09:50:42 | Mittwoch, 18. Oktober 2006
Es ist absurd, das Menschsein von der Tatsache abhängig zu machen, ob sich das Kind im Speicher, Keller oder Mutterleib befindet.
(kreuz.net) Befindet sich der Staat bei der Gesetzgebung zur Abtreibung in einem Dilemma, weil der Bevölkerung
angeblich das Bewußtsein für das Unrecht der Abtreibung abhanden gekommen ist?
Mit dieser Frage beschäftigt
sich der Frankfurter Philosoph, Professor Dr. Walter Hoeres in einem Leserbrief, der am 9. Oktober in
der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ veröffentlicht wurde.
Unabhängig von der Weltanschauung sei leicht
einzusehen, daß es grotesk sei, über die Gesetzgebung ein Datum festzusetzen, an dem das ungeborene
Kind zum Menschen wird und folglich nicht mehr getötet werden darf.
„Anders formuliert, ist es ebenso
absurd, das Menschsein von der Größe des Embryos abhängig zu machen wie von der Tatsache, daß sich
das Kind im Speicher, im Keller oder im Mutterleib befindet.“
Um das zu erkennen, müsse man kein Katholik
sein oder am Naturrecht festhalten.
Daraus ergibt sich – so Professor Hoeres – daß es in den vergangenen
Jahren Pflicht der Bischöfe und aller Kirchenvertreter gewesen wäre, immer wieder auf diese eindeutige
Tatsache hinzuweisen.
Das ungeborene Kind sei nach allen Regeln der Vernunft ein Mensch, den man als
solchen unter keinen Umständen beseitigen dürfe.
Statt dessen wurde durch das jahrelange unwürdige
Finassieren
in der Scheinfrage der Eindruck erweckt, die Kirche sei zu Kompromissen bereit, in der es
solche einfach nicht geben könne:
„Es sei denn, man mache den Menschen in irgendeinem Zustand zur Verhandlungsmasse.“
Das Machtwort des Papstes sei um so eher angebracht gewesen, als die katholischen Kirchenvertreter „nicht
nur in der Scheinfrage versagten, sondern auch sonst von erstaunlicher Zurückhaltung waren, wenn es um
die Rechte des Kindes im Mutterleib ging.“
Als der verstorbene Fuldaer Bischof Dyba die Anregung gegeben
habe, am Tag der unschuldigen Kinder in ganz Deutschland die Glocken zu läuten, um gegen die Kinderabtreibung
zu protestieren, seien ihm nur wenige Diözesen, ja nur wenige Pfarreien gefolgt: „ein beschämendes Armutszeugnis
der Kirche in einer buchstäblich lebenswichtigen Frage“ – so Hoeres.
Diese Zurückhaltung sei um so
unverständlicher, als die Bischöfe sonst nicht zögerten, zu allen möglichen weltpolitischen, ja wirtschaftlichen
Fragen und vor allem immer wieder zu denen der Political correctness Stellung zu nehmen.
Wenn Laienvertreter
der Kirche in diesem Zusammenhang als „Funktionäre“ bezeichnet würden, habe das seinen guten Sinn:
„Gemeint ist der Widerspruch, daß die Vertreter von ‘Donum Vitae’ auf der einen Seite einen bürgerlichen
Verein eigenen Rechtes repräsentieren, der in gar keiner Weise mit der katholischen Kirche zu tun hat,
sich aber auf der anderen Seite immer wieder bei dieser ihrer Vereinstätigkeit auf ihre katholische Verantwortung
berufen.“
Ähnlich sei dieser Widerspruch bei den Mitgliedern des ‘Zentralkomitees der deutschen Katholiken’ – –
des obersten katholischen Laiengremiums in Deutschland – anzutreffen, „die sich bei ihrer immer wiederkehrenden
Rom-Schelte darauf berufen, daß sie gewählte Vertreter des Kirchenvolkes sind.“
Der Widerspruch bestehe
darin, daß die Kirche keine Demokratie sei, in welcher der Konsens durch Abstimmungen ermittelt werde.
Das Lehramt werde auch nach den klaren Aussagen des Zweiten Vatikanums von Papst und Bischöfen ausgeübt,
„die dabei – auch das sagt das Konzil – Schrift und Tradition mit der gleichen Kindesgesinnung zu bewahren
haben.“
Deshalb fordert Professor Hoeres die Laien auf, ihre von der kirchlichen Lehre abweichenden Emanationen
als Privatmeinungen zu kennzeichnen, vor allem „wenn es um so grundsätzliche Fragen wie das unzweideutige
Zeugnis dafür geht, daß auch der ungeborene Mensch schon ein Mensch und kein Neutrum ist“.
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laikos 08:40:05 | Donnerstag, 19. Oktober 2006