„Stehen die Repräsentanten von ‘Donum Vitae’ persönlich außerhalb der Kirche? Wird das, was die Bischöfe lange Zeit selbst getan haben, falsch, nur weil es jetzt Laien tun?“
(kreuz.net) Am 5. Oktober antwortete Hans Maier auf einen Artikel von Patrick Bahners in der ‘Frankfurter
Allgemeinen Zeitung’.
Prof. Dr. Hans Maier ist ehem. Staatsminister und war langjähriger Präsident
des ‘Zentralkomitees der deutschen Katholiken’.
Bahners hatte den deutschen katholischen Laienverbänden
im September in der ‘Frankfurter Allgemeinen’ „nationalkirchliche Tendenz“ vorgeworfen.
Maier greift
auf das 19. Jahrhundert zurück, um die Unhaltbarkeit dieser Vorwürfe zu beweisen:
„Haben die deutschen
Katholiken, vorab die Laien, etwa im Kulturkampf gegen Bismarck für eine »Nationalkirche« gekämpft?“
Auch heute würden die Laienverbände nicht nationalkirchlich denken:
„Sie erinnern nur gelegentlich
an die nötige Balance zwischen Welt- und Ortskirche und an das für Staat wie Kirche wichtige Prinzip
der Subsidiarität“ – so Maier.
Es gebe ferner in der Kirche für die Gläubigen nicht nur eine einzige
angemessene Form des öffentlichen Handelns.
Das habe man in der Zeit des kirchlichen Integralismus so
gesehen, als das Motto „So will es Gott, so und nicht anders!“ gegolten habe: „Aber diese Zeiten sind
lange vorbei.“
In den „modernen pluralistischen Gesellschaften“ habe sich das längst als Illusion erwiesen.
„Glaubt denn heute jemand noch ernsthaft, alles öffentliche Tun, Reden, Schreiben von Katholiken – in
so vielen Ländern, so unterschiedlichen Völkern, unter so rasch wechselnden politischen Bedingungen –
ließe sich durch zentrale Weisungen des Amtes umfassen und steuern?“
Aus der Einsicht, daß ein „integralistischer
Zugriff auf die moderne Welt“ nicht möglich sei, habe die Kirche im Zweiten Vatikanum und in nachfolgenden
päpstlichen Entscheidungen, teilweise auch im neuen Kirchenrecht, eine dreifache Konsequenz gezogen.
Erstens habe man die Geistlichen aus der politischen Frontlinie zurückgenommen. Kleriker dürfen in
Parteien und Gewerkschaften grundsätzlich nicht teilnehmen.
Zweitens habe die Kirche die Laien aufgewertet.
Erstmals in der Kirchengeschichte würden sie in der Konzilskonstitution Lumen Gentium über die Kirche
als „Stand“ bezeichnet:
„Stände waren in der Kirche seit dem Altertum die Bischöfe – seit Kaiser Konstantin
den römischen Senatoren gleichgestellt –, im Mittelalter kamen die Priester und Ordensleute dazu.“
Drittens
habe die Kirche im Konzil die „rechte Autonomie der irdischen Sachbereiche“ als Prinzip öffentlichen
Handelns neu entdeckt.
Aus diesen Punkten ergebe sich ein doppeltes kirchliches Handeln: das Handeln
als Kirche – im Namen der Kirche – und das Handeln innerhalb der Kirche – aber nicht im Namen der Kirche.
Nach dieser langen Einleitung kommt Mayer zu seinem Anliegen:
„Von hier aus dürfte sich auch ein unbefangener,
unpolemischer Blick auf ‘Donum vitae’ ergeben.“
Diese Laieninitiative setze die Schwangerenkonfliktberatung
fort, welche die deutschen Bischöfe – mit einer Ausnahme – fünf Jahre lang einvernehmlich praktiziert
hätten, bis sie ihnen der Papst verbot:
„Gründer und Unterstützer, Beraterinnen und Verwaltungskräfte
von ‘Donum vitae’ handeln »im eigenen Namen als Staatsbürger, geleitet vom christlichen Gewissen«.“
Auch im Fall von Bischof Franz Kamphaus von Limburg habe der Papst stets anerkannt, „daß es sich bei
seinem Eintreten für die Konfliktberatung um eine Gewissensentscheidung handelt!“
Indem sich die Laien
auf das Vereinsrecht stützten, würden sie nicht beanspruchen, im Namen der Kirche zu handeln:
„Aber
stehen sie damit persönlich außerhalb der Kirche? Wird das, was die Bischöfe lange Zeit selbst getan
haben, falsch, nur weil es jetzt Laien tun?“
Die Spielräume, die ein Gemeinwesen und seine Gesetzgebung
bietet, sollten von den Christen wahrgenommen werden – „auch wenn das Handeln in einer pluralistischen
Gesellschaft natürlich vielfältiger, risikoreicher und auch innerkirchlich kontroverser ist.“
Die Chance,
in der Konfliktberatung „Frauen“ für ein Leben mit dem Kind zu gewinnen, sollte nach Maier nicht „achtlos
aus der Hand gegeben werden“.
Wer Kinder vor der Abtreibung bewahren wolle, müsse das Gespräch mit
den „Frauen“ suchen, die eine Abtreibung erwägen.
Lebensschutz ohne oder gar gegen die „Frau“ sei nicht
möglich – das habe die frühere Gesetzgebung zu Paragraph 218 leidvoll gezeigt – glaubt Maier.
In den
meisten anderen Ländern gebe es diese Chance der Konfliktberatung nicht: „Dort herrscht die Fristenlösung
pur et simple.“
Maier stellt die Fragen, ob die kirchlichen Amtsträger das etwa für besser hielten.
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11 Lesermeinungen
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@ Protestant Die mahnenden Worte eines Bischofs haben noch keine FRau vor psychischen Druck der Familie
oder Freunde gerettet oder vor Verzweiflung und Depression.Ich bin absolut kein Befürworter der Abtreibung,
aber mit der Haltung der Bischöfe werden Frauen nicht ermutigt, sondern weiterhin in die Enge getrieben.
Die Bischöfe belassen es nicht bei mahnenden Worten. Es gibt weiterhin eine katholische Schwangerenberatung
und auch Hilfswerke wie zB das Netzwerk Leben etc. Vielleicht informieren Sie sich mal vorher, bevor sie
hier frei von der Leber irgendwelches Halbwissen zum besten geben.
#10 Protestant 21:01:41 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
@obelix Viele Priester brauchen sicherlich keine Kinder zu adoptieren, da sie selbst welche haben…darf
nur keiner wissen, sogar die Kinder nicht! Und ich möchte nicht die Dunkelziffer der Geistlichen wissen,
die ihre Frauen aus lauter Verzweiflung zur Abtreibung bewegen!Lässt sich aufgrund tiefen Schweigens
der Betroffenen nicht nachweisen, aber ich glaube daran! Aber in der Tat- wer sich in Fragen von Ehe,
Sexualität, Partnerschaft, Kindererziehung und Schwangerschaft an einen römisch-katholischen Priester
wendet, der könnte genausogut vom isländischen Verteidigungsministerium eine Stellungnahme zu den Problemen
der portugiesischen Weinbauer anfordern. Jene Laien, die Donum Vitae gegründet haben (einigen Bischöfen
ist es zum Glück ganz recht, sie dürfen es nur nicht zugeben), haben weitaus mehr Ahnung von den Problemen,
die schwangere Frauen und Mädchen haben, als jene besagten!Die mahnenden Worte eines Bischofs haben noch
keine FRau vor psychischen Druck der Familie oder Freunde gerettet oder vor Verzweiflung und Depression.Ich
bin absolut kein Befürworter der Abtreibung, aber mit der Haltung der Bischöfe werden Frauen nicht ermutigt,
sondern weiterhin in die Enge getrieben.
#9 obelix † 19:52:07 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
Dann sollte vielleicht jeder katholische Pfarrer drei oder vier Kinder adoptieren und grossziehen! Andreas:
Tja,…was nützen Worte, wenn die Taten fehlen. Das wäre doch eine sehr gute Tat und die Pfaffen würden
endlich, wenigstens zum Teil, wissen worum es geht und nicht ständig im luftleeren Raum salbadern. Zumindest
nicht, was Kinder angeht, bei Sex könnten sie ja immer noch nur theoretisieren.
stramme Haltung Jeder Bischof sagt einmal pro Woche: Abtreibung ist Tötung menschlichen Lebens! Jeder
Pfarrer sagt jeden Sonntag: Abtreibung ist Tötung menschlichens Lebens! Dann könnte ich mich endlich
beruhigt zurücklehnen … das menschliche Leben ist endlich geschützt… Gott sei Dank!
Einschleimerei seitens Politik Was haben wir davon wenn die Kleriker nicht in der Politik teilhaben dürfen.
Sie tun es ja trotzdem zwar nicht als Parteimitglieder sondern noch viel schlimmer. Sie behaupten das
Jesus ihre Kirchenpolitik so gewollt hat Außerdem bin ich noch nie so vielen Politikern begegnet wie
in der Sakristei der modernen Kirche. Das schlägt so manches Politikertreffen. Die Politik schleimt sich
ein bein den Klerikern ein und das gelingt ihnen so gut das die Kleriker dann Hampelmänner der Politik
werden
Hans Maier denkt weiter konsequenzialistisch Maier: „Aber stehen sie damit persönlich außerhalb der
Kirche? Wird das, was die Bischöfe lange Zeit selbst getan haben, falsch, nur weil es jetzt Laien tun?“
Ja, JEDER steht persönlich außerhalb der Kirche, wer in so einer Frage gegen den Papst und damit gegen
seine Kirche handelt. Das gilt für die „Donum Vitae“-Protagonisten in besonderem Maße. Es galt auch
für unsere Bischöfe (bis auf die eine besagte Ausnahme), die über sechs Jahre brauchten, um – oft zähneknirschend –
den Widerstand „gegen Rom“ aufzugeben. In Sachen „Königsteiner Erklärung“ (in Österreich: Mariatroster
Erklärung) hält noch das eiserne Widerstandsband gegen den Papst und damit gegen die Kirche. Maier bahauptet,
die Spielräume, die ein Gemeinwesen und seine Gesetzgebung bietet, sollten von den Christen wahrgenommen
werden. Oft stehen diese – NATIONALEN – Spielräume im Widerspruch zur kirchlichen Lehre. Damit ruft Meier
geradezu dazu auf, gegen die kirchliche Lehre zu handeln, soweit dies die national begrenzten Spielräume
erlauben. Als „Vertreter“ der deutschen Laienkatholiken spricht Maier natürlich nicht als Privatmann.
Die „Chance“, in der Konfliktberatung Frauen für ein Leben mit dem Kind zu gewinnen, sollte nach Maier
nicht „achtlos aus der Hand gegeben werden“. Und dazu wäre Konsequenzialist Maier auch bereit Schlechtes
zu tun. Nämlich einen Schein auszuhändigen, dessen einziger Sinn es ist, eine Abtreibung zu ermöglichen.
Maier ist nur ggü. nationalem Gesetz gehorsam – auf Kosten der Kirche!
#3 Pünktchen 12:22:11 | Mittwoch, 11. Oktober 2006
Richtig, Konrad! Ein Christ ist jemand, der „keine Hände hätte zum Ausfüllen von Beratungsscheinen“,
die als Tötungslizenzen dienen. s. Robert Spaemann über den korrumpierenden Kalkül hinter der Scheindebatte
www.human-life.ch/…erichte/spaemann.htm!
Widerspruch! Die entscheidende Frage lautet nicht „Was dürfen Laien?“, sondern „Was dürfen Christen
nicht?“ Und das ist seit dem Diognetbrief des zweiten Jahrhunderts eindeutig die Mitwirkung an der Tötung
noch nicht geborener Kinder.
#1 Pünktchen 11:03:48 | Mittwoch, 11. Oktober 2006
Ganz anders urteilt in derselben Zeitung Prof. W. Hoeres: …ist es ebenso absurd, das Menschsein von
der Größe des Embryos abhängig zu machen wie von der Tatsache, daß sich das Kind im Speicher, im Keller
oder im Mutterleib befindet. Um das zu erkennen, muß man kein Katholik sein oder am Naturrecht festhalten.
Daraus ergibt sich, daß es in den vergangenen Jahren Pflicht der katholischen Bischöfe, ja aller Kirchenführer
gewesen wäre, immer wieder auf diese eindeutige Tatsache hinzuweisen, daß nach allen Regeln der Vernunft
auch das Ungeborene schon ein Mensch ist, den man als solchen unter keinen Umständen beseitigen darf.
Statt dessen wurde durch das jahrelange unwürdige Finassieren in der Scheinfrage der Eindruck erweckt,
die Kirche sei zu Kompromissen bereit, in der es solche einfach nicht geben kann: Es sei denn, man mache
den Menschen in irgendeinem Zustand zur Verhandlungsmasse. … nach den klaren Aussagen des II. Vatikanums
das authentische Lehramt von Papst und Bischöfen ausgeübt wird, die dabei – auch das sagt das Konzil –
Schrift und Tradition mit der gleichen Kindesgesinnung zu bewahren haben. Deshalb sollten die Laien ihre
von der kirchlichen Lehre abweichenden Emanationen als Privatmeinungen kennzeichnen, und dies jedenfalls
dann, wenn es um so grundsätzliche Fragen wie das unzweideutige Zeugnis dafür geht, daß auch der ungeborene
Mensch schon ein Mensch und kein Neutrum ist. (Leserbrief FAZ 9. 10. 2006; S. 10)