13:48:24 | Dienstag, 5. September 2006
Wer sein Kind in die staatliche Schule schickt, bringt es um Wettbewerbsvorteile. Von Karl Lempel.
(kreuz.net) Trotz Pisa-Studien wird Deutschland immer mieser und dümmer. Das müßte nicht sein.
Homeschooler
Christopher Paolini schrieb mit 15 Jahren seinen Bestseller-Roman Eragon’, der dieses Jahr in die Kinos
kommt. Selbständigkeit, Eigenverantwortlichkeit und ergebnisorientiertes Arbeiten ist ein Synonym für
Ausbildung zuhause.
Derzeit machen fast zwei Millionen US-Schüler mit Erfolg Unterricht zu Hause.
Nachdem
Eltern jahrelang für ihr natürliches Recht kämpfen mußten, werden heute an vielen US-Universitäten
Home-Schooler wegen ihrer sozialen Kompetenz und ihrer Leistungen bevorzugt aufgenommen.
Als Deutschland
noch als „Land der Dichter und Denker“ galt, war dies auch bei uns gang und gäbe: die Gebrüder Grimm
waren im holden Alter von 14 Jahren mit Goethe und Schillers Werken vertraut.
Kein Wunder, denn sie hatten
ihre Zeit nie in der Schule vertan.
Heute müßte man lange suchen, ehe man einen 14jährigen findet,
der auch nur zwei Seiten aus einem Drama Schillers fehlerfrei vorlesen kann.
Goethe hatte ebenso wie
Mozart oder Hölderlin sein Leben lang schulfrei und Schillers Karriere begann erst, als er der „Militärpflanzanstalt“
entfloh.
Im Land der Dichter und Denker
Goethe hatte ebenso wie Mozart oder Hölderlin sein Leben lang
schulfrei und Schillers Karriere begann erst, als er der „Militärpflanzanstalt“ entfloh.
Ähnliche Erfahrungen
machte C. S. Lewis, der in seiner Autobiographie die Schulzeit unter dem Kapitel „Konzentrationslager“
abhandelte.
In den vergangenen Jahren eroberten Eltern wieder ihre ureigensten Rechte zurück.
In ganz
Europa sind Ausbildung zuhause oder private Kleinstschulen wieder erlaubt – außer in Deutschland und
auf dem Balkan.
Hört sich an wie ein Witz, ist aber keiner. „Made in Germany“ ist schon lange kein Gütesiegel
für solide Qualität mehr, wird aber nach der Reform der Reform unseres Bildungssystems bald ein Label
für Ramsch aus einem Billiglohnland.
Wer sein Kind in die staatliche Schule schickt, bringt es um Wettbewerbsvorteile.
Abgesehen von vereinzelten christlichen Schulen hat man in unserer Republik jedoch kaum eine andere Wahl,
es sei denn, man bietet dem Großen Bruder die Stirn.
„Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche
Recht der Eltern“ heißt es im 6. Artikel des Grundgesetzes, was allerdings keineswegs bedeutet, daß
Eltern ihre Kinder tatsächlich selber erziehen dürfen. Ist doch logisch.
Geplant sind verpflichtender
Kindergartenbesuch und verbindliche Elterngespräche mit einem Lehrer im halbjährlichen Turnus: die Familie
am Gängelband eines pädagogisch verbrämten Blockwartsystems.
Denn wer sein Kind zu Hause erzieht,
disqualifiziert sich gesellschaftlich noch mehr als einer, der fremde Häuser besetzt, geschweige denn
vergißt, seine Joghurtbecher abzuspülen, bevor er sie ordentlich gestapelt in den Gelben Sack steckt.
Während es die Berliner Polizei aufgegeben hat, die 5.000 Schulverweigerer der Hauptstadt in Spielhallen
oder auf dem Strich zu suchen, werden die Eltern der bundesweit 500 Homeschooler gnadenlos vor den Richter
gezerrt.
Während es die Berliner Polizei
aufgegeben hat, die 5.000 Schulverweigerer der Hauptstadt in
Spielhallen oder auf dem Strich zu suchen, werden die Eltern der bundesweit 500 Homeschooler gnadenlos
vor den Richter gezerrt.
Wer sich um seine Kinder kümmert, muß schon mal mit Strafen bis zu 20.000
Euro rechnen.
Könnte der Staat da nicht wenigstens kulanterweise den Modus von Paragraph 218 des Strafgesetzbuches
zur Anwendung bringen, nämlich die Ausübung des Elternrechtes als gesetzeswidrig bezeichnen, ohne es
jedoch zu bestrafen?
Aber auch hier gilt wohl die Maxime, daß es einfacher sein muß, seine Kinder zu
entsorgen, als sich ihrer liebend anzunehmen.
Bei soviel staatlicher Kollektivierungswut gilt es sich
mit allen Home-Schoolern zu solidarisieren, sie zu ermutigen, Leserbriefe zu schreiben, das Schweigen
zu brechen und damit dem staatlichen Zugriff auf unsere Kinder Einhalt zu gebieten.
Freilich sollen die
Vorteile der Staatschule nicht unterschlagen werden:
Das Schlagwort „Lernen durch Lehren“ verwirklicht
sich, wenn Schüler zur Inbetriebnahme von DVD-Playern und Beamern herangezogen werden.
In Großstädten
lernt die muttersprachliche Minorität mittels Gebärden zu kommunizieren. Eltern bekommen die Chance,
beim Kuchenverkauf am Schulfest Kontakte zu ihrer Peergroup zu knüpfen.
Diese Möglichkeiten sollen
niemanden vorenthalten werden.
Da wir alle ohnehin nur das Beste für unsere Kinder wollen, fragt sich
nur, ob es nicht an der Zeit wäre, über einen Wechsel an eine christliche Schule nachzudenken oder gar
Ausbildung zuhause zu praktizieren.
Wenn nicht in Deutschland, dann halt in einem der Nachbarländer.
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