14:05:36 | Montag, 11. September 2006
Die Papstreise in Bayern verläuft praktisch reibungslos. Heute jubelten dem Heiligen Vater in Altötting 60.000 Gläubige zu. Auch eine winzige Panne wurde bekannt.
(kreuz.net, Altötting) Papst Benedikt XVI. wurde heute – am dritten Tag seines Besuchs in Bayern – mit
einem Hubschrauber in den Marienwallfahrtsort Altötting geflogen.
Der Heilige Vater betete zuerst in
der Gnadenkapelle und schüttelte vielen Pilgern die Hände. Mehreren Kindern küßte er die Stirn.
Um
10.30 Uhr begann die Heilige Messe unter dem Jubel von 60.000 Pilgern. Sie schwenkten Fähnchen und sangen
„Viva il Papa“.
Benedikt XVI. predigte über das Evangelium von der Hochzeit zu Kana.
Dort nenne Christus
seine Mutter „Frau“ – so der Papst. Damit drücke er die Stellung der Muttergottes in der Heilsgeschichte
aus. Sie weise voraus auf die Stunde der Kreuzigung, in der Christus seine Mutter wieder als „Frau“ ansprechen
werde.
Die Bezeichnung weise auch zurück auf die Erschaffung Evas, die Adam als „Frau“ benannte:
„So
steht Maria als die neue, die endgültige Frau im Johannes-Evangelium, als die Gefährtin des Erlösers,
als unsere Mutter.“
Doch noch weniger als die Bezeichnung Frau gefalle uns, daß Christus fragte: „Was
willst du von mir, Frau?“ Wörtlich heißt sogar: „Was habe ich mit dir zu tun, Frau?“
Der Heilige Vater
beantwortete in seiner Predigt die Frage Christi: „Wir möchten einwenden: Viel hast du zu tun mit ihr.
Sie hat dir Fleisch und Blut gegeben, deinen Leib.“
Doch nicht nur den Leib. Die Muttergottes habe Christus
mit ihrem aus dem Herzen kommenden Ja gegenüber dem Erzengel Gabriel getragen. Sie habe ihn mit mütterlicher
Liebe ins Leben und in die Gemeinschaft des Volkes Israel eingeführt.
Ebenso wie die Muttergottes habe
auch der ewige Sohn dem Vater sein Jawort gegeben:
„Opfer und Gaben hast du nicht gewollt, einen Leib
hast du mir bereitet. Siehe, ich komme, deinen Willen zu tun.“
Das doppelte Ja des Sohnes und Mariens
werde zu einem einzigen Jawort: „Was sie im tiefsten miteinander zu tun haben, ist dieses zweifache Ja,
in dessen Zusammenfallen die Menschwerdung geschehen ist.“
Die Predigt im WortlautZur Opferung empfing
der Heilige Vater neben den eucharistischen Gaben die Siegerbilder eines Schülermalwettbewerbes, ein
Modell des Jugendkreuzes des Bistums Passau, Arbeiten aus der Behindertenwerkstätte in Altötting, einen
Pilgerstab und eine Miniaturfigur von Papst Johannes Paul II.
Nach der Messe betete der Heilige Vater
als erster in der erst vor wenigen Tagen eingeweihten Anbetungskapelle den eucharistischen Heiland an.
Für den Nachmittag ist die Fahrt im Papamobil zur nahe gelegenen Basilika St. Anna geplant.
Dort wird
der Papst mit Ordensleuten und Priesterseminaristen die Vesper beten.
Am Abend endet das Besuchsprogramm
mit einem Kurzbesuch des Papstes in seinem nahegelegenen Geburtsort Marktl am Inn. Danach wird er mit
dem Hubschrauber nach Regensburg weiterfliegen.
Die Reise des Papstes verlief bis auf kleine Änderungen
und Störungen reibungslos.
Bei der gestrigen Messe in München löste sich in letzter Minute auch eine
Panne mit eingesperrten Hostien. Das Zahlenschloß des Containers, in dem 150.000 Hostien für die Messe
aufbewahrt wurden, ließ sich nicht öffnen.
Der zuständige Diakon bemerkte die Schwierigkeit kurz vor
Beginn der Messe. Die Feuerwehr wollte mit einem Bolzenschneider abhelfen.
Doch als das Gerät angesetzt
wurde, öffnete sich das Schloß.
„Vielleicht hat die göttliche Fügung die Zahlenkombination geöffnet“,
scherzte der verantwortliche Organisator, Hw. Siegfried Kneißl.
Die Heimatreise des Papstes stößt
generell auf viel Lob – sogar von Protestanten und Muselmanen.
Der protestantische Bundespräsident Horst
Köhler wiederholte bei der Ankunft des Papstes am Freitag, daß sich – nach den Worten des evangelischen
Landesbischofs Johannes Friedrich – auch die evangelische Kirche über den Besuch freue.
Der Leipziger
Imam Hassan Dabbagh würdigte den Papst in einer Fernsehsendung für sein Bemühen um den interreligiösen
Dialog.
Nur die auf Sexualthemen fixierte Ex-Theologin Uta Ranke-Heinemann – eine ehemalige Studienkollegin
des Papstes – kritisierte den Heiligen Vater.
„Ich klage Johannes Paul II. und Benedikt XVI. an wegen
jahrzehntelangen Verbrechens in Form von tödlicher Irreführung der Menschheit“, schrieb die 78jährige
in der marxistischen Tageszeitung ‘Junge Welt’.
„Ich klage sie an, an Krankheit und Tod vieler Menschen
die Schuld zu tragen.“ Beide verträten eine rückwärtsgewandte Sexualmoral und verkündeten, daß Kondome
Löcher hätten und in die Hölle führten.
Sie habe mit seiner Wahl große Hoffnungen verbunden: „Aber
es bleibt beim alten Kurs“ – erklärte Frau Ranke erwartungsgemäß. Vom Papstbesuch verspreche sie sich
viel Pomp und Glanz – mehr nicht. Die Päpste seien „Show-Päpste“ geworden.
Die Medien degradieren den
Stellvertreter Christi zu einem „Superstar“. Gleichzeitig schürt die italienische Presse das Gerücht
um angebliche Herzbeschwerden des Papstes.
Man stützt sich dabei auf eine Aussage von Benedikt XVI.
auf seinem Flug nach München und zu Füßen der Mariensäule: „Ich bin ja ein sehr alter Mann, und wie
viel Zeit der Herr mir noch gibt, weiß ich nicht.“
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