Kurienreform
Wachablöse im Vatikan
Heute nahm der neue vatikanische Staatsekretär sein Amt auf. Bei dieser Gelegenheit ernannte Papst Benedikt XVI. auch einen neuen vatikanischen Außenminister. Weitere Kurienreformen stehen bevor.
Staatssekretariat

Der bisherige Erzbischof von Genua, Tarcisio Kardinal Bertone, übernahm heute Freitag sein Amt als vatikanischer Staatssekretär.

Benedikt XVI. verabschiedete den bisherigen Amtsinhaber, Angelo Kardinal Sodano, während einer Feier in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo.

In einer Dankansprache erinnerte Kardinal Sodano an seinen Amtsantritt im Jahr 1990. Im Staatssekretariat würden Priester, Ordensleute und Laien vertrauensvoll und „wie die Bienen“ arbeiten – erklärte der Kirchenfürst. Er denke gern an das „Teamwork“ zurück.

Kardinal Bertone erwähnte, daß er das Brustkreuz des früheren Staatssekretärs, Agostino Kardinal Casaroli († 1998), trage. Er habe heute einen Brief mit der Bitte um Gebet an viele beschauliche Klöster geschrieben.

Papst Benedikt XVI. betonte in einer improvisierten kleinen Ansprache, wie wichtig eine reibungslose Zusammenarbeit im Vatikan sei.

Während seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation habe er begriffen, wieviel Kompetenz und Hingabe im Staatssekretariat anzutreffen sei.

Außenministerium des Vatikan

Benedikt XVI. ernannte anläßlich des Amtsantritts des neuen Staatssekretärs den bisherigen Nuntius in Sudan und Eritrea, Erzbischof Dominique Mamberti (54), zum de facto Außenminister des Vatikan.

Er wird als „Sekretär für die Beziehungen zu den Staaten“ dem Staatssekretariat untergeordnet sein.

Diese Ernennung wurde wegen vatikanischer Indiskretionen bereits seit dem 8. September genannt.

Der in Marokko geborene, französischstämmige Erzbischof Mamberti gilt als Kenner des Islam.

Mons. Mamberti tritt die Nachfolge von Erzbischof Giovanni Lajolo an. Dieser wurde kürzlich zum Gouverneur des Vatikan ernannt.

In diesem Amt löst er wiederum den nun emeritierten US-amerikanischen Kurienkardinal Edmund Casimir Szoka (79) ab.

Präsident der italienischen Bischofskonferenz

Der seit 1991 amtierende Präsident der italienischen Bischofskonferenz, Camillo Kardinal Ruini (75), will sein Präsidentenamt nach Ende des dritten fünfjährigen Mandats zurücklegen. In Italien wird der Vorsitzende der Bischofskonferenz nicht gewählt, sondern vom Papst ernannt.

Als mögliche Nachfolger an der Spitze der 260 italienischen Bischöfe gelten der amtierende Vizepräsident und Bischof der norditalienischen Stadt Piacenza, Mons. Luciano Monari, oder der italienische Militärbischof Angelo Bagnasco.

Mons. Bagnasco ist vor zwei Wochen als Nachfolger von Kardinal Tarcisio Bertone zum neuen Erzbischof von Genua ernannt worden.

Auch der Patriarch von Venedig, Angelo Kardinal Scola, und der eher liberale Erzbischof von Mailand, Dionigi Kardinal Tettamanzi, kommen für den Posten in Frage.

Substitut im Staatssekretariat

Der argentinische Substitut im Staatssekretariat, Mons. Leonardo Sandri, die Nummer Drei im Vatikan, könnte im Januar eine neue Aufgabe übernehmen.

Als mögliche Nachfolger für seinen Posten gelten der Nuntius in Kanada, Mons. Luigi Ventura, der Sekretär im päpstlichen Rat für Migranten, Mons. Agostino Marchetti, oder der Rektor der Lateran-Universität, Bischof Rino Fisichella.

Vatikanische Hausbank

Das italienische Magazin ‘Panorama’ behauptete Anfang September, daß der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank, Hans Tietmeyer (75), den Vorsitz der Vatikanbank übernehmen werde. Das Gerücht kursiert bereits seit 1999.

Der gegenwärtige Präsident, Angelo Caloia, hat im Jahr 2005 bereits seine dritte Amtszeit überschritten.

Dr. Tietmeyer studierte vor seinem Wechsel in die Wirtschaft Theologie. Zwei seiner Brüder sind Priester.

Die bisherigen Ernennungen

Glaubenskongregation: Die erste wichtige Ernennung des Papstes betraf seinen eigenen Nachfolger. Im Mai 2005 ernannte er den Erzbischof von San Francisco, William Kardinal Levada, zum Präfekten der Glaubenskongregation.

Gesundschrumpfung: Im März dieses Jahres faßte der Papst vier Päpstliche Räte zu zweien zusammen. Er ordnete den Rat für die Migranten unter den Rat für Gerechtigkeit und Frieden und den Rat für den interreligiösen Dialog unter den Kulturrat.

Missionskongregation: Im Mai ernannte Benedikt XVI. den Erzbischof von Bombay, Ivan Kardinal Dias, in die Missionskongregation. Der Träger dieses Amtes wird wegen seiner Machtfülle auch „roter Papst“ genannt. Der Vorgänger, Crescenzio Kardinal Sepe, wurde neuer Erzbischof von Neapel.

Pressebüro: Im Juli folgte auf den langjährigen Sprecher des vatikanischen Pressesaals, Joaquin Navarro-Valls, der Jesuitenpater Federico Lombardi – Generaldirektor von ‘Radio Vatikan’ und des vatikanischen Fernsehzentrums ‘CTV’.

Staatssekretariat: Die letzte Kurienernennung des Papstes betrifft den früheren Sekretär der Glaubenskongregation und späteren Erzbischof von Genua, Kardinal Tarcisio Bertone. Er wurde im Juni ernannt und tritt heute sein Amt als vatikanischer Staatssekretär an.

Zuguterletzt gibt es das römische Gerücht, wonach für den Papstbruder, Mons. Georg Ratzinger, eine Dauerwohnung im apostolischen Palast eingerichtet werden soll.
      
17 Lesermeinungen
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#17   Dr. Otterbeck   19:51:31 | Sonntag, 17. September 2006
Alfredissimo
Prosekretär oder Prosecco?? Und ihre liebe Haushälterin war dann wohl die pralle Emmi Nenz aus Schuss am Bug??
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#16   Alfredo Ottaviani   19:48:52 | Sonntag, 17. September 2006
@ Dr. Enderfers
Danke!
+ Alfredo Card. Ottaviani
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#15   Beatrix   17:23:22 | Samstag, 16. September 2006
@ „Alfredo Ottaviano“
Du hast doch nen Schuss, Junge!
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#14   Alfredo Ottaviani   16:34:12 | Samstag, 16. September 2006
Liebe Dorothea,
es freut mich sehr, daß du um meinen Segen bittest; er sei dir denn gewährt, verbunden mit 400 Tagen wahrhaften Ablasses!
Lieber Herr Dr., ich muss korrigieren, denn es war folgendermassen: ich war von 1965 bis 1967 zunächst Kardinalsekretär, dann bis zum 6. Januar 1968 der erste Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre. Vor 1965 war ich Kardinal-Prosekretär!
Entschuldigung, ich war ein wenig verwirrt wegen der vielen Häresien, die ich bekämpfen muss!
Beste Grüße aus Rom!
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#13   Dr. Otterbeck   13:26:11 | Samstag, 16. September 2006
Emmi-nenz Dorothea??
Wissen Sie denn über den Status Bescheid?? War die Eminenz von 1965-67 Pro-Präfekt??
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#12   Dr. Otterbeck   13:16:31 | Samstag, 16. September 2006
@Alfredo
Wann waren S. E. denn „Propräfekt“ des S. Uffiz?? Das Offizium hatte einen Kardinal als Sekretär (!), erst die Kongregation f.d. Glaubenslehre einen Präfekten; vielleicht von 1965-67 einen Propräfekten??
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#11   Alfredo Ottaviani   13:05:48 | Samstag, 16. September 2006
Lieber Bonaventura,
Da bist Du aber einem Irrtum unterlegen. Der Maestro der päpstlichen Zeremonien zeremoniert tatsächlich nur in den Papstmessen. Jeder andere Kardinal erhält bei seiner Kreation einen eigenen Zeremoniar für seine Feiern, die er in Rom hält (Vatikan und Diözese Rom). Der Zeremoniar des vormaligen Kardinal Ratzinger hat also seinen normalen Dienst getan, der ihm zukam. Marini hat sich nicht geweigert, er war schlicht und einfach nicht dran!!!
Liebe Grüße aus dem Sanctum Officium
Alfredo Card. Ottaviani, Propräfekt
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#10   möchtegern-kathole   00:21:22 | Samstag, 16. September 2006
am besten …
… gefällt mir – dem Namen nach – Ihre Exzellenz Ruini :-D
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#9   Gotthard   20:07:39 | Freitag, 15. September 2006
Zeremoniar
Wo keine Zeremonien mehr, da auch kein Zeremoniar.
was sollte ein Zeremoniar im tridentinischen Ritus?
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#8   Bonaventura   18:36:20 | Freitag, 15. September 2006
Achja nochwas
Erzbischof Marini ist auch nicht mehr alleine.
Da S.Ex. sich strikt weigerte Kardinal Ratzinger beim Requiem für Johannes Paul II. zu assistieren, (er sei ja schließlich Päpstlicher Zeremoniar)
Wurde einfach jemand anderes genommen (nämlich der bisherige Zeremoniar von Card. Ratzinger) und dieser ist auch weiterhin mit im Zeremoniarsboot, so das Marini nicht mehr tun und lassen kann was er will
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#7   Benedikt   18:32:17 | Freitag, 15. September 2006
@ Toby
Was ist jetzt eigentlich mit dem päpstlichen Zeremonienmeister, Erzbischof Marini? Über seine Ablösung wurde schon des öfteren spekuliert.
Offenbar eine Ente.
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#6   Bonaventura   18:31:32 | Freitag, 15. September 2006
Erzbischof Marini
ist ein harter Brocken.
Ihm wurden schon zwei Bistümer angeboten, Marini aber lehnte ab.
Was soll er auch anders machen.
Mit seinem Weggang stirbt die Riege derer die die Liturgiereform in Rom verkörpern und wie kleine wilde Terrier um den Heiligen Vater herumspringen.
Allerdings hat man schon in Bayern gemerkt das S.Ex. sich nicht mehr so austoben konnte wie sonst.
Es wird hoffentlich nur noch eine Frage der Zeit sein bis dieser infulierte Obermessdiener den Hut nehmen kann.
Und einmal ganz abgesehen davon das man im Novus Ordo eigentlich keinen Zeremoniar braucht
(Weil: Wo keine Zeremonien mehr, da auch kein Zeremoniar.)
Ist er einfach nur ein peinlicher Liturgischer Kleiderständer.
Ganz im Gegensatz zu Msgr. Gänswein, der wieder einmal durch absolute Korrektheit, unauffälligkeit, Eleganz und Sachverstand bestochen hat
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#5   Gotthard   16:46:02 | Freitag, 15. September 2006
gut gemacht
Was ist jetzt eigentlich mit dem päpstlichen Zeremonienmeister, Erzbischof Marini?Warum sollte der Mann gehen? Er hat seine Aufgabe in Bayern doch sehr sehr gut gemacht.
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#4   ExBochumer †   16:12:53 | Freitag, 15. September 2006
@ stat crux
?:) …
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#3   stat crux   16:09:08 | Freitag, 15. September 2006
ExBochumer
Es war ja gar nicht die Rede davon, dass Georg Ratzinger jetzt eine Blaskapelle der Schweizergarde dirigieren soll.-
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#2   ExBochumer †   15:56:05 | Freitag, 15. September 2006
Alte Bäume …
sollte man nicht verpflanzen.
H.H. Msgr. Ratzinger kann in Regensburg viel besser priesterlich wirken als in Rom.
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#1   Toby   15:44:40 | Freitag, 15. September 2006
Wachablöse
Was ist jetzt eigentlich mit dem päpstlichen Zeremonienmeister, Erzbischof Marini? Über seine Ablösung wurde schon des öfteren spekuliert.
Der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank, Tietmeyer, ist übrigens Kuratoriumsmitglied der „Donum-vitae“-Stiftung. Das mit dem Vorsitz der Vatikanbank wäre keine so gute Idee.
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