09:45:46 | Donnerstag, 12. Oktober 2006
Es scheint, daß der Vatikan über die Medien vorfühlen will, wie die Römische Kurie und der Weltepiskopat auf ein allgemeines Indult für die Alte Messe reagieren werden.
(kreuz.net, Vatikan) Gestern Mittwoch berichteten sämtliche italienische Tageszeitungen, daß der Papst
die Alte Messe noch in diesem Jahr allgemein
erlauben will.
Anderssprachige Tageszeitungen folgten auf
den Fuß.
Die Nachrichtenagenturen ‘AFP’ und ‘AP’ nannten als Quelle „einen vatikanischen Beamten“, der
sich am Mittwoch vor mehreren akkreditierten Journalisten geäußert haben soll.
Der vatikanische Informant
habe um Anonymität gebeten, weil das ‘Motu proprio’ zur Erlaubnis der Alten Messe noch nicht veröffentlicht
sei.
Die Pressestimmen sind sich einig, daß der Text des Motu proprio auf direkte Initiative des Papstes
zustande gekommen sei und nachher mehrere vatikanische Dikasterien durchlaufen hat.
Die römische Nachrichtenagentur
‘I-Media’ berichtete zum Beispiel, daß das Schreiben bereits redigiert worden sei und gegenwärtig von
vatikanischen Kongregationen gegengelesen werde.
Der Papst selber habe das Dokument „wenigstens zwei
Mal“ durchgesehen: „Es ist fast fertig“ – zitierte die Nachrichtenagentur „vatikanische Quellen“.
Im
Text solle festgeschrieben werden, daß es den Römischen Ritus in zwei Formen gebe: den ordentlichen –
neuen – und den außerordentlichen – überlieferten: „Diese zwei Formen besitzen Rechtsgleichheit.“
Allerdings
gebe es noch kein Publikationsdatum – weiß ‘I-Media’. Der Grund: „Die Entscheidung des Papstes ist im
Inneren der Römischen Kurie und beim Weltepiskopat umstritten.“
Der Heilige Vater wolle „eine günstige
Gelegenheit abwarten“, um sein Schreiben zu veröffentlichen.
Der Erzbischof von Winnipeg in Kanada,
Mons. James Weisgerber (68) erklärte vor der Nachrichtenagentur der US-Bischofskonferenz ‘Catholic News
Service’, daß der Präsident der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, Dario Kardinal Castrillon Hoyos,
„den Schritt“ mit kanadischen Bischöfen besprochen habe.
Die Bischöfe waren Anfang September zu ihrem
Ad-Limina Besuch in Rom.
Für Erzbischof Weisgerber hörte sich die Änderung wie „eine Art Zugeständnis“
an – als ob man dem Wunsch alter, nostalgischer Leute nachkommen wolle: „In meiner Erzdiözese, sind die
wenigen, die nach der Alten Messe verlangen, junge Leute, die sie nie erlebt haben.“
Die französische
Tageszeitung ‘La Croix’ behauptet, daß eine Publikation des Dokumentes in der Kurie auf großen Widerstand
stoße.
Das Blatt wittert sogar eine „Feindschaft“ zwischen dem Papst und einer ganzen Reihe von Kardinälen.
Ein nicht genannter Kirchenfürst soll gesagt haben, daß „wir angesichts der Risiken, welche die Anerkennung
von zwei Riten für die Einheit der Kirche darstellen könnte, beunruhigt sind.“
Dagegen erklärte der
Sekretär der Gottesdienstkongregation, Erzbischof Malcolm Ranjith, vor der Monatszeitung ‘30Giorni’,
daß die Alte Messe kein Privateigentum der Lefebvristen, sondern ein Schatz der ganzen Kirche sei.
Die
überlieferte Messe könne nach der Publikation des Meßbuches von Paul VI. nicht als abgeschafft betrachtet
werden.
Der Vorsitzende der britischen Vereinigung ‘Pro Ecclesia et Pontifice’ sagte vor der Londoner
Tageszeitung ‘Times’, daß sich viele Priester die Zelebration der Alten Messe selber beibrächten, weil
sie so schön sei und ihre Gebete bis in die Urkirche zurückreichten.
Die österreichische Tageszeitung
‘Die Presse’ bemerkte in einem schlecht recherchierten Artikel, daß der Papst der „Lefebvre’schen Priesterbruderschaft
St. Pius X.“ entgegenkommen wolle.
Denn die „Ultrakonservativen“ lehnten die Liturgiereform ab, die nicht
nur die Sprache, sondern auch das „Konzept“ der Messe geändert habe: Weg von einer „Priesterkirche“ hin
zu einer Feier, wo die Gläubigen das heilige Opfer „gemeinsam mit dem Priester darzubringen lernen“ –
so die Formulierungen in der ‘Presse’.
Die bekannte sedisvakantistische Homepage ‘Novus Ordo Watch’ glaubt,
daß Benedikt XVI. durch eine mögliche Freigabe der Alten Messe den Widerstand aus traditionellen Kreisen
neutralisieren wolle.
Die Sedisvakantisten zitieren – ohne Quellenangabe – einen Ausspruch des der Piusbruderschaft
nahestehenden, Ende Mai verstorbenen Kapuzinerpaters
Carl Pulvermacher (80):
„Wenn sie keine gültigen
Priester mehr haben, werden sie die Alte Messe freigeben.“
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