Laienkelch
Und die Grippeviren?
Vor vier Jahren erlaubte der Vatikan, daß Laien in den USA die liturgischen Gefäße purifizieren dürfen. Der Papst hat diese Praxis jetzt gestoppt.
(kreuz.net, Washington) In den USA durften außerordentliche Kommunionhelfer bis anhin liturgische Gefäße purifizieren.

Doch damit soll jetzt Schluß sein.

Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Mons. William Skylstad, forderte den US-Episkopat brieflich auf, den Klerus entsprechend zu instruieren.

Das berichtete die Nachrichtenagentur der US-Bischofskonferenz ‘CNS’.

Im Jahr 2002 erhielt die Kirche in den USA eine spezielle Erlaubnis – genannt: Indult. Sie gestattete, daß außerordentliche Kommunionspender die liturgischen Gefäße purifizieren.

Eine Zusatzklausel, wonach die Gefäße nur dann von Laien gereinigt werden durften, wenn nicht ausreichend Priester und Diakone zur Verfügung stehen, existierte nur auf dem Papier.

Das Problem langer Purifikationszeiten besteht, wenn die Kelchkommunion allen Gläubigen gereicht wird und dabei viele Laienkelche verwendet werden.

Vor einigen Monaten baten die US-Bischöfe um eine Verlängerung des Indults. Doch es kam anders.

Mons. Skylstad erklärt jetzt im genannten Brief, daß die Bitte dem Heiligen Vater am 9. Juni vorgelegt worden sei. Der Papst habe eine Verlängerung abgeschlagen.

Der Präfekt der Gottesdienstkongregation, Francis Kardinal Arinze, übermittelte die päpstliche Entscheidung am 12. Oktober schriftlich an die US-Bischöfe.

Er begründete den Entscheid mit der allgemeinen Einleitung im Römischen Meßbuch.

Dort heißt es, daß die Reinigung der Altargefäße vom Priester, Diakon oder einem beauftragten Ministranten verrichtet werden müsse.

Wenn eine zu große Anzahl von Gläubigen die praktische Durchführung einer Kelchkommunion verunmögliche, bestehe eine Alternative darin, daß der Priester die Hostie in das Blut Christi tauche und als Mundkommunion reiche.

Seiner Information über den Brief aus dem Vatikan fügte Mons. Skylstad ein Schreiben der liturgischen Kommission der US-Bischofskonferenz hinzu.

Kommunionspendung unter beiderlei Gestalten

Es steht unter dem Titel „Sieben Fragen zur Kommunionspendung unter beiderlei Gestalten“.

Der Text unterstreicht – vermutlich pro forma –, daß außerordentliche Kommunionspender nur eingesetzt werden dürfen, wenn eine Notwendigkeit vorliegt.

Außerdem erklärt der Text, daß die Heilige Kommunion unter beiderlei Gestalten dort, wo sie üblich sei, beibehalten werden solle. Das sei von „vollendender“ Bedeutung.

Mit Erlaubnis des Diözesanbischofs dürfen die außerordentlichen Kommunionspender das Kostbare Blut, das im Kelch übrigbleibe, auch weiterhin konsumieren.

Das Schreiben warnte die Priester außerdem vor dem Risiko einer Verbreitung von Grippeviren bei der Spendung der Kelchkommunion.
      
14 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#16   Elendester Sünder   11:41:51 | Dienstag, 31. Oktober 2006
Ja, Gott sei Dank.
Nicht allzuweit entfernt gibt es eine Klosterkirche. Die tägliche Frühmesse wird meistens würdig und sogar ohne Ketzertisch versus Deum zelebriert. Sonst wäre ich schon längst weggezogen. Ich besuche die örtliche Messe nur noch in besonderen Ausnahmefällen. Besonders das Gschmarre der Pastoral*******e macht voll agressiv.
Redaktion benachrichtigen
#15   agmen   19:12:15 | Montag, 30. Oktober 2006
ad Elendster Sünder
Ja, das ist wirklich sehr traurig.
Aber gibt es denn in Ihrer Nähe keinen Priester der die Messe würdig feiert?
In meiner eigentlichen Gemeinde gibt es meistens nur Showmessen, deswegen besuche ich nun die hl.Messe in einer anderen Kirche.
Redaktion benachrichtigen
#14   Elendester Sünder   20:28:22 | Sonntag, 29. Oktober 2006
Lieber Agmen,
einen deutschen Katholiken kann nichts mehr befremden.
Bei meinem hiesigen Judas-Pfarrer ist das neben Laienpredigt und Interkommunion gang und gäbe. Leider wird so etwas vom zuständigen Ordinariat in Bamberg gedeckt. Sehr traurig.
Redaktion benachrichtigen
#13   agmen   15:14:14 | Sonntag, 29. Oktober 2006
als ich
vor 2 Monaten in den USA gewesen bin und dort in verschiedenen Kirchen die Messe besucht habe, habe ich mich immer ziemlich darüber aufgeregt, dass die hl. Gefäße nach der Kommunion von Laien gereinigt wurden.
Zum Glück hat DAS nun sein Ende und kann nicht noch mehr deutsche Katholiken verfremden! :-)
Redaktion benachrichtigen
#12   Heggi   10:27:52 | Freitag, 27. Oktober 2006
Protestant
Warum ein Sturm der Entrüstung? Ich denke, jeder gönnt Ihnen einen guten Schluck Wein.
Redaktion benachrichtigen
#11   Protestant   07:12:32 | Freitag, 27. Oktober 2006
@semper reformandus@alle
Zunächst einen schönen guten Morgen!
Eigentlich bin ich ehrlich verwundert, dass sich hier offenbar niemand über meinen Eingangsbeitrag zum Thema Abendmahl erregt! Keine Widersprüche, nichts! Sollte sich hier etwas geändert haben?Nein!Wahrscheinlich nur nicht richtig gelesen! Mit einem solchen Beitrag hätte ich vorige Woche noch Stürme der Entrüstung entfacht!Und jetzt Ruhe!Ich halte es Ihnen jedoch allen zugute!
Denn
1. Warum sollt’ ich mich den grämen?
Hab’ ich doch Christum noch,
Wer will mir den nehmen?
Wer will mir den Himmel rauben,
Den mir schon Gottes Sohn
Beigelegt im Glauben?
2. Schickt er mir ein Kreuz zu tragen,
Dringt herein Angst und Pein,
Sollt’ ich drum verzagen?
Der es schickt, der wird es wenden!
Er weiß wohl, wie er soll
All mein Unglück enden.
3. Gott hat mich bei guten Tagen
Oft ergötzt: sollt’ ich jetzt
Nicht auch etwas tragen?
Fromm ist Gott und schärft mit Massen
Sein Gericht, kann mich nicht
Ganz und gar verlaßen.
In diesem Sinne einen schönen Tag!
Redaktion benachrichtigen
#10   semper reformandus   17:48:49 | Donnerstag, 26. Oktober 2006
@protest.@landorgan.@stimme d. V.
Bei der Purifikation geht es, wie Sie nur zu gut wissen, um den Umgang mit dem kostbaren Blut des Erlösers, nicht um „Abwasch“. Ihre Äußerungen sind daher blasphemisch.
Der vorsichtige Kurswechsel Roms in liturgischen Fragen trägt erste Früchte: Die fanatischen Anhänger der NO Liturgie verraten zunehmend, dass es Ihnen eben doch um die Implementierung bzw. Aufrechterhaltung einer gegen das Heilige Messopfer gerichteten Ideologie geht. Die zunehmend allergischen, bisweilen hysterischen (Frankreich!) Reaktionen auf die derzeitigen Ansätze, der NO Messe die immer aktuelle und lebendige traditionelle Liturgie der Kirche als Korrektiv und Maßstab zur Seite zu stellen, sprechen für (oder besser: gegen) sich.
Wenn Sie den Heiland und die Kirche wirklich lieben, werden Sie sich über kurz oder lang bekehren.
Redaktion benachrichtigen
#8   landorganist   15:21:34 | Donnerstag, 26. Oktober 2006
Danke, zuviel der Ehre,
aber ich hatte noch einen Aspekt vergessen. Mit der Einführung dieses Amtes würde der Hl. Stuhl einen großen Schritt in Richtung Tradis und Pius-Sekte machen. Möglicherweise ein Schritt zur Aussöhung?! Ein klares Rollenverhältnis in Gesellschaft und Familie, dass sich in der klassischen Liturgie der Kirche wiederspiegelt und die Liturgie damit in das Leben der Gemeinde einbettet. Die Liturgie ist nicht mehr nur heiliges Spiel, sondern Spiegelung einer traditionalistischen Weltsicht, die nur ein oben und unten kennt. Das ganze durch eine päpstliche Bulle promulgiert, zur ewigen Geltung. Das wär doch was…
Redaktion benachrichtigen
#7   Bernado   15:18:51 | Donnerstag, 26. Oktober 2006
@Benedikt
Sie schrieben: „Sind damit vielleicht Seminaristen mit Akolythatsbeauftragung gemeint?“.
Exakt diese. Die englischen Texte, von denen man z.B. hier …sedcafeteria.blogspot.com/…g-indult-on.htmlmehr erfährt, machen das auch völlig klar. Beauftragte Akolythen sind allerdings nicht zwangsläufig Seminaristen – es kann sich auch um andere vom Bischof ausdrücklich mit diesem Dienst beauftragte Männer handeln: Can. 230 – § 1. Männliche Laien, die das Alter und die Begabung haben, die durch Dekret der Bischofskonferenz dafür bestimmt sind, können durch den vorgeschriebenen liturgischen Ritus für die Dienste des Lektors und des Akolythen auf Dauer bestellt werden, die Übertragung dieser Dienste gewährt ihnen jedoch nicht das Recht auf Unterhalt oder Vergütung von seiten der Kirche.
In der Praxis wird die Beauftragung bislang zumindest in den USA und Mitteleuropa nur an Seminaristen erteilt, und sie werden auch nur in wenigen Diözesen außerhalb der Priesterseminare eingesetzt. In gewisser Weise ist dieser Dienst zusammen mit dem des beauftragten Lektors an die Stele der früheren „niederen Weihen“ getreten – die „Beauftragten“ gehören jedoch ausdrücklich nicht zum Stand der Kleriker.
Zu den regulären Aufgaben der Beauftragten Akolythen gehört unter anderem die Unterstützung des Priesters bei der Kommunionausteilung.
Redaktion benachrichtigen
#6   Protestant   15:11:27 | Donnerstag, 26. Oktober 2006
@landorganist
Herzlichen Glückwunsch! Sie haben sich jetzt gerade wirklich selbst übertroffen! Dieser Artikel haut mich absolut vom Hocker! Sie haben recht! Mensch, warum bin ich nicht auf diese glorreiche Idee gekommen?
Erstaunlich, zu welchen Gedankengängen wir doch hier angeregt werden.
Ich bin sicher, würde man diesen Artikel am 1. April veröffentlichen, so manch einem würde das gar nicht auffallen…!
Insofern ist Ihr Beitrag ein journalistisches Meisterwerk!
Redaktion benachrichtigen
#5   Tridentinus   15:09:19 | Donnerstag, 26. Oktober 2006
ein Hinweis
Man konsumiert das Kostbare Blut nicht, man sumiert es.
Redaktion benachrichtigen
#3   Protestant   14:39:21 | Donnerstag, 26. Oktober 2006
Fast wie bei uns!
Wenn eine zu große Anzahl von Gläubigen die praktische Durchführung einer Kelchkommunion verunmögliche, bestehe eine Alternative darin, daß der Priester die Hostie in das Blut Christi tauche und als Mundkommunion reiche.
Das Eintauchen der Hostie in den Abendmahlskelch ist in vielen evangelischen Gemeinden längst Praxis. Aber auch die Kelchkommunion existiert-hier ist es ebenfalls in einigen Gemeinden durchaus üblich, dass der Pfarrer/Pfarrerin selbst den Kelch zum Mund des Gläubigen führt (auch eine Art Mundkommunion)!
Ich selbst habe einmal während einer Messe in einer Zisterzienserabtei die Kommunion in beiderlei Gestalt erhalten-die Hostie als Handkommunion und den Kelch quasi als Mundkommunion vom Priester zum Mund geführt! Also durchaus keine Seltenheit!
Ich persönlich bevorzuge die „normale“ Kelchkommunion/Abendmahl völlig unabhängig von irgendwelchen Viren, da ich diese ganz einfach für feierlicher halte (wers anders mag, solls anders machen)!
Über die Frage, wer nach der Kommunion/abendmahl den Kelch säubert, habe ich mir allerdings noch keine Gedanken gemacht und beabsichtige auch nicht, dies zukünftig zu tun!
Redaktion benachrichtigen
#2   Benedikt   14:31:29 | Donnerstag, 26. Oktober 2006
Beauftragte Ministranten
Sind damit vielleicht Seminaristen mit Akolythatsbeauftragung gemeint?
Redaktion benachrichtigen
#1   Gotthard   14:22:59 | Donnerstag, 26. Oktober 2006
beauftragte Ministranten
Dort heißt es, daß die Reinigung der Altargefäße vom Priester, Diakon oder einem beauftragten Ministranten verrichtet werden müsse.
außerordentliche Kommunionspender, die in der Regel eine bischöfliche Beauftragung haben, dürfen nicht purifizieren – wohl aber beauftragte Ministranten… merkwürdig, merkwürdig.
Redaktion benachrichtigen
Es wurden 2 Lesermeinungen von der Redaktion entfernt
Weiterlesen:
Hw. Siegfried LochnerDie Neue Messe ist ein plattes Produkt des Augenblicks Wiener OratoriumVolksaltar ade Der VolksaltarEine Erfindung der 60er Jahre LiturgieGott allein weiß, wie er angebetet werden will Päpstlicher ZeremoniarDie Vollblüte der nachkonziliaren Liturgie LiturgieMeßdienerinnen? LiturgieHistorische Falschinterpretation LiturgieAngemessene Ehrfurcht LiturgiemißstandIn Jeans und T-Shirt Country-MesseWas bedeutet das Abendmahl? GottesdienstkongregationAuf den Knien LiturgieEine praktische Beobachtung zur Zelebrationsrichtung LiturgieEine diszipliniertere Gesellschaft LiturgieDer Papst ist noch unentschieden LiturgieDarsteller oder Darbringer?
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net