14:15:54 | Sonntag, 27. August 2006
Dieser Krieg hat keinen Namen. Sogar nach 1 Monat Kampf und zwei Wochen Waffenstillstand hat sich noch kein naheliegender Name finden lassen. Von Uri Avnery.
(kreuz.net) Die Medien benutzen einen Namen mit chronologischem Charakter: II. Libanon Krieg.
Auf diese
Weise wird der Krieg im Libanon abgetrennt von dem, der parallel dazu im Gazastreifen geführt wird. Der
Krieg gegen die Palästinenser wird nach dem Waffenstillstand im Norden unabgemildert weiter getrieben.
Haben diese Kriege einen gemeinsamen Nenner? Sind sie vielleicht sogar ein und derselbe Krieg? Die Antwort
ist: mit Sicherheit Ja.
Der eigentliche Name dieses Krieges lautet: der Krieg für die Aufrechterhaltung
der Siedlungen.
Der Krieg gegen das palästinensische Volk wird betrieben, um die Siedlungsblöcke zu
halten und weite Teile der Westbank annektieren zu können. Der Krieg im Norden wurde geführt, um die
Siedlungen auf den Golanhöhen halten zu können.
Die Hizbollah ist mit der Unterstützung Syriens –
das zur damaligen Zeit den Libanon beherrschte – herangewachsen.
Der frühere syrische Staatspräsident
Hafez al-Assad sah in der Rückkehr des Golans zu Syrien sein Lebensziel. Schließlich war er es, der
sie im Krieg von 1967 verloren hatte, und dem es 1973 nicht gelungen war, sie zurückzuerobern.
Er wagte
nicht einen weiteren Krieg an der israelisch-syrischen Grenze zu riskieren, die ja Damaskus so nahe ist.
Daher versorgte er die Hizbollah. Er wollte Israel davon überzeugen, daß es ohne die Rückgabe des Golan
niemals Ruhe haben werde.
Assad Jr. setzt das Erbe seines Vaters in diesem Sinne fort.
Ohne die Kooperation
Syriens, hat der Iran keine Möglichkeit, Waffen an die Hizbollah zu liefern.
Die Lösung liegt auf der
Hand: Wir müssen die Siedler von dort zurückholen, und den Golan an seine rechtmäßigen Besitzer zurückgeben –
egal wie groß der Preis an Wein und Mineralwasser sei.
Der ehemalige israelische Ministerpräsident
Ehud Barak hat dies beinahe getan, aber – wie es seine Gewohnheit ist – in letzter Sekunde die Nerven
verloren.
Die Perspektive der Rechten:
Wir müssen nur die Fehler, die gemacht worden sind, herausfinden
und korrigieren. Dann können wir den nächsten Krieg beginnen und werden siegen.
Es muß laut gesagt
werden: jeder der 154 toten Israeli des zweiten Libanonkrieges starb für die Siedler der Golanhöhen.
Das 155. Todesopfer dieses Krieges ist der „Konvergenzplan“ – der Plan, der den unilateral bestimmten
Rückzug aus Teilen der Westbank vorsah.
Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert wurde vor vier
Monaten (kaum zu glauben! nur vier Monate ist das her!) vor dem Hintergrund des Konvergenzplanes gewählt.
Ganz ähnlich wurde Verteidigungsminister Amir Peretz als Befürworter einer Truppenverkleinerung und
weitreichender sozialer Reformen gewählt.
Noch während des Krieges hat Olmert verkündet, daß er den
Konvergenzplan umsetzen werde. Aber Mitte August mußte er dann zugeben, daß wir den wohl vergessen können.
Die Konvergenz sah vor, 60.000 Siedler zu entfernen, 400.000 andere jedoch in der Westbank – einschließlich
der Jerusalem-Region – zu belassen. Nun wurde auch dieser Plan beerdigt.
Was verbleibt?
Kein Frieden,
keine Verhandlungen, keinerlei Lösung für den mittlerweile historisch zu nennenden Konfikt. Es ist auf
Jahre hin komplett festgefahren, zumindest bis wir das Duo Olmert und Peretz los sind.
In ganz Israel
wird bereits über die „nächste Runde“ geredet, den Krieg, der schlußendlich mit der Hizbollah aufräumt
und sie dafür straft, unsere Ehre beschmutzt zu haben.
Die Gewißheit, daß ein weiterer Krieg kommen
wird, ist dem Anschein nach zu einer Binsenweisheit geworden. Selbst die liberalen Tel Aviver Tageszeitung
‘Ha’aretz’ bezeichnet den nächsten Krieg in ihren Leitartikeln als selbstverständlich.
Was den Süden
angeht, so wird nicht von einer nächsten Runde gesprochen, da die gegenwärtige Runde eine endlose ist.
Um überhaupt irgendeinen Wert zu haben, muß eine Untersuchungskommission die wahren Wurzeln des Krieges
aufdecken und der Öffentlichkeit die historische Wahl, die sich in diesem Krieg so deutlich abgezeichnet
hat, präsentieren: Entweder die Siedlungen und endloser Krieg, oder Rückgabe der besetzten Gebiete und
Frieden.
Andernfalls wird die Untersuchung nur Unterstützung liefern für die Perspektive der Rechten:
Wir müssen nur die Fehler, die gemacht worden sind, herausfinden und korrigieren. Dann können wir den
nächsten Krieg beginnen und werden siegen.
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