Der Abschied des Papstes
Was bleibt?
Benedikt XVI. beendete heute seinen sechstägigen Besuch in Bayern. Am letzten Tag verzichtete er auf das vorbereitete Redemanuskript und erinnerte an seinen „großen Vorgänger“.
Abschied am Flughafen

Heute Mittag verabschiedete sich Papst Benedikt XVI. von den Bayern: „Unauslöschlich trage ich in meinem Herzen den bewegenden Eindruck, den die Begeisterung und die starke Religiosität der großen Massen von Gläubigen in mir ausgelöst hat.“

Es seien intensive Tage gewesen. Er habe in der Erinnerung viele Ereignisse der Vergangenheit, noch einmal neu erleben dürfen.

Überraschend erinnerte der Heilige Vater auch an die Enzyklia ‘Laborem exercens’, die genau heute vor 25 Jahren veröffentlicht wurde. Darin habe sein Vorgänger, „der große Papst Johannes Paul II.“ die Arbeit als eine fundamentale Dimension menschlicher Existenz auf Erden bezeichnet.

„Auf diesen Text, der durchaus prophetischen Wert besitzt, möchte ich auch die Bürger meiner Heimat verweisen, weil ich sicher bin, daß seine praktische Anwendung auch für die heutige gesellschaftliche Situation Deutschlands von Nutzen sein kann.“

Papstansprache in Freising

Papst Benedikt XVI. erklärte bei seiner heutigen Ansprache vor Klerikern im Freisinger Mariendom, daß er eine große Predigt mitgebracht habe: „Ich möchte sie aber jetzt nicht vorlesen. Man kann sie ja gedruckt nachlesen.“

Schriftlich vorbereitete Predigt im Wortlaut

Der Papst erzählte von seinen sehr persönlichen Erfahrungen. Als Erzbischof von München und Freising hatte er hier selber viele Kleriker geweiht.

Benedikt XVI. sprach über die Herausforderungen des Priesteramtes. Die Priester müßten mehr als sich selber – die Gegenwart Christi – an die Menschen weitergeben. Dazu brauche es die Innerlichkeit, die nur aus dem Gebet komme.

„Wir Priester sind wenige geworden. Auch wenn wir in diesem Augenblick sehen können, dass es uns wirklich gibt, dass auch heute junge und alte Priester da sind“

Auf die rhetorische Frage, ob es sich nicht um einen Beruf handle, der ausbrennt, antwortete der Heilige Vater, daß er keine Patentrezepte gebe. Die erste Grundregel sei jedoch, daß wir die Gesinnung Jesu annehmen. Der Eifer müsse sich – damit er nicht leer werde und zerstöre – mit der Demut verbinden.

Der Papst in Bayern
Sechs Tage lang, vom 9. bis 14. September, bereist Benedikt XVI. alle wichtigen Orte und Stätten Bayerns, in denen er gelebt und gewirkt hat:

München, den Wallfahrtsort Altötting, seinen Geburtsort Marktl am Inn, Regensburg, Freising.Die letzten Vorbereitungen für die Papstmesse in München am SonntagBei der Messe in München zitierte der Papst einen afrikanischer Bischof:

"Wenn ich in Deutschland soziale Projekte vorlege, finde ich sofort offene Türen. Aber wenn ich mit einem Evangelisierungsprojekt komme, stoße ich eher auf Zurückhaltung."

Gestriges Mittagessen im päpstlichen Privathaus in Pentling

Die Lokalzeitung ‘Passauer Neue Presse’ lüftete das größte Geheimnis während des Besuches von Benedikt XVI. in seinem privaten Wohnhaus in Pentling: „Erster Gang: eine klare Suppe mit aufgeschnittenen Brezen und Brätnockerln – weithin als ‘Hochzeitssuppe’ bekannt. Als Hauptgericht gab es Zwiebelrostbraten mit Spätzle in dunkler Soße, dazu Gelbe-Rüben-Gemüse und einen frischen grünen Salat mit Tomaten. Die Getränke: wahlweise Rot- oder Weißwein. Als Nachtisch hatte sich die Köchin für den Süßspeisenliebhaber Benedikt etwas Besonderes ausgedacht: eine Ananascreme nach einem französischen Rezept.“

Dem Papst habe es ausgezeichnet geschmeckt, auch wenn er seinen Zwiebelrostbraten nicht ganz geschafft habe: „Wir sind halt doch schon alte Leute“ – so der Papst schmunzelnd – „wir zwingen nicht mehr so viel“.

Die Köchin wachte auch über den Mittagsschlaf ihres Gastes. Als ein Hubschrauber über dem Haus lärmte, lief die resolute Küchenchefin auf die Straße hinaus und sagte streng zu einem der Sicherheitsbeamten: „Was macht ihr für einen Radau? Der Heilige Vater will schlafen!“ Nach kurzer Zeit drehte der Hubschrauber ab.

Der Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen

Frage: Nun sollte die Reise nach Deutschland auch den katholischen Glauben stärken. Ist von diesem „Frühling“ schon etwas zu spüren?

„Ja, die Atmosphäre rund um den Papst in Altötting und Regensburg etc. ist großartig, gar keine Frage. Aber vielleicht muß man auch kritisch rückfragen: Sind das fünf Prozent der Bevölkerung, oder zehn, oder dreißig? Wie oberflächlich oder tiefgründig geht das? All dies muß sich erst im Laufe der Jahre zeigen. Ob wirklich von diesem Besuch etwas oder gar viel ausgeht, ob die Samenkörner, die der Papst durch seine Predigten ausgestreut hat, bei den Menschen aufgehen und ob sich die Menschen sozialer und liebevoller verhalten. Wir müssen nüchtern und wachsam sein. Bei Jesus ging das ja auch nicht so im Hauruck-Verfahren, sondern das hat ja auch sehr viele Jahrhunderte gebraucht, bis seine Botschaft sich ein bißchen ausgebreitet hat.“

Der deutsche Unterhalter Harald Schmidt

„Papstbesuch. In Altötting hat der Papst zur Schwarzen Madonna gebetet. Ich habe mich gefragt: Wann lese ich wohl mal die umgekehrte Schlagzeile: »Madonna betet zum Schwarzen Papst«?“

Die altprogressive Pfarrei St. Michael in Schweinfurt, Bistum Würzburg

Milchmädchenrechnung zum Papstbesuch

Katholiken in Bayern: 7.500.000
Davon feiern sonntags die Eucharistie mit: 20% – 1.500.000
Am Papstsonntag fehlten in den Gemeinden wegen der Fernsehübertragung rund ein Drittel: 500.000
Den Papstgottesdienst in München feierten mit (kirchliche Hoch-Schätzung): 250.000
Davon Nichtbayern (geschätzt): 30.000

Fehlanzeige: 280.000

Das Mitverfolgen von Eucharistiefeiern am Fernsehen ersetzt – bislang – nicht die Teilnahme. Das könnte sich durch den Priestermangel ändern?

Rund 100x wurde unser Entwurf eines priesterlosen Gottesdienstes »Mahlfeier mit Jesus« angefordert. Wir sind gespannt auf weitere Reaktionen.“
      
7 Lesermeinungen
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#7   Benedikt   18:48:42 | Freitag, 15. September 2006
Ostpreussen
Gläubige müssen bis zu 2 Stunden Fußweg bis zu einer Messe auf sich nehmen …
Wie früher in Ostpreussen, nicht? Nur gabs da noch keine Autos.
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#6   Schnabeltierkönig   04:31:29 | Freitag, 15. September 2006
leshandl1@ & Gotthard
leshandl1: NEIN
Gotthard: Das ist nicht war!
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#5   Gotthard   22:45:48 | Donnerstag, 14. September 2006
Priestermangel
Gläubige müssen bis zu 2 Stunden Fußweg bis zu einer Messe auf sich nehmen … Wortgottesdienste gibt es schon in kürzeren Distanzen…
Gläubige haben zweimal im Jahr die Gelegenheit, eine hl. Messe mitzufeiern und die hl. Kommunion zu empfangen…
100e Taufen werden von einem Priester pro Termin gespendet…
die 2 Priester einer Gemeinde spenden bis zu 800 Jugendlichen das Sakrament der Firmung – und können anschließend ihren rechten Arm kaum noch bewegen…
Trauungen im Stundentakt den ganzen Samstag …
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#4   möchtegern-kathole   21:18:03 | Donnerstag, 14. September 2006
kein Gläubiger hat …
… mehr als 30min zur Messe zu fahren, keiner muss dort auf einen Sitzplatz verzichten, keiner mehr als 10min vor dem Beichtstuhl warten:
=> es gibt keinen Priestermangel.
Es gibt einen Gläubigenmangel.
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#3   leshandl1   20:45:11 | Donnerstag, 14. September 2006
Breitenbach zeigt einen Weg
denn in der Papstrede ist nirgends etwas zu hören, wie der Priestermangel behoben werden könnte. Nur, wie für die Priester die Last leichter tragbar wäre. Aber wo bleiben die Gläubigen, die keine Priester mehr haben? Kein Wort über die tausende Priester ohne Amt, die bereit wären zum eucharistischen Dienst, kein Wort über die viri probati … Macht es sich Benedikt nicht etwas leicht?
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#2   stat crux   14:44:44 | Donnerstag, 14. September 2006
Unsere Arbeit ist im Namen des Herrn
Kein Papst kann immer und überall alles sagen. Aus der typischen Ecke wird sicherlich wieder der „Fideismus“-Vorwurf erhoben werden. Das säuerliche Gesicht der ZDF-Tante Pilters, wenn sie „Glaube“ oder „Gott“ sagen muss, spricht Bände. Aber doch, dass Eigentliche ist, dass es eben „zwei Schwerter“ gibt, „zwei Bereiche“, Glaube-Dogma-Liturgie, aber eben auch Gemeinde-Kultur-Zivilisation und der christliche Wert menschlicher Arbeit wird swicherlich mehr und mehr als Vermittlung beider Sphären begriffen werden. Seien wir also froh über die „ultima verba“, die am Flughafen noch zur Arbeitsenzyklika geprägt wurden. Gar nicht unpassend, denn der Papstbesuch, das war viel Gebet und viel Arbeit.
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#1   spes   14:35:04 | Donnerstag, 14. September 2006
Na endlich…
„Rund 100x wurde unser Entwurf eines priesterlosen Gottesdienstes »Mahlfeier mit Jesus« angefordert. „
… macht Hochwürden Breitenbach selbst Vorschläge, die seinen Weg in die Rente aufzeigen…
spes
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