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Mittwoch, 13. September 2006 10:00
Die begeisterte Frage des sizilianischen Wirtes
Vor der Papstmesse in München traf ich den Journalisten Martin Lohmann, der wegen eines Interviews mit Kardinal Ratzinger aus seiner Stelle weggemobbt wurde. Von P. Dr. Georg Pittermann.
Papstmesse in München
Papstmesse in München
(kreuz.net, München) Am vergangenen Sonntagmorgen ging mein Wecker um 5.30 Uhr los.

Der ewige Student in mir ist geneigt, das Weckinstrument zu ignorieren.

Doch der Theologe und Gläubige weiß, daß er heute die Gelegenheit hat, dem allgemeinen Lehrer der Christenheit, dem Nachfolger des Heiligen Petrus und dem höchsten Stellvertreter Christi auf Erden zu begegnen.

Dies treibt die Müdigkeit aus den Gliedern und mich zur nächsten S-Bahn-Station.

Papstmesse in MünchenPapstmesse in MünchenKlicken Sie auf das Bild, um die Photomeile mit 10 Bildern zu starten.

Trotz der frühen Stunde ist bereits eine Schar von Kindern auf dem Bahnhof.

Zunächst kursieren Gerüchte über alle möglichen Sperrungen und Unmöglichkeiten, das Messegelände bei München-Riem mit der Bahn zu erreichen.

Doch in der U-Bahnstation angekommen, erhalten wir die Nachricht, daß die Massen nun doch nicht die Bahn nutzen. Somit besteht die Möglichkeit, direkt bis zur Messe zu fahren.

Mein Presseausweis ermöglicht es mir, über das Pressezentrum direkt auf das Gelände zu gelangen und mir einen privilegierten Platz rund um die Altarinsel auszusuchen.

Auf diesem Weg treffe ich auf Martin Lohmann.

Nach seiner Zeit als stellvertretender Chefredakteur des ‘Rheinischen Merkurs’ wurde er als Chefredakteur der ‘Rheinzeitung’ in Koblenz bekannt.

Außerdem moderierte er die Münchner Runde im ‘Bayerischen Rundfunk’.

Ich lasse es mir nicht nehmen, ihn anzusprechen, zumal er als Glaubenszeuge unserer Zeit gelten kann und vom neoliberal radikalen Establishment aufgrund seines Einstehens für den katholischen Glauben aus Koblenz weggemobbt wurde.

Auslöser war – wie es die Ironie der Geschichte wollte – ein Interview mit dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Joseph Kardinal Ratzinger.

Auf dem großen Messegelände angekommen, stellt sich die Frage nach dem rechten Platz.

Diesen orte ich schnell zwischen den Maltesern, die mit einer großen Delegation aus verschiedenen Teilen der Bundesrepublik angereist sind, und einer Delegation von Ministranten.

Danach ist geduldiges Warten angesagt. Es wird durch Gebete, Gesänge und diverse Erläuterungen zum Geschehen abgekürzt.

Dabei könnte es gelegentlich scheinen, daß der Deutsche zur Rederitis neigt.

Als der Heilige Vater sich dem Gelände nähert, steigt die Spannung.

Ich nehme den zehnjährigen Ministranten Daniel auf meine Schultern, und wir verfolgen die jubelnde Begrüßung durch die Menge.

Die Messe wird weitgehend in deutscher Sprache zelebriert.

Ein wenig störend wirkt die Überpräsenz weiblicher Lektorinnen und Ministrantinnen, die wohl einen Tribut an die sogenannte deutsche Modernität darstellen.

Die Liturgie wird ohne Schnick-Schnack in würdiger Weise gefeiert – worunter der arme Zeremonienmeister, Mons. Piero Marini, wohl zu leiden hat.

Die Predigt erfaßt das Problem unserer Kirche und unserer Zeit: die Glaubenskrise, die in einer inneren Taubheit besteht, welche die säkularisierte Gesellschaft infiziert hat.

Als Hochgebet wird das vierte gewählt, nachdem der Papst in Köln bereits das zweite durch den Römischen Kanon ersetzt hat.

Das wäre wohl auch hier angebracht gewesen, doch mußte wohl der Tatsache Rechenschaft geleistet werden, daß gegenwärtig vier Hochgebete – neben mehr und mehr weiteren – von Rom anerkannt sind.

Ein weiteres Problem stellt – wie immer bei Papstmessen – die Spendung der allerheiligsten Kommunion dar.

Positiv zu vermerken ist, daß es sich bei den Kommunionspendern durchweg um Diakone und Priester handelt.

Man bemüht sich auch, die Kommunion würdig auszuteilen. Doch ist leider ebenfalls zu sehen, daß die Spender die Hostie in kleinste Teile zerkrümeln, wenn ihnen die Oblaten auszugehen beginnen.

Wenn man nun die althergebrachte Form der Mundkommunion bevorzugt, zieht man sich in diesem Falle lieber zurück und vereint sich in geistiger Weise mit Christus.

Nach der Messe, die in wunderschöner Form mit dem Angelus beendet wird, geht es zurück zum Pressezentrum.

Allerdings hält uns eine Barriere auf, die uns zugleich die Gelegenheit gibt, den Papst noch einmal winkend in einer Limousine zu sehen.

Am Nachmittag genieße ich erst einmal einen Eindruck der sonnigen Innenstadt Münchens, die auf den abendlichen Besuch des Pontifex Maximus vorbereitet wird.

Nach einem Kaffee begebe ich mich unter strengsten Sicherheitskontrollen auf den Vorplatz der Liebfrauen-Kirche, um dort die Ankunft von Benedikt XVI. zu erleben.

Neben zahlreichen Fernsehkameras, Journalisten und Sicherheitskräften ist auch hier das „einfache Volk“ in all seinen Altersschichten vertreten.

Als der Heilige Vater nach einer kurzen Fahrt durch die Innenstadt am Münchner Dom ankommt, läßt er es sich nicht nehmen, die Wartenden auch aus nächster Nähe zu begrüßen.

Nach der Vesper, die es zahlreichen Erstkommunikanten erlaubt, den Nachfolger Petri zu umarmen, sehen wir den Papst noch einmal beim feierlichen Auszug aus dem Gotteshaus und bei seiner Rückfahrt zum Erzbischöflichen Palais.

Dieser Tag verlangte dann nur noch ein italienisches Abendessen.

Der sizilianische Wirt empfängt mich mit der begeisterten Frage, ob ich auch katholisch sei.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 13 Lesermeinungen:
Donnerstag, 14. September 2006 00:23
Johannes Paul II wird völlig zu recht der Große genannt, auch wenn das den reaktionären Pius-Brüdern nicht paßt!
Mittwoch, 13. September 2006 19:23
Annette: Erzb. Marini leiden??
Lieber Herr Dr. Pittermann,
LEIDEN…
Never ever!!!! Sie sollten da mal genauer hingucken
wie 2 zufriedene Gesichter aussehen (Papst Benedikt u. Erzb. Marini)!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Mittwoch, 13. September 2006 19:10
Gotthard: ich würde sagen,
Ottaviani lernt zunächst mal Lesen und dann das Verstehen von geschriebenen Texten … danach kann er vielleicht noch kommentieren.
Mittwoch, 13. September 2006 17:31
Hyazinth: Ich würde
sagen, daß ist ein durch und durch klares und logisches Statement eines guten Katholiken! Wenn alle auf diesem Forum so dächten hätten wir sicher weniger Probleme innerhalb der Kirche.
Mittwoch, 13. September 2006 14:03
ottaviani: @gotthard
das hl. meßopfer ist keine demokratische veranstaltung,
ich weiß
das ist in ein
vom liberalen konzilsgeist vernebeltes hirn wie das ihre schwer rein zu kriegen
Mittwoch, 13. September 2006 12:59
Gotthard: überrepräsentiert
im Vergleich zu der geringen Zahl männlicher Bischöfe waren die Frauen wirklich in einer undemokratischen Überzahl.
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