15:45:25 | Montag, 9. Oktober 2006
Der Fall Galilei wurde landläufig dafür benützt, um die Kirche als obskurantistisch und die Naturwissenschaft als armes Opfer hinzustellen. Doch die Zeit dieses Ammenmärchens ist abgelaufen.
(kreuz.net) Seit vier Jahrhunderten instrumentalisieren kirchenfeindliche Kreise den Fall des Astronomen
Galileo Galilei († 1642), um eine angeblichen Erbfeindschaft zwischen Kirche und Naturwissenschaft zu
beweisen.
Für diesen Jahrhundertbetrug gilt das Wort von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller
in ihrem gemeinsam verfaßten Werk ‘Xenien’:
„Liegt der Irrtum nur erst, wie ein Grundstein, unten im
Boden, immer baut man darauf, nimmermehr kommt er an Tag.“
Jetzt wurde dieses morsche Fundament vom Präsident
der Historischen Kommission des Vatikans, Mons. Walter Brandmüller ausgegraben.
Mons. Brandmüller ist
der profundeste Kenner der historischen Auseinandersetzung um Galileo Galilei.
Seit seiner Emeritierung
als Professor für Kirchengeschichte an der Universität Augsburg lebt der Historiker als Kanoniker von
St. Peter im Vatikan.
Anfang September erschien sein jüngstes Buch ‘Der Fall Galilei und andere Irrtümer.
Macht, Glaube und Wissenschaft’. Es enstand im Gespräch mit dem Berliner Fernsehproduzenten Ingo Langner.
Die deutsche Zeitung ‘Tagespost’ erklärt in einer Buchrezension, daß die Neuerscheinung eigentlich
nichts Neues sagt.
Doch angesichts einer vor allem in antikirchlichen Kreisen verbreiteten Erkenntnisverweigerung
zum Fall Galilei ist es wichtig, das Alte noch einmal zu wiederholen.
Bereits im Jahr 1994 veröffentlichte
Mons. Brandmüller sein erstes Werk zum Thema. Es steht unter dem Titel ‘Galilei und die Kirche. Ein Fall
und seine Lösung’.
Sein jüngstes Buch „Der Fall Galilei und andere Irrtümer“ rollt die Geschehnisse
in sechs Kapitel erneut auf.
Das Buch beginnen mit der Person und dem Charakter Galileis – einem „reizbaren,
schmähsüchtigen und aggressiven Giftzwerg“: „Genie und Eitelkeit minus Bescheidenheit“.
Auch das Verhältnis
von Kirche und Naturwissenschaft kommt ausführlich zur Sprache.
Mons. Brandmüller erklärt, daß das
Christentum die Vernunft stets ernst genommen hat: „Durch den biblischen Schöpfungsglauben ist die Welt
entgöttert und vernünftig geworden.“
So habe die Kalenderreform unter Papst Gregor XIII. († 1585) auf
der Basis kopernikanischer Berechnungen beruht.
Die Kirche habe die Frage des sogenannten Weltbildes
auch nie als Glaubensinhalt betrachtet.
Doch Galilei habe für seine Behauptungen zum Weltbild des Nikolaus
Kopernikus († 1543) keinen wissenschaftlichen Beweis vorbringen können.
Dennoch habe er von der Kirche
gefordert, sie müsse ihre Interpretation der Heiligen Schrift ändern: „Gott begründet den Erdkreis
unbeweglich.“
Mons. Brandmüller unterstreicht, daß die Kirche ein legitimes wissenschaftliches Recht
besaß, unerschütterliche Beweise für Galileis Theorie zu fordern. Es ging in der Frage ja um das Wort
Gottes.
Zu Recht hätten Galileis Zeitgenossen gemerkt, daß Galilei die Methodenkorrektheit verletzte.
Der Empiriker Galilei sei darum zu einer Gefahr für das deduktive Erkenntnissystem geworden.
Der Verantwortliche
der Heiligen Inquisition – der Heilige Robert Kardinal Bellarmin († 1621) – erklärte 1615 im Streit mit
Galilei ohne Umschweife, daß man bei der Bibelauslegung vorsichtig sein müßte, wenn ein Beweis für
das heliozentrische System in der Tat vorliegen würde.
Dann wäre man eher bereit zuzugeben, die Bibel
nicht zu verstehen, als eine Meinung für falsch zu erklären, die als wahr erwiesen worden sei – so der
damalige Glaubenshüter.
Das Buch ‘Der Fall Galilei und andere Irrtümer’ zeigt auch, daß der Fall Galilei
vom Kirchenhaß der sogenannten Aufklärung mißbraucht wurde.
Man habe dazu ein Gemisch von „Legende
und Halbwahrheit“ fabriziert.
Die Auseinandersetzung zwischen Kirche und Galilei war folglich kein Konflikt
zwischen der angeblich „empirischen Faktenwissenschaft“ und einem „theologischen, aber mächtigen Ammenmärchen“.
Vielmehr handelte es sich um die Auseinandersetzung zwischen einer Hypothese, die Galilei nicht beweisen
konnte, und einem für die Zeit hinreichenden Erklärungsmodell.
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FritzG 15:28:29 | Donnerstag, 19. Oktober 2006
#20
Abu 10:07:37 | Dienstag, 10. Oktober 2006
#19
Hypatia 09:26:33 | Dienstag, 10. Oktober 2006
#18
laikos 09:13:36 | Dienstag, 10. Oktober 2006
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Sirilo 09:00:12 | Dienstag, 10. Oktober 2006
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Abu 19:51:19 | Montag, 9. Oktober 2006
#5
Sirilo 19:37:09 | Montag, 9. Oktober 2006
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FritzG 18:54:57 | Montag, 9. Oktober 2006