St. Pölten
Das Stift Eisgarn wird ab heute direkt von der Diözese verwaltet
Prälat Ulrich Küchl, der Propst des Stiftes Eisgarn und ehemalige Regens des Priesterseminars in St. Pölten muß ab heute die Leitung des Weltpriesterstiftes in Eisgarn (Niederösterreich) abgeben.
Der Stiftshof von Eisgarn
Der Stiftshof von Eisgarn
© Hendrik Carneval, Wikipedia, CC
(kreuz.net, St. Pölten) Am heutigen Tag geht das Stift Eisgarn in die Verwaltung der niederösterreichischen Diözese St. Pölten über.

Das Stift befindet sich im nördlichen Waldviertel und wurde bisher vom ehemaligen Regens des St. Pöltner Priesterseminars, Prälat Ulrich Küchl (61), geleitet.

Das Stift Eisgarn besteht aus einem Klostergebäude mit einer Kirche, die dem gleichnamigen Dorf als Pfarrkirche dient.

Der Propst des Stiftes amtet zugleich als Pfarrer der Pfarrei Eisgarn. Normale Weltpriester können als Kanoniker des Stiftes ernannt werden.

Die Kanoniker müssen nicht notwendigerweise in der Propstei wohnen. Ebenso ist die Mitgliedschaft im Stift nicht mit Ordensgelübden verbunden.

Weltpriesterstifte dieser Art sind sehr selten. Ein ähnliches Stift gibt es im Schweizerischen Beromünster (Luzern). Es gehört zur Diözese Basel.

Prälat Küchl wurde in seinem Amt als Propst des Stiftes Eisgarn vom neuen Bischof von St. Pölten, Dr. Klaus Küng, suspendiert, nachdem er im vergangenen Frühsommer in die Schlagzeilen geraten war.

Die österreichischen Medien hatten Fotos veröffentlicht, die den Prälaten, der zugleich auch Regens des St. Pöltner Priesterseminars war, in kompromittierendem Umgang mit Priesterstudenten zeigten.

Prälat Küchl bekräftige seine Unschuld, trat aber zugleich von seinem Amt als Leiter des Priesterseminars zurück. Seither wirkte er als Pfarrer von Eisgarn, ein Amt, das er auch als Regens des Priesterseminars wahrnahm.

Im Rahmen der Aufarbeitung der Krise in der Diözese, die zum Rücktritt des damaligen Diözesanbischofs, Dr. Kurt Krenn geführt hatte, beschloß der neue Bischof von St. Pölten, das Stift Eisgarn im Kalenderjahr 2005 ruhend zu stellen und dem Propst ein Sabbatjahr zu ermöglichen.

Darum wird die Verwaltung des Stiftes der diözesanen Finanzkammer unterstellt. Es scheint, daß das Stift ziemlich verschuldet ist.

Erst heuer hatte Prälat Küchl den nach Presseberichten ebenfalls in die Skandale im Priesterseminar involvierten ehemaligen Subregens, Dr. Wolfgang Rothe zum Kanoniker des Stiftes gemacht.
      
6 Lesermeinungen
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#6   Dolfus   17:05:50 | Montag, 3. Januar 2005
@turk
Also ich hab mir jetzt Deinen Link angesehen, und weiß jetzt, was Du meinst … nach meinem Dafürhalten ist das eher eine Operettenbühne.
Es ist unglaublich, daß im Propst-Küchl-Keller nicht nur noch Geburtstagsparties abgehalten werden, sondern es ist schlicht eine Beleidigung an die Kirche, und vor allem an Gott, was hier einem getauften Pfarrkind zum Geburtstag für ein Kalender geschenkt wird, unter der Patronanz jenes bedauernswerten Geistlichen, der den Bischof Kurt zu Fall gebracht hat und nun dessen Nachfolger den Gehorsam verweigert.
Bischof Krenn, der nur zu vertrauensselig war, und hintergangen wurde, mußte abdanken, das können wir verstehen, auch wenn man ihn bemitleiden mag, aber seine Wunderwaffe, der Super-Regens a.D., scheint ja noch recht umtriebig zu sein. Fängt dieser jetzt immer noch nicht an, nachzudenken, was er angerichtet hat – fürchtet er nicht einmal sein eigenes ewiges Seelenheil, wenn ihm schon das ewige Heil der ihm Anvertrauten egal zu sein scheint?
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#5   Dolfus   16:53:52 | Montag, 3. Januar 2005
@turk
Ich glaube nicht, hätte man diese flächenmäßig etwas größere Pfarrei in der Jetztzeit gegründet, daß man daraus ein Propsteistift gemacht hätte, das ist eher ein historisches Relikt, denn wo gäbe es das schon unter den heutigen Bedingungen, daß ein Pfarrer in einer deutschen Streusiedlung eine Mitra wie „der“ Erzbischof trägt und „Seine Gnaden der Propst“ genannt wird, und, zumindest „auf dem Papier“, auch noch Kanoniker aufgenommen werden können?
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#4   turk   16:38:07 | Montag, 3. Januar 2005
Unterwegs zur vollen Auflösung
„Stift Eisgarn“ klingt doch nach Übertreibung. Es ist ja im Grunde eine etwas größere Pfarre. Es ist schon die Frage, warum gerade diese Pfarre das Privileg einer Propstei besitzen solle. In der bisherigen Zusammensetzung ist dieses „Stift“ wohl nicht tragbar, vergleiche auch www.stifterl.at/Fotos.htm und andere Seiten wie www.kirche-top.org/…ropstei_eisgarn.html
Das Zweite Vatikanum hat mit diesem Skandal herzlich wenig zu tun. Hier geht es mehr um das, was Marcellus anspricht. So kann man dem Stift nur wünschen, für immer aufgelöst zu werden.
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#3   marcellus   22:09:25 | Donnerstag, 30. Dezember 2004
Anmerkungen zu Dolfus
Zunehmend bemerke ich, daß Sie, sehr geschätzter Dolfus, m.E. den Kern treffen : Die angeblichen Opfer der St. Pöltner Schmierenkomödie sind weniger Opfer, als vielmehr Täter. So wird durchaus glaubhaft kolportiert, daß Herr Rothe – als er danach befragt wurde, wie er denn zum Heiligen Meßopfer im tridentinischen Ritus stünde- ableugnete, jemals damit symphatisiert zu haben.
Ich nenne das feigen Verrat am Heilgsten, das uns vom Herrn hinterlassen wurde. Daran sieht man erschreckend und brutal, daß es wahrlich nicht um Conservativ oder Progressiv ging, sondern nur um Macht, Arroganz und Eitelkeiten. Satan läßt grüßen!
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#2   Catholicus   17:22:51 | Donnerstag, 30. Dezember 2004
Richtigstellung
Es war nicht Propst Küchl, der Dr. Rothe zum Kanonikus von Eisgarn ernannt hatte, sondern der damalige Bischof Krenn. Leider hört man in diesem Zusammenhang Unerfreuliches: Die Ernennung wurde von Rothe zurückdatiert, damit es den Anschein hatte, Bischof Krenn habe ihn noch vor der Visitation rechtsgültig zum Kanonikus ernannt, was in Wirklichkeit nicht der Fall gewesen ist. Insofern ist auch die Glaubwürdigkeit von Dr. Rothe beschädigt.
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#1   Dolfus   14:24:27 | Donnerstag, 30. Dezember 2004
Konzilsgeistopfer
Hoffentlich fängt Propst Küchl jetzt mal zum Nachdenken an, daß nicht die andern alle böse sind, und er nur ein armes Opfer ist.
Er ist sicher ein Opfer, aber ein geniales Opfer des satans. Dieser bedauernswerte, weil anscheinend sehr uneinsichtige Priester braucht viel Gebet. Ich füge hinzu, daß er seine diverse Rollen dem Vernehmen nach äußerst überzeugend spielen kann. Insofern, eine sehr begabte Persönlichkeit. Wieviel Gutes hätte er bewirken können. Im übrigen nicht mal ein „Konservativer“, sondern sowohl liturgisch sehr willkürlich und theologisch stark häresieverdächtig. Ein weiteres Konzilsgeistopfer.
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