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Freitag, 20. Oktober 2006 18:03
Limbus oder Reinkarnation?
Pater Karl Rahner war sich sicher, daß ungetauft gestorbene Kinder in den Himmel kommen. Wie? Vielleicht über Reinkarnation. Ein neues Buch über den Limbus puerorum.
Vatikanische Nachrichtenagentur 'Fides' photographierte Hw. Karl Rahner im Jahr 1975
Vatikanische Nachrichtenagentur ‘Fides’ photographierte Hw. Karl Rahner im Jahr 1975
(kreuz.net, Liechtenstein) Der Vaduzer Priester Johannes M. Schwarz veröffentlichte kürzlich seine Doktorarbeit über den sogenannten Limbus puerorum.

Hw. Schwarz ist als Kaplan in der Liechtensteiner Pfarrei Triesenberg und nebenbei als Programmierer des neokonservativen Linzer Onlineportals ‘kath.net’ tätig.

Der Limbus puerorum ist der äußere Bereich der Hölle, in den nach klassischer katholischer Lehre die Seelen der ungetauft verstorbenen Kleinkinder hinkommen.

Kaplan Schwarz sprach am 26. September mit ‘kath.net’ über das ewige Schicksal der ungetauften Kleinkinder, die noch vor dem Erlangen der Verstandeskraft sterben.

Die Problematik der Frage stehe im Spannungsfeld zwischen zwei zentralen Glaubenswahrheiten: der Erbsünde und Taufnotwendigkeit auf der einen und dem göttlichen Heilswille auf der anderen Seite.

Die Lehre vom Limbus könne nicht leicht abgeschafft werden. Zumindest als mögliche Antwort bleibe sie gültig.

Die mittelalterliche Scholastik definierte den Limbus der Kinder als ewigen Zustand natürlicher Glückseligkeit - ohne die übernatürliche Freude der Anschauung Gottes und ohne Sinnesstrafen.
Die mittelalterliche Scholastik definierte den Limbus der Kinder als ewigen Zustand natürlicher Glückseligkeit – ohne die übernatürliche Freude der Anschauung Gottes und ohne Sinnesstrafen.
Sie sei nicht homogenes Modell vorgetragen, sondern in verschiedenen Variationen vertreten worden – erklärt Hw. Schwarz weiter. Darum treffe die heutige Limbus-Kritik nicht immer alle Modelle in gleicher Weise.

Bis ins 19. Jahrhundert sei die Lehre, daß ungetauft gestorbene Kleinkinder nicht erlöst werden können, mit wenigen Ausnahmen nicht in Frage gestellt worden.

Die theologischen Auseinandersetzungen konzentrierten sich damals vor allem auf das Verständnis der Aussage des Heiligen Augustinus von Hippo († 430), wonach ungetauft gestorbene Kleinkinder im Limbus nur eine „leichteste Strafe“ erleiden.

Die theologische Lehrtradition der Scholastik habe mit ihren neugewonnenen Differenzierungen zur Erbsündenlehre eine milde Auslegung dieser Strafen erlaubt.

In der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts sei die Anzahl vorgeschlagener Heilswege für ungetauft gestorbene Kleinkinder inflationär angestiegen. Doch diese Vorschläge wurden von den Vertretern der klassischen Lehrtradition zum Teil heftig kritisiert.

Die meisten theologischen Versuche, die Lehre vom Limbus abzuschwächen, seien im Taufersetzschema verblieben. Sie hätten zu zeigen versucht, daß Kleinkinder, die vor Erlangen ihrer Verstandeskraft sterben, durch eine Form der Begierdetaufe oder Bluttaufe gerettet würden.

In den 50er Jahren habe diese Diskussion einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Die Einberufung des „Pastoralkonzils“ in den 60er Jahren habe „zur Erschließung neuer theologischer Horizonte und Interessensgebiete“ geführt – so Kaplan Schwarz. Damit sei die Frage nach dem ewigen Schicksal ungetauft gestorbener Kleinkinder theologisch weitgehend verdrängt worden.

In den letzten Jahren sei die Diskussion wieder zaghaft erwacht.

Einen ersten Impuls habe der neue Katechismus der Katholischen Kirche geliefert. Er spricht von einer „berechtigten Hoffnung“ für einen Heilsweg der Kinder.

Damit stelle der Katechismus die Frage nach einer „Korrektur“ – die Anführungszeichen stammen von Kaplan Schwarz – der früheren kirchlichen Lehre in den Raum.

Hw. Schwarz erwähnt einen besonders kuriosen Lösungsansatz, der vom umstrittenen Konzilstheologen Pater Karl Rahner SJ († 1984) vorgelegt wurde.

Der Jesuit behandelt das Schicksal der ungetauft verstorbenen Kleinkinder in einem weniger bekannten Aufsatz über das Fegefeuer. Dabei erachte er es als gegeben, daß ungetaufte Kinder einfach in den Himmel gelangten.

Pater Rahner erkennt selber einen Nachteil dieser Theorie: Damit wäre nämlich ein großer Teil der Himmelsschar automatisch und ohne personale Entscheidung zur ewigen Herrlichkeit gelangt. Diesen Gedanken hält Hw. Rahner für schrecklich und unpassend.

Darum vermute er eine Begierdetaufe im Tod. Er überlegte aber noch eine andere Lösung – erklärt Kaplan Schwarz:

„Unter Berufung auf eine »ungeheure Verbreitung« der Reinkarnation und Seelenwanderung in der »religiösen Menschheitstradition« könne an dieser Lehre doch auch etwas Richtiges sein.“

Somit hält es der Jesuit für möglich, daß wenigstens die vor der Erlangung des Vernunftgebrauchs aus dem Leben Geschiedenen noch eine zweite Chance bekommen und ein zweites Mal inkarniert werden könnten.

Kaplan Schwarz bemerkt abschließend, daß sein Doktorat ein Kapitel Theologiegeschichte mit möglichen Wegen und Irrwegen aufzeige, ohne das Problem letztlich zu lösen.


Das Werk „Zwischen Limbus und Gottesschau Das Schicksal ungetauft sterbender Kinder in der theologischen Diskussion des zwanzigsten Jahrhunderts. Ein theologiegeschichtliches Panorama.“ ist bei für 14,80 Euro plus Versandspesen erhältlich.

© Titelbild:Vatikanische Nachrichtenagentur Fides
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 67 Lesermeinungen:
Donnerstag, 30. August 2007 20:16
Bokrug †: Pelagianer Limbus: In Johannes-Apokalypse kommt Ort vor, an den die gerechten Heiden gehen…
Gottes gelehrte Vaganten. Die Iren im frühen Europa (Gebundene Ausgabe)
von Ingeborg Meyer-Sickendiek (Autor)

Kurzbeschreibung
Fesselnd und anschaulich blättert die Autorin ein entscheidendes Kapitel unserer Vergangenheit auf: nicht nur den kulturbildenden Anteil der irischen Pilgermönche in Deutschland, sondern auch eine geistige Geographie unserer europäischen Landkarte.

Ingeborg Meyer-Sickendieks erstmals 1984 veröffentlichtes Sachbuch beginnt nach einer Einführung mit der Darstellung Europas vor, während und nach Ausbreitung der Kelten. Danach werden die Wege der christlichen Lehre zu den Kelten dargestellt. Besonders hervorgehoben wird die Herkunft der besonderen Ausprägung des frühen irischen Christentums, das nicht von Rom herrührte, sondern sich auf das von Antonius dem Großen (um 251- 356) gegründete Mönchstum Ägyptens zurückführte. Dies beweist u.a. das Taukreuz, das die Kopten von dem altägyptischen Ankh abgeleitet hatten und das in großer Zahl auf der Insel vorgefunden werden kann. Da das Druidentum dieses ihm „geistesverwandte“ Christentum zudem freundlich aufnahm und mit ihm sogar eine Synthese einging, gab es zu dieser Zeit in Irland, anders als bei den Germanen, keine Märtyrer. Die Autorin gibt einen Überblick über die wichtigsten theologischen …
Mittwoch, 25. Oktober 2006 12:39
Protestant: @breze
Sie sprechen mir aus der Seele!
Was muss einem Menschen eigentlich alles schon passiert sein, dass er überall nur noch Verschwörung, Teufel und Sünde sieht!
Diese Menschen müssen wirklich verzweifelt sein,an jeder Ecke steht der Sensenmann und wartet nur darauf, dass wir ihm auf den Leim gehen!
Eigentlich war wir Protestanten früher mal als diese freudlosen und sich an der Sünde hochziehenden Zeitgenossen verschrien, denen jedes Vergnügen und jedes Spiel ein Greuel war- das ist aber zum Glück vorbei!
Ich bin froh und dankbar, dass mein Leben und meine Visonen nicht annähernd so trostlos erscheinen und sind, wie manche hier in diesem Forum!
Mittwoch, 25. Oktober 2006 12:27
Hallo Frasim,
ein LK oder GK = Leistungs- oder Grundkurs in einem schulischen Fach wird freiwillig gewählt, je nach Interesse und Neigung des zukünftigen Abiturienten. Zu diesem Kurs haben alle Schüler, die sich dafür interessieren Zutritt, also auch Christen anderer Konfessionen, Atheisten, Moslems, Juden usw.
In so einem Religionsunterricht geht es nur um Wissensvermittlung und nicht um Glaubensvermittlung. Wenn zu so einem Thema gesprochen wird, gibt es kleine Arbeitsgruppen, die sich ihre eigenen Gedanken machen, und die dann im Forum mit allen diskutiert werden.
Es gibt dann Themen für schriftliche Arbeiten, die nur nach Wissen bewertet werden. Der persönliche Glaube des Schülers oder Nichtglaube spielt keine Rolle.
Es gibt natürlich auch Hausarbeiten, die jeder entweder für sich selbst oder in Gruppen bearbeiten kann, je nachdem, wie es dem Schüler am liebsten ist.

Glaubensvermittlung geschieht im Gottesdienst und in der Gemeindekatechese. Hier sieht dann die Sachlage ganz anders aus. Hier würde ich mit einem solchen Thema auch anders umgehen.
Dienstag, 24. Oktober 2006 22:11
Breze: @ liebe Perpetua
Sie sollten mal etwas anderes posten, als Ihre Verschwörungstheorien, die Sie mal wieder aus einem Buch abgetippt haben (ich wette, es ist eins vom Anton Schmid Verlag)…
…es langweilt einfach langsam, dauernd zu lesen, dass das 2. Vatikanum von den Freimaurern, Juden und Kommunisten inszeniert wurde, mit dem Zweck, die Kirche zu zerstören (Gähnfaktor ++++++), dass die bösen Juden bekämpft werden müssen, und eh schon verdammt sind, weil sie ja Christus getötet haben (Gähnfaktor +++++; Blödsinnsfaktor ++++++)(Ganz nebenbei: Wäre Christus nicht gestorben, gäbe es keine Auferstehung, so einfach ist das)

Sie und Ihresgleichen müssen ja ständig kurz vor dem Nervenzusammenburch stehen, wenn Sie diesem Schund Glauben schenken.
Sie leben in einer schrecklichen, teuflischen Welt, in jeder Ecke steht Satan und will Ihre Seele, und Ihr Gott ist ein strafender, rachsüchtiger Gott, der nur darauf wartet, dass Sie falllen und sündigen, um Sie dann zu züchtigen!
Dienstag, 24. Oktober 2006 22:05
Maurice Corvisier: Das stimmt, sirilo,
aber wer rief: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn“ – und wer bestätigte dann auch: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“? – Es gibt unbestreitbar eine extreme jüdische Abneigung z.B. gegen den hl. Apostel Paulus, und aus leicht verständlichen Gründen ist es für Juden auch unendlich schwer, anzuerkennen, daß die Kirche, daß wir das neue Volk Israel ist / sind.

Das ist nun einmal so, auch wenn man, wie ich, keinerlei Berührungspunkte mit Figuren des Sedisvakantismus hat.
Dienstag, 24. Oktober 2006 22:02
Frasim: @Brigitte Bussmann
gern können Sie mir mal zeigen, wie das in der 13 LK Religion…
Ja, ich weiß, sicher nicht leicht. Da sieht man einmal mehr, wie weit es dem Widersacher schon gelungen ist, die Seelen der Jugend (natürlich nicht nur jene, aber sie besonders) zu verderben… Aber wie wäre es zB, wenn man versucht, sich NICHT dem Zeitgeist anzupassen (indem man alles wissenschaftlich zu erklären versucht, eine „coole“ Jugendsprache spricht, sich anbiedert und traditionelle Formate verniedlicht oder gar als obsolet deklariert), sondern stattdessen versucht, den Schülern den Glauben wahrhaft, aufrichtig und voller Überzeugung (Liebe zu Gott, Anbetung und Betrachtung, Heilsgeheimnisse und Mystik, usw.) nahezubringen?! Wer andere entzünden will, muss selber brennen, und genau das scheint mir viel zu oft nicht mehr vorhanden, um ehrlich zu sein, leider auch bei Ihren Kommentaren hier! Es geht nun mal um das Heiligste, da wollen auch Pubertierende keine profane Sprache, „leeres“ Gerede, verwässert-seichte Moral usw. Lernen wir zu staunen und zu glauben wie die kleinen Kinder, dann springt der Funke über (Mt 18,1-5).

Klar, bei Gott ist nichts unmöglich, aber warum sollte er in seine eigene Schöpfungsordnung eingreifen, wo doch im AT steht „und es war alles gut.“
Doch dann, liebe Pastoralreferentin, kam der Sündenfall!!!

Gott belügt sich doch nicht selbst und wird sich auch nicht selbst untreu oder?
Mitnichten. Deshalb war Jesus von Ewigkeit her bestimmt, für unser Heil geopfert zu werden usw. usf.
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