15:52:26 | Mittwoch, 8. November 2006
Benedikt XVI.

(kreuz.net, Vatikan) Heute Mittwoch veröffentlichte der Vatikan die Ansprache, die der Papst gestern
vor den Schweizer Bischöfen gehalten hat.
Der Heilige Vater erklärte zunächst, daß er keine richtige
Rede vorbereitet habe:
„Ich möchte jetzt nur zu den einzelnen großen Problemkomplexen, die wir berühren
werden, ein paar erste Vorstöße machen, die nicht endgültige Aussagen in den Raum stellen, sondern
das Gespräch in Gang bringen wollen.“
Gestern nachmittag hatte die Pressestelle des Vatikan einen französischen
und englischen Redetext publiziert, der allerdings für den abgebrochenen Ad-Limina Besuch 2005 bestimmt
gewesen war.
Ein englischer Weblog bemerkte das Drama: „Die Rede schien so aktuell, weil sich die Situation
in der Schweiz seit Februar 2005 nicht verbessert hat.“
Die Schweizerische Boulevardzeitung ‘Blick’ sprach
von einer „Mega-Panne im Vatikan“.
Weil die Falschmeldung auch im ‘Osservatore Romano’ gedruckt war,
mußte die heutige Ausgabe der vatikanischen Tageszeitung sogar eingestampft werden.
In der tatsächlich
gehaltenen Ansprache begann der Papst – „wie es meiner eigenen Vorgeschichte entspricht“ – mit der Glaubenskongregation.
Vielleicht hätte der Glauben noch vor zwei Generationen als selbstverständlich vorausgesetzt werden
können. Heute sei das Umgekehrte selbstverständlich: daß man eigentlich nicht glauben kann und daß
Gott abwesend ist.
Der Heilige Vater betonte zwei Eckpunkte:
• „Das ist das eine: daß der Glaube
entscheidend wirklich auf Gott hinschaut und uns auf Gott hinschauen, auf ihn hin in Bewegung kommen läßt.“
• „Das andere ist, daß wir den Glauben nicht uns selbst ausdenken und zusammensetzen aus Stücken,
die man verkraften kann, sondern daß wir mitglauben mit der Kirche.“
Der Heilige Vater sprach ferner
über die katholische Unterweisung.
Zur Priesterausbildung nannte er ein „ganz spezifisches Anliegen“:
die Exegese.
Sie habe „große Fortschritte“ gemacht. Wir wüßten heute angeblich „ungeheuer viel“ über
die Entstehung der Texte, über die Unterteilungen der Quellen und so weiter, „was das Wort damals genau
gesagt haben kann…“
Gleichzeitig erklärte Benedikt XVI., daß die historisch-kritische Exegese – wenn
sie nur historisch-kritisch bleibe – das Wort in die Vergangenheit zurückschiebe.
Die Schrift müsse
nach historischen Methoden, aber auch als Einheit und in der lebendigen Gemeinschaft der Kirche gelesen
werden:
„Wie man das praktisch macht, weiß ich nicht, aber man kann – glaube ich – schon Lehrer finden,
sei es im akademischen Bereich, sei es im Seminar, sei es in einem Einführungskurs.“
Zur Katechese erklärte
Benedikt XVI., daß diese in den letzten fünfzig Jahren methodisch „große Fortschritte“ gemacht, sich
aber sehr ins Anthropologische hineinverloren habe, daß man oft gar nicht mehr zu den Glaubensinhalten
komme:
„Ich kann das verstehen: Schon als ich Kaplan war – das ist also 56 Jahre her – war es in der
pluralistischen Schule mit vielen ungläubigen Eltern und Kindern schon sehr schwer, dort den Glauben
zu verkünden, weil er als eine total fremde und unwirkliche Welt erschien.“
Der Heilige Vater forderte,
sich um eine Erneuerung der Katechese zu mühen. Die religiöse Unwissenheit sei heute erschreckend groß
geworden:
„Dabei haben in Deutschland die Kinder alle mindestens zehn Jahre Katechese, müßten also
doch eigentlich unheimlich viel wissen.“
Schließlich sprach der Papst noch über die Liturgie. Die ‘
Nachsynodale
Instruktion’ sei auf gutem Wege. Sie werde sicher eine große Bereicherung sein.
„Ich glaube, es wird
allmählich wieder deutlich, daß die Liturgie eben nicht eine Selbstveranstaltung der Gemeinde ist, die
sich dabei einbringt, wie man so schön sagt, sondern das Heraustreten der Gemeinde aus dem bloßen Selbersein
und das Hineintreten in das große Mahl der Armen, in die große, lebendige Gemeinschaft, in der Gott
uns selber speist.“
Zum „berühmten
Problem der Homilie“ erklärte der Heilige Vater, daß er es rein
funktional „sehr gut“ verstehen könne:
„Vielleicht ist der Pfarrer müde oder hat schon mehrfach gepredigt,
oder er ist alt und kräftemäßig überfordert.“
Man müsse aber berücksichtigen, daß die Homilie
nicht eine Unterbrechung, sondern Teil der Liturgie ist.
„Vor allen Dingen aber ist mir auch wichtig,
daß der Priester nicht sozusagen auf das Sakrament und auf die Jurisdiktion beschränkt wird, in der
Überzeugung, alle anderen Aufgaben könnten auch andere übernehmen.“
Zum Bußsakrament bedauerte der
Papst, daß es in den letzten „etwa fünfzig Jahren“ immer mehr verkümmert ist: „Dieses Sakrament müssen
wir wirklich neu erlernen.“
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