Aufklärung
„Der Terror ist ein Ausfluß der Tugend“
Dieser Satz stammt nicht von einem islamischen Selbstmordattentäter, sondern von einem aufgeklärten Vater der gegenwärtigen europäischen Gesellschaft. Von Leo G. Schüchter.
(kreuz.net) Bei seiner Regensburger Vorlesung sprach Papst Benedikt XVI. mehrfach von den „Pathologien der Vernunft“.

Schon der spanische Maler Francisco de Goya († 1828) bezeichnete die Ideologien der europäischen Neuzeit als „Alpträume der Vernunft“.

Dieser Alptraum begann während der Schrecken der Französischen Revolution.

Damals wurde versucht, Gott vom Thron zu stoßen und die Göttin Vernunft auf den Altar des menschlichen Handelns zu setzen.

Daraufhin ermordete der jakobinische Straßen- und Salonpöbel allein in Paris im Namen von Freiheit und Gleichheit mehr als 30.000 Menschen.

In den französischen Provinzen – besonders in der Vendée und Bretagne, um Lyon und Bordeaux – schlachteten die Berserker der Vernunft mehr als 150.000 Bürger.

Der deutsche Dichter Georg Büchner († 1837) setzte sich in seinem Theaterstück „Dantons Tod“ mit den drei blutigen Oberpriestern dieser neuen Vernunftreligion auseinander: Robespierre, Danton und St. Just.

Danton ruft bei Büchner als Angeklagter vor dem berüchtigten Revolutionstribunal aus:

„Ich werde mich in die Zitadelle der Vernunft zurückziehen. Ich werde mit der Kanone der Wahrheit hervorbrechen und meine Feinde zermalmen.“

Im Innern jedoch ist Danton von Zweifeln gequält. Denn seine früheren politischen Handlungen waren nicht von Vernunft geprägt.

Im Herbst 1792 ließ Danton als Justizminister die berüchtigten Septembermorde zu und förderte sie sogar.

Dabei wurden mehr als 1.500 wehrlose Gefangene, darunter mehrere hundert katholische Priester und drei Bischöfe, vom aufgehetzten Pöbel ermordet.

Danton rechtfertigt sich im Büchner-Stück: „Wir schlugen sie. Das war kein Mord. Das war Krieg nach innen.“

Aber sein Gewissen kann er mit dieser Rechtfertigung nicht totschlagen. Und er fragt weiter: „Was ist das, was in uns hurt, lügt, stiehlt und mordet?“

Damit spricht Danton die Übertretungen der Zehn Gebote durch das erbsündliche Begehren „in uns“ an.

Jedoch schafft er es bei Büchner nicht, an den Erlöser zu glauben und auf seine verzeihende Gnade zu vertrauen.

Der Revolutionär schiebt bei Büchner Sünde und Verantwortung von sich weg: „Puppen sind wir, von unbekannten Gewalten am Draht gezogen; nichts, nichts wir selbst! … Jetzt bin ich ruhig.“

Beim großen Intriganten und Denunzianten der Revolution, St. Just, schließt Büchner moralische Bedenken von vornherein aus.

St. Justs Maxime: Die Revolution wird über die Leichen der rechtmäßig wie unrechtmäßig Getöteten nicht stolpern.

Dahinter steckt die Philosophie: Die physische Natur tötet durch Vulkane oder Wasserfluten Abertausende von Menschen: „Soll die moralische Natur in ihren Revolutionen mehr Rücksicht nehmen?“

Die Natur wird dabei als planloses, zufallsbedingtes, grausames Grundgesetz der Welt vorgestellt, als ein weltliches Grundprinzip ohne Sinn und Vernunft.

Auch die Revolution solle nach diesem Prinzip vorgehen, meint St. Just bei Büchner: „Was liegt daran, ob die Menschen an einer Seuche oder an der Revolution sterben?“

St. Justs Beziehung zu Robespierre wird bei Büchner so charakterisiert: Er „liegt wie Johannes am Herzen des Meisters“.

Die Herrscherriege macht er mit den „apokalyptischen Offenbarungen“ des neuen Messias bekannt.

Robespierre akzeptiert bei Büchner die irdische Erlöserrolle und stellt sie Christus gegenüber:

„Jawohl, Blutmessias, der opfert und nicht geopfert wird. Er – Christus – hat die Menschen mit seinem Blut erlöst – und ich erlöse sie mit ihrem eigenen Blut.“

Die Errettung der Menschheit durch Ströme von Blut und Kaskaden geköpfter „Feinde“ hatte schon St. Just angekündigt.

Robespierre knüpft daran an, wenn er in einer historischen Originalrede sagt:

Mit Vernunft und Terror „wollen wir den Willen der Natur erfüllen, das Schicksal der Menschheit vollenden, das Versprechen der Philosophie halten und die Vorsehung von der langen Herrschaft der politischen Tyrannei befreien.“

„Der Terror ist nichts anderes als die unmittelbare, strenge und unbeugsame Gerechtigkeit: Er ist also ein Ausfluß der Tugend.“

Erstmals in Europa verwandelte die sogenannte Aufklärung in der Französischen Revolution die „Pathologie der Vernunft“ in ein politisches Programm.

Zum ersten Mal wurde staatlicher Terror, Gesinnungsterror und Meinungsterror mit einer antichristlichen Vernunftideologie durchgesetzt.

Die totalitären Terrorstaaten des roten und braunen Sozialismus funktionierten im 20. Jahrhundert nach diesem zynischen Paradigma.

Bis heute ist unsere Welt durch die „Pathologien der Vernunft“ gefährdet.

Der Papst erinnert hier an das schwindende Bewußtsein von der Heiligkeit des menschlichen Lebens, des Wertes der Person.

Er weist auf die Verletzung der Grundrechte und die Blindheit gegenüber Gott hin.

Nur wenn der sogenannte Westen die Folgen dieser pathologischen Vernunftabirrungen bei sich kuriert, kann er wirksam gegen die Unvernunft islamisch motivierter Gewalt vorgehen.
      
19 Lesermeinungen
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#19   Breze   22:12:17 | Freitag, 13. Oktober 2006
@ Protestant
Ich finde es beileibe nicht lustig… Sie forden Respekt für sich selbst und Ihre Meinung, und Sie haben Recht damit, aber denselben Respekt können wir Katholiken auch von Ihnen erwarten, für das was uns heilig ist…
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#18   Benedikt   22:06:29 | Freitag, 13. Oktober 2006
@ Protestant
Es geht hier um „nüchtern“ im Sinne von „nichts gegessen/getrunken“.
Oder sollten diejenigen die beichten, wirklich vorher Alkohol trinken, damit sie das ganze besser ertragen können?
Wissen Sie, Sie greifen hier Leute wegen ihrer Meinung an, aber geben selber solche Urteile über Dinge ab, von denen Sie vermutlich nichts wissen, weil Sie sie selber nie praktiziert haben. Ihre Empörung über gewisse Aussagen hier kann ich Ihnen aufgrund dieser Vorgehensweise nicht recht abnehmen.
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#17   Protestant   21:59:24 | Freitag, 13. Oktober 2006
@frasim
Wieso soll ich bei der Beichte nicht nüchtern sein?Was meinen Sie, wie unangenehm dem Priester meine Fahne ist…?Oder sollten diejenigen die beichten, wirklich vorher Alkohol trinken, damit sie das ganze besser ertragen können?
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#16   Frasim   19:29:24 | Freitag, 13. Oktober 2006
@Protestant
Ich werde umgehend Buße für diese infame Unterstellung tun!Ich werde umgehend eine „Alte Messe“ besuchen, lateinische Choräle singen und die Mundkommunion empfangen- und natürlich vorher beichten, und zwar nüchtern!
Das wäre schön, wirksam und Ihrem Seelenheil sicherlich dienlich! Zur Beichte müssen Sie übrigens nicht nüchtern sein, vor der Mundkommunion allerdings schon.
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#15   FritzG   19:21:05 | Freitag, 13. Oktober 2006
*LOL*
Okay, ich vergas, die Welt vom ROM aus zu sehen.
Verzeihen sie mir. ;-)
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#14   Elendester Sünder   12:54:17 | Freitag, 13. Oktober 2006
„Pace“
Friede auf Italienisch.
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#13   FritzG   12:34:16 | Freitag, 13. Oktober 2006
Das Wort „Friede“…
…lässt sich vor allem auch richtig schreiben:
PEACE!
:-D
(Es sei jedoch Eingestanden, das die Redaktion diesen Cartoon – wie bei kreuz.net üblich – wohl nur geklaut hat. Er soll wahrscheinlich die schlichte Dummheit von US-Soldaten darlegen.)
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#12   Elendester Sünder   11:22:29 | Freitag, 13. Oktober 2006
An Leverkuehn, Gotthard und Methusalix
Wenn Lebenslügen zu zerbrechen drohen…
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#11   Adrian Leverkuehn   23:20:11 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
@ Gotthard
Ich glaube das war ironisch gemeint!
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#10   Gotthard   23:17:02 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
@laikos
Wer soll denn dieser Antichrist sein?
Was wird hier über ihn publiziert?
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#9   Adrian Leverkuehn   22:20:25 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
@ Dr. Heger
ch verstehe zwar nicht, wie ein „kirchlicher Totalitarismus“ möglich sein soll, wenn er nicht auch „staatlicher Totalitarismus“ ist – aber sei’s drum.
Das ist schon richtig, nur ändert das nichts daran daß es auch einen statlichen Totalitarismus geben kann, der nicht-kirchlicher Art ist. Von daher muß man das wohl in einem kath.trad. Forum unterscheiden.
Es ist einfach eine Tatsache, daß die Demokratie heute die einzige Staatsform ist die dem Menschen in dem unerschöpflichen Angeboten von religiösen oder politischen Ideologien einen Freiraum lässt.
Natürlich ist der Integralismus auch ein staatlicher Totalitarismus. Er ist ist ein Weltverbesserungsprogramm ähnlich dem der Nazis oder der Stalinisten oder Maoisten usw.
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#8   Dr. Christoph Heger   22:05:18 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
@Adrian Leverkuehn: Kinderglauben
Die Demokratie aber wendet sich klar gegen jeden staatlichen oder kirchlichen Totalitarismus
Ich verstehe zwar nicht, wie ein „kirchlicher Totalitarismus“ möglich sein soll, wenn er nicht auch „staatlicher Totalitarismus“ ist – aber sei’s drum.
Bemerkenswerter finde ich noch diesen rührenden Kinderglauben an das reine Herz „der Demokratie“.
MfG
Christoph Heger
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#7   laikos   21:54:14 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
Antichrist?
Endlich wird einmal etwas über den Antichrist publiziert ;-)
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#6   Adrian Leverkuehn   21:10:51 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
Pathologien der Vernunft
Bei seiner Regensburger Vorlesung sprach Papst Benedikt XVI. mehrfach von den „Pathologien der Vernunft“.
Ich bin sicher, daß der Papst damit eher die Auswüchse der Naturphilosophie kritisieren wollte.
Eine idealistische Variante davon ist wohl der kath. Integralismus.
Die Demokratie aber wendet sich klar gegen jeden staatlichen oder kirchlichen Totalitarismus!
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#5   Protestant   20:20:01 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
@obelix
Verzeih mir bitte,Obelix! Ich werde umgehend Buße für diese infame Unterstellung tun!Ich werde umgehend eine „Alte Messe“ besuchen, lateinische Choräle singen und die Mundkommunion empfangen- und natürlich vorher beichten, und zwar nüchtern!Nein,nein,nein, wie konnte ich nur eine solche Frage stellen!Vergebt mir bitte!
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#4   methusalix †   20:04:16 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
Mit der Bitte um Vergebung!
Es war natürlich Isabelle Adjani! Wie konnte ich die Damen nur verwechseln? Das kommt wahrschinlich von der Konzentration auf nie stattgefundene Massaker.
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#3   obelix †   20:00:46 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
fünf Zeichen als Titel
Gotthard: wenn es hilft Da reibt sich schon wieder jemand…
Der Sau schon, dem Stamm ist es wurscht, also lassen wir Sie. Ich stimme Ihnen zu!
Protestant:…über die Abschlachtung der Hugenotten lesen!!!
Worüber reden Sie, um Himmels willen? So etwas hat es doch niemals gegeben! Schon gar nicht in Paris am 24. August 1572! Das hat sich doch alles ein französischer Regisseur aus den Fingern gesogen, um Sophie Marceau gut ins Bild zu setzen als „La Reine Margot“. Alles erstunken und erlogen! Oder doch nicht?
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#2   Gotthard   19:52:48 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
wenn es hilft
Da reibt sich schon wieder jemand – wie eine Sau am Stamm – an der Französischen Revolution. Nun denn wenn es hilft…
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#1   Protestant   19:46:50 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
Französische Revolution
Ich würde hier an dieser Stelle auch gerne mal einen ausführlichen Artikel über die Abschlachtung der Hugenotten lesen!!!
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