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Montag, 2. Oktober 2006 11:21
Zuerst was?
Eine Diskussion zum Thema Zölibat zeigte kürzlich in Kostheim bei Mainz, welche Prioritäten von kirchlichen Mitarbeitern gesetzt werden.
Der Priester wählt die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen.
Der Priester wählt die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen.
(kreuz.net, Kostheim) Mitte September organisierten die katholischen Kirchengemeinden Kostheim, die zum Bistum Mainz gehört, eine Diskussionsrunde.

Mainz-Kostheim ist der südlichste Stadtteil von Wiesbaden. Bis zum Krieg gehörte er zu Mainz.

Die Veranstaltung stand unter dem Thema: „Bruder Pfarrer, Schwester Pfarrerin – wie lebst du? Ist das [sic] Zölibat noch zeitgemäß?“

Wie immer bei solchen – potentiell schlüpfrigen – Themen kamen die Schaulustigen in Scharen.

Das berichtete die ‘Allgemeine Zeitung’, die zur Verlagsgruppe Rhein Main mit Sitz in Mainz gehört.

Kurzfristig mußten sogar noch zusätzlich Bänke aufgestellt werden.

Nach einem Theaterstück mit den üblichen Aussagen – „Wer weiß, wie viele Alimente die Kirche jährlich zahlen muß?“ – wurden ausgewählte Bibelzitate vorgelesen.

Dabei zeigte sich – nach Ansicht der ‘Allgemeinen Zeitung’ –, daß auch die heilige Schrift widersprüchlich scheint:

Werde in der Schöpfungsgeschichte das Zusammenleben von Mann und Frau als Ideal gesehen, werde wenig später die Ehelosigkeit als Musterbild beschrieben.

Der Höhepunkt des Abends war jedoch die Talk-Runde, die von einem Pastoralreferenten geleitet wurde.

Als erster Gesprächspartner trat der Kostheimer Pfarrer, Hw. Gottfried Scholz, auf die Bühne.

Er berichtete vor versammeltem Publikum von seinem langjährigen Entscheidungsprozeß, katholischer Pfarrer zu werden und den Zölibat zu versprechen.

Gleichzeitig betonte er, daß ehelos leben nicht bedeutetet, beziehungslos zu leben. Denn auch ein Priester hat Freunde, Verwandte und Vertraute in der Gemeinde.

Im Kontrast dazu stand Claudia Weiß-Kuhl. Sie ist evangelische Pfarrerin in Rüsselsheim – rund 10 Kilometer östlich von Mainz –, verheiratet mit einem ebenfalls evangelischen Pfarrer und Mutter.

Zwar lassen sich bei ihr die Ansprüche der pubertierenden Tochter manchmal etwas schwerer mit denen der Gemeinde vereinen. Doch ein Leben im Zölibat könne sie sich persönlich nicht vorstellen.

Dann kam der 41jährige katholische Diakon Klaus Hess zu Wort, der vorher in einem Reisebüro arbeitete.

Er empfand es als „enormen Fortschritt“, daß ihm die Kirche als Diakon gestattet, Frau und Kinder zu haben.

Ein anderer Diskussionsteilnehmer war der ehemalige Priester Günther Götz. Nach vielen Jahren als Geistlicher heiratete er und hängte den Priesterberuf an den Nagel.

Götz bereut nicht. Heute sei er viel „geerdeter und näher an den tatsächlichen Problemen der Menschen“.

An der Diskussion nahm auch der evangelische Pfarrer von Kostheim, Klaus F. Pötz, teil. Er ist geschieden und wiederverheiratet.

Im Angesicht bevorstehenden Nachwuchses mußte auch er gestehen, sich ein Leben im Zölibat – also in der Ganzhingabe für Christus – nicht vorstellen zu können.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 60 Lesermeinungen:
Mittwoch, 4. Oktober 2006 18:17
Desperatus: @.chen
Merci vielmals für die Erläuterungen, die sich weitgehend mit meinen rfahrungen decken. Ich gabe allerdings zu bedenken, daß der Rechtfertigungsdruck für Homosexuelle heute weitgehend entfallen ist. Das wiederum hätte zur Folge, daß solche junge Männer, die mit ihrer Homosexualität umzugehen wissen, nicht mehr in den Seminarien landen. Und ich muß leider beobachten, daß der Anteil der zumindest auffälligen Seminaristen zunimmt, zumindest in den deutschen seminaren, die ich überblicke…
Mittwoch, 4. Oktober 2006 18:00
Pünktchen: Desperatus
Ich verweise hier zunächst auf die jüngste vatikanische Erklärung zum Problem!

Es geht mir nicht um die Zölibatären, sondern schon im Vorfeld einer Weihe darum, wer sich zum zölibatären Leben und zum Priestertum berufen glaubt. Für Menschen mit homosexueller Triebausrichtung könnte die Wahl des Priesterberufes eine problematische Motivation haben in der Hoffnung, damit dem gesellschaftlichen und persönlichen Rollenerwartungen am ehesten zu entsprechen. Dies wäre jedoch sicher kein Erkennungszeichen für eine vorliegende Berufung.

Da es für Homosexuelle also eine höheres -problematisches!- Interesse am Priesterberuf gibt, ist die erhöhte Vorsicht der Kirche gegenüber diesem Personenkreis durchaus begründet.

Daraus folgt m.E. nicht, daß ein junger Mann mit entsprechenden Triebtendenzen an und für sich von der Wahl zum Priesterberuf abgehalten werden sollte, aber die Berufungsfrage muß er über mehrere Jahre und im intensiven Austausch mit einem ins Vertrauen gezogenen Geistlichen positiv geklärt haben, andernfalls droht eine menschliche und moralische Katastrophe!
Mittwoch, 4. Oktober 2006 17:39
Desperatus: @.chen
Da die Frage der Homosexualität in Zusammenhang mit dem Zölibat als Verzicht aus genitale
Sexualität ohne Relevanz ist, kann Ihre Erwähnung der Homosexualität nur bedeuten, daß Sie homosexuelle Zölibatäte anders behandelt wissen wollen ans Hetero- oder bisexuelle
Mittwoch, 4. Oktober 2006 17:28
Pünktchen: Gunsenum, desperatus
Wo hätte Dudeldei eine „kritisch-spannende Frage“ gestellt? Das ist mir entgangen! Er hatte gefragt, was denn der Zölibat zum Erlernen und Ausüben berufstypischer Handlungskompetenzen beitrüge. Die Antwort lautet natürlich: „nichts“! Nur ist dies kein Einwand gegen den Zölibat, weil das Gegenteil von den Befürwortern des Zölibats auch niemals behauptet wurde!

Zum Für und Wider des Zölibats habe ich mich gar nicht defintiv geäußert! Es sind lediglich Gesichtspunkte angesprochen worden, darunter auch der, daß der Zölibat natürlich eine Einladung für Homosexuelle darstellt, die durch die Wahl des Prieserberufes ihren fehlenden Ehewunsch als Verfolgung eines höheren Ideals gesellschaftlich „plausibilisieren“ können. Was daraus für die gelebte Keuschheit folgt, steht auf einem anderen Blatt. Insofern geht der Einwand von desperatus an meiner Überlegung vorbei!
Mittwoch, 4. Oktober 2006 15:28
Asphyx †: Von der Redaktion entfernt
Mittwoch, 4. Oktober 2006 06:23
Desperatus: Nochmal
Ruhe und Sachlichkeit erzeugt bei den meisten Geistern hier nur Schweigen, denn damit können sie garnicht umgehn. Das allerdings finde ich hochinteressant. Ich wage es mal anders zu formunlieren: Wo Verstand und Geist das Wort ergreift, muß das Vorurteil schweigen.
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