Seit fast siebzig Jahren betreuen die Augustiner den durch ein Blutwunder bekanntgewordenen deutschen Wallfahrtsort Walldürn. Doch nun können sie nicht mehr.
(kreuz.net, Walldürn) Ab 1. August 2007 wird die Pfarr- und Wallfahrtsseelsorge im Wallfahrtsort Walldürn
von Franziskaner- Minoriten aus Polen und Deutschland übernommen.
Das berichtete das Erzbistum Freiburg
Mitte August auf seiner Homepage.
Der Wallfahrtsort befindet sich achzig Kilometer südöstlich von Frankfurt
am Main im Odenwald.
Die Bettelbrüder treten in die Fußstapfen der Augustiner, die den Wallfahrtsort
seit 1938 betreuen. Die Augustiner werden Walldürn Ende Juli 2007 verlassen. Grund: der fehlende Nachwuchs.
Walldürn ist der drittgrößte Wallfahrtsort Deutschlands. Er entstand 1330 nach einem eucharistischen
Wunder.
Damals stieß der Priester Heinrich Otto bei der Messe versehentlich den bereits konsekrierten
Kelch um. Das vergossene Blut Christi zeichnete auf dem Korporale das Bild des Gekreuzigten und elf einzelne
Häupter Christi mit Dornenkrone.
Das Korporale ist ein gestärktes, rechteckiges Tuch, auf das während
der Messe der Kelch und die Hostie gelegt werden.
Der erschrockene Priester versteckte das Korporale
aus Angst hinter einem Stein im Altarbereich.
50 Jahre später – als er auf dem Sterbebett lag – erleichterte
der Priester sein Gewissen und nannte das Versteck des Tuches. Man fand das Leinentuch, und es begann
schnell eine große Verehrung.
1408 bestätigte der Bischof von Würzburg die entstandene Wallfahrt.
Heute pilgern zur vierwöchigen Hauptwallfahrtszeit – in den Wochen nach dem Dreifaltigkeitsfest – jedes
Jahr etwa 100.000 Gläubige nach Walldürn.
Seit 1938 werden die Wallfahrer von Augustinerpatres betreut.
Doch vor einem Jahr beschlossen sie, die Walldürner Seelsorge – die insgesamt auch vier Pfarreien umfaßt –
abzugeben.
Darauf suchte das Erzbistum Freiburg eine Ordensgemeinschaft, um das Wirken fortsetzen.
Im
Frühjahr 2006 entstanden über die deutsche Ordensprovinz der Franziskaner-Minoriten Kontakte zur Danziger
Minoriten-Provinz.
Die Franziskaner-Minoriten, die auch Franziskaner-Konventualen genannt werden, tragen
einen schwarzen Habit und sind neben den Franziskanern und den Kapuzinern der dritte – kleinste und älteste –
Zweig des ersten Ordens des Heiligen Franziskus.
Ende Mai besuchten die Provinziale der Danziger und
der deutschen Minoriten-Provinz den Wallfahrtsort Walldürn.
Kürzlich erhielt der Freiburger Erzbischof
Robert Zollitsch die schriftliche Zusage der Franziskaner, daß vier Patres – zwei Polen und zwei Deutsche –
ab August 2007 die Seelsorge übernehmen werden.
Email-Adressen der Empfänger
11 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
@ DDL Rüdiger Kellers Aussage, hier würden kirchlicherseits beschönigende Wortschöpfungen vorgenommen…
oder Ihr implizites Eingeständnis, dass die RKK im Prinzip, trotz aller behaupteten Einzigartigkeit und
„Heiligkeit“, letztendlich nicht anders ist als jedes eigennützige, auf Gewinn und Macht fixierte Wirtschaftsunternehmen?
Quatsch, es ging einfach darum, dass Hr. Keller sich hier über den Begriff „Gesundschrumpfen“ mokiert,
und gleichzeitig ausgerechnet die Wirtschaft als leuchtendes Beispiel hinstellt – ein echter Kracher.
Es ist doch überhaupt keine Frage, dass eine gewisse Krise in der Kirche besteht. Jeder große Apparat
neigt zum Aufblähen. Das muss gar nichts schlechtes sein, schauen Sie sich zB die Diakonie der EKD an,
die ist eigentlich aus dem Institut der Gemeindeschwester entstanden. Auch in der katholischen Kirche
gibt es solches. Nur muss man sich halt fragen, ob bei einigen Institutionen, die sich innerhalb der Kirche
etabliert haben überhaupt noch der Glaube als bindendes Element steht, oder ob lediglich die Fassade
katholisch geblieben ist. Ein weitere Ausfluss einer gewissen Krise ist, was man heute mit Gewohnheitschristentum –
Bekenntnischristentum bezeichnet. Sich wieder mehr auf die Inhalte zu konzentrieren, einen aufgeblähten
Apparat zu verkleinern, dass ist es worum es hier geht. Mit Gewinnmaximierung hat das herzlich wenig zu
tun, auch nicht um wirtschaftliche Fragen.
@Benedikt „Sowas liegt demk kaufmännischen Bereich natürlich völlig fern. Lassen Sie sich doch nicht
auslachen.“ Da haben Sie natürlich Recht. Aber sagen Sie ‘mal, was ist jetzt eigentlich entlarvender
und beschämender? Rüdiger Kellers Aussage, hier würden kirchlicherseits beschönigende Wortschöpfungen
vorgenommen… oder Ihr implizites Eingeständnis, dass die RKK im Prinzip, trotz aller behaupteten Einzigartigkeit
und „Heiligkeit“, letztendlich nicht anders ist als jedes eigennützige, auf Gewinn und Macht fixierte
Wirtschaftsunternehmen? Ich stimme Ihnen ja völlig zu. Aber mit diesem Verteidigungseinwand á la „das
machen die in der Wirtschaft doch auch“ haben Sie Ihrer Kirche kein gutes Zeugnis ausgestellt. Die würde
es sich nämlich verbitten, mit irgendwelchen kapitalistisch orientierten Firmen in einem Zug genannt
und verglichen zu werden. Man ist ja schließlich ganz was Besonderes und überhaupt. Dann muss man sich
allerdings auch „ganz besonders“ verhalten. Also was nun?
@ Benedikt, sie haben nicht verstanden worauf ich hinaus will. Kaschierende Fassade. Augenwischerei. Sich
verschließen. Klar – als Notfall-Lösung kaum anders machbar. Doch würde ich als Kirchenmanager mir
andere Lösungen einfallen lassen – müssen. Denn was sich hier langsam, aber sicher und sichtbar abzeichnet,
sind die Auswirkungen eines Trends, den die Kirche bisher irgendwie nicht wahr haben wollte und mit Ausreden
bedachte, wo es nur ging. Wenn man in Kirchenkreisen so argumentiert (Gesund schrumpfen), dann stellt
sich das IMHO dar, wie eine Bankrott-Erklärung. Allerdings mit anderen Auswirkungen, als wie einen Wirtschaftsbetrieb
betreffend. Das Übel an der Wurzel packen – Strukturen verändern – Bewegung in die Sache bringen – dem
Volk den Glauben wieder schmackhaft machen – Priestern ihr Leben nicht mit Verboten und Schranken zumauern …
etc. p.p. Da hilft es nicht, sich auf Traditionen zu berufen und in der Hl. Schrift zu schmökern, was
man noch alles als Entschuldigungen vorbringen könnte. Die Kirche hat versagt – das ist der wunde Punkt.
Und wenn man das mit einem Wirtschaftsunternehmen vergleichen möchte, dann ist das so, als würde man
sagen: „Die müssen so enden, bei dem Schrott, den sie produzieren. Das will keiner kaufen.“ + ?:) +
@ Rüdiger Keller In Kirchenkreisen vernebelt man sich die Sicht auf nackte Tatsachen einfach mit kreativen
Wortschöpfungen. Cool. Sowas liegt demk kaufmännischen Bereich natürlich völlig fern. Lassen Sie sich
doch nicht auslachen. Mitarbeiter freistellen, Mitarbeiter dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen etc
pp. – klingelt das was bei Ihnen? Das Wort gesundschrumpfen kennt auch jeder Vorstandsvorsitzende. Mehr
Euphemismen als auf deren jährlichen Berichten zur Lage des Unternehmens hört man doch nirgendwo.
Reine Definitionssache. . … Gesund schrumpfen … … Gesund löschen … Ah ja – wieder was gelernt.
Im kaufmännischen Bereich würde man sagen: Insolvenz. Der Volksmund spricht von Bankrott. In Kirchenkreisen
vernebelt man sich die Sicht auf nackte Tatsachen einfach mit kreativen Wortschöpfungen. Cool. Das nenne
ich Glauben: Man muß sich nur etwas oft genug vorsagen, mit der Zeit glaubt man den Mist noch selber.
Nun denn, auf ein paar weniger kommt es ja nicht an. Aber trotzdem interessant, dieser Trend. Hier sind
es die Abtrünnigen, die aus der Kirche austreten, dort gähnende Leere im Gotteshaus während der Messen,
anderswo kein Priesternachwuchs, ständiges Rufen nach Reformationen … Kaufleute würden Unternehmensberater
hinzuziehen, die Talfahrt analysieren, um dann Marketing-Strategien zu entwickeln, sprich das Produkt
wieder schmackhaft machen … Stattdessen kreiert man hier neue Begriffe und redet sich alles wieder schön
ins Positive. Zugegeben, auch eine Möglichkeit, zu negieren, zu verdrängen. Hauptsache, der Meßwein
schmeckt – oder wie? Schon mal drüber nachgedacht, daß auch die Einnahmen aus dem Kirchensteueraufkommen
mit diesem Trend sinken? Oh, ich vergaß … die Bettelmönche werden’s schon richten. Interessante Erscheinung
am Rande: Sie stammen aus Polen. Ein Schelm, wer jetzt Böses … *
gesund … schrumpfen ist es nur teilweise. ich glaube eher, dass gott jene klöster auslöscht, die ihm
nicht mehr dienen – also eher ein gesundauslöschen … teils aus mangel an mission und damit berufungen
ein kleiner werden, teils auch ein kleinermachen durch den höchsten, wenn die kirchlichen damen und herren
nicht nur lau, sondern gar antikatholisch werden … der rest ist aber vielleicht wirklich gesünder
Walldürn – ein wichtiger Wallfahrtsort! Ich habe Walldürn schon häufig zur Wallfahrtszeit besucht und
an den Blutandachten teilgenommen. Man darf die Bedeutung dieses Wallfahrtsortes besonders im Hinblick
auf die heilige Wandlung, die Transsubstantation, die Realpräsenz des Leibes und des Blutes Christi unter
den Gestalten von Brot und Wein nicht unterschätzen. Nach der Wandlung bleiben nur noch die Gestalten
von Brot und Wein. Von ihrer Substanz her sind sie nicht mehr Brot und Wein, sondern wirklich und wahrhaftig
Leib und Blut Christi! Dieses kommt besonders durch das Blutwunder in Walldürn zum Ausdruck. Mögen die
neuen franziskanischen Seelsorger immer den Glauben der Pilger an die Realpräsenz des Leibes und des
Blutes Christi, die uns durch dieses Wunder so eindrucksvoll bestätigt wird, fördern und stärken! Heilig
Blut! Heilig Blut! Schütze unser Glaubensgut! Stärke unsern Hoffnungsmut! Mehre unsere Liebesglut! Heilig
Blut! Heilig Blut! Wende Not und tröste Leid! Gib uns Kraft im guten Streit! Und nach allem Kampf der
Zeit schenk uns Himmelsseligkeit! (aus der Walldürner Blutandacht)
@Adrian Sie dürfen dabei nicht übersehen, dass es für viele einfacher ist, aus welchen Gründen auch
immer, in ein strenger geführtes Kloster einzutreten. Daher kann es kaum verwundern dass diese Klöster
immer noch zulauf Haben. Zumal unsere Welt ja immer noch böser wird.
schreibt folgendes: Es ist sicherlich traurig, dass die Orden keinen Nachwuchs mehr haben. Aber Gott ist
derjenige, der zum Ordensleben und zum Priesteramt beruft. Es sliegt in seiner Macht; vielleicht ist es
ein gesund Schrumpfen? Es ist in der Kirche ein interessantes Phänomen zu beobachten, nämlich dass die
strengeren, teils klausurierten Orden einen größeren Zulauf haben, also mehr Berufungen, als „weltoffene“
Orden. Wenn man sich manche Orden genauer ansieht, so verlieren diese doch immer mehr an Glaubwürdigkeit.
Das Profil, das Charisma wird von der Ordensleitung oft derart verwässert, dass die klare Entschlossenheit
zu einem konkreten Leben nicht mehr vordergründig zu seien scheint. Das öffnen zur Welt, zur Jugend
durch gewisse Jugendmessen, durch Tamtam in der heiligen Messe, durch asiatischer Meditationen bringt
dann wohl doch nicht der Durchbruch. Da hilft nur noch beten… Der Herr wird seine Kirche nicht untergehen
lassen, keine Angst! Nicht „Niedergang“ des Katholizismus, sondern ein Prozess des „Gesundschrumpfens“.
#1 ExBochumer † 16:10:58 | Samstag, 26. August 2006
… Niedergang des Katholizismus in allen Gebieten, Bereichen und vor allen Dingen in den Menschen. Weiter
so … Irgendwann wird es keinen Glauben der einfachen Leute mehr geben. Da nutzen auch keine polnische
Missionare in Deutschland mehr. Für die Übernahme diverser Orte des Gebets zeugen auch andere Beispiele
in Deutschland.