09:34:01 | Freitag, 10. November 2006
Gläubige einer kleinen Pfarrei in den USA möchten ihre Frömmigkeit und die Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten bewahren. Die größten Hindernisse dabei: der Pfarrer und der Ortsbischof.
(kreuz.net, Orange) Gläubige der Pfarrei ‘St. Mary by the Sea’ im US-Bistum Orange
kämpfen seit Monaten
um die Erlaubnis, nach dem Agnus Dei und während der Kommunionspendung zu knien. Vergeblich.
Die Pfarrei
befindet sich im westlichen US-Bundesstaat Kalifornien und gehört zur Diözese Orange.
Deren linkskatholischer
Bischof, Mons. Tod Brown, bezeichnet seine kirchliche Ausrichtung selber als „
gemäßigt“.
Bis vor zweieinhalb
Jahren gab es in der Pfarrei St. Mary’s jeden Sonntag eine Alte Messe. Doch diese Möglichkeit erlosch
im Mai 2004 mit der Pensionierung des langjährigen Pfarrers.
Der neue Pfarrer Martin Tran fährt einen
scharfen modernistischen Kurs.
In der Diözese Orange gibt es zwar noch eine Indultmesse. Sie ist aber
eine Autostunde von St. Mary’s entfernt. Vor allem für kinderreiche Familien und ältere Menschen ist
diese Distanz zu groß.
Außerdem wird diese Messe am Sonntag morgen um 8.00 Uhr gelesen. Daran nehmen
mindestens 300 Gläubige teil, obwohl die Kapelle nur für 120 Personen ausgelegten ist. Darum sind die
Sitzplätze schon eine dreiviertel Stunde vor Meßbeginn vergeben. An Feiertagen gibt es keine Alte Messe.
Briefliche Rechtfertigungen des BischofsDer Bischof von Orange erhielt laut einem lokalen Weblogger
mehrere hundert Briefe aus St. Mary’s, die ihn baten, die Alte Messe in der Pfarrei zu erhalten.
Die
bischöfliche Antwort wurde Mitte September vom konservativen Nachrichtenportal ‘RenewAmerica’ veröffentlicht:
Der Bischof wiederholte sein Verbot der Alten Messe.
Diese würde nur „größere Spaltung“ und „Verwirrung“
stiften.
Seinen Entscheid begründete er mit der eigenen Ekklesiologie. Die Eucharistie sei gemeinschaftsstiftend.
Deshalb müsse es bei der Messe Einheitlichkeit geben.
Bischof Brown betonte in seinem Brief auch, daß
es sich bei der Teilnahme von Frauen als Ministranten, Kantoren oder Lektoren um ein Zeichen der fundamentalen
Gleichheit aller Getauften handle.
Der Vatikan habe dies als legitime liturgische Praxis anerkannt –
rechtfertigte der Bischof.
Frauen aus dem Presbyterium zu verbannen, würde ihre fundamentale Würde
und ihre komplementäre Rolle in der Schöpfungsordnung leugnen.
Stehen als angebrachte liturgische Haltung
Der Bischof wiederholte ferner seine Entscheidung, daß die Gläubigen vom Großen Amen am Schluß des
eucharistischen Hochgebetes bis zum Kommunionempfang stehen müßten.
Für jene, die mit Christus erstanden
seien, welche die Dinge von oben suchten, sei das die angebrachte Haltung.
Es gebe auch eine eschatologische –
endzeitliche – Bedeutung. Das Stehen bezeichne die Ausrichtung auf den wiederkommenden Christus, der uns
so vorfinden solle, daß wir vor ihm [be]stehen könnten.
Nach dem Kommunionempfang seien die Gläubigen
frei, zu knien oder zu sitzen.
Bischof Brown verwies auf eine Entscheidung der US-Bischofskonferenz.
Diese schreibe vor, daß die Heilige Kommunion im Stehen zu empfangen sei: „Die Diözese Orange ist verpflichtet,
diese Norm zu befolgen.“
Doch im Leserzeitungsbereich des US-Nachrichtendienst ‘CWNews’ zeigte ein gewisser
‘Diogenes’, daß der Bischof einen Teil der zitierten US-Vorschrift zum Kommunionempfang unterschlagen
hat:
„Kommunikanten sollte die Heilige Kommunion nicht verweigert werden, weil sie knien.“
Außerdem
erkläre das Schreiben der Gottesdienstkongregation ‘Redemptionis sacramentum’ aus dem Jahr 2004, daß
es „nicht gestattet“ sei, einem Christgläubigen die heilige Kommunion zu verweigern, weil er sie kniend
oder stehend empfangen möchte.
„Die Diözese Orange ist verpflichtet, auch diese Norm zu befolgen“ –
so ‘Diogenes’.
Treffen des Bischofs mit Gläubigen aus ‘St. Mary’s’Bischof Brown erinnerte in seinem
Brief auch an ein Juli-Treffen mit sechs Mitgliedern der Pfarrei. Er sei über die Liebe der Pfarreimitglieder
zum Katholischen Glauben und besonders zur Heiligen Jungfrau erstaunt gewesen.
Bei dem Gespräch sei
aber eines klar klargeworden: Sein Vorgänger und er hätten der Pfarrei mit der Erlaubnis für die Alte
Messe – „einem Abweichen von den liturgischen Vorschriften der kirchlichen Autorität“ – keinen Dienst
erwiesen.
Die katholische Zweimonatszeitung ‘Los Angeles Mission’ berichtete in der jüngsten Ausgabe
über das Treffen.
Die sechs Gläubigen aus ‘St. Mary’s’ überbrachten dem Bischof eine bereits vor einem
Jahr geschickte Liste mit 1.200 Unterschriften, welche um die Erhaltung der Alten Messe baten.
Sie erwähnten
auch, daß 400 Pfarrmitglieder seit der Abschaffung der Messe eine unabhängige Kapelle besuchen.
Die
Frage, warum Pfarrgemeinderatsmitglieder entlassen wurden, weil sie nach dem Agnus Dei knieten, beantwortete
Bischof Brown mit dem Gehorsam. Wer keine Normen befolgen könne, sei für Führungspositionen ungeeignet.
Mons. Brown konnte oder wollte aber nicht erklären, warum Mitglieder des Neokatekumenalen Weges in zwei
Pfarreien des Bistums liturgische Sonderheiten praktizieren dürfen, während in St. Mary’s das Knien
verboten sei.
Generell schwieg der Bischof während des Gesprächs sehr viel, nickte zustimmend oder
murmelte Füllwörter wie „interessant, interessant“.
Bekehrungen bei der Alten Messe in St. MaryEines
der sechs Pfarreimitglieder erzählte dem Bischof bei dem Treffen von seiner persönlichen Bekehrung.
Er war vierzig Jahre lang von der Kirche abgefallen.
Dann sei er auf die kleine Pfarrkirche St. Mary
gestoßen und habe beschlossen, dem Glauben eine Chance zu geben: „Ich sah, daß es die Alte Messe war.
Ich habe mich in sie verliebt und wieder begonnen, zur Kirche zu gehen.“
Auch sein kirchenferner 80jähriger
Vater begleitete ihn: „Nach dem ersten Mal kam er nach Hause, setzte sich in einen Sessel und begann zu
weinen. Er hatte Gott wiedergefunden.“
Die Alte Messe sei auch ökumenisch.
Er habe befreundete Protestanten
mit zur Messe genommen. Diese hätten nachher erklärt, dort die Anbetung erlebt zu haben.
Immer noch
würden sie ihn über den Katholischen Glauben befragen.
„Pakt mit dem Teufel“In einem Flugblatt vom
5. November verwiesen Pfarreimitglieder, auf einen weiteren Fall, wo Bischof Brown mit zweierlei Maß
mißt.
Am letzten Oktoberwochenende feierte die liberale Pfarre ‘Corpus Christi’ eine entsprechend dekorierte
Halloween-Messe. Kinder und Erwachsene waren aufgerufen, den Gottesdienst verkleidet zu besuchen.
Angesichts
einer Kommunionhelferin, die als rosa Dämon verkleidet war, fragen sich die Gläubigen von St. Mary by
the Sea, ob die von Bischof Brown gewünschte Einheit einen „Pakt mit dem Teufel“ miteinschließt.
‘Youtube’:
Catholic Halloween Mass
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