Kinderschlachtung
Der Mensch als Verhandlungsmasse
Es ist absurd, das Menschsein von der Tatsache abhängig zu machen, ob sich das Kind im Speicher, Keller oder Mutterleib befindet.
(kreuz.net) Befindet sich der Staat bei der Gesetzgebung zur Abtreibung in einem Dilemma, weil der Bevölkerung angeblich das Bewußtsein für das Unrecht der Abtreibung abhanden gekommen ist?

Mit dieser Frage beschäftigt sich der Frankfurter Philosoph, Professor Dr. Walter Hoeres in einem Leserbrief, der am 9. Oktober in der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ veröffentlicht wurde.

Unabhängig von der Weltanschauung sei leicht einzusehen, daß es grotesk sei, über die Gesetzgebung ein Datum festzusetzen, an dem das ungeborene Kind zum Menschen wird und folglich nicht mehr getötet werden darf.

„Anders formuliert, ist es ebenso absurd, das Menschsein von der Größe des Embryos abhängig zu machen wie von der Tatsache, daß sich das Kind im Speicher, im Keller oder im Mutterleib befindet.“

Um das zu erkennen, müsse man kein Katholik sein oder am Naturrecht festhalten.

Daraus ergibt sich – so Professor Hoeres – daß es in den vergangenen Jahren Pflicht der Bischöfe und aller Kirchenvertreter gewesen wäre, immer wieder auf diese eindeutige Tatsache hinzuweisen.

Das ungeborene Kind sei nach allen Regeln der Vernunft ein Mensch, den man als solchen unter keinen Umständen beseitigen dürfe.

Statt dessen wurde durch das jahrelange unwürdige Finassieren in der Scheinfrage der Eindruck erweckt, die Kirche sei zu Kompromissen bereit, in der es solche einfach nicht geben könne:

„Es sei denn, man mache den Menschen in irgendeinem Zustand zur Verhandlungsmasse.“

Das Machtwort des Papstes sei um so eher angebracht gewesen, als die katholischen Kirchenvertreter „nicht nur in der Scheinfrage versagten, sondern auch sonst von erstaunlicher Zurückhaltung waren, wenn es um die Rechte des Kindes im Mutterleib ging.“

Als der verstorbene Fuldaer Bischof Dyba die Anregung gegeben habe, am Tag der unschuldigen Kinder in ganz Deutschland die Glocken zu läuten, um gegen die Kinderabtreibung zu protestieren, seien ihm nur wenige Diözesen, ja nur wenige Pfarreien gefolgt: „ein beschämendes Armutszeugnis der Kirche in einer buchstäblich lebenswichtigen Frage“ – so Hoeres.

Diese Zurückhaltung sei um so unverständlicher, als die Bischöfe sonst nicht zögerten, zu allen möglichen weltpolitischen, ja wirtschaftlichen Fragen und vor allem immer wieder zu denen der Political correctness Stellung zu nehmen.

Wenn Laienvertreter der Kirche in diesem Zusammenhang als „Funktionäre“ bezeichnet würden, habe das seinen guten Sinn:

„Gemeint ist der Widerspruch, daß die Vertreter von ‘Donum Vitae’ auf der einen Seite einen bürgerlichen Verein eigenen Rechtes repräsentieren, der in gar keiner Weise mit der katholischen Kirche zu tun hat, sich aber auf der anderen Seite immer wieder bei dieser ihrer Vereinstätigkeit auf ihre katholische Verantwortung berufen.“

Ähnlich sei dieser Widerspruch bei den Mitgliedern des ‘Zentralkomitees der deutschen Katholiken’ – – des obersten katholischen Laiengremiums in Deutschland – anzutreffen, „die sich bei ihrer immer wiederkehrenden Rom-Schelte darauf berufen, daß sie gewählte Vertreter des Kirchenvolkes sind.“

Der Widerspruch bestehe darin, daß die Kirche keine Demokratie sei, in welcher der Konsens durch Abstimmungen ermittelt werde.

Das Lehramt werde auch nach den klaren Aussagen des Zweiten Vatikanums von Papst und Bischöfen ausgeübt, „die dabei – auch das sagt das Konzil – Schrift und Tradition mit der gleichen Kindesgesinnung zu bewahren haben.“

Deshalb fordert Professor Hoeres die Laien auf, ihre von der kirchlichen Lehre abweichenden Emanationen als Privatmeinungen zu kennzeichnen, vor allem „wenn es um so grundsätzliche Fragen wie das unzweideutige Zeugnis dafür geht, daß auch der ungeborene Mensch schon ein Mensch und kein Neutrum ist“.
      
2 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#2   methusalix †   09:36:47 | Donnerstag, 19. Oktober 2006
Schmerz und Qual üben wohl eine morbide Faszination auf Sie aus, (priest?)!
laikos: … Der Papst würde lieber qualvoll sterben als zuzugeben …
Zugegeben eine sehr klassisch-katholische Einstellung!
Redaktion benachrichtigen
#1   laikos   08:40:05 | Donnerstag, 19. Oktober 2006
Abtreibung und PJXXIII
Ein jeder Papst auch PJXXIII hat die Abtreibung aufs schärfste verurteilt. Die Katholische Kirche wird der Abtreibung niemals zustimmen egal wie sehr sich die Ketzer bemühen. Der Papst würde lieber qualvoll sterben als zuzugeben das Abtreibung erlaubt sei. Abtreibung ist >:) und nichts anderes. Das wird so lange die Erde noch besteht (Apokalypse) für immer so bleiben :-|
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
KinderschlachtungSittenlose Lebensschützer KinderschlachtungWidersprüche KinderschlachtungSie belasten die Krankenkassen KinderschlachtungGräfin von Westphalen wird 70 ‘pro familia’Rufmord am Mörderruf? KinderschlachtungFamilienpolitik im freien Fall KinderschlachtungGrüße von Dr. Stapf KinderschlachtungAm liebsten wäre ich auch tot gewesen KinderschlachtungWie gedungene Mörder Kinderschlachtung„Was müßte ich Dir anbieten, daß Du es Dir noch einmal überlegst?“ Kinderschlachtung200.000 auf einen Streich KinderschlachtungEs braucht eine neue Berufsgruppe KinderschlachtungWer schiebt mal deinen Rollstuhl? KinderschlachtungWer schädigt wen? KinderschlachtungFür ihn ist Leben Tod
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net