Der Münchener Bankdirektor Thaddäus Kühnel ist ein langjähriger Freund von Papst Benedikt XVI. Nun erzählte er, warum er den Beinamen „Kurier des Papstes“ erhalten hat.
(kreuz.net, München) Bankdirektor Kühnel äußerte sich im Gespräch mit dem ‘Zweiten Deutschen Fernsehen’.
Als der frühere Kardinal Ratzinger nach Rom berufen wurde, habe er dem Prälaten versprochen, „all die
bayerischen Dinge nach Rom zu bringen“. Seit 1982 spiele er deswegen für den Heiligen Vater den Postboten –
den Kurier.
Unter den „bayerischen Dingen“, die er nach Rom transportiert, befinden sich Osterkerzen,
Adelholzener Fruchtnektare und Mineralwasser. In der Weihnachtszeit bringt Kühnel auch immer eine Fuhre
Adventkränze und Christbäume in den Vatikan.
„Am meisten mag er die selbstgebackenen Plätzchen der
bayrischen Pfarrhaushälterinnen und aus den Klöstern. Aber auch die Schokolade eines Herstellers aus
Aachen…“, verrät der Münchener Bankdirektor über die süßen Vorlieben des Papstes.
Herr Kühnel
ist nicht nur der Kurier des Papstes, sondern auch sein Chauffeur, wenn er Heimaturlaub in Bayern machte.
Er habe ihn am Flughafen abgeholt und zu seinem Haus nach Pentling gebracht, oder nach Regensburg zu seinem
Bruder.
Oft hat er die ganze Familie im Auto gefahren: „den Kardinal, seinen Bruder Georg und seine Schwester
Maria“.
In besonders guter Erinnerung hat der langjährige Freund des Papstes die Familienurlaube der
Ratzingers in Mallersdorf, Brixen, Linz, Klagenfurt und Bad Hofgastein.
Auf den gemeinsamen Autofahrten
sei gelacht, geredet, gebetet aber auch viel geschwiegen worden, berichtet Bankdirektor Kühnel. Besonders
gerne zitiere Benedikt XVI. Karl Valentin. Dabei müsse der Heilige Vater „immer furchtbar lachen“.
Einmal,
zu Christi Himmelfahrt 2004, sei er als Kardinal nach Deutschland gekommen. Im Auto sagte er: „Ich muß
mir jetzt mal überlegen, was ich gleich sagen werde.“
Die Predigt, die er sich im Kopf überlegt hatte,
habe er vor Tausenden von Leuten gehalten. Auch das Fernsehen sei da gewesen.
Nach der Predigt wurde
Herr Kühnel von Journalisten nach dem Predigtskript gefragt: „Sie konnten einfach nicht glauben, daß
er aus dem Stehgreif gesprochen hatte.“
Jetzt, da der Kardinal zum Papst gewählt worden ist, fährt
Herr Kühnel vier Mal pro Jahr mit dem Auto nach Rom, um ihm die „bayerischen Dinge“ zu bringen.
Außerdem
fliege der Bankdirektor rund alle vier Wochen zu Benedikt XVI., um ihn zu besuchen: „Auch nachdem der
Kardinal zum Papst ernannt worden ist, wollen wir diese Tradition unbedingt aufrecht erhalten.“
Wenn
er in Rom ankomme, habe er freies Geleit, weil die Schweizer Garde seinen Wagen kenne. Bei persönlichen
Besuchen fixiere ein päpstlicher Sekretär einen Termin mit ihm.
Er fahre dann mit dem Aufzug in den
dritten Stock zur Papstwohnung. „Wenn ich bei ihm bin, sagt er immer: »Herr Kühnel, jetzt müssen wir
uns erst mal einratschen.« Wir erzählen ein bißchen, bis uns eine Schwester zum Abendessen ruft. Meistens
bin ich so zweieinhalb Stunden mit ihm zusammen.“
Früher habe er den Papst abgeholt und sei mit ihm
in ein Restaurant gefahren. Dies sei nun aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich.
Vor dem Konklave
hätten die beiden Freunde noch miteinander telefoniert. Damals sagte der Kurienkardinal: „Herr Kühnel,
wir bleiben uns verbunden.“ „So als hätte er etwas geahnt“, kommentiert der Bankdirektor die Aussage.
Als Herr Kühnel die Zeremonie im Fernsehen sah, sei er sehr gerührt gewesen: Einerseits aus Freude,
andererseits aus Sehnsucht: „Ich wußte, daß eine Zeit endgültig zu Ende gegangen war. Joseph Ratzinger
ist jetzt nicht mehr Privatmann, er ist Papst.“
Als er seinen alten Freund zum ersten Mal als neuen Papst
wiedertraf, „war er derselbe wie vorher und doch war alles anders“.
Oft passiere es ihm heute noch, daß
er zum Heiligen Vater sage: »Mei, Herr Kardinal, was meinen Sie denn dazu?« „Und bin dann ganz erschrocken.
Dann lächelt er nur und sagt: »Ach Herr Kühnel, machens sich nichts draus. Das passiert vielen.«“
Was ihm besonders auffalle, seitdem Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI. ist, sei, daß „seine ehemaligen
Feinde jetzt plötzlich Freunde geworden sind, die ihn umgarnen“. Früher sei er wegen seiner konservativen
Linie oft beschimpft worden.
Wer ihn privat kenne, wisse, daß der Papst nie ein harter Mensch war. Er
sei ein gutmütiger und sehr bescheidener Mann und im Umgang mit anderen Leuten sehr liebenswürdig.
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