18:20:17 | Mittwoch, 30. August 2006
Die nihilistische Destruktion, die in der harten Rockmusik zum Ausdruck kommt, ist Zeichen einer echten Verzweiflung, weil es nicht gelungen ist, ein irdisches Paradies zu schaffen. Sie ist ehrlicher als moderne kirchenmusikalische Verharmlosungen. Von Prof. Dr. h.c. Josef Friedrich Doppelbauer.
(kreuz.net/
Sisa) Die Tatsache, daß die Kirche Kompetenzen auf vielen Gebieten des Lebens und der Kultur
eingebüßt hat, liegt nicht daran, daß sie musikalisch zu wenig mit der Tagesmode geht.
Die Kur muß
woanders ansetzen. Die Populisten fragen sich zu wenig, wieviele sie durch ihre Oberflächlichkeit schon
aus der Kirche vertrieben haben und wieviele „trotzdem“ noch in die Kirche gehen, obwohl ihnen diese Zeitgeisthörigkeit
suspekt ist.
Der Mensch will in einer unheilen Welt glaubwürdige Antworten und nicht Beschönigungen.
Die nihilistische Destruktion der harten Rockgruppen ist Ausdruck einer echten Verzweiflung, weil es
nicht gelungen ist, das irdische Paradies zu schaffen, und insofern ehrlicher als derartige Verharmlosungen.
Wenn sich das angestrebte neue Lied nur nach Vorbildern richtet, die aus einer Gegenkultur stammen, wird
es nur die Säkularisation fördern, wie jene Kirchenlieder früherer Epochen, die ebenso außengesteuert
waren.
Wenn sich
das angestrebte neue Lied nur nach Vorbildern richtet, die aus einer Gegenkultur stammen,
wird es nur die Säkularisation fördern, wie jene Kirchenlieder früherer Epochen, die ebenso außengesteuert
waren.
Man sollte die Kirche in die Welt tragen und nicht umgekehrt.
Natürlich muß man verständlich
sprechen, aber das setzt nicht platte Konformität voraus.
In einem guten Lied müssen Text und Melodie
eine Einheit bilden; darauf beruht ihre spontane Wirkung. Mitunter ist das ein und derselbe Schaffensvorgang.
Das aber ist das Ergebnis einer inspirierten Stunde und die kommt, wann sie will, und nicht auf Bestellung
durch Preisausschreiben.
Ich war etliche Male in der Jury, als der ‘Österreichische Rundfunk’ Preisausschreiben
für neue religiöse Lieder machte. Die Ergebnisse waren jedesmal dürftig. Da lockte der Preis und nicht
die Aufgabe!
Echte Liedbegabungen sind selten. Wenn man sie fördern will, darf man sich nicht auf die
Tagesmode beschränken.
Auf der Piazza Navona in Rom hörte ich eine Weile einer offenbar kirchlich eingestellten
jugendlichen Band zu.
Neben Belanglosem sangen sie gewissermaßen „Spirituals“, die ihre Wurzeln deutlich
in der italienischen Folklore hatten und nicht einfach ein Abklatsch der Kommerzmusik waren. Darüber
könnte man reden, dachte ich. Es klang frisch und unreflektiert.
Leider ist unsere eigene Folklore vielfach
schon so vom Fremdenverkehrsrummel entstellt, daß man erst viele Lackschichten abtragen müßte, um zu
einem entwicklungsfähigen Kern zu kommen, aber ein Ansatzpunkt wäre es.
Die Kommerzmusik ist zum Teil
korrumpierte und entstellte Folklore.
Das Gegenteil hörte ich in einer rheinischen Kirche. Ein Negro-Spiritual
war so plump ins Deutsche übertragen worden, daß der ganze, rhythmisch differenzierte Charme verloren
ging und ein auftrumpfender, muskelprotzender teutonischer Marschgesang daraus wurde, daß es einem wehe
tat.
„Ich kenne kein Volk, in dessen populärer Musik es so wenig Sensibilität gibt, wie in der deutschen.
Sensibilität existiert da, wenn überhaupt, dann nur als Sentimentalität.“ (J.E. Behrendt, Ein Fenster
aus Jazz.)
Der Verfasser (*1918) war Kompositionsprofessor sowie Prorector des Salzburger Konservatoriums
‘Mozarteum’. Er verstarb am 13. Januar 1989. Dieser Beitrag entstammt dem bisher unveröffentlichten Nachlaß.
Nächstes Mal: Den liturgischen Texten muß der Hauch des Rock eingeblasen werden
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セルジュ † 22:11:41 | Freitag, 1. September 2006
#20
wunderkind2 † 18:10:19 | Donnerstag, 31. August 2006
#19
Yerodin 11:48:34 | Donnerstag, 31. August 2006
#18
maureen † 11:41:02 | Donnerstag, 31. August 2006
#17
private-notes 10:19:28 | Donnerstag, 31. August 2006
#16
Jockel 00:12:25 | Donnerstag, 31. August 2006
#15
Yerodin 00:03:23 | Donnerstag, 31. August 2006
#13
Jockel 23:42:43 | Mittwoch, 30. August 2006
#11
Yerodin 23:14:48 | Mittwoch, 30. August 2006
#10
Sulpicius 22:57:57 | Mittwoch, 30. August 2006
#3
matt 19:10:08 | Mittwoch, 30. August 2006
#2
Guldin 19:05:57 | Mittwoch, 30. August 2006