14:40:41 | Donnerstag, 19. Oktober 2006
Die Diözese Linz bittet die katholischen Jugendlichen, miteinander nicht ohne wohlüberlegte Verhütung „ins Bett zu gehen“. Doch eigentlich ist dieser Rat völlig belanglos, denn nach dem Tod ist sowieso alles „aus“ und „vorbei“.
(kreuz.net, Linz) Ab heute beliefert die Diözese Linz rund 15.000 19jährige Katholiken – die jungen
Kirchenbeitragszahler – in Oberösterreich mit einem multimedialen Lexikon, das auf CD gebrannt ist und
sich „Raum für mein Leben“ nennt.
Das erklärte das Bistum heute in einer Pressemeldung.
Das Lexikon
beinhaltet zwölf Kurzfilme und mehrere hundert Kurztexte, die angeblich für junge Leute hergestellt
wurden.
Dabei werden Themen wie Glaube, Arbeit, Freizeit, Geschlechtlichkeit, Umweltschutz, Menschenrechte
und Politik angesprochen.
Die CD wurde von der ‘Katholischen Jugend Oberösterreich’ gestaltet. Mitgearbeitet
haben das Kirchenbeitragsreferat und das diözesane Kommunikationsbüro.
Die Diözese betreibt für „Raum
für mein Leben“ eine eigene, sehr ansprechend gestaltete
Homepage.
Über Gott haben die Macher des Lexikons
nur Belanglosigkeiten auf Lager: „Jede/r sollte an etwas glauben können.“
Glaube gebe Halt und Orientierung.
Dabei sei „das richtige glauben so eine Sache“:
„Immer mehr finden ihre individuelle Form, ihren eigenen
Zugang zu Spiritualität und Glaube, auch unabhängig von Institutionen.“
Heutzutage gelte meist: „Gut
ist, was gefällt.“
Die agnostische Haltung der Diözese überrascht nicht. Schließlich glaubt man dort
laut CD, daß „nach dem Tod nach dem derzeitigen Stand der Forschung physikalisch gesehen nichts mehr“
komme:
„Aus, Vorbei, Ende. Das Gehirn setzt aus und es gibt uns nicht mehr, wir sind wieder Sternenstaub.“
Als kleines „Aber“ wendet das Lexikon die allgemeinen Sinnfragen ein: Wozu der Mensch lebe, woher er
komme und wohin er gehe.
Auf die Sinnfrage antwortet die Linzer Jugend-CD: „Die angebotenen Wege sind
verschieden. Ob Gott, Naturgeist oder Aliens, ob Himmelreich, Nirvana oder die Ewigen Jagdgründe, ob
mit technischen Mitteln, Esoterik oder Glaube, jeder sucht auf irgendeine Art und Weise sein Leben lang
nach Antworten, nach Motivation und persönlichen Erklärungen.“
Zum Sonntag heißt es, daß dieser Tag
sich als gemeinsamer freier Tag für Freundschaften, Beziehungen, Familienleben oder sonstige Freizeitaktivitäten
lohne. Er sei wichtig zur Unterbrechung und bringe Ruhe.
In dieser kleinbürgerlichen Vision des – ehemaligen –
Herrentages wird die Christenpflicht, am Sonntag zur Messe zu gehen, weder erwähnt noch motiviert.
Beim
Stichwort „Kirche“ nennt die CD die Begriffe „altmodisch und überholt, hierarchisch und dogmatisch, moralinsauer
und skandalbeladen“. Aber das sei nur eine Seite der Kirche.
Die Kirche habe auch eine schöne Seite:
„Jesus – und mit ihm Gott – war bei den Menschen“. Somit sei der Mensch der erste und fundamentale Weg
der Kirche.
Unter dem Themenbereich „Sex“ – Geschlechtlichkeit – wirft die Linzer CD die eheliche Vereinigung
und die außereheliche Unzucht in einen großen Topf. Naive Schönfärberei prägt das Bild:
„Es macht
glücklich. Man fühlt sich wohl dabei. Am Anfang war es irgendwie ganz eigenartig, weil es etwas Neues
war. Es prägt einen schon. Wenn man einmal Sex gehabt habe, verändert es einen doch. Es ist halt einfach
etwas Schönes.“
Wichtig sei, auf die Verhütung von Kindern zu achten.
Im Vergleich zu früher sei
die Kinderverhütung heute einfacher und mit weniger Aufwand und Risiken verbunden: „Keine Scheu, sprecht
darüber, wir leben im 21. Jahrhundert.“
Die Kinderverhütung sollte bedacht werden „bevor du mit jemandem
ins Bett gehst“:
„Informiere Dich, was es alles so gibt (Pille, Kondom, Pflaster, Diaphragma…), was
schützt auch vor Geschlechtskrankheiten wie AIDS, was verträgst Du, womit geht es auch Deinem Partner
gut.“
Die CD fordert ferner einen toleranteren Umgang mit Homos. Noch immer gebe es viel Unwissen, große
Vorurteile gegenüber „Lesben und Schwulen“ und Angst bei „Betroffenen“.
Schließlich seien 5 Prozent
der Bevölkerung homosexuell – wissen die Macher der CD ohne Quellenangabe.
Dafür beruft man sich auf
den Linzer Pastoralrat, um zu erklären, daß sich „die Diskriminierung von Menschen auf Grund ihrer gleichgeschlechtlichen
Orientierung, nicht auf christliche Prinzipien berufen“ könne.
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