Heinrich Heine füllte das Papier mit vielen fleisch-frommen Sexualphantasien. Eine Lustseuche holte ihn auf den Boden der Wirklichkeit zurück. Von Leo G. Schüchter.
(kreuz.net) Beim letzten Weltjugendtag stand auch der wunderbare Kölner Dom im Mittelpunkt.
Das riesige
Bauwerk wurde zwar im Mittelalter geplant und halb errichtet. Doch erst in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts gelang es, das Meisterwerk zu vollenden.
Als der deutsche Dichter Heinrich Heine († 1856)
seine Wintermärchenreise durch Deutschland machte, war der Dom noch eine Bauruine.
Den Bau der Kathedrale
durch „klerikale Dunkelmänner“ erachtete Heine – etwas verschwörungstheoretisch – als Plan für einen
„Riesenkerker der deutschen Vernunft“, dem Luther sein „großes Halt“ entgegengerufen habe.
Überhaupt
sei die Kirche des Mittelalters eine Buhlschaft von Dummheit und Bosheit gewesen, die auf Scheiterhaufen
Bücher und Menschen verbrannt habe – so Heines Phantasien.
In seiner gehässigen Kritik an der Kirche
stand Heine ganz in der militanten Tradition von Voltaire, der Kult und Kultur der Kirche zertrümmern
wollte.
Auch vom Königsberger Philosophen Immanuel Kant war der Dichter begeistert, weil der deutsche
Philosoph gedanklich den Weg und den Glauben an einen persönlichen Gott zerschlagen habe.
Heine schrieb
über das zeitgenössische Christentum – sozusagen als Vordenker Nietzsches:
Hört ihr das Glöckchen
klingeln? Kniet nieder – Man bringt die Sakramente einem sterbenden Gotte.
Aber der zum Protestantismus
konvertierte deutsch-jüdische Poet blieb nicht bei der Destruktion stehen. Er träumte von einer neuen
Religion der Lust und Liebe:
Auf diesem Felsen bauen wir Die Kirche von dem dritten, Dem dritten neuen
Testament. Das Leid ist ausgelitten. … Der heil’ge Gott, der ist im Licht Wie in den Finsternissen;
Und Gott ist alles, was da ist; Er ist in unsern Küssen.
Nach dem Alten und dem Neuen Testament versteht
Heine sein Werk als Offenbarung einer neuen, dritten Kirche, aber nicht – wie im Mittelalter Joachim von
Fiore – als Kirche des Heiligen Geistes, sondern als Gemeinschaft des heiligen Fleisches.
Von den Predigern
der französischen Sekte des Saint Simon übernahm Heine die Forderung nach einer völligen geschlechtlichen
Ungebundenheit, nach der „Rehabilitation des Fleisches“ und der „Konsekration der Materie“.
Die Ideen
des Philosophen Baruch Spinoza und des Dichters Johann Wolfgang von Goethe baute Heine zu einem Pantheismus
aus und würzte das Ganze mit einem Schuß Hegel:
Gott ist identisch mit der Welt. Er manifestiert sich
in den Pflanzen, den Tieren und am herrlichsten im Menschen. Im Menschen kommt die Gottheit zum Selbstbewußtsein.
Die ganze Menschheit ist eine Inkarnation Gottes.
Nachdem so der Himmel und das Jenseits gedanklich entsorgt
waren, sollte der Mensch Gottes Seligkeit und das Himmelreich allein im Diesseits suchen, besonders im
lustvollen Küssen und in der heiligen Wollust.
Allerdings erwachte Heine aus seiner pantheistischen
Lustträumereien, als ihn seine Syphilis auf die „Matratzengruft“ warf.
Seine pagane Diesseitsvergöttlichung
hatte der Dichter bewußt gegen die christliche Zukunftshoffnung auf einen transzendenten Gott propagiert:
Ja, Zuckererbsen wollen wir, bis daß die Schoten platzen; Den Himmel überlassen wir den Engeln und
den Spatzen. Bei diesem Verslein geriet Heine das Diktum von den schotenplatzenden Zuckererbsen allerdings
zu einer dichterischen Knallerbse.
Zuckererbsen sind bekanntlich nur als junge zarte Schoten ein Genuss.
Oder sollten mit den geplatzten Erbsenschoten schon die geplatzten Träumereien von einem hedonistischen
Erdenparadies erahnt und angedeutet werden?
Heines prophetische Aussagen zum Kölner Dom lagen ebenfalls
weit daneben:
Er wird nicht vollendet – und das ist gut. Denn eben die Nichtvollendung Macht ihn zum
Denkmal von Deutschlands Kraft Und protestantischer Sendung.
Ja, kommen wird die Zeit sogar, wo man,
statt ihn zu vollenden, die inneren Räume zu einem Stall für Pferde wird verwenden.
Der Kölner Dom
wurde dreißig Jahre nach dem Tod des Dichters fertiggebaut.
Die Vollendung des gewaltigen Kirchenbaus
galt auch als ein Zeichen für das Wiedererstarken der Katholischen Kirche unter dem Seligen Papst Pius
IX.
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26 Lesermeinungen
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UND was sagt Gott zu dem >Tempelbau< in Deutschland vor den Worten und Feststellung >Heinrich Heines<???
„Aber der Allerhöchste wohnt nicht in Temepln (und Kirchen), die mit Händen gemacht sind,wie der >Prophet<
spricht: „DER HIMMEL ist mein STUHL und die ERDE meiner Füße Schemel; was wollt ihr mir (Menschenkinder)
für ein Haus bauen??? Spricht der HERR; oder welches ist die Stätte meiner Ruhe??? Apostelg. 7, 48 1.„Wisset
ihr nicht,(Ihr Gläubigen und wahre Christen) dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist? 1.Korinther
3, 2.„Wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel/Kirche des Heiligen Geistes ist. 1.Korinther Kapitel
6, 15-20 3. „Was hat der Tempel Gottes für ein Bewandtnis/Gleichheit mit den GÖTZEN? Und ihren Götzenanbeter
darin? 2.Korinther 6, 14-18 GOTTES WILLE und GEBOT an die Menschheit: „Gehet aus von denen,die in Götzentempeln,(eine
Gott ihrer Vorstellung anbeten) damit ihr nicht teilhaftig werdet ihren SÜNDEN,spricht Gott der HERR>HEUTE<!
Gott ist Licht und Gott erscheint,der Seele die im dunklen weilt! Also mir gefällt der Spruch echt gut.Stammt
aus dem Film Lost Souls.(verlorene Seelen) Gott ist Licht und Gott erscheint,der Seele die im dunklen
weilt,doch „Wen“wirds wohl,für Die wohl geben,die ständig im Reich des Lichtes leben. Solche großartigen
Denker die den Glauben ins Dieseits suchen.Deren Glauben Küsse und die heilige Wollust sind. Die haben
einfach zuviel vom Baum der „Erkenntnis“ genascht,haben aber trotzdem Heutzutage noch Ansehen vor der
Welt.
Dummes Zeug Die Behauptung, Heine sei an Syphilis gestorben, wird auch durch ständige Wiederholung nicht
wahrer. Sein angebetetes Eheweib, dem er in einer katholischen Kirche nach katholischem Ritus anvertraut
wurde, erfreute sich jedenfalls noch nach 15 jähriger nach allem was man weiß glücklicher Ehe bester
Gesundheit und blieb auch noch nach Heines Tod fröhlich am Leben. Heine starb mit hoher Wahrscheinlichkeit
an mutipler Sklerose und nicht an Syphilis. Ansonsten war Heine protestantisch getauft, katholisch verheiratet,
und bekannte sich, trotz aller antikirchlicher vor allem antikatholischer Polemik an Ende seines Lebens
zum Glauben an den Schöpfergott, dementierte aber seine Zugehörigkeit zur katholischen Kirche. Der Artikel
ist wirklich dummes Zeug.
Heinrich Heine: Geständnisse VII Der alte Herr besprach sich deshalb sehr oft mit meiner Mutter über
meine Erziehung und künftige Laufbahn, und in solcher Unterredung war es, wie mir meine Mutter später
in Hamburg erzählte, daß er ihr den Rat erteilte, mich dem Dienst der Kirche zu widmen und nach Rom
zu schicken, um in einem dortigen Seminar katholische Theologie zu studieren; durch die einflußreichen
Freunde, die der Rektor Schallmeyer unter den Prälaten höchsten Ranges zu Rom besaß, versicherte er,
imstande zu sein, mich zu einem bedeutenden Kirchenamte zu fördern. Als mir dieses meine Mutter erzählte,
bedauerte sie sehr, daß sie dem Rate des geistreichen alten Herrn nicht Folge geleistet, der mein Naturell
frühzeitig durchschaut hatte und wohl am richtigsten begriff, welches geistige und physische Klima demselben
am angemessensten und heilsamsten gewesen sein möchte. Die alte Frau bereute jetzt sehr, einen so vernünftigen
Vorschlag abgelehnt zu haben; aber zu jener Zeit träumte sie für mich sehr hochfliegende weltliche Würden,
und dann war sie eine Schülerin Rousseaus, eine strenge Deistin, und es war ihr auch außerdem nicht
recht, ihren ältesten Sohn in jene Soutane zu stecken, welche sie von deutschen Priestern mit so plumpem
Ungeschick tragen sah. Sie wußte nicht, wie ganz anders ein römischer Abbate dieselbe mit einem graziösen
Schick trägt und wie kokett er das schwarzseidne Mäntelchen achselt, das die fromme Uniform der Galanterie
und der Schöngeisterei ist im ewig schönen Rom.
#22 Pünktchen 09:02:41 | Montag, 11. September 2006
Heinrich Heine: Geständnisse VI In dieser Beziehung kommt mir oft ein Gespräch in den Sinn, das ich
mit meiner Mutter führte, vor etwa acht Jahren, wo ich die hochbetagte Frau, die schon damals achtzigjährig,
in Hamburg besuchte. Eine sonderbare Äußerung entschlüpfte ihr, als wir von den Schulen, worin ich
meine Knabenzeit zubrachte, und von meinen katholischen Lehrern sprachen, worunter sich, wie ich jetzt
erfuhr, manche ehemalige Mitglieder des Jesuitenordens befanden. Wir sprachen viel von unserm alten lieben
Schallmeyer, dem in der französischen Periode die Leitung des Düsseldorfer Lyzeums als Rektor anvertraut
war, und der auch für die oberste Klasse Vorlesungen über Philosophie hielt, worin er unumwunden die
freigeistigsten griechischen Systeme auseinandersetzte, wie grell diese auch gegen die orthodoxen Dogmen
abstachen, als deren Priester er selbst zuweilen in geistlicher Amtstracht am Altar fungierte. Es ist
gewiß bedeutsam, und vielleicht einst vor den Assisen im Tale Josaphat kann es mir als circonstance atténuante
angerechnet werden, daß ich schon im Knabenalter den besagten philosophischen Vorlesungen beiwohnen durfte.
Diese bedenkliche Begünstigung genoß ich vorzugsweise, weil der Rektor Schallmeyer sich als Freund unsrer
Familie ganz besonders für mich interessierte; einer meiner Öhme, der mit ihm zu Bonn studiert hatte,
war dort sein akademischer Pylades gewesen, und mein Großvater errettete ihn einst aus einer tödlichen
Krankheit.
Heinrich Heine: Geständnisse V den er gegen heutige Demagogen so oft und so spaßhaft glücklich zitierte.
Pädagogik war die Spezialität der Jesuiten, und obgleich sie dieselbe im Interesse ihres Ordens treiben
wollten, so nahm doch die Leidenschaft für die Pädagogik selbst, die einzige menschliche Leidenschaft
die ihnen blieb, manchmal die Oberhand, sie vergaßen ihren Zweck, die Unterdrückung der Vernunft zugunsten
des Glaubens, und statt die Menschen wieder zu Kindern zu machen, wie sie beabsichtigten, haben sie im
Gegenteil, gegen ihren Willen, durch den Unterricht die Kinder zu Menschen gemacht. Die größten Männer
der Revolution sind aus den Jesuitenschulen hervorgegangen, und ohne die Disziplin dieser letztern wäre
vielleicht die große Geisterbewegung erst ein Jahrhundert später ausgebrochen. Arme Väter von der Gesellschaft
Jesu! Ihr seid der Popanz und der Sündenbock der liberalen Partei geworden, man hat jedoch nur eure Gefährlichkeit,
aber nicht eure Verdienste begriffen. Was mich betrifft, so konnte ich nie einstimmen in das Zetergeschrei
meiner Genossen, die bei dem Namen Loyola immer in Wut gerieten, wie Ochsen, denen man einen roten Lappen
vorhält! Und dann, ohne im geringsten die Hut meiner Parteiinteressen zu verabsäumen, mußte ich mir
in der Besonnenheit meines Gemütes zuweilen gestehen, wie es oft von den kleinsten Zufälligkeiten abhing,
daß wir dieser statt jener Partei zufielen und uns jetzt nicht in einem ganz entgegengesetzten Feldlager
befänden.
#20 Pünktchen 08:56:16 | Montag, 11. September 2006
Heinrich Heine: Geständnisse IV wurden auch ihre Lehrbücher abgeschafft, die kurzgefaßten, in lateinischer
Sprache geschriebenen Leitfaden und Chrestomathien, welche noch aus den Jesuitenschulen herstammten, und
sie wurden ebenfalls ersetzt durch neue Grammatiken und Kompendien, geschrieben in einem schwindsüchtigen,
pedantischen Berlinerdeutsch, in einem abstrakten Wissenschaftsjargon, der den jungen Intelligenzen minder
zugänglich war, als das leichtfaßliche, natürliche und gesunde Jesuitenlatein. Wie man auch über die
Jesuiten denkt, so muß man doch eingestehen, sie bewährten immer einen praktischen Sinn im Unterricht,
und ward auch bei ihrer Methode die Kunde des Altertums sehr verstümmelt mitgeteilt, so haben sie doch
diese Altertumskenntnis sehr verallgemeinert, sozusagen demokratisiert, sie ging in die Massen über,
statt daß bei der heutigen Methode der einzelne Gelehrte, der Geistesaristokrat das Altertum und die
Alten besser begreifen lernt, aber der großen Volksmenge sehr selten ein klassischer Brocken, irgendein
Stück Herodot oder eine Äsopische Fabel oder ein Horazischer Vers im Hirntopfe zurückbleibt, wie ehemals,
wo die armen Leute an den alten Schulbrotkrusten ihrer Jugend später noch lange zu knuspern hatten. So
ein bißchen Latein ziert den ganzen Menschen, sagte mir einst ein alter Schuster, dem aus der Zeit, wo
er mit dem schwarzen Mäntelchen in das Jesuitenkollegium ging, so mancher schöne Ciceronianische Passus
aus den Katilinarischen Reden im Gedächtnisse geblieben,
Heinrich Heine III Die Zeit der Eitelkeit ist vorüber, und ich erlaube jedem, über diese Geständnisse
zu lächeln. Ich brauche wohl nicht erst zu gestehen, daß in derselben Weise, wie kein blinder Haß gegen
die römische Kirche in mir waltete, auch keine kleinliche Rancune gegen ihre Priester in meinem Gemüte
nisten konnte: wer meine satirische Begabnis und die Bedürfnisse meines parodierenden Übermuts kennt,
wird mir gewiß das Zeugnis erteilen, daß ich die menschlichen Schwächen der Klerisei immer schonte,
obgleich in meiner spätern Zeit die frommtuenden, aber dennoch sehr bissigen Ratten, die in den Sakristeien
Bayerns und Österreichs herumrascheln, das verfaulte Pfaffengeschmeiß, mich oft genug zur Gegenwehr
reizte. Aber ich bewahrte im zornigsten Ekel dennoch immer eine Ehrfurcht vor dem wahren Priesterstand,
indem ich, in die Vergangenheit zurückblickend, der Verdienste gedachte, die er sich einst um mich erwarb.
Denn katholische Priester waren es, denen ich als Kind meinen ersten Unterricht verdankte; sie leiteten
meine ersten Geistesschritte. Auch in der höhern Unterrichtsanstalt zu Düsseldorf, welche unter der
französischen Regierung das Lyzeum hieß, waren die Lehrer fast lauter katholische Geistliche, die sich
alle mit ernster Güte meiner Geistesbildung annahmen; seit der preußischen Invasion, wo auch jene Schule
den preußisch-griechischen Namen Gymnasium annahm, wurden die Priester allmählich durch weltliche Lehrer
ersetzt. Mit ihnen
#18 Pünktchen 08:50:29 | Montag, 11. September 2006
Heinrich Heine: Geständnisse II Als Denker, als Metaphysiker, mußte ich immer der Konsequenz der römisch-katholischen
Dogmatik meine Bewunderung zollen; auch darf ich mich rühmen, weder das Dogma noch den Kultus je durch
Witz und Spötterei bekämpft zu haben, und man hat mir zugleich zuviel Ehre und zuviel Unehre erzeigt,
wenn man mich einen Geistesverwandten Voltaires nannte. Ich war immer ein Dichter, und deshalb mußte
sich mir die Poesie, welche in der Symbolik des katholischen Dogmas und Kultus blüht und lodert, viel
tiefer als andern Leuten offenbaren, und nicht selten in meiner Jünglingszeit überwältigte auch mich
die unendliche Süße, die geheimnisvoll selige Überschwenglichkeit und schauerliche Todeslust jener
Poesie: auch ich schwärmte manchmal für die hochgebenedeite Königin des Himmels, die Legenden ihrer
Huld und Güte brachte ich in zierliche Reime, und meine erste Gedichtesammlung enthält Spuren dieser
schönen Madonna-Periode, die ich in spätern Sammlungen lächerlich sorgsam ausmerzte.
Heinrich Heine: Geständnisse I „Gegen den armen ogre de Rome, gegen die römische Kirche, ist also diese
Reklamation nicht gerichtet. Ich habe längst aller Befehdung derselben entsagt, und längst ruht in der
Scheide das Schwert, das ich einst zog im Dienste einer Idee, und nicht einer Privatleidenschaft. Ja,
ich war in diesem Kampf gleichsam ein officier de fortune, der sich brav schlägt, aber nach der Schlacht
oder nach dem Scharmützel keinen Tropfen Groll im Herzen bewahrt, weder gegen die bekämpfte Sache, noch
gegen ihre Vertreter. Von fanatischer Feindschaft gegen die römische Kirche kann bei mir nicht die Rede
sein, da es mir immer an jener Borniertheit fehlt, die zu einer solchen Animosität nötig ist. Ich kenne
zu gut meine geistige Taille, um nicht zu wissen, daß ich einem Kolosse, wie die Peterskirche ist, mit
meinem wütendsten Anrennen wenig schaden dürfte; nur ein bescheidener Handlanger konnte ich sein bei
dem langsamen Abtragen seiner Quadern, welches Geschäft freilich doch noch viele Jahrhunderte dauern
mag. Ich war zu sehr Geschichtskundiger, als daß ich nicht die Riesenhaftigkeit jenes Granitgebäudes
erkannt hätte; – nennt es immerhin die Bastille des Geistes, behauptet immerhin, dieselbe werde jetzt
nur noch von Invaliden verteidigt: aber es ist darum nicht minder wahr, daß auch diese Bastille nicht
so leicht einzunehmen wäre, und noch mancher junge Anstürmer an seinen Wällen den Hals brechen wird.“
#16 Gunsenum 06:54:43 | Montag, 11. September 2006
Eine Frage des Intellekts! Wer nicht fähig ist, die Dimension des literaturwissenschaftlichen Heinrich
Heines zu erkennen, zu verstehen und zu würdigen, dem mangelt es ganz schlicht und einfach an Intellekt.
Der Artikel ist unsachlich gehalten und verknüpft in unredlicher Weise das literarische Schaffen Heines,
die Traditionen, die ihn beeinflußten und setzen diese ihn prägenden und schulenden Traditionen udn
Tendenzen mit seiner Person und seinem Schaffen gleich. Das ist unredlich und zeigt wieder, dass es den
kreuznetpiussen nicht darauf ankommt, die Sachfragen zu erörtern. Als Literaturwissenschaftler empfehle
ich Ihnen den Einfphrungskurs „Neue Deutsche Literatur“ – dort lernen sie das HAndwerkszeug der Literaturkritik.
Werk und Person sind strengstens zu unterscheiden. Werk und Person werden faktisch von gleichen Tendenzen
geprägt, was noch lange nicht heitß, dass die Person für alle in seinen Werken propagierten Verhaltensweisen
oder Ansichten steht. Ähnlich sinnvoll – und nach ihrer Logik – wäre es zu vermuten,dasPaul Celan jeden
Morgen ein frisches Glas „schwarze Milch der Frühe trank“, bevor er seine Zeitung las oder das Thomas
Mann frisch und fromm des abends mit dem Totenschiffer Charon lustig plaudernd über den See fuhr (weil
er das ja so im“Tod in Venedig schrieb, müsste er nach kreuznetlogik Anhänger der ägypt. Götterwelt
und mit dieser auf „Du und Du“ sein!!!). Würde ein Student einen solchen Artikel als Autorenessay oder
Werkkritik vorlegen – ich würde ihn durchfallen lassen!
ich weiß nicht… wir sind alle zuweilen Spötter und Verächter und wieso auch nicht. Und ich meine,
der Spott ist ansich etwas gutes, wenn er zuweilen auch nach hinten ausschlägt und dem Spötter selbst
Schande bereitet und in Ungnade wirft. Ich kenne diese Vorgänge und ich lasse sie geschehen, denn es
führt unweigerlich zur Erkenntnis. Das meine ich auch mit: die Brücken abbrechen. Soll ich jedes meiner
Worte auf die Goldwaage legen? Wenn ich so empfinde, dann rede ich so und wenn es mir morgen anders ist,
rede ich anders. Manche Dinge begreift man eben erst dadurch, dass man sich gegen sie verfehlt und deshalb
meine ich ja: es ist alles gut, wenn die Triebfeder gut ist. Wenn ich provozierend und verächtlich bin
bei dem Wunsch nach voller Liebe und Erkenntnis, dann solls mir recht sein. Ich schreite voran und bereue
nichts. Der Maßstab ist meine Empfindung und dafür will ich eine Entsprechung im Geist. Ich habe ja
schon öfters motiviert, dass der lanzelotsche Geist als Versucher einer neuen Kirche kommt, einer Kirche,
die eigentlich die Braut des Königs ist. Aber dieser Geist hat etwas, nicht bloß Begabung zu künstlerischem
Werk, wie es die Kirche wiederum vereinnahmt für ihre Schaulust. Nein: er hat die Kraft zum verwegenen
Handeln, er ist unberechenbar, ja chaotisch, unordentlich, aber darin dennoch gerechtfertigt. Ja, er ist
gerechtfertigt ohne all das Zeug, worauf sich die Kirche stützt und das ist ja der Anstoß für den König,
der ihn in tiefe Lethargie fallen läßt.
#14 blueberry 00:53:02 | Montag, 11. September 2006
@ matt Heine hat nicht gefordert daß man diesen Dom nicht zuende baut. Er hat es mit beinahe-prophetischer
Gabe voraus gesehen. Er hat damit das kommende gottlose Zeitalter herauf beschworen. Er hat es weder gefordert
noch hat er es verteidigt. Er hat nur gesagt: es wird so kommen. Und es ist so gekommen. In „Deutschland –
ein Wintermärchen“ sieht Heine die braune Scheiße – eine Metapher für den Nationalsozialismus voraus.
In seinen Essays hat er eine deutsche Revolution, im Gegensatz zur französischen Revolution angekündigt.
Er hat die Welt vor dieser Revolution gewarnt. Hatte er etwa Unrecht?
Und die Kathie hat wieder triumphiert… über einen, der ihr Böses wollte. Sie hat ihm ihr gewaltiges
Dombauwerk zum Trotz hingestellt, dass es ihm nur so splattert. Nun Heine war bestimmt ein falscher Prophet,
aber die Kathie ist ja trotzdem ein biederes Mannsweib seit jeher und ihre Dompaläste zeugen ja eigentlich
davon, dass sie sich selbst etwas beweisen muss. Sie muss sich beweisen, dass sie Größe besitzt, aber
eigentlich baut sie sich ja wirklich große Häuser zum drinverstecken und verkriechen. Klostermauern,
Domtempel, unsinniges Zeug. Schaut: wir haben allerhand Kirchen hier, aber die Leute scheren sich nicht
darum. Das sind die Zuckerhüte der babylonischen Stadthure. Die Kathie ist ganz darin aufgegangen. Vielleicht
wären die Menschen bessere Christen, wenn man ein paar dieser luxuriösen Tempel einreissen würde. Mir
würden sie bestimmt nicht abgehen. Ich gehe da sowieso nie rein, ich bin ja kein Materialist.
#12 Parzifal 22:16:09 | Sonntag, 10. September 2006
Dieser Artikel ist armselig… …mehr muß man dazu gar nicht sagen. Die neuere Forschung ist sich auch
einig darin, daß Heine keineswegs an einer Geschlechtskrankheit gestorben ist.
@ Gotthard Was regen sie sich auf? Die Kreuznett-Ritter stürtzen sich doch gerade zu auf solche Sensationen –
Stellen Sie sich vor – da wurde ein Ungläubiger doch tatsächlich Opfer einer Lustseuche! Wenn das keine
Schlagzeile wert ist, was dann?
+++++ Der Artikel ist an sich gut, aber die Bekehrung Heinrich Heines hätte unbedingt erwähnt werden
müssen, und deren Auslassung ist ein ernsthafter Mangel. Danke, Pater Michael, für die wichtige Ergänzung!
Überhaupt gab es eine Reihe von Atheisten und Christusfeinden, die sich am Ende ihres Lebens bekehrt
haben, so etwa in der Bolschewistischen Partei (zum Beispiel Plechanow, der Chefideologe Lenins).
#8 Aurelius 20:18:43 | Sonntag, 10. September 2006
Vollendung des Kölner Doms Der Kölner Dom wurde dreißig Jahre nach dem Tod des Dichters fertiggebaut.
Die Vollendung des gewaltigen Kirchenbaus galt auch als ein Zeichen für das Wiedererstarken der Katholischen
Kirche unter dem Seligen Papst Pius IX. … und auch als Bonbon für die rheinischen Katholiken seitens
der protestantischen Hohenzollern. Immerhin wurde der Grundstein zum Weiterbau von Friedrich Wilhelm IV.
und Erzbischof von Geissel gemeinsam gelegt. Dann kam der Kulturkampf und beim Fest zur Vollendung der
Bauarbeiten am 15. Oktober 1880 war zwar Kaiser Wilhelm I. anwesend, der Kölner Erzbischof aber nicht
–- er befand sich in Verbannung.
centesimus annus, ein richtiger Prophet Wahrlich, ich sage Euch, wenn die Redaktion diesen Account nicht
bald löscht, dann werden sich viele User mit dem Passwort „100“ einloggen und viel Unsinn schreiben.
Wenn meine Freunde und -innen nicht mehr schreiben dürfen, will ich auch nicht. kreuz.net ist für mich
gestorben.
@ Pater Michael Die Buße und Bekehrung Heinrich Heines hätte wirklich zum Schluss des Artikels erwähnt
werden können. Aber deshalb den Artikel als unchristlich zu bezeichnen ist doch wohl etwas übertrieben,
denn vor seiner Bekehrung hat H.Heine wirklich eine Menge Mist verzapft und dem Heil der Menschen und
der damaligen Zeit geschadet.
#5 Pater Michael 19:06:52 | Sonntag, 10. September 2006
Heinrich Heine als Herz-Jesu-Verehrer Heinrich Heine liess sich mit 28 J. taufen, „um in die europäische
Kultur einzutreten“, fand 25 J. später „den persönlichen Gott“, dem er bis zum Tod (6 J. später) treu
blieb. Im Zyklus „Die Nordsee“ schrieb er sein Herz-Jesu-Gedicht – meine Antwort auf den m.E. unchristlichen
Artikel „Der falsche Prophet“: Hoch am Himmel stand die Sonne, von weissen Wolken umwogt. Das Meer war
still, und sinnend lag ich am Steuer des Schiffes – und schaute Christus, den Heiland der Welt. Im wallend
weissen Gewande wandelt’ er riesengross ueber Land und Meer. Es ragte sein Haupt in den Himmel, die Hände
streckte er segnend ueber Land und Meer. Und als ein Herz in der Brust trug er die Sonne, die rote, flammende
Sonne. Und das rote, flammende Sonnenherz goss seine Gnadenstrahlen und sein holdes, liebseliges Licht
erleuchtend und wärmend ueber Land und Meer. Glockenklänge zogen feierlich … das gleitende Schiff …
ans grüne Ufer, wo Menschen wohnten … O Friedenswunder! Wie still die Stadt! Es ruhte das dumpfe Geräusch
der schwatzenden, schwülen Gewerbe. Und durch die reinen, hallenden Strassen wandelten Menschen, weissgekleidete,
palmzweigtragende. Und wo zwei sich begegneten, sah’n sie sich an verständnissinnig … in Liebe und
süsser Entsagung, küssten sie sich auf die Stirne und schauten hinauf nach des Heilands Sonnenherz,
das freudig versöhnend sein rotes But hinabstrahlte. Und dreimalselig sprachen sie Gelobt sei Jesus Christ!
Pater Hubertus Michael, Abu Sina
Sein Bekenntnis vor dem Tode Heinrich Heine bekennt ehrlich vor seinem Tode: „Zerschlagen ist die alte
Leier am Felsen, welcher Christus heißt! Die Leier,die zur bösen Feier bewegt ward von dem bösen Geist.
Die Leier, die zum Aufruhr klang, die Zweifel, Spott und Abfall sang. O Herr, o Herr, ich kniee nieder,
vergib, vergib mir meine Lieder!“
#3 Celebration 18:21:55 | Sonntag, 10. September 2006
Ohne Mich! Gerhard schrieb: Ich kann mir sogar vorstellen, dass die Spaltung zwischen evangelischer und
römisch-katholischer Kirche unter Menschen wie Benedikt XVI. eines Tages ein Ende findet! Herr, bewahre
uns vor allem Ökumenismus! (Naja, der Ex-Oberinquisitor ist ja auch schon bei Jahren )
Hat Heine nicht –-- –-- kurz vor seinem Lebensende einige seiner Werke ins Feuer geworfen und dabei gesagt,
es ist besser wenn die Verse brennen als das der Dichter brennt?
Erstarken der allumfassenden Kirche Die Vollendung des gewaltigen Kirchenbaus galt auch als ein Zeichen
für das Wiedererstarken der Katholischen Kirche unter dem Seligen Papst Pius IX. Ein Erstarken der allgemeinen,
allumfassenden, Kirche Jesu Christi ist wünschenswert! Ich denke, dass auch Benedikt XVI. seinen Teil
dazu beiträgt! (Ich freue mich, ihn bei seinem Auftreten in München per TV erlebt zu haben!) Ich kann
mir sogar vorstellen, dass die Spaltung zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche unter
Menschen wie Benedikt XVI. eines Tages ein Ende findet! Das Erstarken einer Kirche, wie sie durch die
Rudolfssöhne, durch matt, Gruntram und dergleichen repräsentiert wird, wäre allerdings der Tod einer
solchen Kirche!