13:23:32 | Donnerstag, 14. September 2006
Benedikt XVI. beendete heute seinen sechstägigen Besuch in Bayern. Am letzten Tag verzichtete er auf das vorbereitete Redemanuskript und erinnerte an seinen „großen Vorgänger“.
Abschied am FlughafenHeute Mittag verabschiedete sich Papst Benedikt XVI. von den Bayern: „Unauslöschlich
trage ich in meinem Herzen den bewegenden Eindruck, den die Begeisterung und die starke Religiosität
der großen Massen von Gläubigen in mir ausgelöst hat.“
Es seien intensive Tage gewesen. Er habe in
der Erinnerung viele Ereignisse der Vergangenheit, noch einmal neu erleben dürfen.
Überraschend erinnerte
der Heilige Vater auch an die Enzyklia ‘Laborem exercens’, die genau heute vor 25 Jahren veröffentlicht
wurde. Darin habe sein Vorgänger, „der große Papst Johannes Paul II.“ die Arbeit als eine fundamentale
Dimension menschlicher Existenz auf Erden bezeichnet.
„Auf diesen Text, der durchaus prophetischen Wert
besitzt, möchte ich auch die Bürger meiner Heimat verweisen, weil ich sicher bin, daß seine praktische
Anwendung auch für die heutige gesellschaftliche Situation Deutschlands von Nutzen sein kann.“
Papstansprache
in FreisingPapst Benedikt XVI. erklärte bei seiner heutigen Ansprache vor Klerikern im Freisinger Mariendom,
daß er eine große Predigt mitgebracht habe: „Ich möchte sie aber jetzt nicht vorlesen. Man kann sie
ja gedruckt nachlesen.“
Schriftlich vorbereitete Predigt im WortlautDer Papst erzählte von seinen
sehr persönlichen Erfahrungen. Als Erzbischof von München und Freising hatte er hier selber viele Kleriker
geweiht.
Benedikt XVI. sprach über die Herausforderungen des Priesteramtes. Die Priester müßten mehr
als sich selber – die Gegenwart Christi – an die Menschen weitergeben. Dazu brauche es die Innerlichkeit,
die nur aus dem Gebet komme.
„Wir Priester sind wenige geworden. Auch wenn wir in diesem Augenblick sehen
können, dass es uns wirklich gibt, dass auch heute junge und alte Priester da sind“
Auf die rhetorische
Frage, ob es sich nicht um einen Beruf handle, der ausbrennt, antwortete der Heilige Vater, daß er keine
Patentrezepte gebe. Die erste Grundregel sei jedoch, daß wir die Gesinnung Jesu annehmen. Der Eifer müsse
sich – damit er nicht leer werde und zerstöre – mit der Demut verbinden.
Gestriges
Mittagessen im päpstlichen Privathaus in PentlingDie Lokalzeitung ‘Passauer Neue Presse’ lüftete das
größte Geheimnis während des Besuches von Benedikt XVI. in seinem privaten Wohnhaus in Pentling: „Erster
Gang: eine klare Suppe mit aufgeschnittenen Brezen und Brätnockerln – weithin als ‘Hochzeitssuppe’ bekannt.
Als Hauptgericht gab es Zwiebelrostbraten mit Spätzle in dunkler Soße, dazu Gelbe-Rüben-Gemüse und
einen frischen grünen Salat mit Tomaten. Die Getränke: wahlweise Rot- oder Weißwein. Als Nachtisch
hatte sich die Köchin für den Süßspeisenliebhaber Benedikt etwas Besonderes ausgedacht: eine Ananascreme
nach einem französischen Rezept.“
Dem Papst habe es ausgezeichnet geschmeckt, auch wenn er seinen Zwiebelrostbraten
nicht ganz geschafft habe: „Wir sind halt doch schon alte Leute“ – so der Papst schmunzelnd – „wir zwingen
nicht mehr so viel“.
Die Köchin wachte auch über den Mittagsschlaf ihres Gastes. Als ein Hubschrauber
über dem Haus lärmte, lief die resolute Küchenchefin auf die Straße hinaus und sagte streng zu einem
der Sicherheitsbeamten: „Was macht ihr für einen Radau? Der Heilige Vater will schlafen!“ Nach kurzer
Zeit drehte der Hubschrauber ab.
Der Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan, Pater
Eberhard von GemmingenFrage: Nun sollte die Reise nach Deutschland auch den katholischen Glauben stärken.
Ist von diesem „Frühling“ schon etwas zu spüren?
„Ja, die Atmosphäre rund um den Papst in Altötting
und Regensburg etc. ist großartig, gar keine Frage. Aber vielleicht muß man auch kritisch rückfragen:
Sind das fünf Prozent der Bevölkerung, oder zehn, oder dreißig? Wie oberflächlich oder tiefgründig
geht das? All dies muß sich erst im Laufe der Jahre zeigen. Ob wirklich von diesem Besuch etwas oder
gar viel ausgeht, ob die Samenkörner, die der Papst durch seine Predigten ausgestreut hat, bei den Menschen
aufgehen und ob sich die Menschen sozialer und liebevoller verhalten. Wir müssen nüchtern und wachsam
sein. Bei Jesus ging das ja auch nicht so im Hauruck-Verfahren, sondern das hat ja auch sehr viele Jahrhunderte
gebraucht, bis seine Botschaft sich ein bißchen ausgebreitet hat.“
Der deutsche Unterhalter Harald Schmidt
„Papstbesuch. In Altötting hat der Papst zur Schwarzen Madonna gebetet. Ich habe mich gefragt: Wann
lese ich wohl mal die umgekehrte Schlagzeile: »Madonna betet zum Schwarzen Papst«?“
Die altprogressive
Pfarrei St. Michael in Schweinfurt, Bistum Würzburg„
Milchmädchenrechnung zum PapstbesuchKatholiken
in Bayern: 7.500.000
Davon feiern sonntags die Eucharistie mit: 20% – 1.500.000
Am Papstsonntag fehlten
in den Gemeinden wegen der Fernsehübertragung rund ein Drittel: 500.000
Den Papstgottesdienst in München
feierten mit (kirchliche Hoch-Schätzung): 250.000
Davon Nichtbayern (geschätzt): 30.000
Fehlanzeige:
280.000
Das Mitverfolgen von Eucharistiefeiern am Fernsehen ersetzt – bislang – nicht die Teilnahme.
Das könnte sich durch den Priestermangel ändern?
Rund 100x wurde unser Entwurf eines priesterlosen
Gottesdienstes »Mahlfeier mit Jesus« angefordert. Wir sind gespannt auf weitere Reaktionen.“
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Gotthard 22:45:48 | Donnerstag, 14. September 2006
#1
spes 14:35:04 | Donnerstag, 14. September 2006