Benedikt XVI.
Diese Rede wurde wirklich gehalten
Bei der gestrigen Ansprache vor den Schweizer Bischöfen sprach der Papst die Probleme wesentlich weniger konkret an, als vom vatikanischen Pressesaal ursprünglich behauptet.
(kreuz.net, Vatikan) Heute Mittwoch veröffentlichte der Vatikan die Ansprache, die der Papst gestern vor den Schweizer Bischöfen gehalten hat.

Der Heilige Vater erklärte zunächst, daß er keine richtige Rede vorbereitet habe:

„Ich möchte jetzt nur zu den einzelnen großen Problemkomplexen, die wir berühren werden, ein paar erste Vorstöße machen, die nicht endgültige Aussagen in den Raum stellen, sondern das Gespräch in Gang bringen wollen.“

Gestern nachmittag hatte die Pressestelle des Vatikan einen französischen und englischen Redetext publiziert, der allerdings für den abgebrochenen Ad-Limina Besuch 2005 bestimmt gewesen war.

Ein englischer Weblog bemerkte das Drama: „Die Rede schien so aktuell, weil sich die Situation in der Schweiz seit Februar 2005 nicht verbessert hat.“

Die Schweizerische Boulevardzeitung ‘Blick’ sprach von einer „Mega-Panne im Vatikan“.

Weil die Falschmeldung auch im ‘Osservatore Romano’ gedruckt war, mußte die heutige Ausgabe der vatikanischen Tageszeitung sogar eingestampft werden.

In der tatsächlich gehaltenen Ansprache begann der Papst – „wie es meiner eigenen Vorgeschichte entspricht“ – mit der Glaubenskongregation.

Vielleicht hätte der Glauben noch vor zwei Generationen als selbstverständlich vorausgesetzt werden können. Heute sei das Umgekehrte selbstverständlich: daß man eigentlich nicht glauben kann und daß Gott abwesend ist.

Der Heilige Vater betonte zwei Eckpunkte:

• „Das ist das eine: daß der Glaube entscheidend wirklich auf Gott hinschaut und uns auf Gott hinschauen, auf ihn hin in Bewegung kommen läßt.“

• „Das andere ist, daß wir den Glauben nicht uns selbst ausdenken und zusammensetzen aus Stücken, die man verkraften kann, sondern daß wir mitglauben mit der Kirche.“

Der Heilige Vater sprach ferner über die katholische Unterweisung.

Zur Priesterausbildung nannte er ein „ganz spezifisches Anliegen“: die Exegese.

Sie habe „große Fortschritte“ gemacht. Wir wüßten heute angeblich „ungeheuer viel“ über die Entstehung der Texte, über die Unterteilungen der Quellen und so weiter, „was das Wort damals genau gesagt haben kann…“

Gleichzeitig erklärte Benedikt XVI., daß die historisch-kritische Exegese – wenn sie nur historisch-kritisch bleibe – das Wort in die Vergangenheit zurückschiebe.

Die Schrift müsse nach historischen Methoden, aber auch als Einheit und in der lebendigen Gemeinschaft der Kirche gelesen werden:

„Wie man das praktisch macht, weiß ich nicht, aber man kann – glaube ich – schon Lehrer finden, sei es im akademischen Bereich, sei es im Seminar, sei es in einem Einführungskurs.“

Zur Katechese erklärte Benedikt XVI., daß diese in den letzten fünfzig Jahren methodisch „große Fortschritte“ gemacht, sich aber sehr ins Anthropologische hineinverloren habe, daß man oft gar nicht mehr zu den Glaubensinhalten komme:

„Ich kann das verstehen: Schon als ich Kaplan war – das ist also 56 Jahre her – war es in der pluralistischen Schule mit vielen ungläubigen Eltern und Kindern schon sehr schwer, dort den Glauben zu verkünden, weil er als eine total fremde und unwirkliche Welt erschien.“

Der Heilige Vater forderte, sich um eine Erneuerung der Katechese zu mühen. Die religiöse Unwissenheit sei heute erschreckend groß geworden:

„Dabei haben in Deutschland die Kinder alle mindestens zehn Jahre Katechese, müßten also doch eigentlich unheimlich viel wissen.“

Schließlich sprach der Papst noch über die Liturgie. Die ‘Nachsynodale Instruktion’ sei auf gutem Wege. Sie werde sicher eine große Bereicherung sein.

„Ich glaube, es wird allmählich wieder deutlich, daß die Liturgie eben nicht eine Selbstveranstaltung der Gemeinde ist, die sich dabei einbringt, wie man so schön sagt, sondern das Heraustreten der Gemeinde aus dem bloßen Selbersein und das Hineintreten in das große Mahl der Armen, in die große, lebendige Gemeinschaft, in der Gott uns selber speist.“

Zum „berühmten Problem der Homilie“ erklärte der Heilige Vater, daß er es rein funktional „sehr gut“ verstehen könne:

„Vielleicht ist der Pfarrer müde oder hat schon mehrfach gepredigt, oder er ist alt und kräftemäßig überfordert.“

Man müsse aber berücksichtigen, daß die Homilie nicht eine Unterbrechung, sondern Teil der Liturgie ist.

„Vor allen Dingen aber ist mir auch wichtig, daß der Priester nicht sozusagen auf das Sakrament und auf die Jurisdiktion beschränkt wird, in der Überzeugung, alle anderen Aufgaben könnten auch andere übernehmen.“

Zum Bußsakrament bedauerte der Papst, daß es in den letzten „etwa fünfzig Jahren“ immer mehr verkümmert ist: „Dieses Sakrament müssen wir wirklich neu erlernen.“
      
16 Lesermeinungen
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#16   Perpetua   22:26:37 | Dienstag, 14. November 2006
Die Unterminierung der katholischen Kirche, Mary Ball-Martinez
Als „das 1789 der katholischen Kirche“ hat der belgische Kardinal Leo Suenens in einem unbeherrschten Augenblick das II. Vatikanische Konzil bezeichnet. Er wollte damit dieses Konzil als eine Revolution von nicht geringerer Tragweite als die berühmt-berüchtigte Französische Revolution von 1789 kennzeichnen.
Daß das II. Vatikanum einen äußerst folgenschweren Umsturz der katholischen Kirche unmittelbar nach sich zog, wird heute von niemandem mehr geleugnet. Fast völlig in Vergessenheit geraten ist dagegen der unumstößliche Grundsatz, daß es nun einmal keine spontane, unvorbereitete, aus dem Augenblick geborene Revolution gibt. Jede Revolution erfordert eine langfristige und minutiöse Vorbereitung im Untergrund, eben die schleichende Unterminierung dessen, was da umgestürzt werden soll.
Genau hier setzt das vorliegende Werk den Hebel an. Seine These lautet, daß die „katholische“ Revolution in Wirklichkeit bereits eine vollendete Tatsache war, als das II. Vatikanum einberufen wurde. Die einzige Aufgabe der Konzilsväter bestand darin, gehorsam ihre Zustimmung zu dem zu geben, was nicht etwa sie selbst zu beschließen hatten, sondern was längst von anderen beschlossen war! Für diese zentrale These ihres packend geschriebenen Buchs kann die langjährige Vatikan-Journalistin Mary Ball-Martinez eine ebenso beeindruckende wie lückenlose Reihe von Belegen liefern.
Für alle, die wirklich wissen will, „wie das alles mit der Kirche nur so kommen konnte“.
…ww.verlag-anton-schmid.de www.kreuz.net/
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#15   elkeschoenhofen   02:32:10 | Sonntag, 12. November 2006
papst in der Schweiz
Daran sieht man, das der Papst vom heiligen Geist geführt wird.
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#14   Heggi   20:58:20 | Donnerstag, 9. November 2006
Catharina
Genau so ist es!!!
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#13   catharina   07:39:09 | Donnerstag, 9. November 2006
Offenbarend!
Vorbehaltlich einer letzten noch ausstehenden Klärung des Vorganges darf die Feststellung nicht verboten sein, daß sich hier wieder einmal offenbart, in welchem erheblichen Maße die Kirchenleitung selbst an der gegenwärtigen Krise die Schuld trägt. Fromme Sprüche und Nibelungenschwüre können darüber einfach nicht mehr hinwegtäuschen.
Gewiß, der Papst ist der Papst. Aber die Frage ist doch, was für einen Papst wir augenblicklich haben. Und da gehen die Ansichten auch unter denen, die zunächst wohlmeinend bis enthusiastisch waren, inzwischen erheblich auseinander.
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#12   Breze   23:18:20 | Mittwoch, 8. November 2006
@ Pater Lingen
Immerhin ist er der Papst, zusätzlich zu Ihren aufgezählten Eigenschaften…
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#11   Pater Lingen   23:17:01 | Mittwoch, 8. November 2006
„Wie man das praktisch macht, weiß ich nicht“
Ratzinger – ein echter Führer für die Menschheit, ein echter Leuchtturm in der Finsternis, ein echter Stern für alle Suchenden, usw. usf.
Derlei Parolen der „Konservativen“ überzeugen mich noch immer nicht.
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#10   Breze   23:05:01 | Mittwoch, 8. November 2006
Ich traue meinen Augen nicht!!!!
So hätte sich Johannes Paul II. nicht verhalten – unter seiner Verantwortung wäre auch eine solche Panne nicht passiert.
Träume ich?
So etwas wird auf kreuz.net gepostet?
BOAAAAAAH!!!!!!!!!!!!!
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#9   Schüttel   22:54:14 | Mittwoch, 8. November 2006
Schüttel ist enttäuscht über diesen bezeichnenden Vorfall
der Papst rudert zurück, distanziert sich fast von seinem Vorgänger, und wagt nicht, die Schweizer Situation beim namen zu nennen. Das mag sehr nett sein gegenüber den Schweizer Bischöfen, aber der Sache des Glaubens und der Wahrheit erweist dieser Professoren-Papst einen Bärendienst. So hätte sich Johannes Paul II. nicht verhalten – unter seiner Verantwortung wäre auch eine solche Panne nicht passiert.
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#8   Thaddäus   21:46:22 | Mittwoch, 8. November 2006
Der Papst ist der Papst…
…und die Katecheten sind eben die Katecheten. Und die brauchen nicht päpstlicher sein als der Papst und nicht bischöflicher als der Bischof. Wär’n auch schön blöd: An der Front die Knochenarbeit machen, und ihre Schäfchen erfahrn dann via „offizieller“, vom Bischof halbherzig kritisierter aber letztlich tolerierter CD, dass eh alles ganz anders ist, als Einstand in ihr Kirchenbeitragszahlerdasein? Na, gute Nacht, im dopelten Sinn: Im übertragenen :-| und ganz aktuell auch im wörtlichen, weil für mich ist es so weit heute :-)
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#7   Dr. Christoph Heger   20:50:04 | Mittwoch, 8. November 2006
Ecclesia semper reformanda?
Nein, das ist falsch.
Ich wundere mich, daß dieser Satz unter Evangelischen so beliebt ist, die sich doch sonst ihres „Das Wort sie sollen lassen stan“ rühmen.
Lese ich nicht bei Paulus, daß die Kirche, die Braut Christi, ohne Flecken und Runzeln ist? (Die Experten mögen das genaue Zitat nachliefern).
MfG
Christoph Heger
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#6   Detlef Rose   20:35:11 | Mittwoch, 8. November 2006
Benedikt spricht für die ganze (!) Kirche
Was Papst Benedikt hier zu Exegese, Kateches und Buss-Sakrament sagt, das gilt – so fürchte ich – auch für andere christl. Konfessionen; zumindest auch für die Evang.-Luth. KLirche in Deutschland! Ecclesia semper reformanda – das gilt heute wie zu Luthers Zeiten. Offenheit und Ehrlichkeit in der Analyse sind der erste Schritt – und Benedikt geht ihn offenbar mutig und gegen alle Anfeindungen (wie sie hier zynisch und hämisch vorgetragen werden). DAR
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#5   Protestant   19:42:33 | Mittwoch, 8. November 2006
@ketzerjäger
Der Papst ist der Papst!
Da kann ich Ihnen voll und ganz zustimmen!!! ;-)
Aber was meinen Sie damit?
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#4   Ketzerjäger †   19:37:52 | Mittwoch, 8. November 2006
Der Papst
ist der Papst!
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#3   Thaddäus   18:30:40 | Mittwoch, 8. November 2006
Papst will „nicht endgültigen Aussagen in den Raum stellen“
Benedikt XVI. vor den Schweizer Bischöfen:
„Ich möchte jetzt nur … ein paar erste Vorstöße machen, die nicht endgültige Aussagen in den Raum stellen, sondern das Gespräch in Gang bringen wollen.“
und
„Dabei haben in Deutschland die Kinder alle mindestens zehn Jahre Katechese, müßten also doch eigentlich unheimlich viel wissen.“
Nun, vielleicht wollen die Katecheten eben auch „keine endgültigen Aussagen in den Raum stellen, sondern das Gespräch in Gang bringen“ statt zu sagen was (katholische) Sache ist…? Wäre ihnen ja gar nicht zu verdenken, bei den Vorbildern an hoher und neuerdings auch allerhöchster Stelle!
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#2   thaumaturgos   17:08:59 | Mittwoch, 8. November 2006
@botschafter
verbreiten sie nicht unhaltbares, ich könnte aus st. allein 6 personen nennen, die in innsbruck studiert haben und heute PRIESTER in st.gallen sind, die bischof ivo geweiht hat!
also, immer schjön nachschaun bevor man quasselt!
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#1   Botschafter   16:30:33 | Mittwoch, 8. November 2006
CH- Bischöfe
Bischof Ivo Fürer sagte:„Die Zukunft der Kirche wird eine Laienkirche sein“. Jetzt kommen noch die verheirateten Priester (Diakone sind sie ja schon), dann ist Karfreitag und keiner weiss wieso…
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