17:54:20 | Dienstag, 26. September 2006
Benedikt XVI.
Mit Manuel II. Paleologus zitierte Papst Benedikt XVI. einen Erzfeind der katholischen Kirche.
(kreuz.net) Am 16. September publizierte Professor Dr. Muhammad Shamsaddin Megalommatis
einen Beitrag,
in dem er die „Unwissenheit pathetischer Moslems über Kaiser Manuel II. Paleologus“ beklagt.
Professor
Megalommatis ist ein in Griechenland aufgewachsener Moslem türkischer Herkunft. Er ist Assyriologe und
Nahostexperte.
Mit den islamischen Kritikern des Papstes geht er scharf ins Gericht.
„Idioten und Halbanalphabeten“
wie Salih Kapusuz – Vizevorsitzender der türkischen Regierungspartei – oder der ägyptische Außenminister
Ahmed Aboul Gheit, hätten sich vor der Kommentierung der Papstrede informiert sollen, wer Manuel Paleologus
überhaupt war.
Der oströmische Kaiser Manuel Paleologus († 1425) regierte nach Ende der lateinischen
Herrschaft im orthodoxen Konstantinopel.
Während seiner Zeit erreichte der Haß Ostroms gegen den Papst
einen Höhepunkt.
Das Auseinanderdriften von Ost und West begann mit dem Schisma des Photius von 863
und zementierte sich im Jahr 1054.
Am 16. Juli 1054 betraten drei päpstliche Legaten während der Messe
am Samstag nachmittag die Hagia Sophia und legten die päpstliche Exkommunikationsbulle auf den Altar.
Professor Megalommatis erinnert daran, daß der damalige Patriarch von Konstantinopel, Michael Cherularius,
sofort danach alle Besitztümer der lateinischen Kirche im oströmischen Reich konfiszieren ließ.
Kaiser
Manuel II. Paleologus lebte 300 Jahre nach diesem Schisma und 100 Jahre nach der Befreiung Ostroms von
den Kreuzfahrern, welche die Stadt beim Vierten Kreuzzug (1204) überfallen hatten.
Zur Zeit von Manuel
Paleologus stand das kränkelnde oströmische Reich kurz davor, in die Hand des ottomanischen Sultanates
zu fallen.
Das geschah effektiv dreißig Jahre nach dem Tod von Manuel II.
Professor Megalommatis erklärt,
daß die griechischsprachigen Oströmer vor dieser Eroberung politisch in zwei Lager geteilt waren.
Es
gab die Freunde der Lateiner, die glaubten, daß der Papst die westeuropäischen Armeen mobilisieren und
Konstantinopel retten würde.
Dagegen hielten die Pro-Ottomanen den Papst und nicht die Moslems für
den schlimmsten Feind. Sie waren davon überzeugt, daß der Papst den Orthodoxen nicht zu Hilfe eilen
würde.
Viele der wichtigsten oströmischen Theologen standen dem politischen Islam mit seinem Sultanat
(ab 1453) und seinem Kaliphat (ab 1517) viel näher als der fränkischen Herrschaft über den Papst und
Westeuropa.
Sie betrachteten diese Herrschaft sogar als Beginn des Jahrhunderts des Antichristen.
Trotz
einer jahrhundertelangen osmanischen Herrschaft über die Griechen gab der Theologe Cosmas der Ätolier
noch im späten 18. Jahrhundert dem Papst die Schuld für den Aufstieg des Antichristen.
Er erwähne
diese Dinge – so Professor Megalommatis – um anzudeuten, daß Benedikt XVI. „einen ausgesprochenen Feind
des katholischen Christentums“ zitiert habe.
Wer behaupte, daß der Papst persönlich hinter dem Kaiserzitat
stehe, müsse beachten:
„Der Papst zitierte einen Kaiser, um dessen Bekämpfung sich die Päpste vergangener
Tage bemüht haben und dessen Volk den Islam der katholischen Christenheit vorzog.“
Man könne die Frage
stellen, warum Benedikt XVI. nicht die außerordentlich reiche antiislamische Literatur zitiert habe,
die der Zeit des oströmischen Kaisers vorausgehe.
Megalommatis antwortet:
„Seine Wahl beruhte vermutlich
auf der Überlegung, daß sogar jene, die den Katholizismus ablehnten und den politischen Islam vorzogen,
eine negative Meinung vom Propheten Mohammed besaßen.“
Das könne schwerlich als eine Beleidigung empfunden
werden:
„Es dürfte bekannt sein, daß es in jener Zeit bei allen Parteien üblich war, eine negative
Meinung über den »anderen« zu besitzen.“
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#11
Ansgar 10:40:37 | Mittwoch, 27. September 2006
#9
Jean 09:14:02 | Mittwoch, 27. September 2006
#2
Jawohl! 18:31:43 | Dienstag, 26. September 2006