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Freitag, 29. September 2006 13:24
Deutsche Bischofskonferenz: Es gibt wenige Indultmessen in Deutschland
Die Zahl der Gläubigen bei Alten Messen ist gering, aber stabil. Die deutschen Bischöfe sehen kein wachsendes Interesse am überlieferten Ritus.
(kreuz.net, Fulda) Die deutschen Bischöfe informierten heute mittag in einer Pressemitteilung über ihre Vollversammlung von Montag bis Donnerstag.

Die Bischofskonferenz beschäftigte sich unter anderem mit dem Klimawandel, dem Zuwanderungsgesetz und der kirchlichen Förderung von Studenten.

Ein Punkt der Bischofskonferenz befaßte sich mit der Liturgie.

Messen im Alten Ritus
Zur Alten Messe erklärte die Bischofskonferenz, daß man eine Umfrage über die Häufigkeit und Verbreitung des überlieferten Ritus durchgeführt habe.

Diese Umfrage zeige, daß in den meisten deutschen Bistümern mit Genehmigung des Diözesanbischofs an Sonntagen und Werktagen Alte Messen gelesen werden.

Die Bischöfe bekannten, daß die Zahl der Orte beziehungsweise Kirchen durchwegs gering ist. Das gelte aber auch für die Zahl der teilnehmenden Gläubigen:

„Der Vergleich mit einer früheren Umfrage von 1993 macht deutlich, daß die Nachfrage der Gläubigen auf sehr niedrigem Zahlenniveau stabil ist.“

Es könne kein wachsendes Interesse festgestellt werden.

Die Bischofskonferenz versprach, beim bevorstehenden Ad-Limina-Besuch im November mit den römischen Dikasterien über die vorhandenen Erfahrungen und die Zukunftsperspektiven zu sprechen.

Liturgische Bücher
Die Bischöfe beschäftigten sich ferner mit der Revision der deutschen Meßbücher, des Kirchengesangbuches ‘Gotteslob’ und der Einheitsübersetzung der Bibel.

Die Revision des Meßbuchs läuft seit November 2004. Mit dem noch erwarteten Einverständnis der Gottesdienstkongregation soll die Grundordnung des Meßbuchs demnächst als Vorabpublikation veröffentlicht werden.

Das neue gemeinsame Gebets- und Gesangbuch ‘Gotteslob’ soll zwischen Advent 2007 und Pfingsten 2008 in ausgewählten Pfarrgemeinden erprobt werden.

Die seit Frühjahr 2006 laufende Revision der Einheitsübersetzung der Bibel wird auch bei zügiger Arbeit noch einige Jahre dauern.

Die Bischöfe befaßten sich auch mit einem ersten Entwurf für ein Werkbuch „Gottesdienste an Wochentagen“. Es soll Laien ermöglichen, an Werktagen Gottesdienste vorzubereiten und ihnen vorzustehen. Die Veröffentlichung soll demnächst erfolgen.

„Gottesdienste an Wochentagen“ dient als Ergänzung zum Buch „Wort-Gottes-Feier“. Dieses ist vor wenigen Jahren erschienen, um die Wortgottesdienste an Sonntagen zu fördern.

Interreligiöser Dialog mit dem Islam
Die deutsche Bischofskonferenz veröffentlichte auch eine Erklärung zur islamischen Polemik gegen die Regensburger Vorlesung des Papstes.

Sie sei von vielen Muslimen als ungerechte Abwertung ihrer Religion interpretiert worden: „Manche haben den Heiligen Vater mißverstanden, andere wollten ihn mißverstehen.“

Die Bischöfe sind Benedikt XVI. dankbar, daß er keinen Augenblick gezögert hat, den Sinn seiner Rede klarzustellen und allen Mißverständnissen den Boden zu entziehen.

Gleichzeitig forderten die Prälaten, daß das „unveräußerliche Menschenrecht der Religionsfreiheit“ auch in den islamischen Ländern ohne Abstriche geachtet werde.

Geistliche Berufe und kirchliche Dienste
Einen Schwerpunkt der Bischofskonferenz stellte der Bericht der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste dar.

Die Kommission beschäftigte sich mit der Zukunftssicherung der sozial-karitativen Ordenseinrichtungen, der Situation des Nachwuchses und den Perspektiven für die Berufungspastoral.

Bleibendes Thema der Bischöfe wird die Priesterausbildung sein: „Die Zahl der Kandidaten ist geringer geworden.“

Gleichzeitig erklärten die Prälaten, daß die Zahl der Gemeindereferenten und Pastoralreferenten in den vergangenen 15 Jahren zugenommen habe.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 55 Lesermeinungen:
Montag, 2. Oktober 2006 16:22
Benedikt: Messbesuch
Natürlich kann niemand wissen, wie sich der Messbesuch ohne Liturgiereform weiter entwickelt hätte. Wer sich aber mit dem Thema befassen will, der sollte mehrere Faktoren berücksichtigen, gesellschaftliche Umwälzungen, Humanae vitae etc. Ansonsten wird man dem Thema einfach nicht gerecht.

Vor allem aber sollte man sich fragen, warum sich eine Liturgiereform, die keiner wollte, so leicht und von sovielen Exzessen begleitet hat durchsetzen können. Man muss einfach so ehrlich sein und feststellen, dass es außer Lefebvre und vielleicht 4-5 anderen keine bedeutenden Opponenten gegen die Einführung der neuen Messordnung gegeben hat. Das sollte einem hinsichtlich der Akzeptanz zu denken geben. Von dieser aus müssten nämlich die Kirchen sogar voller sein, als zuvor, sind sie aber nicht. Woran liegt es also?
Montag, 2. Oktober 2006 11:41
Toby: Beweislast
Freinsberg schrieb:

Wer weiß, wie stark der Messbesuch zurückgegangen wäre, hätte man den alten Ritus (lateinisch, in den meisten Fällen geflüstert) beibehalten? Zahlen sind wohl kein Argument.

O doch, Zahlen sind sehr wohl ein Argument. Nur liegt in diesem Fall die Beweislast bei denjenigen, die behaupten, der Messbesuch wäre noch stärker zurückgegangen, wenn man den alten Ritus beibehalten hätte. Das ist natürlich reine Spekulation, die eben nicht bewiesen werden kann.

Fakt und statistisch nachprüfbar aber ist, dass der Gottesdienstbesuch mit der Einführung der „Neuen“ Messe dramatisch gesunken ist. Quelle:
http://www.dbk.de/imperia/md/content/kirchlichestatistik/katholiken_und_gottesdienstteilnehmer_1950_2004.pdf
Montag, 2. Oktober 2006 11:02
Frasim: @Aragorn
So ist es!!!
Montag, 2. Oktober 2006 10:57
Aragorn: Freinsberg: Beispiel Orthodoxie
Guten Tag, Freinsberg! Das weiß natürlich niemand, ist reine Spekulation. Eines aber ist sicher: Man hat mit dem Ordo Novus ein neues Pfingsten herbeiführen wollen und das ist, legt man wieder die untrüglichen Zahlen zugrunde (Messbesuch, Kirchenaustritte, Tauf- und Trauzahlen) ausgeblieben. Aber vielleicht kann uns auch ein Blick auf das orthodoxe Russland helfen: Dort war die Kirche nicht so naiv, die himmlische Liturgie über den Haufen zu werfen und durch eine protestantisierte Herrenmahlfeier zu ersetzen. Dort wird nach wie vor die uralte Liturgie der Altvorderen gefeiert und zwar in einer Sprache, die nicht mehr gesprochen wird, nämlich Altslavisch. Wer aber einmal dort eine Liturgie besucht hat, fühlt sich im Herzen von dieser Schönheit und Erhabenheit berührt. Alles atmet den Himmel: Die Kirchen, die Ikonostasen, die Gesänge, die Gewänder, alles. In unseren nachkonziliaren Kirchen dagegen herrscht entweder Unruhe und Lärm oder – wenn schon einmal – peinliches Schweigen.
Montag, 2. Oktober 2006 08:30
Freinsberg: @ Toby
Wer weiß, wie stark der Messbesuch zurückgegangen wäre, hätte man den alten Ritus (lateinisch, in den meisten Fällen geflüstert) beibehalten? Zahlen sind wohl kein Argument.
Sonntag, 1. Oktober 2006 11:29
Toby: Beschwerde gegen bischöfliche Erklärung
Ich möchte noch einmal wiederholen, dass es ein gutes und deutliches Zeichen wäre, wenn die Generaloberen der in Deutschland vertretenen Ecclesia-Dei-Gemeinschaften in Rom Rekurs – sachlich, aber entschieden – gegen diese bischöfliche Erklärung einlegen würden.

Begrüßenswert ist sicher auch der Aufruf von Niedermünster, nach Rom zu schreiben! Mögen zahlreiche Laien diesem Aufruf folgen!

Dank auch an Romano für die Vergleichszahlen zur „Neuen“ Messe! Dazu noch eine Ergänzung: Bis zur Einführung des Novus Ordo im Jahr 1969 besuchten in Deutschland rund zwölf Millionen (sic!) Katholiken den sonntäglichen Gottesdienst – wohlgemerkt im traditionellen Ritus! Seit der Einführung der „Neuen“ Messe ist die Zahl der Gottesdienstbesucher um mehr als zwei Drittel zurückgegangen. Und der Niedergang hält unvermindert an. Darauf sollte man bei einem Rekurs in Rom auch einmal hinweisen.
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