht schon längst neben Gottes Schöpfung eine zweite,
menschliche Schöpfung errichtet hätte, die das Kainszeichen nicht los wird (siehe Umweltzerstörung,
eine selbstherrliche Wissenschaft etc.).
Jeder Getaufte kann wieder in Sünde und Irrtum fallen, daher
ist nicht alles eo ipso gut, was er macht, auch wenn er es „mit Dank“ aufnimmt.
Wozu hat Paulus gesagt
„prüfet alles“?
Thesen wie „für den Christen gibt es in der Schöpfung keine Tabuzone“ sind nur der
Versuch, die Spreu zum Weizen zu erklären.
Der Verfasser (*1918) war Kompositionsprofessor sowie Prorector
des Salzburger Konservatoriums ‘Mozarteum’. Er verstarb am 13. Januar 1989. Dieser Beitrag entstammt dem
bisher unveröffentlichten Nachlaß.Nächstes Mal: Die Kirche hat auf vielen Gebieten der Kultur Kompetenzen
eingebüßt
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Frasim 20:54:33 | Dienstag, 29. August 2006
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Guldin 20:13:56 | Dienstag, 29. August 2006
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Frasim 19:12:59 | Dienstag, 29. August 2006
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Frasim 19:36:16 | Donnerstag, 24. August 2006
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Frasim 14:21:32 | Donnerstag, 24. August 2006
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Frasim 00:15:41 | Donnerstag, 24. August 2006
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Sirilo 22:17:44 | Mittwoch, 23. August 2006
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Guldin 19:28:08 | Mittwoch, 23. August 2006