13:53:38 | Freitag, 8. September 2006
Papst Pius X. und die Juden
Bereits im Jahr 1992 erschien ein wichtiges Werk über den großen Papst, das – wie oft in solchen Fällen – weitgehend unbeachtet blieb.
(kreuz.net) Schon im Jahr 1992 publizierte der italo-amerikanische Historiker Andrew M. Canepa eine herausragende
Studie über Papst Pius X.
Sie trägt den Titel „Pius X and the Jews: A Reappraisal“ – Pius X. und die
Juden: eine Neubewertung.
Canepa beginnt mit der Feststellung, daß es am Ende des 19. Jahrhunderts in
Italien zahlreiche Konflikte zwischen der Kirche und jüdischen Kreisen gab.
Diese Spannungen standen
im Zusammenhang mit dem Kampf der antiklerikalen italienischen Nationalisten gegen Kirche und Papsttum.
Zwei Einflüsse führten zu verbesserten Beziehungen mit den Juden.
Eine
war im Jahr 1903 die Wahl des Patriarchen von Venedig, Giuseppe Kardinal Sarto, zum Papst.
Die andere
die versöhnlichen Positionen einer Anzahl jüdischer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in der
Frage des Verhältnisses von Kirche und Staat.
Auch die persönliche Haltung des Papstes und seine praktische
Zusammenarbeit mit Juden kann nach Ansicht von Canepa nicht geringgeschätzt werden.
Der Papst stammte
aus einem Milieu, in dem katholisch-jüdische Freundschaften normal waren.
Unter seinen Bekannten befand
sich zum Beispiel Romanin Jacur, ein Jude und konservatives Mitglied des Parlamentes und später des Senates.
Als Bischof Sarto 1893 zum Patriarchen von Venedig erhoben wurde, intervenierte Romanin Jacur mit Erfolg
zu seinen Gunsten bei der italienischen Regierung, welche die Ausstellung des Exequatur – der Bestätigung
dieser Wahl – verzögert hatte.
Nachdem Kardinal Sarto zum Papst gewählt worden war, besuchte ihn sein
langjähriger Freund Romanin Jacur häufig im Apostolischen Palast.
In den allgemeinen Wahlen von 1913
unterstützten klerikale Kräfte aktiv die Kandidatur Jacurs im Wahlbezirk Piove di Sacco.
Nach der Wahl
schrieb Pius X. dem jüdischen Abgeordneten persönlich und gratulierte ihm zu seiner „friedlichen und
triumphalen Wiederwahl“.
Später half der jüdische Politiker einem Prälaten, die Schikanen des antiklerikalen
italienischen Staates zu überwinden.
Auch Pius X. half, wo er konnte. So war er der einzige europäische
Souverän, der – nach Angaben der jüdisch-italienischen Monatszeitung ‘Il Vessillo israelitico’ – im
Jahr 1914 gegen Pogrome in Rußland protestierte.
Während des Pontifikates von Pius X. bestätigte der
vatikanische Staatssekretär, Rafael Kardinal Merry del Val, auch eine Stellungnahme des Heiligen Offiziums
aus dem Jahr 1759, in dem die „völlige Unbegründetheit von Ritualmordanklagen gegen Juden“ unterstrichen
wurde.
Dieses Dokument war Teil einer Verteidigungsanstrengungen des Vatikans, der sich für den russischen
Juden Mendel Beilis einsetzte, der 1913 in der Ukrainischen Hauptstadt Kiew angeklagt wurde, einen Ritualmord
begangen zu haben.
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#16
Athanasius 18:34:58 | Samstag, 9. September 2006
#15
Malachias † 10:26:17 | Samstag, 9. September 2006
#14
Asphyx † 00:52:17 | Samstag, 9. September 2006
#13
Parzifal 23:01:58 | Freitag, 8. September 2006
#12
Malachias † 22:54:53 | Freitag, 8. September 2006
#11
Artois † 20:22:47 | Freitag, 8. September 2006
#10
Guldin 18:12:48 | Freitag, 8. September 2006
#9
Maledica 17:27:08 | Freitag, 8. September 2006
#8
Aurelius 17:26:46 | Freitag, 8. September 2006
#7
Gotthard 17:05:17 | Freitag, 8. September 2006
#6
Benedikt 16:56:27 | Freitag, 8. September 2006
#5
Schüttel 15:55:06 | Freitag, 8. September 2006
#4
Artois † 15:43:31 | Freitag, 8. September 2006
#3
DDL 15:42:59 | Freitag, 8. September 2006
#2
Benedikt 15:30:44 | Freitag, 8. September 2006
#1
Artois † 15:27:55 | Freitag, 8. September 2006