Ein theologischer Tornado
Die Lehre vom Limbus der Kinder kann nicht geleugnet werden, ohne die ganze katholische Dogmatik durcheinanderzubringen. Doch altliberale Theologen scheinen das Problem nicht zu erkennen.

„Aber die Katholische Kirche hat seit zwei Jahrtausenden gelehrt, daß die Seelen ungetauft gestorbener Kinder – wo auch immer sie hinkommen – bestimmt nicht in den Himmel eingehen.“
Pater Harrison verteidigte kürzlich die Lehre vom Limbus der Kinder vor dem ‘Britischen Rundfunk’. Der Ordensmann unterrichtet an der katholischen Universität in Puerto Rico.
Er stützt seinen Glauben an die Lehre über den Limbus unter anderem auf die katholischen Begräbnisriten für ungetaufte Kinder:

Solche Probleme scheint der Wuppertaler Bibelwissenschaftler Thomas Söding nicht wahrzunehmen. Er sprach mit der deutschen Nachrichtenagentur ‘KNA’ über den Limbus der Kinder.
Die Taufe sei zwar aus christlicher Sicht nach wie vor der eigentliche Weg zum Heil – erklärte der Exeget. Man könne aber „Gott nicht vorschreiben, daß er seine Gnade an die Taufe bindet“ – formuliert der Exeget eine Binsenwahrheit.
Christus habe verschiedentlich Kinder gesegnet und damit als Adressaten des Heils bezeichnet. Für ungetauft gestorbene Kinder gebe es nicht eine „Rettung zweiter Klasse“ – erklärte Söding. Bei der Diskussion über den Limbus gehe es nicht darum, die Bedeutung der Taufe zu relativieren.
Dokument zum Limbus kommt nicht vor 2007
Der italienische Theologe und Erzbischof Bruno Forte erklärte, daß ein Dokument über den Limbus der Kinder dem Papst nicht vor 2007 unterbreitet werde.
Mons. Forte sprach gestern Freitag nach dem Abschluß der Vollversammlung der ‘Internationalen Theologenkommission’ mit der Nachrichtenagentur ‘Reuters’.
Der Erzbischof ist Mitglied der 30köpfigen Theologenkommission. Es handelt sich um ein Beratungsorgan des Vatikan ohne lehramtliche Autorität. Seit Herbst 2004 arbeitet das Gremium an einem Schreiben über den Limbus.
Erzbischof Forte sagte, daß an dem Dokument noch gearbeitet werde: „Es hat darüber noch keine Abstimmung stattgefunden.“
Predigt des Papstes vor der ‘Internationalen Theologenkommission’
Benedikt XVI. selber habe sich in seiner Predigt vor der Kommission nicht zu dem Thema geäußert – so der Erzbischof.
Der Heilige Vater las zum Abschluß der Vollversammlung der Theologenkommission eine Messe. Sie fand in der Kapelle Redemptoris Mater im Apostolischen Palast statt.
In seiner Predigt forderte der Papst die Mitglieder des Gremiums auf, die Wahrheit zu suchen. Sie sollten sich nicht den dominierenden Meinungen anschließen oder nach der öffentlichen Zustimmung richten: „Das stellt eine Form der Prostitution des Wortes und der Seele dar.“
Die Theologie sei eine harte Disziplin des Gehorsams der Wahrheit gegenüber.
Der Papst erklärte, daß Gott nicht nur das Objekt der Theologie sei, sondern auch ihr Subjekt: In der Theologie komme Gott selber zu Wort. Der Theologe sei nur Mitarbeiter und Überbringer der Wahrheit.
Der Limbus im Lehramt der Kirche
Die Zeugnisse für den Limbus der Kinder sind in der katholischen Lehrtradition zahlreich.
Papst Siricius († 399) äußerte sich in einem Brief über die Notwendigkeit der Taufe: „Wir wollen, daß man den Kindern, die aufgrund ihres Alters noch nicht reden können, oder denen, die in irgendeiner Notlage dringend das Wassers der heiligen Taufe bedürfen, mit aller Schnelligkeit zu Hilfe eilt.“
Es soll nicht zum Verderben unserer Seelen ausschlagen, wenn denen, die danach verlangen, die Quelle des Heils verweigert wird und „ein jeder von ihnen, wenn er aus der Welt scheidet, sowohl das Himmelreich als auch das Leben verliert“.
Papst Innozenz I. († 417) erklärte vor den Vätern der Synode von Mileve, daß es ganz töricht sei, zu glauben, daß die kleinen Kinder auch ohne die Gnade der Taufe mit dem Lohn des ewigen Lebens beschenkt werden könnten:
„Dann müssen sie auch offen sagen, daß die heiligen Fluten der Wiedergeburt nichts nützen.“
Papst Innozenz III. († 1216) sprach Ende 1201 über die Wirkung der Taufe. Er bedauerte, daß „alle kleinen Kinder zugrunde gehen – von denen täglich eine solche große Menge stirbt – ohne daß der barmherzige Gott, der will, daß niemand zugrunde gehe, auch für sie irgendein Mittel zum Heil besorgt hat.“
Das Konzil von Florenz (1439-1445) lehrte, daß die Seelen derer, die in einer aktuellen Todsünde oder allein in der Erbsünde sterben, in die Hölle fahren – jedoch mit ungleichen Strafen bestraft werden.
Papst Pius VI. († 1799) verteidigte die Lehre vom Limbus in der Konstitution ‘Auctorem fidei’ gegen die Irrlehren der Synode von Pistois. Es sei falsch, die Lehre vom Limbus – als Ort der Strafe der Verdammung und ohne die Feuerstrafe für nur mit der Erbschuld behaftete Seelen – als pelagianisches Märchen zu verwerfen.
Papst Pius X. († 1914) forderte in seinem Katechismus, die kleinen Kinder mit größter Eile zu taufen: „Sie sind bei ihrem zarten Alter vielen Todesgefahren ausgesetzt und können ohne die Taufe nicht gerettet werden.“
Eltern, die ihre Kinder durch eigne Nachlässigkeit ohne Taufe sterben lassen „sündigen schwer, weil sie ihre Kinder des ewigen Lebens berauben“ – lehrte Pius X.
Sämtliche Artikel weiterlesenWeiterlesen:
Mittwoch, 11. Oktober 2006 18:31
ExBochumer: Soviel zu Frau Bussmann:
Frau Bussmann wird in der „TAZ“ zitiert:
„Nach Ansicht der katholischen Theologin und ehemaligen Pastoralreferentin Brigitte Bussmann sind Pflanzen dem Menschen ebenbürtige Geschöpfe. Sie glaube fest daran, dass sie ihren vertrockneten Kaktus nach ihrem eigenen Tod wiedersehe.“
„Nach Ansicht der katholischen Theologin und ehemaligen Pastoralreferentin Brigitte Bussmann sind Pflanzen dem Menschen ebenbürtige Geschöpfe. Sie glaube fest daran, dass sie ihren vertrockneten Kaktus nach ihrem eigenen Tod wiedersehe.“
Mittwoch, 11. Oktober 2006 08:29
zwobbel: Lieber Athanasius, was sagen Sie zu meinen
Fragen und Thesen hier?
Sie sind doch sonst nicht so schweigsam.
Sie sind doch sonst nicht so schweigsam.
Montag, 9. Oktober 2006 23:49
monti: Was für ein Schwachsinn
Diese ganze „Limbus-Debatte“ beweist einmal mehr, dass es sich bei der Theolgie nicht um eine Wissenschaft handelt, sondern um einen von Menschen fabrizierten Humbug.
Montag, 9. Oktober 2006 17:06
santa rita: Karl Murx
Bei der nichtgeistigen Tierseele, also einer Form, die aus dem Stoff aktuiert wird, und mit ihr vergeht,
ist das nicht so.
Sie meinen wohl nichtvernunftbegabte Seele. Jede Seele ist Geist. Geist aber ist unzerstörbar.
Weihbischof Laun schreibt in seiner „Tierethik“:
Was aber die Frage nach einem ewigen Leben der Tiere betrifft, gibt es nur eine einzige Stelle, die dazu indirekt etwas zu sagen scheint. Im Römerbrief heißt es nämlich: „Denn die gesamte Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen… Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden …( ) und dazu paßt auch die Rede von der „neuen Erde“ in der Offenbarung des Johannes ( ).
Die „gesamte Schöpfung“, das heißt doch: nicht nur der Mensch! Wie aber könnte in der neuen Schöpfung etwas fehlen, was zu ihrem Reichtum gehört? Wessen Erlösung könnte Paulus gemeint haben? Die der Mineralien doch kaum, sondern Erlösung des Lebendigen, und das sind in erster Linie die Tiere! Wovon könnten Tiere erlöst werden? Paulus nennt, so scheint es, die Vergänglichkeit. Paul VI. wird der Satz zugeschrieben: Eines Tages werden wir die Tiere „im Mysterium Christi wiedertreffen“.
Es wird auf der „neuen Erde“ wohl auch die Tiere geben, ihre Schönheit wird dort nicht fehlen…
Die Tiere können zwar Gott nicht schauen, aber sie sind „im Himmel“ und haben „auf der neuen Erde“ ihren Platz – als Tiere, geliebt von Gott und den Menschen.
Sie meinen wohl nichtvernunftbegabte Seele. Jede Seele ist Geist. Geist aber ist unzerstörbar.
Weihbischof Laun schreibt in seiner „Tierethik“:
Was aber die Frage nach einem ewigen Leben der Tiere betrifft, gibt es nur eine einzige Stelle, die dazu indirekt etwas zu sagen scheint. Im Römerbrief heißt es nämlich: „Denn die gesamte Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen… Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden …( ) und dazu paßt auch die Rede von der „neuen Erde“ in der Offenbarung des Johannes ( ).
Die „gesamte Schöpfung“, das heißt doch: nicht nur der Mensch! Wie aber könnte in der neuen Schöpfung etwas fehlen, was zu ihrem Reichtum gehört? Wessen Erlösung könnte Paulus gemeint haben? Die der Mineralien doch kaum, sondern Erlösung des Lebendigen, und das sind in erster Linie die Tiere! Wovon könnten Tiere erlöst werden? Paulus nennt, so scheint es, die Vergänglichkeit. Paul VI. wird der Satz zugeschrieben: Eines Tages werden wir die Tiere „im Mysterium Christi wiedertreffen“.
Es wird auf der „neuen Erde“ wohl auch die Tiere geben, ihre Schönheit wird dort nicht fehlen…
Die Tiere können zwar Gott nicht schauen, aber sie sind „im Himmel“ und haben „auf der neuen Erde“ ihren Platz – als Tiere, geliebt von Gott und den Menschen.
Montag, 9. Oktober 2006 15:54
zwobbel: tschüß für heute
Es wird nun ebenfalls unlogisch sein, wenn man im Mutterleib natürlich gestorbenen Kindern das Heil zuerkennt
und ausgerechnet denen, die getötet wurden dieses versagt.
Was sie damit sagen wollen kapier ich nicht.
Danke fidele, ich benutze das nicht so im engeren Sinn. Spontanabgang halt. Sehr blutig und manchmal ist es (anfangs) gar nicht so klar das es ein Kind war.
Was sie damit sagen wollen kapier ich nicht.
Danke fidele, ich benutze das nicht so im engeren Sinn. Spontanabgang halt. Sehr blutig und manchmal ist es (anfangs) gar nicht so klar das es ein Kind war.
Montag, 9. Oktober 2006 15:28
DieFidele: Fehlgeburt
an Zwobbel: Zur Info, als Fehlgeburt wird ein Kind unter 500 g bezeichnet. So ein Kind ist in der Regel tot – manchmal schon längere Zeit – wenn es geboren wird.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.





