10:45:36 | Donnerstag, 28. September 2006
In Italien wird der Bevölkerung gegenwärtig von oben eine Euthanasie-Debatte aufgedrückt. Das Ziel der Diskussion ist die Legalisierung der Vernichtung unwerten Lebens.
(kreuz.net, Rom) Seit dem Wochenende tobt in Italien der Streit um die Einführung der Euthanasie.
Der
ex-kommunistische Staatspräsident Giorgio Napolitano (81) hat die Regierung von Romano Prodi (67) aufgeforderte,
sich im Parlament mit der Euthanasierung von Lebensmüden zu befassen. Es sei Zeit für eine „Diskussion“.
Napolitano reagierte auf einen Brief eines gewissen Piergiorgio Welby (60), über den in Italien auch
ein Fernsehbeitrag gesendet wurde.
Welby leidet an unheilbarem Muskelschwund. Er sitzt seit fast drei
Jahrzehnten im Rollstuhl und wird künstlich beatmet und ernährt.
Jetzt forderte er vom Staatspräsidenten
eine „legale Möglichkeit“, Selbstmord zu begehen bzw. ermordet zu werden.
Welby erklärte nicht, warum
er nicht nur sich selber umbringen, sondern auch noch andere in seine seelischen Leiden hineinziehen will.
Der Vater von Frau Eluana Englaro (35) sekundierte den von den Medienkonzernen verstärkten Schrei nach
Mord, Selbstmord und Euthanasie.
Seit einem Autounfall im Jahr 1992 liegt seine Tochter im Koma. Der
Vater glaubt, daß die 35jährige Eluana „wie eine Pflanze vegetiert“ und sterben sollte.
In der Zwischenzeit
haben sich zahlreiche Politiker, darunter Senatspräsident Franco Marini, scharf gegen die Einführung
der Euthanasierung gewandt.
Der Präsident des Päpstlichen Rates für die Gesundheit, Javier Kardinal
Lozano Barragan, erklärte im Gespräch mit der italienischen Nachrichtenagentur ‘ANSA’, daß Katholiken
im Parlament moralisch verpflichtet seien, gegen die Euthanasie zu stimmen.
Man müsse die Sache beim
Namen nennen. Die Euthanasie sei mit Mord gleichzusetzen. Sie widerspreche dem 5. Gebot.
Der emeritierte
Erzbischof von Ravenna, Ersilio Kardinal Tonini, erklärte, daß der Staat kein Recht habe, über Leben
und Tod eines Menschen zu bestimmen.
Indes plant das italienische Staatsfernsehen ‘RAI’ – das traditionell
der jeweiligen Regierungsmehrheit nahesteht – die Euthanasierung von hilflosen Menschen zu bewerben.
Am Montag wird der Sender einen umstrittenen Film ausstrahlen, der die legale Ermordung eines offenbar
lebensunwerten Niederländers
dokumentiert.
Mehrere Parlamentarier drängten den Präsidenten des Senders,
den Film nicht zu zeigen.
Der Forderung schlossen sich sogar mehrere Vertreter der – traditionell lebensfeindlichen –
Linken an.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
#1
tau † 12:01:52 | Donnerstag, 28. September 2006