13:49:22 | Dienstag, 12. September 2006
Papst Benedikt XVI. verbringt gegenwärtig sechzig Stunden in Regensburg – seiner bayrischen Heimatstadt. Heute vormittag zelebrierte er dort ein Pontifikalamt.
(kreuz.net, Regensburg) Der Papst ist seit gestern abend in Regensburg. „Hier bin ich wirklich daheim“ –
sagte Benedikt XVI. kurz vor seiner Abreise nach Bayern.
In Regensburg liegt seine Familie begraben.
Hier war er lange Zeit Professor der Theologie. Hier verbrachte er nach eigener Aussage die wahrscheinlich
glücklichste Zeit seines Lebens:
„Im Übrigen waren die Regensburger Jahre eine Zeit fruchtbarer theologischer
Arbeit für mich.“
Heute Dienstagvormittag zelebrierte Benedikt XVI. auf dem Islinger Feld bei Regensburg
den dritten und letzten Freiluftgottesdienst seines Bayern-Besuches.
Rund 260.000 Gläubige wohnten der
Messe bei.
Etliche Pilger beteten die ganze Nacht in froher Erwartung auf den Papst.
„Benedikt aus Bayern – Wir wollen mit Dir feiern“, skandierte eine Gruppe. „Benedikt – Von Gott geschickt“,
erwidert eine andere.
„Der Heilige Vater ist einfach cool“ – erklärte die eine 23jährige Lehramtsstudentin
vor der Nachrichtenagentur ‘ddp’:
„Manchmal lebt man ja einfach so vor sich hin, und da ist es schon
ganz gut, wenn einem der Papst mal sagt, wo es lang geht.“ Seit der Wahl von Joseph Kardinal Ratzinger
zum Papst bete sie wieder öfter.
In seiner Predigt stellte Benedikt XVI. die Frage, ob es heute noch
vernünftig sei zu glauben.
„Seit der Aufklärung arbeitet ein Teil der Wissenschaft daran, eine Welterklärung
zu finden, in der Gott überflüssig wird.“
Aber sooft man meinen könnte, dieses Ziel erreicht zu haben –
immer wieder zeige sich: „Das geht nicht auf.“
„Die Sache mit dem Menschen geht nicht auf ohne Gott,
und die Sache mit der Welt, dem ganzen Universum, geht nicht auf, ohne ihn.“
Letztlich laufe es auf eine
Alternative hinaus. „Was steht am Anfang: die schöpferische Vernunft, der Schöpfergeist, der alles wirkt
und sich entfalten läßt oder das Unvernünftige, welches vernunftlos sonderbarerweise einen mathematisch
geordneten Kosmos hervorbringt und auch den Menschen – seine Vernunft. Aber diese wäre dann nur ein Zufall
der Evolution und im letzten doch auch etwas Unvernünftiges.“
Die zweite Frage laute, an welchen Gott
man glauben will: „Nun, eben an den Gott, der Schöpfergeist ist, schöpferische Vernunft, von der alles
kommt und von der wir kommen.“
Diese schöpferische Vernunft sei Güte und Liebe. Sie habe ein Gesicht.
Gott lasse den Menschen nicht im Dunklen tappen.
Das Bekenntnis zum menschlichen Antlitz Gottes befreie
uns von der Gottesangst, aus der letztlich der moderne Atheismus geboren worden sei.
„Erst dieser Gott
erlöst uns von der Weltangst und von der Furcht vor der Leere des eigenen Daseins. Erst durch das Hinschauen
auf Christus wird die Freude an Gott voll.“
Der Heilige Vater sprach auch über das jüngste Gericht:
„Wird uns da nicht doch wieder Angst gemacht?“
Aber – erklärte der Papst – wollen wir nicht alle, daß
einmal all den ungerecht Verurteilten, die ein Leben lang gelitten haben und aus einem Leben voller Leid
in den Tod gehen mußten, daß ihnen allen Gerechtigkeit widerfahre?
Benedikt XVI. fragte weiter, ob
sich das Übermaß an Unrecht und Leid, das wir in der Geschichte sehen, am Ende nicht auflösen sollte.
Die Zusammenfügung der scheinbar sinnlosen Fragmentstücke der Geschichte in ein Ganzes, in dem die
Wahrheit und die Liebe regieren: Das sei mit dem Weltgericht gemeint.
Heute abend wird sich Benedikt
XVI. in der Universität mit Wissenschaftlern treffen. Danach findet im Regensburger Dom eine ökumenische
Vesper statt.
Anschließend stehen private Termine auf dem Programm: ein Treffen mit seinem Bruder Mons.
Georg Ratzinger (82) und ein Besuch seines alten Wohnhauses in Pentling, südlich von Regensburg.
Außerdem
wollen die Brüder Ratzinger am Grab der Eltern und der Schwester außerhalb der Stadt beten.
Benedikt
XVI. wird bis Donnerstag morgen in Regensburg bleiben und dann zu seiner letzten Station nach Freising
weiterreisen. Dort war er Ende der vierziger Jahre Alumnus im Priesterseminar.
Am Donnerstag mittag fliegt
der Papst vom Flughafen München zurück nach Rom.
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