13:30:19 | Samstag, 7. Oktober 2006
Die Lehre vom Limbus der Kinder kann nicht geleugnet werden, ohne die ganze katholische Dogmatik durcheinanderzubringen. Doch altliberale Theologen scheinen das Problem nicht zu erkennen.
(kreuz.net, Vatikan) Die Vorstellung vom
Limbus der Kinder sei zwar ein Hypothese, erklärte der australische
Priester und Konvertit Pater Brian Harrison:
„Aber die Katholische Kirche hat seit zwei Jahrtausenden
gelehrt, daß die Seelen ungetauft gestorbener Kinder – wo auch immer sie hinkommen – bestimmt nicht in
den Himmel eingehen.“
Pater Harrison verteidigte kürzlich die Lehre vom Limbus der Kinder vor dem ‘Britischen
Rundfunk’. Der Ordensmann unterrichtet an der katholischen Universität in Puerto Rico.
Er stützt seinen
Glauben an die Lehre über den Limbus unter anderem auf die katholischen Begräbnisriten für ungetaufte
Kinder:
„Ein päpstliches Dekret, das den festen katholischen Glauben von zwei Jahrtausenden umkehren
würde, wonach ungetauft gestorbene Kinder in den Himmel kommen, würde in der katholischen Theologie
wie ein Erdbeben wirken.“
Solche Probleme scheint der Wuppertaler Bibelwissenschaftler Thomas Söding
nicht wahrzunehmen. Er sprach mit der deutschen Nachrichtenagentur ‘KNA’ über den Limbus der Kinder.
Die Taufe sei zwar aus christlicher Sicht nach wie vor der eigentliche Weg zum Heil – erklärte der Exeget.
Man könne aber „Gott nicht vorschreiben, daß er seine Gnade an die Taufe bindet“ – formuliert der Exeget
eine Binsenwahrheit.
Christus habe verschiedentlich Kinder gesegnet und damit als Adressaten des Heils
bezeichnet. Für ungetauft gestorbene Kinder gebe es nicht eine „Rettung zweiter Klasse“ – erklärte Söding.
Bei der Diskussion über den Limbus gehe es nicht darum, die Bedeutung der Taufe zu relativieren.
Dokument
zum Limbus kommt nicht vor 2007Der italienische Theologe und Erzbischof Bruno Forte erklärte, daß
ein
Dokument über den Limbus der Kinder dem Papst nicht vor 2007 unterbreitet werde.
Mons. Forte sprach
gestern Freitag nach dem Abschluß der Vollversammlung der ‘Internationalen Theologenkommission’ mit der
Nachrichtenagentur ‘Reuters’.
Dichter Dante Alighieri († 1321):
„Ein Ort gibt es da unten – ohne Körperpein,
ein Ort des Dunkels nur, wo die Klagen nicht wie Gejammer klingen. Sie sind nur Seufzer. Dort bin ich
mit den Kindern aufzufinden, die von den Zähnen des frühen Todes gebissen werden, bevor sie von der
Sünde der Menschheit befreit wurden.
Der Erzbischof ist Mitglied der 30köpfigen Theologenkommission.
Es handelt sich um ein Beratungsorgan des Vatikan ohne lehramtliche Autorität. Seit Herbst 2004 arbeitet
das Gremium an einem Schreiben über den Limbus.
Erzbischof Forte sagte, daß an dem Dokument noch gearbeitet
werde: „Es hat darüber noch keine Abstimmung stattgefunden.“
Predigt des Papstes vor der ‘Internationalen
Theologenkommission’Benedikt XVI. selber habe sich in seiner Predigt vor der Kommission nicht zu dem
Thema geäußert – so der Erzbischof.
Der Heilige Vater las zum Abschluß der Vollversammlung der Theologenkommission
eine Messe. Sie fand in der Kapelle Redemptoris Mater im Apostolischen Palast statt.
In seiner Predigt
forderte der Papst die Mitglieder des Gremiums auf, die Wahrheit zu suchen. Sie sollten sich nicht den
dominierenden Meinungen anschließen oder nach der öffentlichen Zustimmung richten: „Das stellt eine
Form der Prostitution des Wortes und der Seele dar.“
Die Theologie sei eine harte Disziplin des Gehorsams
der Wahrheit gegenüber.
Der Papst erklärte, daß Gott nicht nur das Objekt der Theologie sei, sondern
auch ihr Subjekt: In der Theologie komme Gott selber zu Wort. Der Theologe sei nur Mitarbeiter und Überbringer
der Wahrheit.
Der Limbus im Lehramt der KircheDie Zeugnisse für den Limbus der Kinder sind in der
katholischen Lehrtradition zahlreich.
Papst Siricius († 399) äußerte sich in einem Brief über die
Notwendigkeit der Taufe: „Wir wollen, daß man den Kindern, die aufgrund ihres Alters noch nicht reden
können, oder denen, die in irgendeiner Notlage dringend das Wassers der heiligen Taufe bedürfen, mit
aller Schnelligkeit zu Hilfe eilt.“
Es soll nicht zum Verderben unserer Seelen ausschlagen, wenn denen,
die danach verlangen, die Quelle des Heils verweigert wird und „ein jeder von ihnen, wenn er aus der Welt
scheidet, sowohl das Himmelreich als auch das Leben verliert“.
Papst Innozenz I. († 417) erklärte vor
den Vätern der Synode von Mileve, daß es ganz töricht sei, zu glauben, daß die kleinen Kinder auch
ohne die Gnade der Taufe mit dem Lohn des ewigen Lebens beschenkt werden könnten:
„Dann müssen sie
auch offen sagen, daß die heiligen Fluten der Wiedergeburt nichts nützen.“
Papst Innozenz III. († 1216)
sprach Ende 1201 über die Wirkung der Taufe. Er bedauerte, daß „alle kleinen Kinder zugrunde gehen –
von denen täglich eine solche große Menge stirbt – ohne daß der barmherzige Gott, der will, daß niemand
zugrunde gehe, auch für sie irgendein Mittel zum Heil besorgt hat.“
Das Konzil von Florenz (1439-1445)
lehrte, daß die Seelen derer, die in einer aktuellen Todsünde oder allein in der Erbsünde sterben,
in die Hölle fahren – jedoch mit ungleichen Strafen bestraft werden.
Papst Pius VI. († 1799) verteidigte
die Lehre vom Limbus in der Konstitution ‘Auctorem fidei’ gegen die Irrlehren der Synode von Pistois.
Es sei falsch, die Lehre vom Limbus – als Ort der Strafe der Verdammung und ohne die Feuerstrafe für
nur mit der Erbschuld behaftete Seelen – als pelagianisches Märchen zu verwerfen.
Papst Pius X. († 1914)
forderte in seinem Katechismus, die kleinen Kinder mit größter Eile zu taufen: „Sie sind bei ihrem zarten
Alter vielen Todesgefahren ausgesetzt und können ohne die Taufe nicht gerettet werden.“
Eltern, die
ihre Kinder durch eigne Nachlässigkeit ohne Taufe sterben lassen „sündigen schwer, weil sie ihre Kinder
des ewigen Lebens berauben“ – lehrte Pius X.
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