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Mittwoch, 11. Oktober 2006 18:53
Das päpstliche Dekret ist bereit
Heute Mittwoch berichteten mehrere italienische und französische Medien ohne Wenn und Aber: Die Alte Messe wird freigegeben.
"An die Stelle der gewordenen Liturgie hat man die gemachte Liturgie gesetzt. Man wollte nicht mehr das organische Werden und Reifen des durch die Jahrhunderte hin Lebendigen fortführen, sondern setzte an dessen Stelle - nach dem Muster technischer Produktion - das Machen, das platte Produkt des Augenblicks." Joseph Kardinal Ratzinger über die Liturgiereform in einer Gedenkschrift für den verstorbenen Liturgiker Mons. Klaus Gamber
„An die Stelle der gewordenen Liturgie hat man die gemachte Liturgie gesetzt. Man wollte nicht mehr das organische Werden und Reifen des durch die Jahrhunderte hin Lebendigen fortführen, sondern setzte an dessen Stelle – nach dem Muster technischer Produktion – das Machen, das platte Produkt des Augenblicks.“

Joseph Kardinal Ratzinger über die Liturgiereform in einer Gedenkschrift für den verstorbenen Liturgiker Mons. Klaus Gamber
(kreuz.net, Vatikan) Der Text des päpstlichen ‘Motu proprio’ für die Liberalisierung der Alten Messe ist offenbar bereits geschrieben.

Das berichtete heute ein Artikel von Andrea Torinelli in der Mailänder Tageszeitung ‘Il Giornale’.

Es fehle nur noch die Unterschrift des Papstes.

Noch in diesem Jahr könnte Benedikt XVI. ein Schreiben veröffentlichen, mit dem die Verwendung des Alten Meßbuches in der gesamten Kirche erlaubt werden könnte.

Im Text wird der Alte Ritus offenbar als „außerordentlicher“ universaler Ritus der Kirche charakterisiert. Den Novus Ordo nennt das Schreiben den „ordentlichen“ Ritus der Kirche.

Die wichtigsten Neuerungen: Die Bischöfe werden kein Recht mehr haben, die Erlaubnis des Alten Ritus zu verweigern, wie das heute oft der Fall ist.

Die Vorarbeiten wurden offenbar von Dario Kardinal Castrillón Hoyos, dem Präfekten der Kleruskongregation und Präsidenten der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’ geleistet.

Auf diese Weise entstand ein erster Textentwurf, der anschließend der Gottesdienstkongregation übergeben wurde.

Wegen einiger interner Widerstände in der Kongregation wurde der Text hier etwas aufgehalten.

Für die Erlaubnis zur Zelebration der Alten Messe forderte man zuerst eine Mindestanzahl von hundert Gläubigen pro Ort, die nach der Alten Messe verlangen. Schließlich wurde die Anzahl auf dreißig reduziert.

Ebenso wurden im Text alle Hinweise auf die liturgischen Mißbräuche im Neuen Ritus entfernt.

Anschließend kehrte der Text zur Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’ zurück.

Mit dem Textentwurf hat sich neben Kardinal Castrillón auch der Opus-Dei Kurienkardinal Julián Herranz – Präsident des Päpstlichen Rates für die Interpretation von legislativen Texten – beschäftigt.

Gegen ein Motu proprio für die Liberalisierung des Alten Meßbuches gibt es nach Angaben von ‘Il Giornale’ in- und außerhalb der Römischen Kurien einen beachtlichen Widerstand.

Andererseits wird es aber die Annäherung an die Priesterbruderschaft St. Pius X. fördern, von der eine solche Freigabe schon seit langem gefordert wird.

Wenn der Papst das Dokument unterschreiben sollte, könnten die Gläubigen des Alten Ritus nicht erwarten, daß sich in den Pfarreien von heute auf morgen etwas ändern wird, so Torinelli.

Die Zelebration der Alten Messe müsse mit den übrigen liturgischen Aktivitäten einer Pfarrei abgestimmt werden.

Zwei Kirchen in einer?
Michel Kubler – Chefredaktor der katholischen französischen Tageszeitung ‘La Croix’ – erklärte im Gespräch mit der Webseite ‘Croire.com’, daß das Motu proprio vorsehe, daß jeder Priester, der die Alte Messe zelebrieren wolle, das ohne eine besondere Bewilligung seines Bischofs tun könne.

Kubler rechnet, daß diese Lösung in den Pfarreien zu Spannungen führen könnte. Mit dieser Regelung werde der Biritualismus in der Katholischen Kirche eingeführt:

„Das ist nie sehr gut, weil das zwei Kirchen in einer errichten wird.“

Eine solche Entscheidung hätte auch eine große Auswirkung auf jene Länder, wo es starke traditionalistische Gemeinschaften gebe.

Kubler nennt Frankreich, Deutschland, die Schweiz, Belgien, Spanien, die Vereinigten Staaten und Teile Lateinamerikas.

Bischof Fellay zu den Gerüchten
Die italienische Nachrichtenagentur ‘Affaritaliani.it’ bat im Mutterhaus der Priesterbruderschaft St. Pius X. in der Innerschweizer Ortschaft Menzingen um eine Stellungnahme zu dem medial aufgeblasenen Gerücht.

Ein Sprecher erklärte, daß der Generalobere, Bischof Bernard Fellay, keine Stellungnahme zu Gerüchten abgeben wolle:

„Die Journalisten und viele andere Leute reden über die Lateinische Messe, aber im Moment gibt es nichts zu sagen.“

Bischof Fellay hatte bereits im Februar gewarnt, auch den Gerüchten, die direkt aus dem Vatikan kommen, keinen schnellen Glauben zu schenken.

Eine Woche vor dem Ende der Bischofssynode habe ihm ein Synodenteilnehmer gesagt, daß die Alte Messe sehr wahrscheinlich zum Ende der Synode freigegeben werde: „Und nichts geschah.“

„Fast nichts“, ergänzte der Bischof. Es habe eine Gegenaktion der Progressisten gegeben.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 30 Lesermeinungen:
Sonntag, 15. Oktober 2006 13:12
Benedikt: @ Wolfgang Bastian
Rechtlich gesehen gibt es nämlich keinen „alten Ritus“, sondern nur den Römischen Ritus.

Ganz genau.

Richtig ist aber auch,dass es innerhalb der römisch katholischen Kirche eben nicht nur den römischen Ritus gab und gibt. Die mit Rom unierten Kirchen sind ein Beispiel dafür. Z.B. die griechisch katholische Kirche in Kroatien bzw. im ehemaligen Jugoslawien.

Das stimmt natürlich. Die Formulierung wird eben nur der abkürzung halber verwandt. Ansonsten müsste man immer sagen: „…der Ritus der lateinischen Kirche, mit Ausnahme örtlicher Sonderliturgien…“ – da hier eine Zeichenbegrenzung herrscht, wäre das etwas lästig.

Wobei ich mir nicht im Klaren bin, ob nun die Sprache lateinisch sein muß? Denke,die jeweilige Landessprache ist wichtig und richtig!

Ich finde, so eine Sakralsprache hat etwas für sich. Es geht aber nicht immer darum, dass unbedingt das Latein wieder überall eingeführt werden sollte. Auf den Pfarrebenen herrscht oft eine richtige Panik vor dem lateinischen. Dabei ist es äußerst praktisch, wenn man dem Gottesdienst jedenfalls einigermaßen auf Latein folgen kann: Etwa, wenn die Pfarrei ausländische Gäste hat, oder wenn man selbst im Urlaub ist. Die Kirche ist eben eine Weltkirche.
Sonntag, 15. Oktober 2006 04:14
Wolfgang Bastian: Römischer Ritus…
Rechtlich gesehen gibt es nämlich keinen „alten Ritus“, sondern nur den Römischen Ritus.

Anmerkung:

Richtig ist,es gibt innerhalb der römisch katholischen Kirche kein Verbot,die lateinische Messe zu zelebrieren. Richtig ist auch,dass es Unsinn ist,dass Priester und Gemeinde nicht zum Altar gewandt die Heilige Messe, oder wie wir sagen, die Heilige Göttliche Liturgie feiern! Richtig ist aber auch,dass es innerhalb der römisch katholischen Kirche eben nicht nur den römischen Ritus gab und gibt. Die mit Rom unierten Kirchen sind ein Beispiel dafür. Z.B. die griechisch katholische Kirche in Kroatien bzw. im ehemaligen Jugoslawien. Auch in der koptischen Kirche ist dies nicht der Fall, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Richtig ist aber,dass es so eine durcheinander und so eine Verengung der Heiligen Messe, wie z.B. in Deutschland, Austria oder in der Schweiz in keinem anderen Land gibt. Die Hinwendung zum Altar und zum Tabernakel ist das Wesentliche. Wobei ich mir nicht im Klaren bin, ob nun die Sprache lateinisch sein muß? Denke,die jeweilige Landessprache ist wichtig und richtig!
Wolfgang Bastian
Orthodoxe Katholische Gemeinde Lauterbach-Bregana
Donnerstag, 12. Oktober 2006 13:06
Pünktchen: „Protestant“
sei daran erinnert, daß ich eine Frage an ihn gerichtet hatte! S. unter diesem thread 11:07 Uhr!
Donnerstag, 12. Oktober 2006 12:35
Athanasius: @Protestant
Ja, das Einleben in die uralte hl. Messe nach römischem Ritus setzt den Willen zur Anpassung voraus. Somit ist sie für einen Neuling vielleicht schwer zu verstehen, aber immer mystisch und meditativ. Was Sie behaupten, habe ich noch nie gehört. Schon, daß man nicht alles verstand, aber sogar Nichtkatholiken sagen mir immer: „ICh weiss aber ganz gut, dass der Gottesdienst keine reine Katechese ist.“

Die Sprache ist für seriöse Gläubigen kein Problem: das gibt’s der Schott®.

Meine Erfahrung ist, daß Katholiken die gegen die alte Messe sind, oft mehr oder eines der katholischen Glaubenswahrheiten leugnen. Ein Geist der im Aufstand und Rebellion gegen die Wahrheit befindet, findet die alte Römische Liturgie natürlich nicht ansprechend, da sie nicht seinen Vorstellungen entspricht. Aber Gottesdienst ist gemeinsamer Kult, nicht Geschmackssache oder Persönliche Kreation. Gegeben, nicht gebend.
Donnerstag, 12. Oktober 2006 11:15
Benedikt: @ Protestant
Aber wie gesagt-es ist Geschmackssache,

Genau, deshalb verändert auch jeder die Messe nach seinem Geschmack. So sollte es aber nicht sein.
Donnerstag, 12. Oktober 2006 11:07
Pünktchen: Protestant
Ohne Ihren Aussagen widersprechen zu wollen, möchte ich doch die Frage stellen, wo haben Sie welcher lateinischen Messe und nach welchem Messordo (die Messen nach dem neuen Ordo werden mancherorts auch in Latein gelesen!) „beigewohnt“?
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