Aufklärung
Ein falscher Prophet
Heinrich Heine füllte das Papier mit vielen fleisch-frommen Sexualphantasien. Eine Lustseuche holte ihn auf den Boden der Wirklichkeit zurück. Von Leo G. Schüchter.
(kreuz.net) Beim letzten Weltjugendtag stand auch der wunderbare Kölner Dom im Mittelpunkt.

Das riesige Bauwerk wurde zwar im Mittelalter geplant und halb errichtet. Doch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelang es, das Meisterwerk zu vollenden.

Als der deutsche Dichter Heinrich Heine († 1856) seine Wintermärchenreise durch Deutschland machte, war der Dom noch eine Bauruine.

Den Bau der Kathedrale durch „klerikale Dunkelmänner“ erachtete Heine – etwas verschwörungstheoretisch – als Plan für einen „Riesenkerker der deutschen Vernunft“, dem Luther sein „großes Halt“ entgegengerufen habe.

Überhaupt sei die Kirche des Mittelalters eine Buhlschaft von Dummheit und Bosheit gewesen, die auf Scheiterhaufen Bücher und Menschen verbrannt habe – so Heines Phantasien.

In seiner gehässigen Kritik an der Kirche stand Heine ganz in der militanten Tradition von Voltaire, der Kult und Kultur der Kirche zertrümmern wollte.

Auch vom Königsberger Philosophen Immanuel Kant war der Dichter begeistert, weil der deutsche Philosoph gedanklich den Weg und den Glauben an einen persönlichen Gott zerschlagen habe.

Heine schrieb über das zeitgenössische Christentum – sozusagen als Vordenker Nietzsches:

Hört ihr das Glöckchen klingeln?
Kniet nieder – Man bringt die Sakramente einem sterbenden Gotte.


Aber der zum Protestantismus konvertierte deutsch-jüdische Poet blieb nicht bei der Destruktion stehen. Er träumte von einer neuen Religion der Lust und Liebe:

Auf diesem Felsen bauen wir
Die Kirche von dem dritten,
Dem dritten neuen Testament.
Das Leid ist ausgelitten.

Der heil’ge Gott, der ist im Licht
Wie in den Finsternissen;
Und Gott ist alles, was da ist;
Er ist in unsern Küssen.


Nach dem Alten und dem Neuen Testament versteht Heine sein Werk als Offenbarung einer neuen, dritten Kirche, aber nicht – wie im Mittelalter Joachim von Fiore – als Kirche des Heiligen Geistes, sondern als Gemeinschaft des heiligen Fleisches.

Von den Predigern der französischen Sekte des Saint Simon übernahm Heine die Forderung nach einer völligen geschlechtlichen Ungebundenheit, nach der „Rehabilitation des Fleisches“ und der „Konsekration der Materie“.

Die Ideen des Philosophen Baruch Spinoza und des Dichters Johann Wolfgang von Goethe baute Heine zu einem Pantheismus aus und würzte das Ganze mit einem Schuß Hegel:

Gott ist identisch mit der Welt. Er manifestiert sich in den Pflanzen, den Tieren und am herrlichsten im Menschen. Im Menschen kommt die Gottheit zum Selbstbewußtsein. Die ganze Menschheit ist eine Inkarnation Gottes.

Nachdem so der Himmel und das Jenseits gedanklich entsorgt waren, sollte der Mensch Gottes Seligkeit und das Himmelreich allein im Diesseits suchen, besonders im lustvollen Küssen und in der heiligen Wollust.

Allerdings erwachte Heine aus seiner pantheistischen Lustträumereien, als ihn seine Syphilis auf die „Matratzengruft“ warf.

Seine pagane Diesseitsvergöttlichung hatte der Dichter bewußt gegen die christliche Zukunftshoffnung auf einen transzendenten Gott propagiert:

Ja, Zuckererbsen wollen wir, bis daß die Schoten platzen;
Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen.
Bei diesem Verslein geriet Heine das Diktum von den schotenplatzenden Zuckererbsen allerdings zu einer dichterischen Knallerbse.

Zuckererbsen sind bekanntlich nur als junge zarte Schoten ein Genuss.

Oder sollten mit den geplatzten Erbsenschoten schon die geplatzten Träumereien von einem hedonistischen Erdenparadies erahnt und angedeutet werden?

Heines prophetische Aussagen zum Kölner Dom lagen ebenfalls weit daneben:

Er wird nicht vollendet – und das ist gut.
Denn eben die Nichtvollendung
Macht ihn zum Denkmal von Deutschlands Kraft
Und protestantischer Sendung.

Ja, kommen wird die Zeit sogar,
wo man, statt ihn zu vollenden,
die inneren Räume zu einem Stall
für Pferde wird verwenden.


Der Kölner Dom wurde dreißig Jahre nach dem Tod des Dichters fertiggebaut.

Die Vollendung des gewaltigen Kirchenbaus galt auch als ein Zeichen für das Wiedererstarken der Katholischen Kirche unter dem Seligen Papst Pius IX.
      
26 Lesermeinungen
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#26   petersemenczuk †   20:36:31 | Samstag, 2. Juli 2011
UND was sagt Gott zu dem >Tempelbau< in Deutschland vor den Worten und Feststellung >Heinrich Heines<???
„Aber der Allerhöchste wohnt nicht in Temepln (und Kirchen),
die mit Händen gemacht sind,wie der >Prophet< spricht:
„DER HIMMEL ist mein STUHL und die ERDE meiner Füße Schemel;
was wollt ihr mir (Menschenkinder) für ein Haus bauen???
Spricht der HERR; oder welches ist die Stätte meiner Ruhe??? Apostelg. 7, 48
1.„Wisset ihr nicht,(Ihr Gläubigen und wahre Christen) dass euer Leib ein Tempel des
Heiligen Geistes ist? 1.Korinther 3,
2.„Wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel/Kirche des Heiligen Geistes ist.
1.Korinther Kapitel 6, 15-20
3. „Was hat der Tempel Gottes für ein Bewandtnis/Gleichheit mit den GÖTZEN?
Und ihren Götzenanbeter darin? 2.Korinther 6, 14-18
GOTTES WILLE und GEBOT an die Menschheit: „Gehet aus von denen,die in Götzentempeln,(eine Gott ihrer Vorstellung anbeten)
damit ihr nicht teilhaftig werdet ihren SÜNDEN,spricht Gott der HERR>HEUTE<!
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#25   nightlight20022001   14:39:42 | Mittwoch, 20. Dezember 2006
Gott ist Licht und Gott erscheint,der Seele die im dunklen weilt!
Also mir gefällt der Spruch echt gut.Stammt aus dem Film Lost Souls.(verlorene Seelen)
Gott ist Licht und Gott erscheint,der Seele die im dunklen weilt,doch „Wen“wirds wohl,für Die wohl geben,die ständig im Reich des Lichtes leben.
Solche großartigen Denker die den Glauben ins Dieseits suchen.Deren Glauben Küsse und die heilige Wollust sind.
Die haben einfach zuviel vom Baum der „Erkenntnis“ genascht,haben aber trotzdem Heutzutage noch Ansehen vor der Welt.
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#24   miles immaculatae   16:52:52 | Montag, 11. September 2006
Dummes Zeug
Die Behauptung, Heine sei an Syphilis gestorben, wird auch durch ständige Wiederholung nicht wahrer. Sein angebetetes Eheweib, dem er in einer katholischen Kirche nach katholischem Ritus anvertraut wurde, erfreute sich jedenfalls noch nach 15 jähriger nach allem was man weiß glücklicher Ehe bester Gesundheit und blieb auch noch nach Heines Tod fröhlich am Leben. Heine starb mit hoher Wahrscheinlichkeit an mutipler Sklerose und nicht an Syphilis. Ansonsten war Heine protestantisch getauft, katholisch verheiratet, und bekannte sich, trotz aller antikirchlicher vor allem antikatholischer Polemik an Ende seines Lebens zum Glauben an den Schöpfergott, dementierte aber seine Zugehörigkeit zur katholischen Kirche. Der Artikel ist wirklich dummes Zeug.
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#23   Domenico Tuttisanti   09:05:44 | Montag, 11. September 2006
Heinrich Heine: Geständnisse VII
Der alte Herr besprach sich deshalb sehr oft mit meiner
Mutter über meine Erziehung und künftige Laufbahn, und
in solcher Unterredung war es, wie mir meine Mutter später
in Hamburg erzählte, daß er ihr den Rat erteilte, mich
dem Dienst der Kirche zu widmen und nach Rom zu schicken, um in
einem dortigen Seminar katholische Theologie zu studieren; durch
die einflußreichen Freunde, die der Rektor Schallmeyer unter
den Prälaten höchsten Ranges zu Rom besaß, versicherte
er, imstande zu sein, mich zu einem bedeutenden Kirchenamte zu
fördern. Als mir dieses meine Mutter erzählte, bedauerte
sie sehr, daß sie dem Rate des geistreichen alten Herrn
nicht Folge geleistet, der mein Naturell frühzeitig durchschaut
hatte und wohl am richtigsten begriff, welches geistige und physische
Klima demselben am angemessensten und heilsamsten gewesen sein
möchte. Die alte Frau bereute jetzt sehr, einen so vernünftigen
Vorschlag abgelehnt zu haben; aber zu jener Zeit träumte
sie für mich sehr hochfliegende weltliche Würden, und
dann war sie eine Schülerin Rousseaus, eine strenge Deistin,
und es war ihr auch außerdem nicht recht, ihren ältesten
Sohn in jene Soutane zu stecken, welche sie von deutschen Priestern
mit so plumpem Ungeschick tragen sah. Sie wußte nicht, wie
ganz anders ein römischer Abbate dieselbe mit einem graziösen
Schick trägt und wie kokett er das schwarzseidne Mäntelchen
achselt, das die fromme Uniform der Galanterie und der Schöngeisterei
ist im ewig schönen Rom.
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#22   Pünktchen   09:02:41 | Montag, 11. September 2006
Heinrich Heine: Geständnisse VI
In dieser Beziehung kommt mir oft ein Gespräch in den Sinn,
das ich mit meiner Mutter führte, vor etwa acht Jahren, wo
ich die hochbetagte Frau, die schon damals achtzigjährig,
in Hamburg besuchte. Eine sonderbare Äußerung entschlüpfte
ihr, als wir von den Schulen, worin ich meine Knabenzeit zubrachte,
und von meinen katholischen Lehrern sprachen, worunter sich, wie
ich jetzt erfuhr, manche ehemalige Mitglieder des Jesuitenordens
befanden. Wir sprachen viel von unserm alten lieben Schallmeyer,
dem in der französischen Periode die Leitung des Düsseldorfer
Lyzeums als Rektor anvertraut war, und der auch für die oberste
Klasse Vorlesungen über Philosophie hielt, worin er unumwunden
die freigeistigsten griechischen Systeme auseinandersetzte, wie
grell diese auch gegen die orthodoxen Dogmen abstachen, als deren
Priester er selbst zuweilen in geistlicher Amtstracht am Altar
fungierte. Es ist gewiß bedeutsam, und vielleicht einst
vor den Assisen im Tale Josaphat kann es mir als circonstance
atténuante angerechnet werden, daß ich schon im Knabenalter
den besagten philosophischen Vorlesungen beiwohnen durfte. Diese
bedenkliche Begünstigung genoß ich vorzugsweise, weil
der Rektor Schallmeyer sich als Freund unsrer Familie ganz besonders
für mich interessierte; einer meiner Öhme, der mit ihm
zu Bonn studiert hatte, war dort sein akademischer Pylades gewesen,
und mein Großvater errettete ihn einst aus einer tödlichen
Krankheit.
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#21   Domenico Tuttisanti   09:00:25 | Montag, 11. September 2006
Heinrich Heine: Geständnisse V
den er gegen heutige Demagogen so oft und so spaßhaft
glücklich zitierte. Pädagogik war die Spezialität
der Jesuiten, und obgleich sie dieselbe im Interesse ihres Ordens
treiben wollten, so nahm doch die Leidenschaft für die Pädagogik
selbst, die einzige menschliche Leidenschaft die ihnen blieb,
manchmal die Oberhand, sie vergaßen ihren Zweck, die Unterdrückung
der Vernunft zugunsten des Glaubens, und statt die Menschen wieder
zu Kindern zu machen, wie sie beabsichtigten, haben sie im Gegenteil,
gegen ihren Willen, durch den Unterricht die Kinder zu Menschen
gemacht. Die größten Männer der Revolution sind
aus den Jesuitenschulen hervorgegangen, und ohne die Disziplin
dieser letztern wäre vielleicht die große Geisterbewegung
erst ein Jahrhundert später ausgebrochen.
Arme Väter von der Gesellschaft Jesu! Ihr seid der Popanz
und der Sündenbock der liberalen Partei geworden, man hat
jedoch nur eure Gefährlichkeit, aber nicht eure Verdienste
begriffen. Was mich betrifft, so konnte ich nie einstimmen in
das Zetergeschrei meiner Genossen, die bei dem Namen Loyola immer
in Wut gerieten, wie Ochsen, denen man einen roten Lappen vorhält!
Und dann, ohne im geringsten die Hut meiner Parteiinteressen zu
verabsäumen, mußte ich mir in der Besonnenheit meines
Gemütes zuweilen gestehen, wie es oft von den kleinsten Zufälligkeiten
abhing, daß wir dieser statt jener Partei zufielen und uns
jetzt nicht in einem ganz entgegengesetzten Feldlager befänden.
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#20   Pünktchen   08:56:16 | Montag, 11. September 2006
Heinrich Heine: Geständnisse IV
wurden auch ihre Lehrbücher abgeschafft, die kurzgefaßten,
in lateinischer Sprache geschriebenen Leitfaden und Chrestomathien,
welche noch aus den Jesuitenschulen herstammten, und sie wurden
ebenfalls ersetzt durch neue Grammatiken und Kompendien, geschrieben
in einem schwindsüchtigen, pedantischen Berlinerdeutsch,
in einem abstrakten Wissenschaftsjargon, der den jungen Intelligenzen
minder zugänglich war, als das leichtfaßliche, natürliche
und gesunde Jesuitenlatein. Wie man auch über die Jesuiten
denkt, so muß man doch eingestehen, sie bewährten immer
einen praktischen Sinn im Unterricht, und ward auch bei ihrer
Methode die Kunde des Altertums sehr verstümmelt mitgeteilt,
so haben sie doch diese Altertumskenntnis sehr verallgemeinert,
sozusagen demokratisiert, sie ging in die Massen über, statt
daß bei der heutigen Methode der einzelne Gelehrte, der
Geistesaristokrat das Altertum und die Alten besser begreifen
lernt, aber der großen Volksmenge sehr selten ein klassischer
Brocken, irgendein Stück Herodot oder eine Äsopische
Fabel oder ein Horazischer Vers im Hirntopfe zurückbleibt,
wie ehemals, wo die armen Leute an den alten Schulbrotkrusten
ihrer Jugend später noch lange zu knuspern hatten. So ein
bißchen Latein ziert den ganzen Menschen, sagte mir einst
ein alter Schuster, dem aus der Zeit, wo er mit dem schwarzen
Mäntelchen in das Jesuitenkollegium ging, so mancher schöne
Ciceronianische Passus aus den Katilinarischen Reden im Gedächtnisse
geblieben,
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#19   Domenico Tuttisanti   08:52:45 | Montag, 11. September 2006
Heinrich Heine III
Die Zeit der Eitelkeit ist vorüber, und ich erlaube jedem,
über diese Geständnisse zu lächeln.
Ich brauche wohl nicht erst zu gestehen, daß in derselben
Weise, wie kein blinder Haß gegen die römische Kirche
in mir waltete, auch keine kleinliche Rancune gegen ihre Priester
in meinem Gemüte nisten konnte: wer meine satirische Begabnis
und die Bedürfnisse meines parodierenden Übermuts kennt,
wird mir gewiß das Zeugnis erteilen, daß ich die menschlichen
Schwächen der Klerisei immer schonte, obgleich in meiner
spätern Zeit die frommtuenden, aber dennoch sehr bissigen
Ratten, die in den Sakristeien Bayerns und Österreichs herumrascheln,
das verfaulte Pfaffengeschmeiß, mich oft genug zur Gegenwehr
reizte. Aber ich bewahrte im zornigsten Ekel dennoch immer eine
Ehrfurcht vor dem wahren Priesterstand, indem ich, in die Vergangenheit
zurückblickend, der Verdienste gedachte, die er sich einst
um mich erwarb. Denn katholische Priester waren es, denen ich
als Kind meinen ersten Unterricht verdankte; sie leiteten meine
ersten Geistesschritte. Auch in der höhern Unterrichtsanstalt
zu Düsseldorf, welche unter der französischen Regierung
das Lyzeum hieß, waren die Lehrer fast lauter katholische
Geistliche, die sich alle mit ernster Güte meiner Geistesbildung
annahmen; seit der preußischen Invasion, wo auch jene Schule
den preußisch-griechischen Namen Gymnasium annahm, wurden
die Priester allmählich durch weltliche Lehrer ersetzt. Mit
ihnen
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#18   Pünktchen   08:50:29 | Montag, 11. September 2006
Heinrich Heine: Geständnisse II
Als Denker, als Metaphysiker, mußte ich immer der
Konsequenz der römisch-katholischen Dogmatik meine Bewunderung
zollen; auch darf ich mich rühmen, weder das Dogma noch den
Kultus je durch Witz und Spötterei bekämpft zu haben,
und man hat mir zugleich zuviel Ehre und zuviel Unehre erzeigt,
wenn man mich einen Geistesverwandten Voltaires nannte. Ich war
immer ein Dichter, und deshalb mußte sich mir die Poesie,
welche in der Symbolik des katholischen Dogmas und Kultus blüht
und lodert, viel tiefer als andern Leuten offenbaren, und nicht
selten in meiner Jünglingszeit überwältigte auch
mich die unendliche Süße, die geheimnisvoll selige
Überschwenglichkeit und schauerliche Todeslust jener Poesie:
auch ich schwärmte manchmal für die hochgebenedeite
Königin des Himmels, die Legenden ihrer Huld und Güte
brachte ich in zierliche Reime, und meine erste Gedichtesammlung
enthält Spuren dieser schönen Madonna-Periode, die ich
in spätern Sammlungen lächerlich sorgsam ausmerzte.
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#17   Domenico Tuttisanti   08:49:14 | Montag, 11. September 2006
Heinrich Heine: Geständnisse I
„Gegen den armen ogre de Rome, gegen
die römische Kirche, ist also diese Reklamation nicht gerichtet.
Ich habe längst aller Befehdung derselben entsagt, und längst
ruht in der Scheide das Schwert, das ich einst zog im Dienste
einer Idee, und nicht einer Privatleidenschaft. Ja, ich war in
diesem Kampf gleichsam ein officier de fortune, der sich brav
schlägt, aber nach der Schlacht oder nach dem Scharmützel
keinen Tropfen Groll im Herzen bewahrt, weder gegen die bekämpfte
Sache, noch gegen ihre Vertreter. Von fanatischer Feindschaft
gegen die römische Kirche kann bei mir nicht die Rede sein,
da es mir immer an jener Borniertheit fehlt, die zu einer solchen
Animosität nötig ist. Ich kenne zu gut meine geistige
Taille, um nicht zu wissen, daß ich einem Kolosse, wie die
Peterskirche ist, mit meinem wütendsten Anrennen wenig schaden
dürfte; nur ein bescheidener Handlanger konnte ich sein bei
dem langsamen Abtragen seiner Quadern, welches Geschäft freilich
doch noch viele Jahrhunderte dauern mag. Ich war zu sehr Geschichtskundiger,
als daß ich nicht die Riesenhaftigkeit jenes Granitgebäudes
erkannt hätte; – nennt es immerhin die Bastille des Geistes,
behauptet immerhin, dieselbe werde jetzt nur noch von Invaliden
verteidigt: aber es ist darum nicht minder wahr, daß auch
diese Bastille nicht so leicht einzunehmen wäre, und noch
mancher junge Anstürmer an seinen Wällen den Hals brechen
wird.“
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#16   Gunsenum   06:54:43 | Montag, 11. September 2006
Eine Frage des Intellekts!
Wer nicht fähig ist, die Dimension des literaturwissenschaftlichen Heinrich Heines zu erkennen, zu verstehen und zu würdigen, dem mangelt es ganz schlicht und einfach an Intellekt.
Der Artikel ist unsachlich gehalten und verknüpft in unredlicher Weise das literarische Schaffen Heines, die Traditionen, die ihn beeinflußten und setzen diese ihn prägenden und schulenden Traditionen udn Tendenzen mit seiner Person und seinem Schaffen gleich. Das ist unredlich und zeigt wieder, dass es den kreuznetpiussen nicht darauf ankommt, die Sachfragen zu erörtern. Als Literaturwissenschaftler empfehle ich Ihnen den Einfphrungskurs „Neue Deutsche Literatur“ – dort lernen sie das HAndwerkszeug der Literaturkritik. Werk und Person sind strengstens zu unterscheiden. Werk und Person werden faktisch von gleichen Tendenzen geprägt, was noch lange nicht heitß, dass die Person für alle in seinen Werken propagierten Verhaltensweisen oder Ansichten steht.
Ähnlich sinnvoll – und nach ihrer Logik – wäre es zu vermuten,dasPaul Celan jeden Morgen ein frisches Glas „schwarze Milch der Frühe trank“, bevor er seine Zeitung las oder das Thomas Mann frisch und fromm des abends mit dem Totenschiffer Charon lustig plaudernd über den See fuhr (weil er das ja so im“Tod in Venedig schrieb, müsste er nach kreuznetlogik Anhänger der ägypt. Götterwelt und mit dieser auf „Du und Du“ sein!!!).
Würde ein Student einen solchen Artikel als Autorenessay oder Werkkritik vorlegen – ich würde ihn durchfallen lassen!
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#15   matt   01:59:30 | Montag, 11. September 2006
ich weiß nicht…
wir sind alle zuweilen Spötter und Verächter und wieso auch nicht. Und ich meine, der Spott ist ansich etwas gutes, wenn er zuweilen auch nach hinten ausschlägt und dem Spötter selbst Schande bereitet und in Ungnade wirft. Ich kenne diese Vorgänge und ich lasse sie geschehen, denn es führt unweigerlich zur Erkenntnis. Das meine ich auch mit: die Brücken abbrechen. Soll ich jedes meiner Worte auf die Goldwaage legen? Wenn ich so empfinde, dann rede ich so und wenn es mir morgen anders ist, rede ich anders. Manche Dinge begreift man eben erst dadurch, dass man sich gegen sie verfehlt und deshalb meine ich ja: es ist alles gut, wenn die Triebfeder gut ist. Wenn ich provozierend und verächtlich bin bei dem Wunsch nach voller Liebe und Erkenntnis, dann solls mir recht sein. Ich schreite voran und bereue nichts. Der Maßstab ist meine Empfindung und dafür will ich eine Entsprechung im Geist.
Ich habe ja schon öfters motiviert, dass der lanzelotsche Geist als Versucher einer neuen Kirche kommt, einer Kirche, die eigentlich die Braut des Königs ist. Aber dieser Geist hat etwas, nicht bloß Begabung zu künstlerischem Werk, wie es die Kirche wiederum vereinnahmt für ihre Schaulust. Nein: er hat die Kraft zum verwegenen Handeln, er ist unberechenbar, ja chaotisch, unordentlich, aber darin dennoch gerechtfertigt. Ja, er ist gerechtfertigt ohne all das Zeug, worauf sich die Kirche stützt und das ist ja der Anstoß für den König, der ihn in tiefe Lethargie fallen läßt.
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#14   blueberry   00:53:02 | Montag, 11. September 2006
@ matt
Heine hat nicht gefordert daß man diesen Dom nicht zuende baut. Er hat es mit beinahe-prophetischer Gabe voraus gesehen. Er hat damit das kommende gottlose Zeitalter herauf beschworen.
Er hat es weder gefordert noch hat er es verteidigt. Er hat nur gesagt: es wird so kommen.
Und es ist so gekommen.
In „Deutschland – ein Wintermärchen“ sieht Heine die braune Scheiße – eine Metapher für den Nationalsozialismus voraus. In seinen Essays hat er eine deutsche Revolution, im Gegensatz zur französischen Revolution angekündigt. Er hat die Welt vor dieser Revolution gewarnt. Hatte er etwa Unrecht?
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#13   matt   00:07:55 | Montag, 11. September 2006
Und die Kathie hat wieder triumphiert…
über einen, der ihr Böses wollte. Sie hat ihm ihr gewaltiges Dombauwerk zum Trotz hingestellt, dass es ihm nur so splattert.
Nun Heine war bestimmt ein falscher Prophet, aber die Kathie ist ja trotzdem ein biederes Mannsweib seit jeher und ihre Dompaläste zeugen ja eigentlich davon, dass sie sich selbst etwas beweisen muss. Sie muss sich beweisen, dass sie Größe besitzt, aber eigentlich baut sie sich ja wirklich große Häuser zum drinverstecken und verkriechen. Klostermauern, Domtempel, unsinniges Zeug. Schaut: wir haben allerhand Kirchen hier, aber die Leute scheren sich nicht darum. Das sind die Zuckerhüte der babylonischen Stadthure. Die Kathie ist ganz darin aufgegangen. Vielleicht wären die Menschen bessere Christen, wenn man ein paar dieser luxuriösen Tempel einreissen würde. Mir würden sie bestimmt nicht abgehen. Ich gehe da sowieso nie rein, ich bin ja kein Materialist.
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#12   Parzifal   22:16:09 | Sonntag, 10. September 2006
Dieser Artikel ist armselig…
…mehr muß man dazu gar nicht sagen.
Die neuere Forschung ist sich auch einig darin, daß Heine keineswegs an einer Geschlechtskrankheit gestorben ist.
Redaktion benachrichtigen
#11   Guldin   21:07:18 | Sonntag, 10. September 2006
@ Gotthard
Was regen sie sich auf?
Die Kreuznett-Ritter stürtzen sich doch gerade zu auf solche Sensationen – Stellen Sie sich vor – da wurde ein Ungläubiger doch tatsächlich Opfer einer Lustseuche!
Wenn das keine Schlagzeile wert ist, was dann?
:-!
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#10   Gotthard   21:02:52 | Sonntag, 10. September 2006
Hetze
wegen dieser Auslassung ist dieser Artikel eine absolute Katastrophe … er ist eindeutig Verblödung der Leser …reine Hetze.
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#9   gunther maria michel   20:56:21 | Sonntag, 10. September 2006
+++++
Der Artikel ist an sich gut, aber die Bekehrung Heinrich Heines hätte unbedingt erwähnt werden müssen, und deren Auslassung ist ein ernsthafter Mangel. Danke, Pater Michael, für die wichtige Ergänzung!
Überhaupt gab es eine Reihe von Atheisten und Christusfeinden, die sich am Ende ihres Lebens bekehrt haben, so etwa in der Bolschewistischen Partei (zum Beispiel Plechanow, der Chefideologe Lenins).
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#8   Aurelius   20:18:43 | Sonntag, 10. September 2006
Vollendung des Kölner Doms
Der Kölner Dom wurde dreißig Jahre nach dem Tod des Dichters fertiggebaut.
Die Vollendung des gewaltigen Kirchenbaus galt auch als ein Zeichen für das Wiedererstarken der Katholischen Kirche unter dem Seligen Papst Pius IX.
… und auch als Bonbon für die rheinischen Katholiken seitens der protestantischen Hohenzollern. Immerhin wurde der Grundstein zum Weiterbau von Friedrich Wilhelm IV. und Erzbischof von Geissel gemeinsam gelegt. Dann kam der Kulturkampf und beim Fest zur Vollendung der Bauarbeiten am 15. Oktober 1880 war zwar Kaiser Wilhelm I. anwesend, der Kölner Erzbischof aber nicht –- er befand sich in Verbannung.
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#7   centesimus annus   19:50:36 | Sonntag, 10. September 2006
centesimus annus, ein richtiger Prophet
Wahrlich, ich sage Euch, wenn die Redaktion diesen Account nicht bald löscht, dann werden sich viele User mit dem Passwort „100“ einloggen und viel Unsinn schreiben.
Wenn meine Freunde und -innen nicht mehr schreiben dürfen, will ich auch nicht.
kreuz.net ist für mich gestorben.
Redaktion benachrichtigen
#6   Sozialkatholisch   19:34:38 | Sonntag, 10. September 2006
@ Pater Michael
Die Buße und Bekehrung Heinrich Heines hätte wirklich zum Schluss des Artikels erwähnt werden können. Aber deshalb den Artikel als unchristlich zu bezeichnen ist doch wohl etwas übertrieben, denn vor seiner Bekehrung hat H.Heine wirklich eine Menge Mist verzapft und dem Heil der Menschen und der damaligen Zeit geschadet.
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#5   Pater Michael   19:06:52 | Sonntag, 10. September 2006
Heinrich Heine als Herz-Jesu-Verehrer
Heinrich Heine liess sich mit 28 J. taufen, „um in die europäische Kultur einzutreten“, fand 25 J. später „den persönlichen Gott“, dem er bis zum Tod (6 J. später) treu blieb. Im Zyklus „Die Nordsee“ schrieb er sein
Herz-Jesu-Gedicht – meine Antwort auf den m.E. unchristlichen Artikel „Der falsche Prophet“:
Hoch am Himmel stand die Sonne, von weissen Wolken umwogt. Das Meer war still, und sinnend lag ich am Steuer des Schiffes – und schaute Christus, den Heiland der Welt. Im wallend weissen Gewande wandelt’ er riesengross ueber Land und Meer. Es ragte sein Haupt in den Himmel, die Hände streckte er segnend ueber Land und Meer. Und als ein Herz in der Brust trug er die Sonne, die rote, flammende Sonne. Und das rote, flammende Sonnenherz goss seine Gnadenstrahlen und sein holdes, liebseliges Licht erleuchtend und wärmend ueber Land und Meer. Glockenklänge zogen feierlich … das gleitende Schiff … ans grüne Ufer, wo Menschen wohnten … O Friedenswunder! Wie still die Stadt! Es ruhte das dumpfe Geräusch der schwatzenden, schwülen Gewerbe. Und durch die reinen, hallenden Strassen wandelten Menschen, weissgekleidete, palmzweigtragende. Und wo zwei sich begegneten, sah’n sie sich an verständnissinnig … in Liebe und süsser Entsagung, küssten sie sich auf die Stirne und schauten hinauf nach des Heilands Sonnenherz, das freudig versöhnend sein rotes But hinabstrahlte. Und dreimalselig sprachen sie Gelobt sei Jesus Christ! Pater Hubertus Michael, Abu Sina
Redaktion benachrichtigen
#4   Joshua   18:29:05 | Sonntag, 10. September 2006
Sein Bekenntnis vor dem Tode
Heinrich Heine bekennt ehrlich vor seinem Tode:
„Zerschlagen ist die alte Leier am Felsen, welcher Christus heißt!
Die Leier,die zur bösen Feier bewegt ward von dem bösen Geist.
Die Leier, die zum Aufruhr klang, die Zweifel, Spott und Abfall sang.
O Herr, o Herr, ich kniee nieder, vergib, vergib mir meine Lieder!“
Redaktion benachrichtigen
#3   Celebration   18:21:55 | Sonntag, 10. September 2006
Ohne Mich!
Gerhard schrieb:
Ich kann mir sogar vorstellen, dass die Spaltung zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche unter Menschen wie Benedikt XVI. eines Tages ein Ende findet!
Herr, bewahre uns vor allem Ökumenismus!
(Naja, der Ex-Oberinquisitor ist ja auch schon bei Jahren ;-) )
Redaktion benachrichtigen
#2   Sozialkatholisch   17:57:10 | Sonntag, 10. September 2006
Hat Heine nicht –--
–-- kurz vor seinem Lebensende einige seiner Werke ins Feuer geworfen und dabei gesagt, es ist besser wenn die Verse brennen als das der Dichter brennt?
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#1   Gerhard   17:41:50 | Sonntag, 10. September 2006
Erstarken der allumfassenden Kirche
Die Vollendung des gewaltigen Kirchenbaus galt auch als ein Zeichen für das Wiedererstarken der Katholischen Kirche unter dem Seligen Papst Pius IX.
Ein Erstarken der allgemeinen, allumfassenden, Kirche Jesu Christi ist wünschenswert! Ich denke, dass auch Benedikt XVI. seinen Teil dazu beiträgt! (Ich freue mich, ihn bei seinem Auftreten in München per TV erlebt zu haben!) Ich kann mir sogar vorstellen, dass die Spaltung zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche unter Menschen wie Benedikt XVI. eines Tages ein Ende findet! Das Erstarken einer Kirche, wie sie durch die Rudolfssöhne, durch matt, Gruntram und dergleichen repräsentiert wird, wäre allerdings der Tod einer solchen Kirche!
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