17:16:51 | Samstag, 4. November 2006
Am Reformationstag verbrannte sich ein evangelischer Pfarrer in Erfurt aus Protest gegen die Ausbreitung des Islam. Der Arzt, der um sein Leben kämpfte – war ein Moslem.

Martin Luther Statue in Erfurt
(kreuz.net, Erfurt) Letzten Mittwoch veranstalteten Erfurter Kirchenvertreter eine Pressekonferenz zum
Selbstmord von Pfarrer Roland Weißelberg (73).
Dieser hatte sich vor dem evangelischen Augustinerkloster
in Erfurt
selber verbrannt.
Das berichtete die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ am Freitag.
Um Spekulationen
vorzubeugen, legte Elfriede Begrich – Pröpstin von Erfurt-Nordhausen mit Sitz im ehemaligen Augustinerkloster –
an der Pressekonferenz das Motiv des Pfarrers offen.
Pfarrer Weißelberg sei es mit seinem Selbstmord
„um die Ausbreitung des Islam und die Haltung der Kirchen dazu gegangen“.
Das sei für ihn „wirklich
ein Dauerthema gewesen“.
Die Kirche, sagt die Pröpstin, habe sich zwar damit beschäftigt, „aber nicht
so exzentrisch“.
Die Pröpstin schildert den Verstorbenen als „sehr, sehr aktiv“.
Noch vor vierzehn
Tagen habe er Gottesdienstvertretungen übernommen. Zu Weihnachten wollte er mit seiner Frau zum Sohn
nach Schweden reisen.
Weißelberg habe ein exzellentes Gedächtnis gehabt. Er sei stets froher Sinne
gewesen. Bei Versammlungen habe er oft Gedichte rezitiert, vor allem von Theodor Fontane († 1898) und
Friedrich Hölderlin († 1843).
Der anwesende evangelische Landesbischof Axel Noack aus Magdeburg erklärte,
daß Pfarrer Weißelberg seine Tat nicht zufällig am Reformationstag und am Ort beging, wo der Reformator
Martin Luther ins Kloster eintrat und seinen Weg begann.
Vor dem Selbstmord parkte Weißelberg sein Auto
fünf bis zehn Minuten vom ehemaligen Augustinerkloster entfernt. Den Schlüssel hinterlegte er im Kloster
an der Rezeption.
Offenbar wollte Weißelberg am Gottesdienst zum Reformationstag teilzunehmen.
Doch
sein Versuch, in die Kirche zu gelangen, scheiterte, weil die gewählte Eingangstüre ausnahmsweise geschlossen
war.
Danach ging Weißelberg zwischen 10.30 und 10.40 Uhr auf eine 2,5 Meter tiefe und mit einem leichten
Gitter abgesperrte Baugrube vor dem Kloster. Dort wird die alte Bibliothek wiedererrichtet.
Aus einem
kleinen Kanister goß er sich brennbare Flüssigkeit über den Kopf und rief die Namen „Jesus“ und „Oskar“.
Mit „Oskar“ meinte er offenbar Oskar Brüsewitz, der sich am 18. August 1976 in der Fußgängerzone der
Stadt Zeitz im jetzigen Bundesland Sachsen-Anhalt mit Benzin übergoß und anzündete, um als lebende
Fackel gegen den Kommunismus zu protestieren. Brüsewitz starb später an seinen Verbrennungen.
Nach
seiner Tat erhielt Pfarrer Weißelberg sofort Erste Hilfe und wurde in ein Erfurter Krankenhaus und später
in eine Spezialklinik nach Halle gebracht.
In der Zwischenzeit rief Frau Weißelberg in dunkler Vorahnung
im ehemaligen Kloster an, um nach ihrem Mann zu fragen, auf den sie zu Hause mit Gästen wartete.
Während
des Telephonats erfuhr sie, daß im Kloster etwas geschehen war. Danach suchte sie nach Hinweisen auf
den Verbleib ihres Mannes und fand einen Abschiedsbrief.
Das Schreiben enthielt eine Entschuldigung sowie
Anweisungen für die Beerdigung.
Die ‘Frankfurter Allgemeine’ bezeichnet den evangelischen Pfarrer zwar
als streitbar, aber zugleich als menschlich und ausgeglichen.
Er sei eloquent, gottesfürchtig, vernünftig,
bis zuletzt agile und vitale und kein verschrobener Charakter gewesen.
Weißelberg wurde am 4. Juli 1933
in Königsberg geboren. Er studierte von 1953 bis 1958 in Jena und Berlin evangelische Theologie.
Von
1959 bis 1961 war er als Lektor in der Evangelischen Verlagsanstalt Berlin tätig.
Am 8. Dezember 1963
wurde er zum evangelischen Pfarrer ordiniert.
Nach einer Zeit als Hilfsprediger war er 25 Jahre Pfarrer
in Windischholzhausen – ein Stadtteil von Erfurt.
Zum 1. Mai 1989 wurde er wegen schwerer Erkrankung –
offenbar ein Herzinfarkt – vorzeitig pensioniert.
In den DDR-Zeiten legte sich Weißelberg immer wieder
mit der ‘Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands’ an.
Seit Anfang der 90er Jahre beschäftigte er
sich intensiv mit dem Islam.
In einer kurzen Diskussion bedauerte Weißelberg einmal, daß der Islam
zu stark werde, daß die Christen zu wenig Profil hätten und daß das Christentum deshalb untergehe.
Nach seiner Tat betete die evangelische Schwester Ruth aus dem ehemaligen Kloster mit dem zunächst geretteten
Weißelberg.
Der Schwerverletzte bat im Krankenhaus während seiner letzten Stunden um Verzeihung für
seine Tat.
Der Arzt in der Klinik für Schwerbrandverletzte, der Weißelberg in Halle behandelte, war
ein Muslim.
Die Witwe, Frau Weißelberg, entschuldigte sich bei ihm.
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