Gegenwärtig sieht es fast so aus, als ob er der letzte Kirchenmusiker gewesen ist. Von Dr. Michael Tunger.
(kreuz.net) Heute vor fünfzig Jahren starb der Priester und Kirchenmusiker Don Lorenzo Perosi (1872-1956)
in Rom.
Hw. Lorenzo Perosi war ein bedeutender italienischer Komponist liturgischer Musik in der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Er wurde am 21. Dezember 1872 in Tortona in der Region Piemonte geboren.
Dort war sein Vater als Organist und Domkapellmeister tätig.
Perosi hatte drei Schwestern: Felicina,
Maria und Pia, die ihn später bis zu seinem Tod betreuten.
Der ältere Bruder Carlo (1868-1930) wurde
Kardinaldiakon und später Sekretär der Konsistorialkongregation, der jüngere Bruder Marziano (1875-
1949) Domkapellmeister in Mailand.
Mit sechs Jahren begann Perosi das Klavierspiel. Schon als Elfjähriger
vertrat er seinen Vater an der Domorgel.
Die strenge musikalische Erziehung, die Perosi bei seinem Vater
genoß, kommt in der folgenden Episode zum Ausdruck:
Als Kind wollte er eines Tages mit seinem Bruder
Carlo zum Bahnhof gehen, um Lokomotiven anzuschauen. Doch der Vater bestimmte, daß er zu Hause bleiben
müsse, um zu komponieren. Unter Tränen schrieb der kleine Lorenzo daraufhin die für einen Schwesternkonvent
bestimmte Motette „Quis ascendet“, die als Autograph erhalten ist.
Im Juni 1888, mit fünfzehn Jahren,
unternahm er mit seinem Vater eine Pilgerfahrt nach Rom.
Bei dieser Gelegenheit konnte er Papst Leo XIII.
einige seiner Kompositionen überreichen.
Es folgten Studien am römischen Cäcilien-Konservatorium und
am Mailänder Konservatorium.
Schließlich schickte ihn sein Vater Ende 1890 zur Benediktinerabtei Montecassino,
wo er als Organist, maestro di canto und Klavierlehrer seinen Unterhalt verdiente und eifrig Choralstudien
betrieb, just zu der Zeit, als Regensburg und Solesmes im Streit um die authentische Interpretation des
Gregorianischen Chorals lagen.
In den Jahren 1891 und 1892 studierte Perosi wieder am Mailänder Konservatorium,
wo er sich vertieft mit Harmonielehre und Kontrapunkt auseinandersetzte.
Im Januar 1893 begab er sich
für ein knappes Jahr an die junge Regensburger Kirchenmusikschule, um seine Fähigkeiten bei Franz Xaver
Haberl (1840-1910) zu vervollkommnen.
In dieser Zeit entstanden auf Anregung seiner Lehrer 30 Trios für
Orgel, die bei Pustet in Regensburg verlegt wurden und von großer pädagogischer und kirchenmusikalischer
Bedeutung waren.
Das Angebot Haberls, als Orgellehrer und Domorganist in Regensburg zu bleiben, lehnte
Perosi ab, da er lieber eine Sängerkapelle leiten wollte.
Von größter Wichtigkeit für sein weiteres
Leben wurde nach seiner kirchenmusikalischen Lehrtätigkeit am Seminar der Diözese Vigévano – Lombardei –
und seinem Wirken als Kapellmeister in Imola – Emilia-Romagna – in den Jahren 1893 und 1894 seine Begegnung
mit Mons. Giuseppe Melchiorre Sarto (1835-1914), dem Bischof von Mantua und späteren Papst Pius X., der
ihm als zukünftiger Patriarch von Venedig die Stelle des Kapellmeisters an San Marco anbot.
Dieses Zusammentreffen
am 25. Mai 1894 sollte weitreichende Folgen für Perosi selbst aber auch für die Musica sacra allgemein
haben.
Nachdem Perosi noch eine Studienreise nach Seckau, Beuron und Solesmes unternommen hatte, wurde
er am 22. September 1894 zum Diakon geweiht.
Am Weihnachtsfest des Jahres 1894 dirigierte er erstmals
die venezianische Cappella Marciana.
Am 25. Mai 1895 schließlich empfing Perosi aus der Hand von Kardinal
Sarto die Heilige Priesterweihe.
In dieser Zeit feierte Perosi seine größten musikalischen Triumphe
mit seinen Oratorien wie „La Transfigurazione di Nostro Signore Gesù Cristo“, „La Risurrezione di Lazzaro“,
„La Risurrezione di Cristo und Il Natale del Redentore“, die in ganz Europa und später auch in Amerika
großen Erfolg hatten.
Sein ständiger, vom Glanz der Inspiration gezeugter Schaffensdrang, der in tiefer
Glaubensüberzeugung wurzelte, hatte nur ein Ziel: die Verkündigung des Evangeliums Christi:
„Der Meister
singt seinen persönlichen Christusglauben in heiliger Begeisterung. Als Priester und Musiker in einem“,
schrieb Ferdinand Haberl (1906-1985).
Perosi wollte die Menschen durch Musik wieder mit dem Leben Christi
vertraut machen. Und er begeisterte sie damit.
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gute alte Zeit Perosi wollte die Menschen durch Musik wieder mit dem Leben Christi vertraut machen. war
das in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts notwendig? Ich denke, das war die gute, glaubensstarke Zeit –
von der Missa Tridentina genährt…
Letzer Kirchenmusiker? Warum sollte Hw. Perosi der letzte Kirchenmusiker gewesen sein? Davon gibt es immernoch
zehntausende und sicher seit 1900 auch einige bedeutendere als Hw. Perosi.
Morgengruss Guten Morgen, habe mich am Wochenende rar gemacht-hab schließlich Kinder und Familie! Dafür
aber etwas schönes zum Thema Kirchenmusik.Es gibt viele schöne Dinge auf diesem Sektor, so lasse ich
den Tag mit Johannes Zwick beginnen: 1. All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große
Treu; sie hat kein End den langen Tag, drauf jeder sich verlassen mag. 2. O Gott, du schöner Morgenstern,
gib uns, was wir von dir begehrn: Zünd deine Lichter in uns an, laß uns an Gnad kein Mangel han. 3.
Treib aus, o Licht, all Finsternis, behüt uns, Herr, vor Ärgernis, vor Blindheit und vor aller Schand
und reich uns Tag und Nacht dein Hand, 4. zu wandeln als am lichten Tag, damit, was immer sich zutrag,
wir stehn im Glauben bis ans End und bleiben von dir ungetrennt Einen schönen Tag und eine schöne Woche!
Naja, wir sind es ja gewohnt Gegenwärtig sieht es fast so aus, als ob er der letzte Kirchenmusiker gewesen
ist. Was hat dieser Satz mit dem Artikel zu tun, außer dass er eine Beleidigung heutiger Kirchenmusiker
darstellt?
Beim italienischen Label Bongiovanni erscheinen seit geraumer Zeit Werke von Perosi. Er ist stilistisch
etwa auf der Höhe von Pfitzner und Franz Schmidt. Dabei ist er ein sehr feiner Melodiker. Sehr hörenswert!!