Die Zelebration zum Volk hin hat ihre historischen Wurzeln im Protestantismus. Doch auch die praktische, soziologische Seite ist fragwürdig. Von Mons. Klaus Gamber († 1989).
(kreuz.net) Der Soziologieprofessor Wigand Siebel meint in seiner Schrift ‘Liturgie als Angebot’, daß
die Ausrichtung des Priesters zum Volke „als das vorzüglichste Symbol für den neuen Geist in der Liturgie
angesehen werden“ kann:
„Die bisher übliche Form ließ den Priester als Führer und Repräsentanten
der Gemeinde erscheinen, der an Stelle der Gemeinde mit Gott spricht wie Moses auf dem Sinai. Die Gemeinde
als diejenige, die eine Botschaft (Gebet, Verehrung, Opfer) absendet, der Priester als der die Botschaft
überbringende Führer und Gott als der Empfänger der Botschaft.“
In der neuen Praxis erscheint der
Priester, so fährt Siebel fort, „jetzt kaum mehr als Repräsentant der Gemeinde, sondern als ein Schauspieler,
der – jedenfalls im Zentrum der Messe – die Rolle Gottes spielt, nicht unähnlich Oberammergau oder anderen
religiösen Schauspielen.“
Er folgert daraus: „Wenn aber der Priester durch die neue Wendung zum Schauspieler
wird, der Christus auf der Bühne zu spielen hat, so erscheinen Christus und der Priester durch die schauspielerische
Wiedergabe des Abendmahls als auf eine bisweilen unerträgliche Weise identifiziert.“
Zur Meinung von
Hw. Theodor Klauser – durch eine Zelebration versus populum werde „die eucharistische Tischgemeinschaft
deutlicher zum Ausdruck“ gebracht – meint Siebel in seiner Schrift ‘Liturgie als Angebot’:
„Das intendierte
Zusammenrücken der Gemeinde am Abendmahlstisch führt kaum zu einer Stärkung des Gemeinschaftsbewußtseins.
Es befindet sich ja nur der Priester – und zwar stehend – am Tisch. Die übrigen Mahlteilnehmer sitzen
mehr oder weniger weit entfernt im Zuschauerraum.“
Es kommt aber nach Siebel noch etwas anderes hinzu:
„In der Regel steht der Tisch weit entfernt auf einer Anhöhe, so daß die enge Verbindung, die im Abendmahlssaal
herrschte, allein schon deshalb nicht herzustellen ist.
Der zum Volk gewendete, seine Rolle spielende
Priester, kann den Eindruck, als stelle er jemand dar, der dienstbereit etwas anzubieten hat, schwerlich
vermeiden.
Um diese Sicht abzuschwächen, versucht man, den Altar stärker in die Gemeinde hineinzuziehen.
Man braucht dann nicht nur den Priester zu sehen, sondern kann auch die seitlich oder gegenübersitzenden
anderen Anwesenden anschauen.
Durch das Hineinrücken des Altars in die Gemeinde geht aber dann die Distanz
zwischen sakralem Zentrum und Gemeinde verloren.
Der Schauder, der einst mit der Anwesenheit Gottes in
der Kirche verbunden war, wird zu einem blassen Gefühl, das sich der Alltäglichkeit nur schwach entgegenzusetzen
vermag.“
Durch die Stellung des Priesters hinter dem Altar mit dem Blick zum Volk wird demnach dieser –
soziologisch gesehen – sowohl zum Schauspieler, mit der ganzen Abhängigkeit vom Publikum, als auch zum
Verkäufer, der mit einem Angebot vor die Öffentlichkeit hintritt.
Er kann sogar, wenn er wenig Geschick
hat, direkt zum „Marktschreier“ werden.
Gerade dieser Wechsel in der Stellung des Priesters zum Altar
während der Meßfeier ist von nicht geringer symbolischer und soziologischer Bedeutung.
Beim Gebet und
Opfer hat er, zusammen mit den Gläubigen, den Blick auf Gott gerichtet – während er als Verkünder des
Wortes Gottes und als Spender der Eucharistie dem Volk zugewandt ist.
Dieser Grundsatz hatte bis jetzt
in der Kirche stets gegolten, in Ost und West, in der Zeit der Frühkirche und im Barock.
Erst in der
jüngsten Gegenwart ist es in der Römischen Kirche aufgrund eines falschen Geschichtsbildes, vor allem
aber aus theologischen Erwägungen heraus, zu einer Änderung gekommen.
Wie folgenschwer sie sein wird,
wird die Zukunft zeigen.
Aus dem Buch „Die Reform der römischen Liturgie“ von Mons. Klaus Gamber. Regensburg
1979. Kapitel 11: „Die Zelebration »versus populum« (»zum Volk hin«) – liturgisch und soziologisch
gesehen“.
Der Text erschien im Begleitheft für eine von der Priesterbruderschaft St. Pius X. produzierten
DVD zur Erlernung der Alten Messe.
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22 Lesermeinungen
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#22 Benedikt 17:43:26 | Dienstag, 5. Dezember 2006
@ aldo carigiet 2. keine Verhundzungen der Liturgie Warum sind Sie da so sicher? Die liturgische Disziplin
ist weitgehend zusammengebrochen, warum sollte sich das schlagartig mit dem alten Ritus ändern?
@ warwohlnix Wohl mal wieder absichtlich die Hälfte meines postings überlesen: auch ich bin der irrigen
Meinung aufgesessen, dass in der Eucharistiefeier die Transsubstantiation erfolgt Aber vielleicht kennt
sich unser Schlaumeier in der Terminologie nicht so aus… warwohlnix, macht aber nix… Danke für den
Adressentip, ist das die Adresse des Ortsverbands der rechtskatholischen NPD?
Der Priester als Marktschreier am Mikrophon Die alte Messe: „Die bisher übliche Form ließ den Priester
als Führer und Repräsentanten der Gemeinde erscheinen, der an Stelle der Gemeinde mit Gott spricht wie
Moses auf dem Sinai. Die Gemeinde als diejenige, die eine Botschaft (Gebet, Verehrung, Opfer) absendet,
der Priester als der die Botschaft überbringende Führer und Gott als der Empfänger der Botschaft.“
-Was sollen wir denn an Gott opfern?Christus ist doch das Sühneopfer(einmalig) und Sündopfer(sein Blut
siebenmal vor dem Gnadenthron und Altar-Versöhnungstag) nach der heiligen Schrift. Hebräer Kapitel 12
und seht darauf,dass nicht jemand Gottes Gnade versäume;dass nicht etwa eine bittere Wurzel aufwachse
und Unfrieden anrichte und viele durch sie unrein werden;dass nicht jemand sei ein Abtrünniger oder Gottloser
wie Esau,der um der einen Speise willen seine Erstgeburt verkaufte.Ihr wisst ja,dass er hernach, als er
den Segen ererben wollte,verworfen wurde,denn er fand keinen Raum zur Buße,obwohl er sie mit Tränen
suchte.Denn ihr seid nicht gekommen zu dem Berg,(Sinai) den man anrühren konnte und der mit Feuer brannte,und
nicht in Dunkelheit und Finsternis und Ungewitter und nicht zum Schall der Posaune und zum Ertönen der
Worte,bei denen die Hörer baten,dass ihnen keine Worte mehr gesagt würden;denn sie konnten’s nicht ertragen,was
da gesagt wurde (2.Mose 19,13): »Und auch wenn ein Tier den Berg anrührt, soll es gesteinigt werden.«Und
so schrecklich war die Erscheinung, dass Mose sprach:Auch wenn ein Tier den Berg…
#19 warwohlnix 07:43:13 | Dienstag, 5. Dezember 2006
„Gedenken des Opfers Christi“ Keinen blassen Schimmer, die arme Ahnungslose. Aber anscheinend ist das
ja wohl bei Modernistens so: einmal wöchentlich gedenkt man seiner Toten, wie bei der Jahresversammlung
des SPD-Ortsverbandes. Da es das, tut man es wöchentlich statt jährlich, nicht unbedingt so bringt,
gehen immer weniger dahin. Und so mancher findet den Weg zum Original. Zur unblutigen Erneuerung des Opfers
Christi. In München: Johann-Clanze-Straße 100.
@ Obelix Wenn es Dich tröstet, auch ich bin der irrigen Meinung aufgesessen, dass in der Eucharistiefeier
die Transsubstantiation erfolgt und dass es sich neben dem Gedenken des Opfers Christi natürlich auch
um eine Mahlfeier handelt, schliesslich isst man ja die Hostie… Hach, ich schlimmer Häretiker, ich…
Und ich dachte immer, die Eucharistiefeier ist dem letzten Abendmahl Christi mit seinen Jüngern entsprungen.
Wie konnte ich das nur denken??????
#17 obelix † 00:53:16 | Dienstag, 5. Dezember 2006
Oh je, da habe ich wohl wirklich etwas grundfalsches geglaubt, als ich annahm, dass in der Eucharistie
ein Stück ungesäuertes Brot in sein Fleisch und sein Blut vewandelt würde, das er aufgeopfert… aber
lassen wir das. Ich lag wohl wirklich vollkommen daneben, wie so viele andere Modernisten.
geht es denn … … darum, das Abendmahl nachzufeiern? In dieser Forderung methusalix’liegt vermutlich
der erste Fehler. Das ist einer der modernen Karinalfehler, eben ein Mahl nachfeiern zu wollen, und nicht
das Kreuzesopfer Christi unblutig zu vergegenwärtigen. In 2. Linie mag die kath. Messe auch ein gemeinsames
Mahl sein – aber die Reduktion darauf ist nicht katholisch.
#14 methusalix † 01:40:11 | Montag, 4. Dezember 2006
und was jetzt? Zum Alter: der Canon des Alten Ritus geht auf die apostolische Zeit zurück, könnte sogar
älter sein als die Evangelien. Wir wissen also nicht, wie Jesus mit den Seinen das Abendmahl gefeiert
hatte. (Bestimmt nicht mit Hostien in Oblatenform) Also sind ALLE Formen der Heiligen Messe nur menschliches
Stückwerk und vage Versuche diese eine, einzige Nacht würdigen Andenkens zu feiern. Was soll dann diese
hartleibige Festlegung auf den „tridentinischen Ritus“, der gar nicht tridentinisch ist? Jesus war Jude
und gehörte dem jüdischen Glauben an. Sollte dann nicht eigentlich beim Rabbinat in Jerusalem nachgefragt
werden? Nur um mal so eine ketzerische Anregung zu geben.
500? 1500? 40? Und dann noch an einem der von uns fast fünfhundert Jahre und von Jesus über fünfzehnhundert
Jahre entfernt ist? Dieser Kommentar setzt das alte Märchen fort, nachdem der Alte Ritus auf dem Konzil
von Trient entworfen wurde, und deshalb Tridentinischer Ritus heisse. Richtig ist, dass auf dem Konzil
von Trient der alte Ritus nur nach den damals alten Quellen einheitlich festgelegt wurde, weil es vor
dem Tridentinum Wildwuchs gab. Deshalb wurde alles abgeschafft, was jünger als paar hundert Jahre war,
alles ältere weiterhin erlaubt und ein „Standard“ festgelegt wurde, der möglichst authetisch war. Änderungen
gab es zwar, aber keine grundlegenden. Wegen dieser Festlegung wird der Ritus „Tridentinisch“ genannt,
aber nicht, weil er damals entworfen wurde. Zum Alter: der Canon des Alten Ritus geht auf die apostolische
Zeit zurück, könnte sogar älter sein als die Evangelien. Der neue Ritus ist keine 40 Jahre alt.
#12 Udalricus 18:15:52 | Sonntag, 3. Dezember 2006
Geschmack oder Glaubenslehre Ich glaube, der Hintergrund für die Streitigkeiten um die rechte Liturgie
ist, dass manche ihren persönlichen Geschmack zur Glaubensfrage erheben. Es ist verständlich, dass jeder
seine liturgischen Vorlieben hat, auch im neuen Ritus bevorzugen manche eher diese oder jene musikalische
oder liturgische Gestaltung. Wer Jahrzehnte lang den tridentinischen Ritus liebgewonnen hat, ist natürlich
über Änderungen enttäuscht. Es war ein Fehler, diesen Ritus über Nacht abzuschaffen. Solange die liturgischen
Vorschriften eingehalten werden und liturgische Zeichen, TExte oder Lieder keine Häresien enthalten,
ist vieles möglich. Allerdings darf sich Liturgie nicht soweit auseinander entwickeln, dass Katholiken
nicht mehr miteinander Eucharistie feiern können. Von daher ist schon ein Problem, dass entgegen dem
Wunsch der Konzilskonstitution „Sacrosanctum Concilium“ die Lateinische Sprache aus der Messe fast völlig
verschwunden ist. So können Katholiken aus verschiedenen Ländern kaum mehr Messe feiern. Liturgie soll
zusammenführen und nicht spalten. Engstirnigkeit von Traditionalisten und Modernisten (siehe Dechanten
von Wien) aber schadet der kirchlichen Gemeinschaft.
die kleine minderheit die den alten ritus will schreit feuer warum sollten sich wohl alle nach ein paar
richten? und sollte die gnade eines gottes davon abhängen wie man ihn anbetet, dann ist er von der unendlichen
weisheit weit weit entfernt… gründet doch eure eigene „einzig wahre“ kirche „aller zeiten“ o^/
#10 methusalix † 02:12:25 | Sonntag, 3. Dezember 2006
Warum wollen einige den „wahren Glauben“ partout an einem Ritus festmachen? Und dann noch an einem der
von uns fast fünfhundert Jahre und von Jesus über fünfzehnhundert Jahre entfernt ist? Sollten wir dann
nicht lieber entweder den heutigen Ritus, wie er von den Kirchenbeamten festgelegt wurde, feiern, oder,
wenn wir schon zurück in die Vergangeheit wollen, den ursprünglichen Ritus von Jesus Christus annehmen?
Aber wer kann schon Aramäisch? Wer kann heute noch Latein? Ich habe zwar ein Grosses Latinum, muss mich
aber durch jeden lateinischen Text relativ mühsam hindurchkämpfen, Stowasser sei Dank für die Hülfe!
Weiss jemand, ob es ein clicktionary für Latein gibt?
richtig! „Wer soziale Verantwortung, Gemeinschaft und „alltagsnah gestaltete“ Gemeinschaftsfeiern sucht,
geht besser zum Ortsverband der Sozialdemokraten. Gefordert ist statt dessen ein glaubwürdiges Vorbild
in der Nachfolge Jesu. Dabei sind wir alle gefordert. Michi könnte dazu beitragen, wenn er echte, ehrwürdige
Gottesdienste „anbieten“ würde.“ Wer die Kirche sucht, der wird sie finden. Und nach wie vor ist es katholischer
Glaube, dass Gott jedem Menschen hinreichend Gnade zur Erlangung des ew. Heils gibt. Wie viele Menschen
reden denn heute von „sozialer Verantwortung“ etc. und verfolgen damit in Wahrheit Ziele, die ihre Wurzel
im Anti-Theismus haben, also in der verschuldet-boshaften Leugnung der Existenz Gottes. Aber in der römisch-katholischen
Kirche gibt es sowieso nur die hl. Messe von Pius V. und niemand kann sich darüber hinwegsetzen.
@Aldo Carigiet: trid. Ritus für alle Zeiten DAs erstemal das Rückschritt ein Fortschritt ist. Sie übersehen
eines, wenn teile einer -weltweiten- Reform wieder zurückgenommen wird, dann gibst es -weltweit- keinen
Punkt in der Kirche der nicht auf den Prüfstand kommt. Etwas, das Sie wohl nicht wollen, gell? Im Übrigen
gibt es klare Weisungen, -weltweit- Jedoch halten sich Lehman und Kosorten genausowenig daran wie Piusbrüder
und Anhang. Warum sollte daher nur einer annehmen, dass Sie plötzlich zu folgsamen Schäfchen der Kirche
werden, wenn dies oder jenes erfüllt wird? Sie strafen sich selber Lügen.
#7 Aldo Carigiet 20:59:29 | Samstag, 2. Dezember 2006
trid. Ritus für alle Zeiten Wenn wir wieder zum alten, tridentinischen, Ritus zurückkehren, ist es ein
Fortschritt. Warum: 1. eine einheitliche Sprache -weltweit- 2. keine Verhundzungen der Liturgie 3. klare,
deutliche Weisungen -weltweit- 4. ad deum, d.h. zu Gott gerichtet 5. kein Schauspiel und andere Theater
6. der einheitliche Opfergedanke und -feier 7. jede Geste und jede Bewegung hat einen Sinn 8. das vollendete
Mysterium 9. damit gottgefällig und Gottes-Ver-Herr-Lichung 10. unersetzbarer Wert, unergründlich Je
schneller um so besser. Beten wir dafür, dass der trid. Ritus in aller Welt -ohne Einschränkung und
Vorschriften- wieder offiziell -nicht nur gestattet- sondern gefördert wird. Ihr Aldo Carigiet
@breze Sulpi legt halt verschiedene Maßstäbe an. Sehr empfindlich, wenn es um von ihm hochgeschätzte
Typen geht, sonst aber den Holzhammer oder die Giftspritze. Tja, und dann wartet er immer noch auf den
Kuß eines einsamen chinesischen Diktators. Unerfüllte Träume…
@Breze Wenn der Typ, der diesen Artikel verfasst hat, schon seit 17 Jahren tot ist, wie alt ist dann der
Artikel? Na ja, Dein Typ (Jopa II) ist ja auch schon einige Zeit tot. Übrigens, der von Dir sogenannte
„Typ“ war ein hochangesehener Priester und Wissenschaftler. Es gibt außer Jopa II und Bene XVI. nämlich
noch andere…