Der Dominikanerpater und Gründer der neokonservativen Gemeinschaft des Heiligen Johannes, Pater Marie-Dominique Philippe, ist am Samstag 93jährig verstorben.
(kreuz.net) Pater Philippe konnte seit einem Schlaganfall vor einigen Wochen nicht mehr sprechen.
Er
starb umgeben von vielen Mitgliedern seines Ordens.
Das Requiem wird der Erzbischof von Lyon, Philippe
Kardinal Barbarin, am 2. September lesen.
Papst Benedikt XVI. bedankte sich in einem Kondolenzschreiben
für die Ganzhingabe des Dominikaners an den Herrn und an seine Brüder – verwurzelt in der Betrachtung
des Wortes Gottes und in der leidenschaftlichen Suche der Wahrheit.
Pater Philippe erblickte am 8. September
1912 als achtes von zwölf Kindern das Licht der Welt.
Auf Anregung seines Onkels, Pater Thomas Dehau
OP, trat er 1930 in den Dominikanerorden ein. Am 14. Juli 1936 empfing er die Priesterweihe.
Ab 1939
lehrte er am Ausbildungshaus der Dominikaner in Saulchoir d’Etoilles bei Paris Philosophie und Theologie.
Acht Jahre später begann er, in Freiburg in der Schweiz antike Philosophie und Metaphysik zu unterrichten.
Pater Philippe gliederte seine Lehre in die drei Weisheiten – die philosophische, die theologische und
die mystische. Er ermutigte jeden, immerfort nach diesen Wahrheiten zu suchen.
Entgegen dem Zeitgeist
suchte er nach den Originalquellen und studierte besonders Aristoteles († 322 v. Chr.) und Thomas von
Aquin († 1274).
1963 lud ihn die umstrittene französische Mystikerin Marthe Robin († 1981) ein, Exerzitien
und Einkehrtage in den von ihr gegründeten „Foyers de Charité“ zu predigen. Pater Philippe hielt fast
17 Jahre lang die Exerzitien für Priester im Mutterhaus der Foyers.
1975 baten fünf Studenten den Dominikaner,
ihren Weg zum Priestertum geistlich zu begleiten. Da im Dominikanerorden in diesem Jahr kein Noviziat
begonnen wurde, kümmerte er sich selber um die Ausbildung der Berufenen.
Von Marthe Robin ermutigt,
gründete der große Marienverehrer die Gemeinschaft des Heiligen Johannes. Das offizielle Gründungsdatum
ist das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens 1975.
Die junge Gemeinschaft blühte und wuchs rasch.
Schließlich übersiedelte sie in die ostfranzösische Ortschaft Rimont. Dort befindet sich heute ein
Ausbildungshaus für Theologie.
In Saint Jodard bei Lyon entstand in einer ehemaligen, heruntergekommenen
Jugendvollzugsanstalt das Noviziat mit dem Ausbildungshaus für Philosophie.
Pater Philippe stellte dort
am Beginn der Renovierungsarbeiten eine schöne Muttergottesstatue auf – damit sich das Auge wenigstens
irgendwo ausruhen könne.
Der Dominikaner unterrichtete noch bis 1982 in Freiburg. Bis zuletzt lehrte
er an den Ausbildungshäusern der neodominikanischen Gemeinschaft Philosophie und Theologie.
1986 errichtete
der Bischof von Autun, Mons. Armand Bourgeois († 2005) die Gemeinschaft als Kongregation diözesanen Rechts.
Am 8. Dezember desselben Jahres gründete Pater Philippe mit seiner früheren Sekretärin eine kontemplative
Schwesterngemeinschaft. Die kirchliche Anerkennung erfolgte am 25. Januar 1987.
Einige Jahre später
gründeten einige Schwestern einen zweiten apostolischen Schwesternzweig.
Pater Philipp war bis 2001
der erste Generalobere der Brüdergemeinschaft, blieb jedoch Zeit seines Lebens Dominikaner. Er wollte –
in einer Zeit, da viele ihren Orden verlassen – seiner Berufung treu bleiben.
Die Gemeinschaft des Heiligen
Johannes zählt heute mehr als 500 Brüder. Sie werden in Frankreich wegen ihres grauen Habits auch als
„kleine Graue“ – souris grises – bezeichnet.
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11 Lesermeinungen
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Risiko und Mut Nein, EB Lefebvre hat mit seinen Weihen Risikobereitschaft und Mut bewiesen, um den kirchlichen
Notstand zu begegnen. Immerhin ist Kardinal Castrillon Hoyos nicht der Meinung, dass die FSSPX schismatisch
sei. Die Gemeinschaft des Hl. Johannes beschäftigt sich mit hoher Theologie und tiefschürfender Philosophie.
Sehr gut. Auch das braucht die Kirche. Den Begriff „Funktion“ habe ich bewusst gewählt, weil ich den
Begriff „Berufung“ eher einer Person zuordne.
Schiff Petri Nach Don Bosco soll das Schiff Petri doch erst zur Ruhe kommen wenn es sich zwischen die
Säulen der Eucharistie und der unbefleckten Jungfrau Maria festgemacht hat. Für mich ist dieser prophetische
Traum des hl. Don Bosco vom hl. Geist und das Schiff Petri braucht noch eine gehörige Kurskorrektur.
Für mich ist das Geschwader Lefèvre noch nicht über Bord gegangen sondern versieht dort noch seinen
Dienst, wie viele andere auch.
#9 stat crux 12:33:28 | Donnerstag, 31. August 2006
Mit der Behauptung, diew SSPX habe eine Funktion, die „erst später“ gewürdigt werden könne, begeben
Sie sich, Evelin, auf extrem subjektives Glatteis. Da kann ja jeder kommen! „Meine Funktion werden spätere
Generationen zu würdigen wissen.“ Katholisches Lebensprinzip ist aber, im Zweifel dem rechtmäßigen
Amt nachzugeben, hier und jetzt. Anders geht’s nicht. Spätere Zeiten würdigen dann, ob der Ritenstreit
richtig entschieden wurde, das Jesuitenverbot zweckdienlich war oder auch die Liturgiereform zu früh
oder zu spät kam. Das Schifflein Petri schaukelt ein bisschen, aber es kentert nicht. Aus Angst vor dem
Kentern ist das Geschwader Lefebvre über Bord gegangen! Eine Heidenangst, keine „Funktion“.
Auch wenn das ein Dr. Otterbeck nicht glauben wird, freut sich eine Lefebvre-Verehrerin, dass andere Orden
und Bewegungen, so sie auf solides Fundament bauen, Nachwuchs haben. Es ist gut, wenn es mehr Gläubige
und Geweihte gibt, die die Kirche lieben und das Zerstörte wieder aufbauen wollen. Wir wollen nicht,
dass alles den Bach heruntergeht. Die FSSPX hat ihre Funktion für die Kirche, die erst später gewürdigt
werden kann. Die anderen rechtgläubigen Bewegungen haben auch ihre Funktion. Vor ca. 10 Jahren hörte
ich zum ersten Mal die kleinen Grauen. Bis dahin war für mich Philosophie reines Gewäsch. Nachher nicht
mehr. R. i. p., Père Marie-Dominique OP!
#7 Dr. Otterbeck 09:09:29 | Dienstag, 29. August 2006
500 : 500 Es fällt doch auf, dass die „kleinen Grauen“ zahlenmäßig so stark sind wie die SSPX [v.d.Red.
geändert] . Aber sie machen keinen Lärm, sondern gehen ihren Weg. Wenn ich es richtig weiß, war P.
Philippe auch der Redakteur des Konzilsdokuments zum Ordensleben. Zu den heftigsten Statements, die Papst
Montini je geäußert hat, gehört (neben dem „absolut falschen“ Traditionsbegriff der SSPX) die absolute
Zurückweisung der „weichen Welle“ in den Orden (schon 1963). Das ist Tradition.
ich war mal einen Tag zu Gast in einer kleinen Johannesgemeinschaft in der Nähe von Wien. Ich fand die
Brüder sehr gastfreundlich und hingebungsvoll in ihrer geistlichen Arbeit und Kontemplation.
Pater M.D. Philippe ich lernte Pater Philippe während meiner Studienzeit in Fribourg in den sechziger
Jahren kennen. Er war ein äusserst liebenswürdiger Priester stets zum Gespräch mit den Studenten bereit.
Seit meinem Abgang vor mehr als dreissig Jahren habe ich ihn aus den Augen verloren. Wie er sich innerhalb
der Konzilskirche entwickelt hat, entzieht sich meiner Kenntnis