Benedikt XVI.
Des Kaisers wirklicher Bart
Mit Manuel II. Paleologus zitierte Papst Benedikt XVI. einen Erzfeind der katholischen Kirche.
(kreuz.net) Am 16. September publizierte Professor Dr. Muhammad Shamsaddin Megalommatis einen Beitrag, in dem er die „Unwissenheit pathetischer Moslems über Kaiser Manuel II. Paleologus“ beklagt.

Professor Megalommatis ist ein in Griechenland aufgewachsener Moslem türkischer Herkunft. Er ist Assyriologe und Nahostexperte.

Mit den islamischen Kritikern des Papstes geht er scharf ins Gericht.

„Idioten und Halbanalphabeten“ wie Salih Kapusuz – Vizevorsitzender der türkischen Regierungspartei – oder der ägyptische Außenminister Ahmed Aboul Gheit, hätten sich vor der Kommentierung der Papstrede informiert sollen, wer Manuel Paleologus überhaupt war.

Der oströmische Kaiser Manuel Paleologus († 1425) regierte nach Ende der lateinischen Herrschaft im orthodoxen Konstantinopel.

Während seiner Zeit erreichte der Haß Ostroms gegen den Papst einen Höhepunkt.

Das Auseinanderdriften von Ost und West begann mit dem Schisma des Photius von 863 und zementierte sich im Jahr 1054.

Am 16. Juli 1054 betraten drei päpstliche Legaten während der Messe am Samstag nachmittag die Hagia Sophia und legten die päpstliche Exkommunikationsbulle auf den Altar.

Professor Megalommatis erinnert daran, daß der damalige Patriarch von Konstantinopel, Michael Cherularius, sofort danach alle Besitztümer der lateinischen Kirche im oströmischen Reich konfiszieren ließ.

Kaiser Manuel II. Paleologus lebte 300 Jahre nach diesem Schisma und 100 Jahre nach der Befreiung Ostroms von den Kreuzfahrern, welche die Stadt beim Vierten Kreuzzug (1204) überfallen hatten.

Zur Zeit von Manuel Paleologus stand das kränkelnde oströmische Reich kurz davor, in die Hand des ottomanischen Sultanates zu fallen.

Das geschah effektiv dreißig Jahre nach dem Tod von Manuel II.

Professor Megalommatis erklärt, daß die griechischsprachigen Oströmer vor dieser Eroberung politisch in zwei Lager geteilt waren.

Es gab die Freunde der Lateiner, die glaubten, daß der Papst die westeuropäischen Armeen mobilisieren und Konstantinopel retten würde.

Dagegen hielten die Pro-Ottomanen den Papst und nicht die Moslems für den schlimmsten Feind. Sie waren davon überzeugt, daß der Papst den Orthodoxen nicht zu Hilfe eilen würde.

Viele der wichtigsten oströmischen Theologen standen dem politischen Islam mit seinem Sultanat (ab 1453) und seinem Kaliphat (ab 1517) viel näher als der fränkischen Herrschaft über den Papst und Westeuropa.

Sie betrachteten diese Herrschaft sogar als Beginn des Jahrhunderts des Antichristen.

Trotz einer jahrhundertelangen osmanischen Herrschaft über die Griechen gab der Theologe Cosmas der Ätolier noch im späten 18. Jahrhundert dem Papst die Schuld für den Aufstieg des Antichristen.

Er erwähne diese Dinge – so Professor Megalommatis – um anzudeuten, daß Benedikt XVI. „einen ausgesprochenen Feind des katholischen Christentums“ zitiert habe.

Wer behaupte, daß der Papst persönlich hinter dem Kaiserzitat stehe, müsse beachten:

„Der Papst zitierte einen Kaiser, um dessen Bekämpfung sich die Päpste vergangener Tage bemüht haben und dessen Volk den Islam der katholischen Christenheit vorzog.“

Man könne die Frage stellen, warum Benedikt XVI. nicht die außerordentlich reiche antiislamische Literatur zitiert habe, die der Zeit des oströmischen Kaisers vorausgehe.

Megalommatis antwortet:

„Seine Wahl beruhte vermutlich auf der Überlegung, daß sogar jene, die den Katholizismus ablehnten und den politischen Islam vorzogen, eine negative Meinung vom Propheten Mohammed besaßen.“

Das könne schwerlich als eine Beleidigung empfunden werden:

„Es dürfte bekannt sein, daß es in jener Zeit bei allen Parteien üblich war, eine negative Meinung über den »anderen« zu besitzen.“
      
15 Lesermeinungen
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#15   Malachias †   22:09:12 | Freitag, 29. September 2006
@Pünktchen
Das heißt also: Es lebe der völlig korruptionslose, aber „säkulare“ und gerne auch atheistische Staat…! :-[
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#14   Pünktchen   10:07:11 | Donnerstag, 28. September 2006
malachias und die „wahre“ Religionsfreiheit
Malachias: Wahre Religionsfreiheit kann es nur in der Entscheidung für den katholischen Glauben geben…!
Es gibt keine „wahre“ und „unwahre“ Religionsfreiheit und die „wahre“ ist auch nicht die Entscheidung für eine bestimmte Religion, sondern es ist die Abwesenheit von staatlichem Zwang in Religionsdingen – nicht mehr und nicht weniger!
Der säkulare Staat garantiert dieses natürliche Recht eines jeden Menschen in Religionsfragen ungezwungen und unbedrängt der Stimme des eigenen Gewissens zu folgen. Die Religion zielt im Kern auf dasselbe: religio (lat. „Rück-bindung“) meint innerste Zustimmung zur erkannten/geglaubten Wahrheit und die daraus folgende Praxis.
Wenn der Staat „Prämien“ für die Entscheidung zu einer Religion ausgibt, sind alle korrumpiert:
der Staat, weil er als solcher kein Erkenntnisorgan für religiöse Fragen besitzt und allen Bürgern gegenüber – den nichtreligiösen und „heterodoxen“ gleichermaßen wie den „orthodox“-katholischen – verantwortlich ist (in Anführung gesetzt, weil der Staat – wie gesagt – als solcher kein Wissen davon hat, was orthodox ist!),
die Religion ist korrumpiert, weil sie sich des staatlichen Apparates bedient, wo sie mit ihren ureignesten Mitteln (Verkündigung, Mission, Sakramentsausspendung) das Ziel nicht erreicht hat,
der einzelne, weil sich für ihn in der innersten Frage der religiösen Wahrheit und persönlichen Bindung ganz und gar diesseitige/unreligiöse Vorteilskalküle einschleichen!
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#13   Malachias †   20:19:35 | Mittwoch, 27. September 2006
@Pünktchen
Der säkulare Staat ordnet die Angelegenheiten des gegenwärtigen saeculum, die Kirche weist den Weg zur Wahrheit, die „in saecula saeculorum“ gilt.
Soweit die Theorie. Und wie sieht die Praxis (insbesondere bei der Konzils“kirche“) aus?
„Religionsfreiheit“ ist die Forderung, die sich aus dem Wesen des (säkularen) Staates und aus dem der Religion ergibt. Denn die Religion zielt auf die freie Entscheidung des einzelnen im Angesicht des Ewigen, nicht auf kollektiven Zwang und säkulare Vorteile.
Religionsfreiheit ist eine Scheinfreiheit im Interesse der nichtkatholischen Sekten. Wahre Religionsfreiheit kann es nur in der Entscheidung für den katholischen Glauben geben…! Und der Staat – zumal derjenige im Abenland mit seiner christlichen Vorgeschichte – ist in der Pflicht, alles in seinen Kräften Stehende zu tun, daß dies bei möglichst vielen seiner Bürgerinnen und Bürger geling! o^/
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#12   Pünktchen   11:49:40 | Mittwoch, 27. September 2006
„all the Muslim countries should turn secular“
Diese von der kreuz.net-Redaktion unterschlagene Forderung www.buzzle.com/…9-16-2006-109009.asp von Prof. Megalommatis an seine muslimischen Glaubensbrüder enthält eine Anfrage auch an die katholischen Integralisten: „Religion(en) im säkularen Staat“ vs. „Thron und Altar“! Der säkulare Staat ordnet die Angelegenheiten des gegenwärtigen saeculum, die Kirche weist den Weg zur Wahrheit, die „in saecula saeculorum“ gilt. „Religionsfreiheit“ ist die Forderung, die sich aus dem Wesen des (säkularen) Staates und aus dem der Religion ergibt. Denn die Religion zielt auf die freie Entscheidung des einzelnen im Angesicht des Ewigen, nicht auf kollektiven Zwang und säkulare Vorteile.
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#11   Ansgar   10:40:37 | Mittwoch, 27. September 2006
@ Pünktchen
Hervorragende Beiträge, danke! Man sollte überlegen, wie diese Fakten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können – es wird Zeit, daß argumentativ kräftig auf die dusseligen Kameltreiber eingeschlagen wird.
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#10   Pünktchen   10:18:34 | Mittwoch, 27. September 2006
Jean und „…jäger“
der Account „…jäger“ dient der satirischen Überzeichnung und Verschärfung traditionalistischer und katholisch-konservativer Positionen, um diese zu diskreditieren. Nehmen Sie die Auslassungen nicht für bare Münze!
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#9   Jean   09:14:02 | Mittwoch, 27. September 2006
@ketzerjäger
Sie müssen ja nicht dieselbe Einschätzung wie Chrysostomus haben. Aber das Niveau Ihrer Antwort sollte doch nicht so eklatant weit hinter dem von Chrysostomus zurückbleiben. Irgendwie peinlich.
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#8   Ketzerjäger †   02:18:19 | Mittwoch, 27. September 2006
Chrysostomos@
Die störrische Tochter hat es nicht besser verdient gehabt!
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#7   Chrysostomos   22:45:38 | Dienstag, 26. September 2006
Manuel Paläologos – der Lateinerhasser?
Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Manuel II., einer der gebildesten und theologisch erfahrensten Herrscher auf dem Thron von Byzanz, war fast drei Jahre in Westeuropa, um Hilfe für das bedrängte byzantinische Reich zu erlangen: Ergebns – gleich null! Außer ausgesuchten Höflichkeiten und vagen Versprechungen – nichts!!! Was konnte man sich danoch vom sogenannten christlichen Europa erwarten und so ist es gar nicht verwunderlich, dass es zu einer stark antilateinischen Haltung des Kaisers kam. Und die Greuel von 1204 mit den Langzeitfolgen waren auch noch nicht vergessen – geschweige überwunden! Wen wundert da der Hass auf die westlichen Christenbrüder – wenn der der Chronist von 1204 berichtet, dass nicht einmal die Muslime in Jerusalem so brutal mit den Christen verfuhren, wie hier Christen gegen Christen! Daher das geflügelte Wort: Besser der Turban als die Mitra in Konstinopel! Römisch-katholische Kirche, das hast Du Dir bei all dem komplexen historischen Sachverhalt selbst zuzuschreiben! Wenn man Byzanz immer nur als störrische, widerspenstige und abtrünnige Tochter der unfehlbaren Mutter Roms betrachtete – wen wundert es dann noch! Es musste so kommen…
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#6   Athanasius   22:06:16 | Dienstag, 26. September 2006
Wenigstens
der Sohn Manuels II. Palaiologos versöhnte sich mit dem Hl. Vater auf dem Konzil von Florence und Ferrara, sowie fast alle Bischöfe des Ostens, ausser ein Grieche und der Russische Prinz von Moskau. Leider. Die Union hätte uns vor vielem bewahrt in der Politik. Leider blieb das Schisma und die Häresie der Ostschismatiker Konstantinopels bestehen.
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#5   Pünktchen   20:23:35 | Dienstag, 26. September 2006
Der prinzipielle Verzicht auf Gewalt bedeutet nicht „Indifferentismus“! Ich hätte nie geglaubt, daß
ich Ihnen auch einmal zustimmen könnte, malachias!
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#4   Malachias †   20:16:48 | Dienstag, 26. September 2006
„Getroffene Hunde bellen“…
…lautet ein Sprichwort. Es soll zum Ausdruck bringen: Wer mit der Wahrheit über sich selbst konfrontiert wird, sucht gerne die „Flucht nach vorn“ in Form von verbaler oder gar physischer Gewalt.
In dieser Hinsicht scheint der islamischen Welt etwas mehr Gelassenheit ^-^ gut zu tun, was nicht das gleiche ist wie Indifferentismus (Gleichgültigkeit), dem wir „aufgeklärten Christen“ weitgehend zum Opfer gefallen sind… :-S
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#3   Pünktchen   20:04:47 | Dienstag, 26. September 2006
Redefreiheit im osman. Reich. Islamische Toleranz gegen Manuel II Palaeologos. Heutige Intoleranz.
In der heutigen FAZ findet sich ein Artikel über das Buch, auf das sich Papst Benedikt bezog. Das Streitgespräch zwischen Manuel und einem gebildeten Perser fand vor der Thronbesteigung Manuels in islam. Umgebung statt:
Das Gespräch fand im Jahre 1391 im Winterlager in Ancyra statt. Manuel war damals, bevor er entweichen und sich erfolgreich in die konstantinopolitanischen Thronwirren stürzen konnte, am Hof des Sultans Beyazit Yildirim faktisch als Faustpfand, denn die Byzantiner waren längst Vasallen der unwiderstehlich siegreichen osmanischen Türken geworden. Diese hatten die Stadt Konstantinopel eingekreist, schon war dort auch eine Moschee errichtet worden. Die Türken kontrollierten nicht allein die Dardanellen, sondern übten mit der Zwingfeste Anadolu Hisar auch schon die Kontrolle über den Zugang nach Konstantinopel vom Schwarzen Meer aus aus.
Ein Leser in derselben Ausg. der FAZ konstatiert nun:
Manuel weilte vor seinem Amtsantritt längere Zeit als Geisel am Hofe des türkischen Sultans Bayesid und diente dabei auch im osmanischen Heere, „he served with honour in the wars of Bayesid“, wie Gibbon schreibt. Manuels Disput mit dem persischen Gelehrten fand also im Winterlager des Osmanischen Heeres statt – seine „schroffe“ Äußerung über den Islam blieb damals ohne jede Folge.
Man kann also konstatieren, daß vor mehr als 600 Jahren am Hofe des osmanischen Reiches mehr Meinungsfreiheit in Religionsfragen bestand, als heute in der Türkei möglich ist.
(So auch Prof. M. !)
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#2   Jawohl!   18:31:43 | Dienstag, 26. September 2006
Jawohl!
Könnte es sein, daß diese (ausgesprochen „aufgeklärten“) Ansichten von Megalommatis der kreuz.net-Redaktion unsympathisch waren, weil sie „anti-integralistisch“ zu verstehen sind und in der Lehrentwicklung der kathol. Kirche nach dem II. Vatikanum und bes. in dem Theologen Ratzinger und seiner Betonung der „zwei Reiche“ ein christliches Pendant haben?
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#1   Pünktchen   18:28:20 | Dienstag, 26. September 2006
Warum wurde der Artikel verkürzt referiert?
.
Der Artikel in kreuz.net gibt leider das entscheidende Argument von Prof. Megalommatis nicht wieder:
„As Muslim, I do not believe that Benedictus XVI has to apologize because I believe he is not obliged to accept Islam. If he insulted Islam, communication with Muslims would be difficult, but we cannot afford to take a negative opinion as an insult.“
Der Gelehrte wendet sich gegen selbsternannte (und in Wahrheit ungebildete und ressentimentbehaftete) Anhänger des Islam im Kontext ihrer totalitär-religiösen Staatlichkeiten:
„since there is no compulsion in religion“ all the Muslim countries should turn secular, and all those who are ready in these countries to reject Islam must be allowed by law to do so without facing consequences“.
Könnte es sein, daß diese (ausgesprochen „aufgeklärten“) Ansichten von Megalommatis der kreuz.net-Redaktion unsympathisch waren, weil sie „anti-integralistisch“ zu verstehen sind und in der Lehrentwicklung der kathol. Kirche nach dem II. Vatikanum und bes. in dem Theologen Ratzinger und seiner Betonung der „zwei Reiche“ ein christliches Pendant haben?
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