Ironie des Schicksals
Er wollte keine Liturgien und Rituale. Doch jetzt dringen Dämonen in die von ihm gewollte Leere. Ein Kommentar.

In einigen deutschen Bundesländern ist er sogar ein gesetzlicher Feiertag.
An diesem Tag soll der Reformator Martin Luther († 1546) – am Tag vor Allerheiligen 1517 – seine 95 Thesen an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg genagelt haben.
Dieser Akt gilt als Beginn der Reformation.
Doch seit einigen Jahren hat dieser Tag mehr mit Hexen, Spinnen und Totenköpfe als mit lutherisch-theologischen Thesen zu tun.
Heute zelebriert Deutschland am 31. Oktober vor allem die US-amerikanische Verballhornung Halloween.
Die deutschen Protestanten
reagieren darauf mit der Verteilung von Bonbons verschiedener Geschmacksrichtungen.Sie heißen Lutherbonbons. Auf ihrer Einpackung steht geschrieben: „31. Oktober ist Reformationstag“.
Alfred Buß – Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen – äußert sich vor der Ruhrgebieter Tageszeitung ‘Westdeutsche Allgemeine’ kritisch zum Halloween-Rummel:
„Halloween ist ein Larvenspiel aus Lumpen und Kürbisköpfen in unserer nüchternen und wissenschaftlich ausgeleuchteten Welt. Spiritualität vermag ich dabei nicht zu erkennen, nur die Lust an einem Spuk, an gebändigtem Horror, dessen Botschaft in ein Überraschungs-Ei paßt.“
Dagegen sei der Reformationstag ein Zeichen dafür, daß ein Menschenleben größer und reicher ist als das, was ein Mensch leistet oder schuldig bleibt:
„Wir sind und bleiben, ob jung oder alt, Gottes geliebte Kinder“ – so die Buß’sche Botschaft.
Doch wenn die Kirche nicht in der Lage ist, ihre Botschaft angemessen auszudrücken, bleibt diese auf der Strecke.
Die Botschaft in ihrem Tiefgang und Ernst auszudrücken, wäre die Aufgabe der Liturgie.
Doch dieser haben die Evangelischen während der Reformation den Garaus gemacht.
Die Katholiken zogen im Gefolge des liturgischen Zusammenbruchs nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil nach.
Die leeren, schwatzhaften, verkopften – und humorlosen – Riten der kirchlichen Gegenwart beweisen das.
Doch wo das Volk im liturgischen Ausdruck alleine gelassen wird, werden neue Riten erfunden. Daß sie grob und ungehobelt sind, kann man den Leuten nicht übelnehmen.
Das Halloween-Überraschungs-Ei ist für Kinder und Erwachsene greifbarer als der dürre Geist und die dürre Predigt des Reformationstages.
Die alte Sinnenfreudigkeit der Sakramente und Sakramentalien hätte da etwas bieten können.
Leider ist sie unter dem steifen klerikalen Wortschwall, der die sogenannt erneuerte Liturgie auszeichnet, erstickt.
Dagegen ist Halloween als Deko in jedem Laden und als Thema in allen Medien für alle sinnlich erfahrbar – erkennt sogar die ‘Westdeutsche Allgemeine’.
Selbst Präses Buß weiß, daß ein griesgrämiges Dagegenhalten gegen Halloween nichts bringt.
Mit den Lutherbonbons würden sich die Evangelischen als „fröhliche Kirche“ zeigen, die am Reformationstag „selbstbewußt und mit Zuversicht“ den Glauben feiere.
Der Präses setzt auch sentimental „auf Wärme“, nach denen sich die Menschen sehnen würden.
Wärme ist schön und recht.
Doch vorher ist von den Inhalten zu reden, die mehr sein müssen als billige Vertröstungen nach dem Motto „Gott liebt dick und dünn“.
Wärme ohne ernstzunehmende Inhalte erinnert an einen Heizungsmonteur.
Und die heidnische Seele, die an billige Erlösungsfloskeln der Kirchen sowieso nicht glauben kann, fühlt sich bei den Dämonen von Halloween besser aufgehoben.
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Montag, 6. November 2006 11:08
Johann Gerhard: @ Heggi
1. Ich musste mich bei der FSSPX-Gemeinde in Hattersheim über r.-k. Lehre informieren, da auf den Internetseiten
der „hergebrachten“ Gemeinden über Lehre nichts zu finden ist… Insoweit fand ich es schon interessant,
dass dort, neben durchaus interessanten Predigten und Vorträgen, die zielgerichtete Desinformation über
gegnerische Strömungen als legitimes Stilmittel erachtet wird.
2. Wenn Sie erlauben, bleibe ich noch einmal beim Thema Rechtfertigung. Ich gestatte uns dabei einen Blick in dieses blöde Buch, das auch von Gott und Jesus handelt, aber irgendwie nicht mit den Dogmen übereinstimmt.
Auf diese Weise werden wir zunächst lernen, dass das Ergebnis des vollkommnenen aktiven und passiven Gehorsams Christi nicht eine Veränderung auf Seiten des Menschen ist, sondern eine Sinnesänderung auf Seiten Gottes, dessen Zorn über die Sünde nunmehr gestillt ist. Die Schrift ist eindeutig, z. B.: 2. Kor 5,18-21 und 1. Joh 4,10 etc. etc.
Sie denken, dass Ihr Leben – das wie das jedes Menschen sündenbefleckt und erbärmlich ist – gut genug ist, um einen heiligen Richter, der jeden straft, der die Zehn Gebote verletzt hat, zu überzeugen? Ich erscheine vor diesem Richterstuhl lieber mit der Gerechtigkeit Christi bekleidet, das ist sicherer.
Forensische Rechtfertigung in der Schrift: (erneut) 2. Kor 5,21; Apg 13,38.39; Röm 3,23-28., Röm 4,4.5; Röm 5,1 (… gerecht geworden sind…); Röm 5,18; Gal 2,16; Gal 5,4(!); Eph 1,7; Kol 1,14; 1. Petr 2,24; 1. Petr 3,18; Hebr 7,26.27; Hebr 10,10 usw.
2. Wenn Sie erlauben, bleibe ich noch einmal beim Thema Rechtfertigung. Ich gestatte uns dabei einen Blick in dieses blöde Buch, das auch von Gott und Jesus handelt, aber irgendwie nicht mit den Dogmen übereinstimmt.
Auf diese Weise werden wir zunächst lernen, dass das Ergebnis des vollkommnenen aktiven und passiven Gehorsams Christi nicht eine Veränderung auf Seiten des Menschen ist, sondern eine Sinnesänderung auf Seiten Gottes, dessen Zorn über die Sünde nunmehr gestillt ist. Die Schrift ist eindeutig, z. B.: 2. Kor 5,18-21 und 1. Joh 4,10 etc. etc.
Sie denken, dass Ihr Leben – das wie das jedes Menschen sündenbefleckt und erbärmlich ist – gut genug ist, um einen heiligen Richter, der jeden straft, der die Zehn Gebote verletzt hat, zu überzeugen? Ich erscheine vor diesem Richterstuhl lieber mit der Gerechtigkeit Christi bekleidet, das ist sicherer.
Forensische Rechtfertigung in der Schrift: (erneut) 2. Kor 5,21; Apg 13,38.39; Röm 3,23-28., Röm 4,4.5; Röm 5,1 (… gerecht geworden sind…); Röm 5,18; Gal 2,16; Gal 5,4(!); Eph 1,7; Kol 1,14; 1. Petr 2,24; 1. Petr 3,18; Hebr 7,26.27; Hebr 10,10 usw.
Donnerstag, 2. November 2006 22:36
Elendester Sünder: Lieber Jörg Guttenberger
Bei Martin Luther taucht tatsächlich auch die Schreibweise „Luder“ auf.
Martin Luder nannte sich selbst ab 1517 nur noch Luther und unterzeichnete nur noch mit Luther.
Daß „Luther“ ein Künstlername war, stimmt allerdings nicht. Wohl hat er auch die Schreibweise „Lutherus“ benutzt, entsprechend der damaligen Mode, Namen zu latinisieren.
Die Schreibweise „Lutherus“ ist mir völlig neu. Wohl nannte er sich häufig Eleutherius (Befreier). Irgendwo habe ich gelesen, daß angeblich davon Luther abgeleitet worden sei soll.
Da man sich inzwischen auf die gängige Schreibweise „Luther“ geinigt hat, besteht kein ernsthafter Grund, die Schreibweise „Luder“ ins Spiel zu bringen, zumal „Luder“ heute ein negativ aufgeladener Begriff ist.
Luther hat sich, wie gesagt, selbst für die Schreibweise „Luther“ entschieden. Aus einsehbaren Gründen, denn Luder ist heute wie damals ein unehrenhafter Name.
Schwungvolle Namen sind für den Erfolg teuflischer Massenverführer von elementarer Wichtigkeit. Der Pöbel wäre keinem Adolf Schickelgruber, Adolf Hiedler oder Joseph Dschughaschwili (Stalin), Wladímir Iljítsch Uljánow (Lenin) usw. gefolgt.
Martin Luder nannte sich selbst ab 1517 nur noch Luther und unterzeichnete nur noch mit Luther.
Daß „Luther“ ein Künstlername war, stimmt allerdings nicht. Wohl hat er auch die Schreibweise „Lutherus“ benutzt, entsprechend der damaligen Mode, Namen zu latinisieren.
Die Schreibweise „Lutherus“ ist mir völlig neu. Wohl nannte er sich häufig Eleutherius (Befreier). Irgendwo habe ich gelesen, daß angeblich davon Luther abgeleitet worden sei soll.
Da man sich inzwischen auf die gängige Schreibweise „Luther“ geinigt hat, besteht kein ernsthafter Grund, die Schreibweise „Luder“ ins Spiel zu bringen, zumal „Luder“ heute ein negativ aufgeladener Begriff ist.
Luther hat sich, wie gesagt, selbst für die Schreibweise „Luther“ entschieden. Aus einsehbaren Gründen, denn Luder ist heute wie damals ein unehrenhafter Name.
Schwungvolle Namen sind für den Erfolg teuflischer Massenverführer von elementarer Wichtigkeit. Der Pöbel wäre keinem Adolf Schickelgruber, Adolf Hiedler oder Joseph Dschughaschwili (Stalin), Wladímir Iljítsch Uljánow (Lenin) usw. gefolgt.
Donnerstag, 2. November 2006 21:20
Heggi: Johann Gerhard
Leider sind Sie auf meine Frage nicht eingegangen. Nur das Thema Rechtfertigung haben Sie aufgegriffen.
Dazu: Hattersheim ist mir egal. Aber aus der Logik von Abspaltungen läßt sich folgendes ableiten: Wenn
Hattersheim falsch liegt, ist Luthers Meinung von Rechtfertigung auch falsch. Alle Abspaltungen liegen
daneben, weil sie Teilaspekte des Glaubens überhöhen und zum Zentrum ihres Glaubens machen.
Thema Rechtfertigung: Ein Kerngegensatz ist z.B., daß protestantische Rechtfertigung ein rein forensicher Akt ist. Auch als imputativer Akt ist sie abzulehnen. Die These, daß Christi Gerechtigkeit „formaliter“ auch die des Glaubenden sei, ist um so mehr zurückzuweisen, als sich m.E. nirgendwo in der Heiligen Schrift die Aussage findet, daß die Gerechtigkeit, die den Menschen formal gerecht macht, die Gerechtigkeit Christi, die außerhalb von ihm bleibt, sei. Was ist das übrigens für eine Gerechtigkeit im Menschen, die ausschließlich imputiert ist?
Der Platz hier reicht nicht, um sich z.b. im Detail über den lutherischen Fiduzialglauben auszulassen und weitere Aspekte anzusprechen
Im übrigen kann man Luthers Rechtfertigungslehre nicht von seiner Autobiographie ablösen. Sie ist vielmehr der Schlüssel zu seinem Verständnis.
Thema Rechtfertigung: Ein Kerngegensatz ist z.B., daß protestantische Rechtfertigung ein rein forensicher Akt ist. Auch als imputativer Akt ist sie abzulehnen. Die These, daß Christi Gerechtigkeit „formaliter“ auch die des Glaubenden sei, ist um so mehr zurückzuweisen, als sich m.E. nirgendwo in der Heiligen Schrift die Aussage findet, daß die Gerechtigkeit, die den Menschen formal gerecht macht, die Gerechtigkeit Christi, die außerhalb von ihm bleibt, sei. Was ist das übrigens für eine Gerechtigkeit im Menschen, die ausschließlich imputiert ist?
Der Platz hier reicht nicht, um sich z.b. im Detail über den lutherischen Fiduzialglauben auszulassen und weitere Aspekte anzusprechen
Im übrigen kann man Luthers Rechtfertigungslehre nicht von seiner Autobiographie ablösen. Sie ist vielmehr der Schlüssel zu seinem Verständnis.
Donnerstag, 2. November 2006 20:32
Jörg Guttenberger, Köln: Gotthard, elendester Sünder: Luther, Ablaß
Zu Luder und Luther: d und th sind verwandte Konsonanten. Auch die amerikanische schwarze Bevölkerung
spricht das „th“ im Englischen häufig wie „d“ aus.
Die Schreibweise von Eigennamen war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts recht willkürlich. So konnte ein und derselbe Name in ein und derselben Urkunde mit unterschiedlichen Schreibweisen auftauchen. Auch mein Name wurde im Laufe der Geschichte recht unterschiedlich geschrieben, obwohl die ältesten Schreibweisen unserer heutigen entsprechen.
Bei Martin Luther taucht tatsächlich auch die Schreibweise „Luder“ auf. Daß „Luther“ ein Künstlername war, stimmt allerdings nicht. Wohl hat er auch die Schreibweise „Lutherus“ benutzt, entsprechend der damaligen Mode, Namen zu latinisieren.
Da man sich inzwischen auf die gängige Schreibweise „Luther“ geinigt hat, besteht kein ernsthafter Grund, die Schreibweise „Luder“ ins Spiel zu bringen, zumal „Luder“ heute ein negativ aufgeladener Begriff ist.
Ihr theologische Hintergrund zum Ablaß ist zwar richtig. Trotzdem handelt es sich hier um einen eindeutigen, geradezu skandalösen Mißbrauch, weil ein Geldkater so natürlich mehr Ablässe gewinnen konnte, als ein armer Schlucker.
Die Kirche ist zwar als der mytische Leib Christi heilig, aber von sündigen Menschen getragen. Diese Sündhaftigkeit spüren Sie genauso schmerzhaft, wie ich. Mit diesem Paradox müssen wir leben.
Die Schreibweise von Eigennamen war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts recht willkürlich. So konnte ein und derselbe Name in ein und derselben Urkunde mit unterschiedlichen Schreibweisen auftauchen. Auch mein Name wurde im Laufe der Geschichte recht unterschiedlich geschrieben, obwohl die ältesten Schreibweisen unserer heutigen entsprechen.
Bei Martin Luther taucht tatsächlich auch die Schreibweise „Luder“ auf. Daß „Luther“ ein Künstlername war, stimmt allerdings nicht. Wohl hat er auch die Schreibweise „Lutherus“ benutzt, entsprechend der damaligen Mode, Namen zu latinisieren.
Da man sich inzwischen auf die gängige Schreibweise „Luther“ geinigt hat, besteht kein ernsthafter Grund, die Schreibweise „Luder“ ins Spiel zu bringen, zumal „Luder“ heute ein negativ aufgeladener Begriff ist.
Ihr theologische Hintergrund zum Ablaß ist zwar richtig. Trotzdem handelt es sich hier um einen eindeutigen, geradezu skandalösen Mißbrauch, weil ein Geldkater so natürlich mehr Ablässe gewinnen konnte, als ein armer Schlucker.
Die Kirche ist zwar als der mytische Leib Christi heilig, aber von sündigen Menschen getragen. Diese Sündhaftigkeit spüren Sie genauso schmerzhaft, wie ich. Mit diesem Paradox müssen wir leben.
Donnerstag, 2. November 2006 17:20
Pünktchen: Dieses Messiasbekenntnis des Petrus
nimmt Jesus zum Anlaß, diesem Jünger – und keinem anderen – den besonderen Namen (und die besondere Funktion) zu geben! Durch das messianische Bekenntnis ist er selbst zum Felsen der messianischen Gemeinde geworden. Die Sonderstellung des Petrus für die Gesamtkirche kommt dann in Joh. 21, 15 ff. auch seht deutlich zum Ausdruck.
Donnerstag, 2. November 2006 17:10
Johann Gerhard: @ Pünktchen
Eine – verkürzte – lutherische Antwort auf die Fels-Geschichte stellt sich so dar:
1. Die griechische Form „petra“ für Fels meint nicht Petrus = „petros“.
2. Kurze Zeit später (Mt. 16,23) wird Petrus als sündiger Mensch mit dem Ausruf „Satan“ zurecht gewiesen. Schwerlich die Grundlage der Kirche…
3. Am wichtigsten ist jedoch, dass Petrus kurz zuvor (Mt. 16,16) selbst bekannt hat, worauf die Kirche gebaut ist: Auf Jesus, der Gottes Sohn und der Christus ist. Dieser hat alles getan, um uns von Sünde, Tod und Teufel zu erlösen.
1. Die griechische Form „petra“ für Fels meint nicht Petrus = „petros“.
2. Kurze Zeit später (Mt. 16,23) wird Petrus als sündiger Mensch mit dem Ausruf „Satan“ zurecht gewiesen. Schwerlich die Grundlage der Kirche…
3. Am wichtigsten ist jedoch, dass Petrus kurz zuvor (Mt. 16,16) selbst bekannt hat, worauf die Kirche gebaut ist: Auf Jesus, der Gottes Sohn und der Christus ist. Dieser hat alles getan, um uns von Sünde, Tod und Teufel zu erlösen.
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