Kardinal Bertone
Ein Sekretär für die Kirche
In zwei Wochen tritt der neue Staatssekretär seine Arbeit an. Schon jetzt hat er angekündigt, daß er die Kurie reformieren will.
(kreuz.net, Vatikan) Der designierte Staatssekretär des Vatikan, Tarcisio Kardinal Bertone, möchte die Römische Kurie kleiner und lebendiger gestalten.

Der frühere Erzbischof von Genua, der sein Amt als Staatssekretär am 15. September antreten wird, ist davon überzeugt, daß seine Aufgaben über Politik und Diplomatie hinausführen werden. Er möchte vor allem die „spirituelle Mission“ der Kirche betonen.

In einem Interview mit der konservativen Mailänder Tageszeitung ‘Il Giornale’ betonte der Kurienkardinal Anfang der Woche, daß die letzten maßgeblichen Änderungen des vatikanischen Administrationsapparats zu Beginn des Pontifikats von Papst Johannes Paul II. durchgeführt worden seien.

Nach beinahe zwei Jahrzehnten sei es mehr als verständlich, daß eine Beurteilung über die Organisation der einzelnen Dikasterien vorgenommen würde. Man wolle abschätzen, wie die bestehenden Strukturen wirksamer für die Mission der Kirche organisiert werden könnten. Auch werde man überlegen, ob alle Dikasterien beibehalten werden sollen.

Er habe vom emeritierten Bischof des norditalienischen Bistums Ivrea, Mons. Luigi Bettazzi (82), einen Rat bekommen. Ivrea ist die Heimatdiözese von Kardinal Bertone. Mons. Bettazzi habe ihm empfohlen, „mehr ein Sekretär für die Kirche, als ein Sekretär des Staates“ zu sein.

Seine Aufgabe sei es, mit dem Papst zusammenzuarbeiten. Die Arbeit in der Glaubenskongregation mit dem damaligen Kardinal Ratzinger habe ihn gelehrt, daß der Heilige Vater „sehr teamorientiert“ sei. Er habe eine beachtliche Gabe, Fragen zu stellen, zuzuhören und die Fähigkeiten jedes Einzelnen einzuschätzen.

Der designierte Staatssekretär gestand, daß seine Unerfahrenheit im diplomatischen Bereich ein gewisser Nachteil für seine zukünftige Aufgabe sein könne. Dennoch würde er die neue Arbeit mit Zuversicht beginnen. Er vertraue auf die Gläubigen, die ihm im Gebet unterstützen.

Seit seine Ernennung als Staatssekretär bekannt geworden war, habe er verschiedene Klöster in der Gegend von Genua besucht und um eine besondere Gebetsunterstützung gebeten. Er habe in diesem Anliegen auch Briefe an kontemplative Gemeinschaften geschrieben.
      
8 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#8   tau †   20:45:03 | Montag, 4. September 2006
Die Rufmörder, Denunzianten, Mobber, Spalter … gewähren lassen, ist ja so was von fromm und macht s…
Eugen Mederlet OFM, Die Hochzeit des Lammes, S.
Redaktion benachrichtigen
#7   bonifatius   10:11:12 | Freitag, 1. September 2006
@tau: an einen Gerechten
Möge ihnenGott für ihren unverhohlenen Hass vergeben!
Redaktion benachrichtigen
#6   Agiafortuni   08:55:00 | Freitag, 1. September 2006
stat crux. ihr unkatholisches Modell
Glaubenskongregation und Rat für die Einheit der Christen à la Bea, Kasper & Co, auf ein- und drselben Ebene: welch unkatholischer Gedanke
Redaktion benachrichtigen
#5   tau †   00:04:39 | Freitag, 1. September 2006
Bernardin,
ob es noch einen anderen Abel gibt oder gab, weiß ich leider nicht. Ich kenne nur Pfarrer Winfried Abel (der natürlich beneidet werden muß!!! – siehe Jesus – ) und danke Gott dafür. Ich danke Gott für den Glauben, den er mir vor etwa 32 Jahren geschenkt hat. Danach bin ich (Danke Herr!) C H R IS T E N !!! begegnet und ein inzwischen verstorbener Franziskanerpater wurde mein geistlicher Vater. Wären mir damals diese, vor Haß blinden Fanatiker begegnet, wäre ich heute nicht in der Kirche. Was andere durch den Heiligen Geist und mit ihrem Herz-Blut aufbauen, reißt dieses Pack mit dem Schweif wieder um. Herr vergib ihnen, auch wenn sie wissen, was sie tun.
Redaktion benachrichtigen
#4   Bernardin †   23:26:20 | Donnerstag, 31. August 2006
TAU…
Ich muss ihnen hier antworten, Ja, meine Frage war ehrlch gemeint! Gibt es im Bistum Fulda noch einen anderen Pfarrer Abel oder gab es früher einen anderen, vielleicht schon verstorbenen?
Redaktion benachrichtigen
#3   Beatrix   15:02:16 | Donnerstag, 31. August 2006
@ stat crux: Ihr Modell…
läßt zum einen die sehr wichtigen Kongregationen für die Ostkirchen und für die Kanonisierungen unberücksichtigt, was hoffentlich nicht deren Abschaffung bedeuten soll; zum anderen bedeutet Ihr Modell kein wirklicher Bürokratieabbau. Die Anbindung der Räte an die Kongregationen wird nicht kommen, was wesentlich an der unterschiedlichen Verfaßtheit liegt: Die Räte haben beratende Funktion, die Kongr. Beschlußjurisdiktion. Gerade in Bereichen wie Familie und Laien macht das wenig Sinn. Auch ein mit Jurisdiktion bevollmächtigter Kardinal Kasper macht mir eher Angst.
Ich teile aber Ihre Ansicht der Notwendigkeit einer Verwesentlichung. M. M. n. geht diese wesentlich über die Zusammenlegungen von gleichartigen Behörden, d.h. bei den Gerichtshöfen wird sich nichts ändern, ein paar Ämter und Kommissionen könnten zusammengelegt und/oder gestrichen werden (was den Hasen auch nicht fett/schlank macht).
Allenfalls bei den Räten könnte man spürbar sparen. Dies könnte so aussehen (6 statt 11 Räte):
1. Einheit der Christen
2. Laien und Familie
3. Interreligiöser Dialog und Kultur
4. Iustitia et Pax (+ Medien + Migranten + Kranke)
5. Cor unum
6. Gesetzesinterpretation
Bei den Kongregationen könnte man evtl. Bildung und Klerus zusammenfassen. Wichtiger aber als diese äußeren Strukturen sind einmal innere Reformen wie z.B. Delegierungen an die Bischofskonferenzen, – synoden und Konsistorien, „Personalabbau“ und eben die geistliche Tiefe des Dienstes, von der Kardinal Bertone spricht.
Redaktion benachrichtigen
#2   tau †   14:37:51 | Donnerstag, 31. August 2006
noch ein Vorschlag an die Knalltüten-Redaktion
Kongr. Pro Christenverfolgung aus den eigenen Reihen – kreuz.net(t)s „friendly fire“
siehe z.B.: „Soll ich oder soll ich nicht?“ (von „A“ wie Pfarrer Winfried Abel bis „R“ wie Ratzinger)
„Ökumenische Sündenvergebung“
„Konservative Steigbügelhalter“ …
Redaktion benachrichtigen
#1   stat crux   13:35:49 | Donnerstag, 31. August 2006
Bertone packt’s!
Sehr erfreuliche Mitteilung. Hoffentlich erfolgt die Kurienreform nach einem leitenden Prinzip. Der Historiker George Weigel hat z.B. vorgeschlagen, jeden päpstlichen Rat (also mehr pastoral akzentuiert) einer Kongregation zuzuordnen. Das ist vielleicht nicht ganz bruchlos möglich aber z.B. so „denkbar“:
Kongr. Glaubenslehre – Rat für Einheit d. Christen
Kongr. Bischöfe – Rat (Sekr.) Bischofssynode
Kongr. Klerus – Rat f.d. Laien
Kongr. Religiosen – Rat f.d. Familie, Krankenpastoral
Kongr. Riten – Komm. Ecclesia Dei (oder Nachf.)
Kongr. Bildung – Rat f.d. Kultur
Kongr. Evangelisierung – Rat Ordo Socialis (iustitia et pax, Migranten) oder ähnlich
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
KurienreformDie Handschrift des Papstes KurieWas die Kardinäle über die Lefebvristen sagten KurieNachgelieferte Begründung KurieAufprall mit den Autoscheinwerfern überlebt KurieUnd was ist der nächste Streich? KurieMerkwürdige Logik KurieErleuchtungen aus den Einkehrtagen? KurieVatikanisches Geflüster KurieWenn die Vergangenheit zur Zukunft wird KurieWas kann man von Erzbischof Levada erwarten? KurieGlaubenswächter mit Samtpfoten KurieSechs Gründe für Erzbischof Joseph Levada KurieDem neuen Glaubenshüter aufs Maul geschaut KurieWilliam Joseph folgt auf Joseph Alois
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net