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Freitag, 20. Oktober 2006 10:06
Legendärer Lateinlehrer an die Luft gesetzt
Die römische Jesuitenuniversität Gregoriana hat ihren berühmten Lateinkurs mit dem Latinisten des Papstes gestrichen. Der entlassene Professor will weitermachen.
Pater Reginald Foster im Kreis seiner Studenten
Pater Reginald Foster im Kreis seiner Studenten
(kreuz.net, Rom) Seit mehr als dreißig Jahren unterrichtet der Latinist des Vatikan, Karmeliterpater Reginald Foster (67), an der Jesuitenuniversität Gregoriana die lateinische Sprache.

Die Kurse des aus den USA stammenden, sehr exzentrischen Paters sind geradezu legendär und schon lange Stoff für die Vatikanisten in Rom.

Doch jetzt will die Gregoriana nicht mehr. Dies berichtete die römische Nachrichtenagenur ‘Catholic News Agency’.

Der Grund: Zuviele würden in den Klassen des Paters lernen, ohne die Universitätsgebühr zu bezahlen.

Letzten Samstag abend – zwei Tage vor Kursbeginn – teilte die Universität dem Oberen von Pater Foster mit, daß der Kurs gestrichen und bereits durch einen anderen ersetzt worden sei.

Am Dienstag informierte Pater Foster seine Studenten – immerhin mehr als 100 –, über die Streichung.

Jetzt will der Karmelit in Rom eine eigene Lateinschule gründen, wo der Unterricht gratis sein wird.

Pater Foster nannte noch keinen Ort. Er habe jedoch mehrere Lokalitäten im Auge – unter anderem die jüdische Schule im Zentrum von Rom. Die Kurse sollen schon nächste Woche beginnen. Pater Foster zu seinen Studenten: „Das Latein lebt.“

Die Ankündigung des Paters löste bei den Studenten Jubel und Applaus aus.

Der Karmelit gestand vor dem Nachrichtendienst ‘Catholic News Service’, daß er an der Suspendierung seines Unterrichts mitschuldig sei.

Er habe stets die Haltung vertreten, alle, die kommen, zu unterrichten und nicht auf eine Entrichtung der Einschreibegebühr zu achten.

Der Meisterlatinist ein Modernist?
Im Vatikan arbeitet Pater Foster in einem spärlich möblierten, winzigen Büro in der berühmten dritten Loggia des Apostolischen Palastes.

Seit Jahrzehnten trägt er seinen Karmelitenhabit nicht mehr – nicht einmal bei seiner Arbeit im Vatikan. Jetzt kommt er in einer Einheitstracht – blaue Hose und blaues Hemd – daher. Das sei einfach zu waschen.

Immer wieder wird er deshalb für den vatikanischen Tankwart, für einen Elektriker oder Klempner gehalten.

Nach seinem Tod will der Karmelit nach altrömischer Art verbrannt und in den Wind gestreut werde – eventuell im Forum Romanum.

Vor dem letzten Konklave erzählte der Karmelit den eintreffenden Kardinälen lateinische Witze: „Die meisten lachten nicht.“

Wenn ihm jemand unterstellt, daß er etwas gegen die modernsprachliche Messe habe, gerät der Pater in Wut: „Ich bin total dafür.“

Er bezeichnet es allerdings als einen Fehler, daß die lateinische Sprache aus dem Studiensystem verbannt wurde.

Latein als Quelle des Denkens
Die lateinische Sprache erlaube kein Geplapper – meinte Pater Foster im März 2004 vor der deutschen Tageszeitung ‘Welt’.

Von Geplapper blieben auch viele vatikanische Dokumente nicht verschont:

„Sie kennen Sätze wie: »In Anbetracht der Situation, die eine Erneuerung des Geistes in den Hirnen verlangt – aua, aua. Dieses Zeug eben. So etwas gibt es im Latein einfach nicht. Wie will man das übersetzen?“

Latein sei eine Quelle des Denkens. Papst Leo XIII. († 1903) habe zwei Jahre an seiner Sozialenzyklika ‘Rerum Novarum’ gearbeitet, um seine Ergebnisse auf nur 25 Seiten festzuhalten:

„Jetzt müssen wir dagegen zahllose Seiten von schrecklich geschwätzigem Zeug ins Latein übersetzen.“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 24 Lesermeinungen:
Sonntag, 12. November 2006 16:53
wickerl: alte Regel
Wenn es ums Geld geht wird man in der Kirche kämpferisch, Gotteslästerung ist erträglich, aber nicht zahlende Hörer tolerieren, das ist einfach unakzeptabel.
Montag, 23. Oktober 2006 21:33
Dr. Christoph Heger: @Mauritium gratulatio felicem patrem
Spes non moritur! Pugnamus! Proderit.

Veritatem dixisti, pugnemus continue! Vere iuvat pugnare.

Christophorus
Montag, 23. Oktober 2006 20:35
Maurice Corvisier: ad Christophorum doctum
Perdurant et perdurabunt in medio ecclesiae: filia mea historiam artis cum amore et studio studet atque gener meus futurus musicae ecclesiae valde doctus est.

In medio ecclesiae: id est in medio fraternitatis sancti Pii decimi, ecclesiae catholicae pars.

Magis felix sum, estne?

Spes non moritur! Pugnamus! Proderit.

mauritius.
Montag, 23. Oktober 2006 20:01
Bene dixisti, Pamine! Quousque tandem ruit iste „iconoclasmus“ in musica poesique? Quam diu lugent musae desecrato templo expulsae?

Christophorus
Montag, 23. Oktober 2006 19:46
paminus: solve pollutis labiis reatum, S. Joannes
Aldi sententiam probo. sed ex altera parte dixit aliquis vere: si cum Jesuitis itis, non cum Jesu itis. nam ego studiosus universitatis Melburnensis a. D. MCMLVIII convictum S.J. habitans in capella consternatus hoc vidi: Pio XII. paene mortuo continuo lectores apparuere, qui, dum presbyter ad altare Epistulam Evangeliumque secrete murmurabat, easdem clara et officiosa voce anglice legebant, pauloque postea primum versicula et responsa, deinde orationes, porro …, tum …, tum …, tum … sed quid plura dicam? denique omnia, sane sine ulla facultate archiepiscopi. his factis animo perturbatus ad Jesuitam ivi, qui officio curae animarum studiosorum totius Vniversitatis fungebatur, timens, ne una cum lingua Latina musica omnis periretur, quae super verba Latina composita fuisset. ille autem superciliose monuit fore, ut haec verba anglice (!) redderentur. ego autem ut in philologia ita et in musica versatus respondi id impossibile esse. haec autem veritas apud illum tantam iram evocavit, ut impudicitiam meam juvenilem devoverit meque quasi e camera sua expulserit. at quid, licet in ecclesiis totius mundi, sed praecipue in theodiscis audimus? nam nusquam nisi in aulis musicae concertatae Praenestinum, nusquam Saxonem quasi divinam, nusquam denique Joannem Chrysostomum Wolfgangum Theophilum amplius audimus, sed solas chitarras detestabilesque cantiunculas populares sine populo. ceterum censeo Latinam solam neque theologum neque philologum facere. valete, nam machina vetat plus scribere.
Montag, 23. Oktober 2006 16:20
Hyazinth: Zum Glück
unterrichtet er nur Latein!
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