Alte Messe
Warten auf Godot?
Es scheint, daß der Vatikan über die Medien vorfühlen will, wie die Römische Kurie und der Weltepiskopat auf ein allgemeines Indult für die Alte Messe reagieren werden.
(kreuz.net, Vatikan) Gestern Mittwoch berichteten sämtliche italienische Tageszeitungen, daß der Papst die Alte Messe noch in diesem Jahr allgemein erlauben will.

Anderssprachige Tageszeitungen folgten auf den Fuß.

Die Nachrichtenagenturen ‘AFP’ und ‘AP’ nannten als Quelle „einen vatikanischen Beamten“, der sich am Mittwoch vor mehreren akkreditierten Journalisten geäußert haben soll.

Der vatikanische Informant habe um Anonymität gebeten, weil das ‘Motu proprio’ zur Erlaubnis der Alten Messe noch nicht veröffentlicht sei.

Die Pressestimmen sind sich einig, daß der Text des Motu proprio auf direkte Initiative des Papstes zustande gekommen sei und nachher mehrere vatikanische Dikasterien durchlaufen hat.

Die römische Nachrichtenagentur ‘I-Media’ berichtete zum Beispiel, daß das Schreiben bereits redigiert worden sei und gegenwärtig von vatikanischen Kongregationen gegengelesen werde.

Der Papst selber habe das Dokument „wenigstens zwei Mal“ durchgesehen: „Es ist fast fertig“ – zitierte die Nachrichtenagentur „vatikanische Quellen“.

Im Text solle festgeschrieben werden, daß es den Römischen Ritus in zwei Formen gebe: den ordentlichen – neuen – und den außerordentlichen – überlieferten: „Diese zwei Formen besitzen Rechtsgleichheit.“

Allerdings gebe es noch kein Publikationsdatum – weiß ‘I-Media’. Der Grund: „Die Entscheidung des Papstes ist im Inneren der Römischen Kurie und beim Weltepiskopat umstritten.“

Der Heilige Vater wolle „eine günstige Gelegenheit abwarten“, um sein Schreiben zu veröffentlichen.

Der Erzbischof von Winnipeg in Kanada, Mons. James Weisgerber (68) erklärte vor der Nachrichtenagentur der US-Bischofskonferenz ‘Catholic News Service’, daß der Präsident der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, Dario Kardinal Castrillon Hoyos, „den Schritt“ mit kanadischen Bischöfen besprochen habe.

Die Bischöfe waren Anfang September zu ihrem Ad-Limina Besuch in Rom.

Für Erzbischof Weisgerber hörte sich die Änderung wie „eine Art Zugeständnis“ an – als ob man dem Wunsch alter, nostalgischer Leute nachkommen wolle: „In meiner Erzdiözese, sind die wenigen, die nach der Alten Messe verlangen, junge Leute, die sie nie erlebt haben.“

Die französische Tageszeitung ‘La Croix’ behauptet, daß eine Publikation des Dokumentes in der Kurie auf großen Widerstand stoße.

Das Blatt wittert sogar eine „Feindschaft“ zwischen dem Papst und einer ganzen Reihe von Kardinälen.

Ein nicht genannter Kirchenfürst soll gesagt haben, daß „wir angesichts der Risiken, welche die Anerkennung von zwei Riten für die Einheit der Kirche darstellen könnte, beunruhigt sind.“

Dagegen erklärte der Sekretär der Gottesdienstkongregation, Erzbischof Malcolm Ranjith, vor der Monatszeitung ‘30Giorni’, daß die Alte Messe kein Privateigentum der Lefebvristen, sondern ein Schatz der ganzen Kirche sei.

Die überlieferte Messe könne nach der Publikation des Meßbuches von Paul VI. nicht als abgeschafft betrachtet werden.

Der Vorsitzende der britischen Vereinigung ‘Pro Ecclesia et Pontifice’ sagte vor der Londoner Tageszeitung ‘Times’, daß sich viele Priester die Zelebration der Alten Messe selber beibrächten, weil sie so schön sei und ihre Gebete bis in die Urkirche zurückreichten.

Die österreichische Tageszeitung ‘Die Presse’ bemerkte in einem schlecht recherchierten Artikel, daß der Papst der „Lefebvre’schen Priesterbruderschaft St. Pius X.“ entgegenkommen wolle.

Denn die „Ultrakonservativen“ lehnten die Liturgiereform ab, die nicht nur die Sprache, sondern auch das „Konzept“ der Messe geändert habe: Weg von einer „Priesterkirche“ hin zu einer Feier, wo die Gläubigen das heilige Opfer „gemeinsam mit dem Priester darzubringen lernen“ – so die Formulierungen in der ‘Presse’.

Die bekannte sedisvakantistische Homepage ‘Novus Ordo Watch’ glaubt, daß Benedikt XVI. durch eine mögliche Freigabe der Alten Messe den Widerstand aus traditionellen Kreisen neutralisieren wolle.

Die Sedisvakantisten zitieren – ohne Quellenangabe – einen Ausspruch des der Piusbruderschaft nahestehenden, Ende Mai verstorbenen Kapuzinerpaters Carl Pulvermacher (80):

„Wenn sie keine gültigen Priester mehr haben, werden sie die Alte Messe freigeben.“
      
4 Lesermeinungen
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#4   landorganist   13:02:19 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
Meine Güte,
haben die Schreiberling nichts besseres zu tun, als tagelang herumzuorakeln? Das ist ja lächerlich. Wenn wirklich eine Entscheidung getroffen wird, werdet Ihr es schon früh genug erfahren, aber sicher nicht als erste!
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#3   Athanasius   12:29:24 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
@ARtikel
Hw. Carl Pulvermacher († 2006, r.i.p.) was NIE Sedisvakantist! Diese Aussage hat er vielleicht getan, aber schriftliche Quelle nennt Herr Mario Derksen (geboren in Stuttgart, um 25 Jahre alt) von ‘Novus Ordo Watch’ nicht. Hw. Carl Pulvermacher OFMCap war Priester, wie seine drei anderen Brüder. Zwei davon sind diözesane Pfarrer und recht bewertete Kleriker, ein anderer fand die Sedisvakantisten und natürlich auch die FSSPX „zu liberal“ und wurde in einem „Conclave“ durch 7 Personen zu „Papst Pius XIII.“ ausgerufen und residiert jetzt in den USA im Staat Washington. Eine seiner Schwester ist glaube ich Benediktinerin (aber „Amtskirche“).
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#2   mariasalome   11:11:32 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
richtig
hallo, woher weiß man denn aber, was „richtig“ und was „falsch“ ist? es meinen doch irgendwie alle, sie hätten die wahrheit erkannt, z.b. auch die piusbruderschaftler.
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#1   Peccator   10:57:24 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
In der Tat…
„Es scheint, daß der Vatikan über die Medien vorfühlen will, wie die Römische Kurie und der Weltepiskopat auf ein allgemeines Indult für die Alte Messe reagieren werden.“
Das scheint eine sehr wahrscheinliche Möglichkeit zu sein. Die Kirchenbürokratie macht es ja inzwischen in vielen Bereichen ähnlich, wie die Regierungen: Erstmal hören, was die Leute denken, wie groß der Widerstand ist, etc. Stattdessen sollte die Kirche entscheiden, nach der Maxime: Ist es richtig oder falsch! Unabhängig davon, was die Mehrheit denkt.
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