Kein Schnitt – sondern ein Schritt aus dem liturgischen Dilemma
Die Alte Messe soll wieder erlaubt werden: „Das ist nicht weniger als der Beginn einer Kulturrevolution“ – meint der Vatikanist der ‘Welt’.
(kreuz.net) Die Liturgiereform sei eine Revolution gewesen.
Das erklärte Paul Badde, der Vatikanist
der konservativen deutschen Tageszeitung ‘Die Welt’, Mitte Oktober in einem Beitrag zur Freigabe der Alten
Messe.
Nach der Liturgiereform habe die Alte Messe „fast nur in einer Art katholischen Untergrunds“ überlebt.
Zu ihrer Zelebration habe man Ausnahmegenehmigungen einholen müssen, „die längst nicht immer erteilt
wurden.“
Dennoch seien die Zweifel nie verstummt, „ob die Reform nicht tatsächlich zu rasch, zu radikal,
und teilweise zu willkürlich vonstatten gegangen war – und ob sie nicht wesentlich an der Aushöhlung
der Liturgie in den letzten Jahrzehnten überhaupt verantwortlich sein könnte: an jener Entheiligung,
Entgöttlichung und Banalisierung katholischer Meßfeiern, die nicht nur Konservative an vielen Orten
beobachteten und beklagten.“
Zu diesen Skeptikern habe auch Kardinal Ratzinger gehört.
Von ihm habe
man immer wieder vernehmen können, daß Gewachsenes nicht durch „Gemachtes“ ersetzt werden könne und
daß es deshalb einer „Reform der Reform“ bedürfe.
Die Liturgiereform habe nicht nur „eine neue Blüte
und bessere Früchte“, sondern auch einen „ungeahnt neuen Wildwuchs“ befördert.
Seit über vierzig Jahren
sei die Neue Liturgie selber „gewachsen“ und auch mächtig gewuchert, „bis hin zu Karnevalsmessen mit
Pappnasen, welche die Väter der Reform gewiß entsetzen würden, nur viele Katholiken nicht mehr, die
damit nun schon so lange leben müssen – wenn sie über den Klamauk nicht der Kirche überhaupt den Rücken
gedreht haben“.
Nach dem Abschied von den strengen Vorgaben der Tridentinischen Messe habe die Liturgiereform
dem subjektiven Ermessenspielraum der Feiernden einen ungleich größeren Raum geboten – „und Messen damit
quasi abhängig gemacht von den Begabungen der Priester oder eben seiner Unbegabtheit“.
Nun deute sich
aber eine einschneidende Wende an.
Nach „zuverlässigen Informationen aus dem Vatikan“ werde der Papst
den Gebrauch der lateinischen Liturgie wieder uneingeschränkt zulassen.
Damit gewähre Benedikt XVI.
dem Alten Ritus wieder ein „volles Bürgerrecht“.
„Es ist nicht weniger als der Beginn einer Kulturrevolution“ –
so Badde.
Dennoch ist dies kein Schnitt, sondern ein Schritt aus dem liturgischen Dilemma.
Allen neuen
Formen stelle der Papst die Alte Messe wieder als Urmeter der Liturgie zur Seite.
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24 Lesermeinungen
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die Sprache der Kirche … ich denke das viele nicht-akademisch und nicht-theologisch gebildete Menschen
schon jetzt große Probleme haben, die Sprache der Kirche zu verstehen, selbst wenn diese deutsch spricht…
… wäre es nicht sinnvoller, dieses Problem anzugehen, als Latein wieder einzuführen??? Ecclesia semper
reformanda est…
@cath und anderen @cath: ich weis sehr wohl, was Stille Hl. Messen sind, auch Bet-Sing-Messen. mir zu
unterstellen ich wüsste es nicht ist nicht fair! Die „Stille“ an sich ist sicher der Messe ebenso würdig
und so manche Stille Messe ist in sich erhabener als gesungene Messen (vorallem wenn der Gesang falsch
ist ;- ) Mein Plädoyer für die Gregorianik ist ja kein Plädoyer gegen die Stille Hl. M. Was ist würdig?
Da gehen die Meinungen auseinander, manchem hier mag auch Techno als „würdig“ erscheinen. Vielen wird
Rock, Techno, Jazz usw als unwürdig erscheinen. Soll die Kirche nun alles erlauben? Oder alles verbieten?
Sie ging einen richtigen Weg, indem sie (regional sogar unterschiedlich) das, was sicher würdig war,
vorgeschrieben hat. Die Rubriken des 1969er Messbuchs empfehlen als Gesangbuch das Graduale Romanum Ja
und was wird gemacht? Teilweise Zeug, das ich als unwürdig empfinde. Dabei is es mir doch egal, ob das
50% andere Messbesucher als würdig empfinden. Und wenn einen mir gefälliger Gesang anderen 50% der Besucher
als unwürdig empfinden, dann darf ich das mit Rücksicht auf jene 50% auch nicht durchsetzen. Deshlb
soll man nur das reinpacken, was in jedem Fall würdig ist, und das ist eben die Gregorianik. Meinetwegen
Kirchenlieder, aber auch nur solange wirklich 99% damit leben können (und die 99% sind bei vielen Liedern
nicht erreicht).
Gotthard: Der Kragen sollte Dir… nicht platzen! Ja, was ist „würdig“? Rite et recte soll zunächst
einmal gefeiert werden. Können wir uns darauf verständigen? Ich bitte jedenfalls immer nur darum, die
Institutio generalis ganz genau einzuhalten. Damit fordere ich nur Sacrosanctum Concilium, 22 § 3 ein.
Das sagt allerdings leider etwas über meine „fundamentalstische“ Gesinnung aus. Meint man jedenfalls!
#21 Benedikt 11:50:20 | Mittwoch, 18. Oktober 2006
@ Athanasius Die Bet-Sing-Messe ist typisch Deutsch und ein Relikt des unabhängigen deutschen Geistes
der Katholiken, die dem Reichsgeist des lutherischen Wilhelm II. nachahmen wollten Genau. Dazu benutzten
sie zB das Mainzer Cantual von 1605 .
#20 Athanasius 11:16:50 | Mittwoch, 18. Oktober 2006
@cath Die Bet-Sing-Messe ist typisch Deutsch und ein Relikt des unabhängigen deutschen Geistes der Katholiken,
die dem Reichsgeist des lutherischen Wilhelm II. nachahmen wollten, und deswegen das Verbot von Papst
Pius X. durch eigene Liedersachen die Ordnung der überlieferten römischen hl. Messe zu stören, nicht
observierten. (Etwa in den Niederlanden gab es eine riesigen Revival des Gregorianischen Chorals in den
Jahren 1910, zur Freude auch der Künstler und sogar der protestantischen Musiker.) Der hl. Pius X. hat
mit Recht die Gregorianik an erster Stelle gerückt, was auch noch in der Liturgiekonstitution von Vatikanum
II. steht (Gregorianik múss gefördert und verwendet werden). Die Stille Messe ist kein Missbrauch oder
eine Fehlentwicklung, sondern kommt hervor aus der Tatsache, dass oft wochentags die Kantoren fehlten.
Wenn wir den „Alten Ritus“ wollen, dann den alten Ritus in korrekter Form natürlich, nicht in Rutschrasch-10-Minuten-Art
mit einem deutschen Lied und ohne Manipel. Die hl. Liturgie, bei der die triumphierende Kirche mit der
streitenden Kirche Gott jubelt, soll feierlich zelebriert werden mit dem Besten was wir haben. Nicht länger
mit dem besten Opferlamme (das ist schon gegeben: der Herr Jesus Christus), sondern mit bester Stimme
und bester Kleidung und Altargerät. Mit der Wiederherstellung der Missionarität ist „bei den Tradis“
tatsächliche Armenhilfe únd Bekehrungseifer gemeint. Caritas. Nicht grün-linke Aufmärsche gegen Kreuzrakete
in Köln, sondern in Afr.!
@möchtegern-kathole: << in der Natur der Neuen Messe ?? gibt es schon Probleme. Ein Beispiel: die Gregorianik
ist in der alten Messe vorgeschrieben…>> Soso. Noch nie was von einer Betsingmesse oder einer Stillen
Messe gehört? Einige unsrer Tradis hier kennen die Alte Messe offenbar garnicht.
#18 athanasius1957 10:58:43 | Mittwoch, 18. Oktober 2006
Ritus romanus et Ritus novus In der Schule lernt man zuerst die Schreibschrift, die individuelle Handschrift
entwickelt sich langsam. Zuerst ist der Schüler gefragt, den Prozeß, dann das Procedere zu lernen. Erst
danach, wenn er gefestigt ist, entwickelt er seinen eigenen Stil. So ist es auch wie in jedem Handwerk
mit dem Ritus.
#17 Benedikt 10:52:51 | Mittwoch, 18. Oktober 2006
@ möchtegern-kathole Die Rubriken des 1969er Messbuchs empfehlen als Gesangbuch das Graduale Romanum.
Natürlich kann auch ein Diözesangesangbuch verwendet werden. Das aber war beim alten Ritus nicht anders.
#16 Protestant 08:03:58 | Mittwoch, 18. Oktober 2006
@möchtegernkathole Sie haben sicherlich recht, was die Würde der Gregorianik anbelangt! Dies ist zweifelsfrei
korrekt-völlig egal ob es einem nun zusagt oder nicht! Mit der Würde grds. ist es allerdings so eine
Sache!Da sind die Sichtweisen recht unterschiedlich! Für manchen sind eben moderne Gospels, Pop-Songs
mit christlichem Inhalt oder christliche Kinderlieder genauso würdig, wie z.B. eben gregorianische Gesänge,
Kantaten von Bach oder Choräle von Paul Gerhardt oder Martin Luther. Im Vordergrund steht eindeutig das
Lob Gottes und ich glaube, das Gott Freude an jeder Art von Musik zu seinem Lob hat!
in der Natur der Neuen Messe … … gibt es schon Probleme. Ein Beispiel: die Gregorianik ist in der
alten Messe vorgeschrieben. Diese Musik ist sicher würdig. sie mag manchen gefallen, anderen nicht, in
jedem Falle ist sie aber würdig. In der Neuen Messe ist – soweit ich weiss, ich kann mich natürlich
irren, höfliche Korrekturen erbeten – die Gregorianik nicht mehr vorgeschrieben. Damit ist die Kirchenmusik
nicht mehr festgelegt und es gibt auf einmal Messen mit sicher nicht mehr würdiger Musik.
@ Gotthard Es ist ganz einfach: Die „Alte Messe“ ist würdig Die neue ist es nicht… So ist das Schablonendenken.
Meine Erfahrung ist eine andere… Ihre auch, denke ich… Es gibt sicherlich Missbräuche, die nicht
zu leugnen sind, aber das liegt an der Natur des Menschen sich zu produzieren, nicht an der „Neuen Messe“
selbst… Das haben wohl einige noch nicht verstanden…
#13 Gotthard 00:36:25 | Mittwoch, 18. Oktober 2006
würdig Wenn die Alte Messe einen „würdigen Rahmen“ für einen Gottesdienst abgibt, langsam platzt mir
aber der kragen. Was stellen sich diverse Leute eigentlich unter „würdig“ im Blick auf die Eucharistiefeier
vor? Gibt es eine Definition oder Beschreibung von „Würde“ in diesem Zusammenhang?
ich fürchte auch … … dass – so die Alte Messe tatsächlich freigegeben wird – einige durchdrehen
und dem Papst sowas wie hochverrat anheften wollen … quasi nach dem motto „ein alter Mann, der senil
in seinen Erinnerungen versinkt darf nicht alles nach unten reissen“ …
Katholiken die gegen Katholiken kämpfen… Jetzt macht das kämpfen (Rosenkranzbeten) gegen die liberalen
Katholiken gleich 3x soviel Spaß . Stellt sich nur noch die Frage wie Radikal die liberalen Katholiken
wirklich sind. Deshalb müssen wir auch viel für sie beten damit sie nicht durchdrehen. Da kann das ja
nix werden!
Würdig feiern Wenn die Alte Messe einen „würdigen Rahmen“ für einen Gottesdienst abgibt, dann darf
man daraus nicht die Schlussfolgerung ziehen, dass alle anderen Gottesdienstformen „würdelos“ wären!
Gottes Wort kann in vielerlei Gestalt verkündigt werden und die Eucharistie kann in mehr als nur einer
Form gefeiert werden, die unveränderlich vorgegeben ist!
oh Wunder! Wenn das der Fall ist dann haben wir wir endlich den endgültigen Beweis das die neue Messe
nicht Gott gewollt ist es gibt wirklich wunderbare Ansichten!!!!
Hurrrrrrraaaaaaaaaaaa Endlich einmal auch gute Nachrichten. Jetzt stellt sich nur noch die Frage ob die
Bischöfe dem Papst ghorchen werden. Wenn das der Fall ist dann haben wir wir endlich den endgültigen
Beweis das die neue Messe nicht Gott gewollt ist . Jetzt macht das kämpfen (Rosenkranzbeten) gegen die
liberalen Katholiken gleich 3x soviel Spaß . Stellt sich nur noch die Frage wie Radikal die liberalen
Katholiken wirklich sind. Deshalb müssen wir auch viel für sie beten damit sie nicht durchdrehen.
ja Gotthard, stimmt! Ja, Gotthard, ich weiß. Aber in diesem Fall stimmen ja die Worten: Jetzt ist die
Zeit, jetzt ist die Stunde, heute wird getan oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn er kommt. Sie können
aber ganz beruhigt sein; ich stehe fest und treu zum Missa Tridentina und hoffe und bete, dass diese schon
bald wieder öffentlich gefeiert werden kann. Viele Grüße Aragorn
Warum sparen Sie sich nicht den ganzen Ärger und erleben Aufbau und Erbauendes? Z.B. hier www.fsspx.info/zentren/
oder, na ja, auch hier petrusbruderschaft.eu/…/niederlassungen.php? Streßfreie, glückerfüllte Freude
und innige Andacht statt ständigem Frust über häretische Kindereien und theologisch kindergartenmäßiges
„Ich will aber auch mal“.
Ja, Frater Meinrad, wenn, wenn, wenn… der NOM würdig gefeiert wird. Hier liegt doch das Problem! Was
glauben Sie, warum es die Liturgieinstruktion „Redemptionis sacramentum“ gibt, mit der einiges gebessert
werden sollte. Aber was hat sich gebessert?? Seit Jahren dokumentiere ich die Fälle und sende Sie meinem
Bischof. Nichts, aber auch gar nichts ändert sich. Der „dickste“ Fall vor einigen Monaten: „Wir sind
Kirche“ durfte eine ganze Messe nach eigenem Gustus gestalten. Frau Kiklas dufte predigen und ihre fünf
Aufforderungen zu Häresien unter die Leute bringen, ein eigens „gestricktes“ Credo folgte, und, und und…
Wer jetzt schreit (Sie taten es nicht), der alte Ordo würde die Gemeinden spalten, hat nur Desinformation
im Kopf und ist bösartig. In meinem Bistum feiert fast jede Gemeinde ihre eigene Liturgie. In meiner
Pfarrgemeinde heißt es: Wenn dir das nicht gefällt, was wir machen, dann geh woanders hin. Die Spaltung
geht doch längst quer durch alle Gemeinden. Den NOM nicht „würdig“ (was heißt das schon!), sondern
„rite et recte“ gefeiert, die Pfarrgemeinden müssen Sie mit der Lupe suchen. Zu argumentieren, man könne
auch den alten Ordo unwürdig und wie auch immer feiern, ist eine glatte Retourkutsche. Sich für die
wie auch immer „würdige“ Feier des NOM einzusetzen, war für alle Kritiker des alten Ordo Zeit genug.
Was haben Sie dafür getan??? einzusetzen. Mirauch i
Deus caritas est Wie schon seine Enzyklika von der Liebe Gottes spricht, so will er hier die Liebe zur
Liturgie ins Zentrum stellen. Ohne den überlieferten Ritus gebe es keine Liturgie, die wir heute feieren
könnten, egal ob im alten oder im neuen Ritus. Wenn der NOM würdevoll gefeiert würde, käme es zu keinen
Missbräuchen, die es ja teilweise auch im alten Ritus gab bzw. gibt.