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Samstag, 2. Dezember 2006 18:20
Der Priester als Marktschreier am Mikrophon
Die Zelebration zum Volk hin hat ihre historischen Wurzeln im Protestantismus. Doch auch die praktische, soziologische Seite ist fragwürdig. Von Mons. Klaus Gamber († 1989).
(kreuz.net) Der Soziologieprofessor Wigand Siebel meint in seiner Schrift ‘Liturgie als Angebot’, daß die Ausrichtung des Priesters zum Volke „als das vorzüglichste Symbol für den neuen Geist in der Liturgie angesehen werden“ kann:

„Die bisher übliche Form ließ den Priester als Führer und Repräsentanten der Gemeinde erscheinen, der an Stelle der Gemeinde mit Gott spricht wie Moses auf dem Sinai. Die Gemeinde als diejenige, die eine Botschaft (Gebet, Verehrung, Opfer) absendet, der Priester als der die Botschaft überbringende Führer und Gott als der Empfänger der Botschaft.“

In der neuen Praxis erscheint der Priester, so fährt Siebel fort, „jetzt kaum mehr als Repräsentant der Gemeinde, sondern als ein Schauspieler, der – jedenfalls im Zentrum der Messe – die Rolle Gottes spielt, nicht unähnlich Oberammergau oder anderen religiösen Schauspielen.“

Mons. Klaus Gamber
Mons. Klaus Gamber
Er folgert daraus: „Wenn aber der Priester durch die neue Wendung zum Schauspieler wird, der Christus auf der Bühne zu spielen hat, so erscheinen Christus und der Priester durch die schauspielerische Wiedergabe des Abendmahls als auf eine bisweilen unerträgliche Weise identifiziert.“

Zur Meinung von Hw. Theodor Klauser – durch eine Zelebration versus populum werde „die eucharistische Tischgemeinschaft deutlicher zum Ausdruck“ gebracht – meint Siebel in seiner Schrift ‘Liturgie als Angebot’:

„Das intendierte Zusammenrücken der Gemeinde am Abendmahlstisch führt kaum zu einer Stärkung des Gemeinschaftsbewußtseins. Es befindet sich ja nur der Priester – und zwar stehend – am Tisch. Die übrigen Mahlteilnehmer sitzen mehr oder weniger weit entfernt im Zuschauerraum.“

Es kommt aber nach Siebel noch etwas anderes hinzu: „In der Regel steht der Tisch weit entfernt auf einer Anhöhe, so daß die enge Verbindung, die im Abendmahlssaal herrschte, allein schon deshalb nicht herzustellen ist.

Der zum Volk gewendete, seine Rolle spielende Priester, kann den Eindruck, als stelle er jemand dar, der dienstbereit etwas anzubieten hat, schwerlich vermeiden.

Um diese Sicht abzuschwächen, versucht man, den Altar stärker in die Gemeinde hineinzuziehen. Man braucht dann nicht nur den Priester zu sehen, sondern kann auch die seitlich oder gegenübersitzenden anderen Anwesenden anschauen.

Durch das Hineinrücken des Altars in die Gemeinde geht aber dann die Distanz zwischen sakralem Zentrum und Gemeinde verloren.

Der Schauder, der einst mit der Anwesenheit Gottes in der Kirche verbunden war, wird zu einem blassen Gefühl, das sich der Alltäglichkeit nur schwach entgegenzusetzen vermag.“


Durch die Stellung des Priesters hinter dem Altar mit dem Blick zum Volk wird demnach dieser – soziologisch gesehen – sowohl zum Schauspieler, mit der ganzen Abhängigkeit vom Publikum, als auch zum Verkäufer, der mit einem Angebot vor die Öffentlichkeit hintritt.

Er kann sogar, wenn er wenig Geschick hat, direkt zum „Marktschreier“ werden.

Gerade dieser Wechsel in der Stellung des Priesters zum Altar während der Meßfeier ist von nicht geringer symbolischer und soziologischer Bedeutung.

Beim Gebet und Opfer hat er, zusammen mit den Gläubigen, den Blick auf Gott gerichtet – während er als Verkünder des Wortes Gottes und als Spender der Eucharistie dem Volk zugewandt ist.

Dieser Grundsatz hatte bis jetzt in der Kirche stets gegolten, in Ost und West, in der Zeit der Frühkirche und im Barock.

Erst in der jüngsten Gegenwart ist es in der Römischen Kirche aufgrund eines falschen Geschichtsbildes, vor allem aber aus theologischen Erwägungen heraus, zu einer Änderung gekommen.

Wie folgenschwer sie sein wird, wird die Zukunft zeigen.


Aus dem Buch „Die Reform der römischen Liturgie“ von Mons. Klaus Gamber. Regensburg 1979. Kapitel 11: „Die Zelebration »versus populum« (»zum Volk hin«) – liturgisch und soziologisch gesehen“.

Der Text erschien im Begleitheft für eine von der Priesterbruderschaft St. Pius X. produzierten DVD zur Erlernung der Alten Messe.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 22 Lesermeinungen:
Dienstag, 5. Dezember 2006 17:43
Benedikt: @ aldo carigiet
2. keine Verhundzungen der Liturgie

Warum sind Sie da so sicher? Die liturgische Disziplin ist weitgehend zusammengebrochen, warum sollte sich das schlagartig mit dem alten Ritus ändern?
Dienstag, 5. Dezember 2006 17:17
Breze: @ warwohlnix
Wohl mal wieder absichtlich die Hälfte meines postings überlesen:
auch ich bin der irrigen Meinung aufgesessen, dass in der Eucharistiefeier die Transsubstantiation erfolgt
Aber vielleicht kennt sich unser Schlaumeier in der Terminologie nicht so aus…
warwohlnix, macht aber nix…

Danke für den Adressentip, ist das die Adresse des Ortsverbands der rechtskatholischen NPD?
Dienstag, 5. Dezember 2006 14:51
nightlight20022001 †: Der Priester als Marktschreier am Mikrophon
Die alte Messe:
„Die bisher übliche Form ließ den Priester als Führer und Repräsentanten der Gemeinde erscheinen, der an Stelle der Gemeinde mit Gott spricht wie Moses auf dem Sinai. Die Gemeinde als diejenige, die eine Botschaft (Gebet, Verehrung, Opfer) absendet, der Priester als der die Botschaft überbringende Führer und Gott als der Empfänger der Botschaft.“

-Was sollen wir denn an Gott opfern?Christus ist doch das Sühneopfer(einmalig) und Sündopfer(sein Blut siebenmal vor dem Gnadenthron und Altar-Versöhnungstag) nach der heiligen Schrift.

Hebräer Kapitel 12
und seht darauf,dass nicht jemand Gottes Gnade versäume;dass nicht etwa eine bittere Wurzel aufwachse und Unfrieden anrichte und viele durch sie unrein werden;dass nicht jemand sei ein Abtrünniger oder Gottloser wie Esau,der um der einen Speise willen seine Erstgeburt verkaufte.Ihr wisst ja,dass er hernach, als er den Segen ererben wollte,verworfen wurde,denn er fand keinen Raum zur Buße,obwohl er sie mit Tränen suchte.Denn ihr seid nicht gekommen zu dem Berg,(Sinai) den man anrühren konnte und der mit Feuer brannte,und nicht in Dunkelheit und Finsternis und Ungewitter und nicht zum Schall der Posaune und zum Ertönen der Worte,bei denen die Hörer baten,dass ihnen keine Worte mehr gesagt würden;denn sie konnten’s nicht ertragen,was da gesagt wurde (2.Mose 19,13): »Und auch wenn ein Tier den Berg anrührt, soll es gesteinigt werden.«Und so schrecklich war die Erscheinung, dass Mose sprach:Auch wenn ein Tier den Berg…
Dienstag, 5. Dezember 2006 07:43
warwohlnix: „Gedenken des Opfers Christi“
Keinen blassen Schimmer, die arme Ahnungslose.

Aber anscheinend ist das ja wohl bei Modernistens so: einmal wöchentlich gedenkt man seiner Toten, wie bei der Jahresversammlung des SPD-Ortsverbandes. Da es das, tut man es wöchentlich statt jährlich, nicht unbedingt so bringt, gehen immer weniger dahin.

Und so mancher findet den Weg zum Original. Zur unblutigen Erneuerung des Opfers Christi.

In München: Johann-Clanze-Straße 100.
Dienstag, 5. Dezember 2006 01:08
Breze: @ Obelix
Wenn es Dich tröstet, auch ich bin der irrigen Meinung aufgesessen, dass in der Eucharistiefeier die Transsubstantiation erfolgt und dass es sich neben dem Gedenken des Opfers Christi natürlich auch um eine Mahlfeier handelt, schliesslich isst man ja die Hostie…

Hach, ich schlimmer Häretiker, ich…
Und ich dachte immer, die Eucharistiefeier ist dem letzten Abendmahl Christi mit seinen Jüngern entsprungen. Wie konnte ich das nur denken??????
Dienstag, 5. Dezember 2006 00:53
obelix †: Oh je, da habe ich wohl wirklich etwas grundfalsches geglaubt,
als ich annahm, dass in der Eucharistie ein Stück ungesäuertes Brot in sein Fleisch und sein Blut vewandelt würde, das er aufgeopfert… aber lassen wir das. Ich lag wohl wirklich vollkommen daneben, wie so viele andere Modernisten.
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