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Mittwoch, 20. September 2006 11:04
Nichts für Liebhaber von Schauermärchen
Erwartungsgemäß machte das Vatikanische Geheimarchiv am Montag alle Bestände des Pontifikats von Pius XI. vorzeitig für die Forschung zugänglich.
Pius XI. - mit bürgerlichem Namen Achille Ambrogio Damiano Ratti - war von 1922 bis 1939 Papst
Pius XI. – mit bürgerlichem Namen Achille Ambrogio Damiano Ratti – war von 1922 bis 1939 Papst
(kreuz.net, Vatikan) Immer wird das Vatikanische Geheimarchiv als Hintergrund für Spekulationen, Polemiken, Romane und sogar antikatholische Haßausbrüche verwendet. Völlig zu unrecht.

Denn seit der erstmaligen Öffnung des Archives durch Papst Leo XIII. im fernen Jahr 1880/81 ist kaum ein Jahrzehnt vergangen, in dem nicht neue Bestände veröffentlicht wurden.

Publikationen, die auf vatikanischen Archivalien basieren, könnten inzwischen selber eine Bibliothek füllen.

Allen Bemühungen des Archivs und der Historiker zum Trotz will man von dieser Tatsache im allgemeinen Bewußtsein keine Kenntnis nehmen.

Kirchenfeinde erzählen im Zusammenhang mit dem Archiv jede Menge mysteriöse Schauermärchen.

Damit läßt sich mehr Geld machen und mehr Aufsehen erregen als mit solider wissenschaftlicher Arbeit. Der kirchenfeindliche Haßautor Dan Brown ist dafür ein Beispiel.

Pius XI. wählte den Wahlspruch: "pax christi in regno christi" - Der Friede Christi im Reiche Christi
Pius XI. wählte den Wahlspruch: „pax christi in regno christi“ – Der Friede Christi im Reiche Christi
Im vatikanischen Geheimarchiv gibt es 85 Kilometer Akten.

Das einzige Zulassungskriterium ist die wissenschaftliche Kompetenz.

Wer im Geheimarchiv forschen will, braucht die Empfehlung einer universitären Institution, sollte Erfahrungen mit der Recherche in großen Archiven sowie gute Sprachkenntnisse zumindest in Latein und Italienisch und ausgewiesene paläographische Fertigkeiten mitbringen.

Das Taufbuch spielt keine Rolle.

An den rund siebzig Arbeitsplätzen im Benutzersaal arbeiten mindestens so viele nichtkatholische Wissenschaftler wie katholische.

Der Name „Vatikanisches Geheimarchiv“ kann leicht mißverstanden werden. „Geheim“ hat nichts mit Geheimnissen oder Geheimhaltung zu tun.

Das Wort „segreto“ in der italienischen Bezeichnung „Archivio Segreto Vaticano“ meint zunächst einmal „privat“.

Denn das Archivio Segreto Vaticano ist kein öffentliches Archiv im gewöhnlichem Sinn, sondern das Privatarchiv des Papstes.

Das ist nicht ungewöhnlich. Es gibt viele Geheimarchive von Souveränen, die nur deren Regierungshandeln dienten – auch wenn man sich dessen heute in der Öffentlichkeit nicht mehr so bewußt ist.

Das Vatikanische Geheimarchiv hatte ursprünglich allein die Aufgabe, den Päpsten und ihrer Kurie als Verwaltungsarchiv zu dienen.

Dazu zentralisierte Paul V. († 1621) im Jahr 1612 die bislang verstreuten Archivalien der kurialen Überlieferung an einem Ort. Die frühesten Sammlungen reichen bis ins dritte Jahrhundert zurück.

Die Öffnung des Pontifikats von Pius XI. bedeutet, daß alle Akten, die das Archiv im Zeitraum vom 6. Februar 1922 – Regierungsantritt – bis zum 10. Februar 1939 – Todestag des Papstes – verwahrt hat, öffentlich zugänglich werden.

Das sind nicht weniger als etwa 100.000 Einheiten – also große Archivschachteln, Büschel, Faszikel, Volumen oder Bände mit jeweils bis zu tausend Blatt Umfang.

Die wichtigsten neu zugänglichen Akten sind: das gesamte Material des Staatssekretariats und der Kongregation für die Außerordentlichen Kirchlichen Angelegenheiten, die Archive von achtzig Nuntiaturen und Apostolischen Delegaturen und der Konsistorialkongregation.

„Es wird eine überzeugte Kirche im Kampf gegen den Totalitarismus, gegen den Faschismus, gegen den Nationalsozialismus und auch gegen den Kommunismus zum Vorschein treten“ erklärte Pater Giovanni Sale SJ, Dozent für Zeitgeschichte an der Päpstlichen Jesuitenuniversität Gregoriana vor ‘Radio Vatikan’.

„Dies wird den Historikern die Möglichkeit geben, die Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts zu überarbeiten und auf der Basis von neuen wichtigen Dokumenten neu zu schreiben.“

Das Päpstliche Geheimarchiv ist nichts für Sensationslustige, erklärt Pater Sale:

„Wer sich dem Archiv mit der Intention nähert, Aufsehen erregende Akten zu finden, wird vom journalistischen Standpunkt aus betrachtet, tief enttäuscht werden.“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 8 Lesermeinungen:
Donnerstag, 21. September 2006 16:50
ist ein Heiliger
Donnerstag, 21. September 2006 15:28
wickerl: Hetze
Die Hetze gegen Papst Pius XII. beruht auf dem sorgfältig gepflegten und gehegten Mythos dass die Kirche zur Rettung der Juden verpflichtet sei und dies ihre Grundaufgabe sei. Wenn Pius XII. etwa aus Rücksicht auf die Katholiken in Deutschland und noch viel dringender in den von Deutschen besetzten Gebieten wie Frankreich, Polen, Italien, Ungarn, Kroatien, Slowenien Rumänien, Bulgarien nichts gemacht hätte wäre ihm dies absolut zugestanden, die Kirche ist ausschließlich dazu da das Evangelium zu verkünden.
Mittwoch, 20. September 2006 23:57
Malachias †: @JohannesD
Vielleicht war er ja der der letzte (wirkliche) Papst…? ?:)
Zumindest wird man ihn als einen der drei Übergangspäpste (Benedikt XV., Pius XI., Pius XII.) zwischen Katholischer Kirche und Freimaurerkirche ansehen müssen…

Hoffen wir, daß die Archivare im Vatikan gute Arbeit geleistet haben und das Archiv möglichst gut vor nachträglicher Manipulation gesichert ist. Bei den vielen Nicht-Katholiken, denen der Vatikan Zugriff darauf gestattet…
Mittwoch, 20. September 2006 18:16
Bonaventura: @Johannes
Allerdings!
Ein großartiger Papst. Ein Visionär, Ein Mahner.
Aber von Ihrer dümmlichen Art lass ich mich hier nicht beeindrucken
Mittwoch, 20. September 2006 18:01
JohannesD: @Bonaventura
Sollte ich ihn kennen (müssen, dürfen…)?
?:)
Mittwoch, 20. September 2006 14:53
Bonaventura: @JohannesD
Ich spreche von Pius XI.
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