Die römische Jesuitenuniversität Gregoriana hat ihren berühmten Lateinkurs mit dem Latinisten des Papstes gestrichen. Der entlassene Professor will weitermachen.
(kreuz.net, Rom) Seit mehr als dreißig Jahren unterrichtet der Latinist des Vatikan, Karmeliterpater
Reginald Foster (67), an der Jesuitenuniversität Gregoriana die lateinische Sprache.
Die Kurse des aus
den USA stammenden, sehr exzentrischen Paters sind geradezu legendär und schon lange Stoff für die Vatikanisten
in Rom.
Doch jetzt will die Gregoriana nicht mehr. Dies berichtete die römische Nachrichtenagenur ‘Catholic
News Agency’.
Der Grund: Zuviele würden in den Klassen des Paters lernen, ohne die Universitätsgebühr
zu bezahlen.
Letzten Samstag abend – zwei Tage vor Kursbeginn – teilte die Universität dem Oberen von
Pater Foster mit, daß der Kurs gestrichen und bereits durch einen anderen ersetzt worden sei.
Am Dienstag
informierte Pater Foster seine Studenten – immerhin mehr als 100 –, über die Streichung.
Jetzt will
der Karmelit in Rom eine eigene Lateinschule gründen, wo der Unterricht gratis sein wird.
Pater Foster
nannte noch keinen Ort. Er habe jedoch mehrere Lokalitäten im Auge – unter anderem die jüdische Schule
im Zentrum von Rom. Die Kurse sollen schon nächste Woche beginnen. Pater Foster zu seinen Studenten:
„Das Latein lebt.“
Die Ankündigung des Paters löste bei den Studenten Jubel und Applaus aus.
Der Karmelit
gestand vor dem Nachrichtendienst ‘Catholic News Service’, daß er an der Suspendierung seines Unterrichts
mitschuldig sei.
Er habe stets die Haltung vertreten, alle, die kommen, zu unterrichten und nicht auf
eine Entrichtung der Einschreibegebühr zu achten.
Der Meisterlatinist ein Modernist?
Im Vatikan arbeitet
Pater Foster in einem spärlich möblierten, winzigen Büro in der berühmten dritten Loggia des Apostolischen
Palastes.
Seit Jahrzehnten trägt er seinen Karmelitenhabit nicht mehr – nicht einmal bei seiner Arbeit
im Vatikan. Jetzt kommt er in einer Einheitstracht – blaue Hose und blaues Hemd – daher. Das sei einfach
zu waschen.
Immer wieder wird er deshalb für den vatikanischen Tankwart, für einen Elektriker oder
Klempner gehalten.
Nach seinem Tod will der Karmelit nach altrömischer Art verbrannt und in den Wind
gestreut werde – eventuell im Forum Romanum.
Vor dem letzten Konklave erzählte der Karmelit den eintreffenden
Kardinälen lateinische Witze: „Die meisten lachten nicht.“
Wenn ihm jemand unterstellt, daß er etwas
gegen die modernsprachliche Messe habe, gerät der Pater in Wut: „Ich bin total dafür.“
Er bezeichnet
es allerdings als einen Fehler, daß die lateinische Sprache aus dem Studiensystem verbannt wurde.
Latein
als Quelle des Denkens
Die lateinische Sprache erlaube kein Geplapper – meinte Pater Foster im März
2004 vor der deutschen Tageszeitung ‘Welt’.
Von Geplapper blieben auch viele vatikanische Dokumente nicht
verschont:
„Sie kennen Sätze wie: »In Anbetracht der Situation, die eine Erneuerung des Geistes in
den Hirnen verlangt – aua, aua. Dieses Zeug eben. So etwas gibt es im Latein einfach nicht. Wie will man
das übersetzen?“
Latein sei eine Quelle des Denkens. Papst Leo XIII. († 1903) habe zwei Jahre an seiner
Sozialenzyklika ‘Rerum Novarum’ gearbeitet, um seine Ergebnisse auf nur 25 Seiten festzuhalten:
„Jetzt
müssen wir dagegen zahllose Seiten von schrecklich geschwätzigem Zeug ins Latein übersetzen.“
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24 Lesermeinungen
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alte Regel Wenn es ums Geld geht wird man in der Kirche kämpferisch, Gotteslästerung ist erträglich,
aber nicht zahlende Hörer tolerieren, das ist einfach unakzeptabel.
ad Christophorum doctum Perdurant et perdurabunt in medio ecclesiae: filia mea historiam artis cum amore
et studio studet atque gener meus futurus musicae ecclesiae valde doctus est. In medio ecclesiae: id est
in medio fraternitatis sancti Pii decimi, ecclesiae catholicae pars. Magis felix sum, estne? Spes non
moritur! Pugnamus! Proderit. mauritius.
@Paminum Bene dixisti, Pamine! Quousque tandem ruit iste „iconoclasmus“ in musica poesique? Quam diu lugent
musae desecrato templo expulsae? Christophorus
solve pollutis labiis reatum, S. Joannes Aldi sententiam probo. sed ex altera parte dixit aliquis vere:
si cum Jesuitis itis, non cum Jesu itis. nam ego studiosus universitatis Melburnensis a. D. MCMLVIII convictum
S.J. habitans in capella consternatus hoc vidi: Pio XII. paene mortuo continuo lectores apparuere, qui,
dum presbyter ad altare Epistulam Evangeliumque secrete murmurabat, easdem clara et officiosa voce anglice
legebant, pauloque postea primum versicula et responsa, deinde orationes, porro …, tum …, tum …,
tum … sed quid plura dicam? denique omnia, sane sine ulla facultate archiepiscopi. his factis animo
perturbatus ad Jesuitam ivi, qui officio curae animarum studiosorum totius Vniversitatis fungebatur, timens,
ne una cum lingua Latina musica omnis periretur, quae super verba Latina composita fuisset. ille autem
superciliose monuit fore, ut haec verba anglice (!) redderentur. ego autem ut in philologia ita et in
musica versatus respondi id impossibile esse. haec autem veritas apud illum tantam iram evocavit, ut impudicitiam
meam juvenilem devoverit meque quasi e camera sua expulserit. at quid, licet in ecclesiis totius mundi,
sed praecipue in theodiscis audimus? nam nusquam nisi in aulis musicae concertatae Praenestinum, nusquam
Saxonem quasi divinam, nusquam denique Joannem Chrysostomum Wolfgangum Theophilum amplius audimus, sed
solas chitarras detestabilesque cantiunculas populares sine populo. ceterum censeo Latinam solam neque
theologum neque philologum facere. valete, nam machina vetat plus scribere.
#17 Aldo Carigiet 14:06:40 | Samstag, 21. Oktober 2006
Latein als Einheits-Weltsprach für die kath. Kirche Die Abschaffung oder Heruntersetzung des Latein war
weltweit, ganz besonders für die Kirche, ein kathastrophaler Fehler. Mit dem Latein in der Hl. Messe
verstand man überall auf der Welt wo man während der Messe ist. Jeder konnte mit dem Missale die ganze
Messe mitverfolgen und mitbeten. Seit dem babylonischen Sprachen-Wirr-Warr versteht keiner mehr die Messe.
Ist es evtl. ein zusätzlicher Grund für den Messe-Schwund??? Ein Konzil in Latein kann keine Missverständnisse
geben. Ebenso ein ad limina Besuch der Bischöfe, falls nicht alle die gleiche Sprache sprechen, ist in
Latein -praktisch- ohne Fehler zu kommunizieren; und dann braucht es auch keine teure Uebersetzer, viel
weniger Administration, etc. etc. Im Konzil ist diesbezüglich ein grosser Fehler begannen worden. Auswirkungen
bis in die Universitäten und Gymnasien weltweit… Zurück in die Zukunft; zurück zum Latein, zum Gregorianischen
Choral wäre höchste Zeit, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Latein für die Matura, an der Uni,
für Priester eine Bedingung, wäre auch für den Geist nicht schädlich. Ihr Aldo Carigiet
ich finde methusalix’ Vorschlag super … … und würde Ihn bitten, gleich mal mit der Übersetzung ins
Lateinische anzufangen, damit die Arbeit auch solide sei … O:O
Liebe Alexandra, ja: das war eine herrliche Zeit für sie. Und wenn man Fosters Arbeitspapiere sieht …
dankbares Staunen. Ein begnadeter Lehrer. Wenn es keine schlimmeren Gründe für Fosters Vertschüssung
gibt als die angegebenen – was möglich ist – , dann: arme Gregoriana. Arger Verlust.
Meine Tochter hat bei ihm gelernt und ist, wie wir auch, begeistert. Daß er ein Exot ist: soit. Das weis
man doch. Auch er ist jedenfalls ein Werkzeug, und wir sollten uns anstrengen, auch wenigstens so viel
zu schaffen wie er.
#10 methusalix † 16:18:51 | Freitag, 20. Oktober 2006
Die lateinische Sprache erlaube kein Geplapper Latein als Quelle des Denkens Die lateinische Sprache erlaube
kein Geplapper – meinte Pater Foster im März 2004 vor der deutschen Tageszeitung ‘Welt’. Von Geplapper
blieben auch viele vatikanische Dokumente nicht verschont: wie wahr; wäre es nicht eine wunderbare Übung,
kreuz.net lateinisch erscheinen zu lassen?
Kutte oder nicht Kutte Es heißt ja schließlich auch die Kutte macht noch nicht den Mönch, oder die
Soutane (heute mehr röm. oder deutscher Kragen) den Priester. Da könnte man doch auch sagen keine Kutte
macht noch nicht den nicht Ordenspriester/-mönch. Ich denke das gerade ein Weltpriester auch mal nicht
klerikal rumlaufen darf, nur gibt es leider viele Priester die so gut wie gar nicht mehr klerikal gekleidet
sind und das geht für mich schon fast in die Richtung sich für Christus zu schämen. Ordensbrüder/-priester,
oder Weltpriester die eindeutig so gekleidet sind das sie ohne Zweifel als solche erkannt werden können,
geben nicht nur ein Zeugnis für die Kirche / Christus ab, sondern können öfter von Leuten mit geistlichen
Nöten angesprochen werden, also ein riesiger seelsorgerischer Vorteil.
schlichte Kleidung für den Angehörigen eines Bettelordens ist doch eine schlichte Kleidung – blaues
Hemd und blaue Hose – genau das richtige. Ein teurer schwarzer Maßanzug mit breitem Collar wäre wohl
gegen die Intention des Ordens …
#2 Athanasius 12:52:35 | Freitag, 20. Oktober 2006
@Gunsenum Schlimmer ist es, dass der Pater einen Kim Jong Il-Auszug über dem Ordenskleid erwählt hat.
Das sagt mehr. Ob jemand für oder gegen die Volkssprache in der Liturgie ist, ist mir eher egal. Eine
korrekt übersetzte „tridentinische“ hl. Messe in Volkssprache würde ich sofort approbieren, wäre auch
etwas für den heutigen Zustand. Ansonsten kommt mir der Pater menschlich gesehen sympathisch vor.
Buuuuuh… Das wird jetzt aber schwer für die kreuznetfundis: Einerseits mag man hier – was ich persönlich
gut finde – die lateinische Sprache konservieren, fördern und ergründen. Pluspunkt für den Pater. Andererseits
scheint er die „modernsprachliche Messe“ zu schätzen. Kreuznetminuspunkt für den Pater. Das wird jetzt
ganz schwer für die Tradis ne gute Position zu finden