Liturgie
Vielfältige Schlußfolgerung
Im Vatikan scheint man im Umgang mit der griechischen und lateinischen Sprache mit elementaren Übersetzungsproblemen zu kämpfen.
(kreuz.net) Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation soll eine Kommission eingesetzt haben, um herauszufinden, wie man die lateinische Wendung „pro multis“ übersetzt.

Die Information stammt aus einem Brief an den Herausgeber der traditionalistischen US-Zeitung ‘Remnant’.

Das Schreiben beruft sich auf einen ungenannten Mitarbeiter der Gottesdienstkongregation.

Der Ausdruck „pro multis“ ist Teil der Konsekrationsworte für den Kelch bei der Heiligen Messe.

Statt mit „für viele“ – lateinisch: „pro multis“ – wird er in einigen modernen Übersetzungen mit „für alle“ – lateinisch: „pro omnibus“ – wiedergegeben.

Hans Sebald Beham: Christus mit Kelch und Hostie, 1520
Hans Sebald Beham: Christus mit Kelch und Hostie, 1520
Nach Angaben des ‘Remnant’ hatte die von Kardinal Ratzinger in Auftrag gegebene Studie zum Ziel zu prüfen, wie die Formel „pro multis“ in der Tradition verstanden wurde.

Damit hätte der anhaltende Disput über die korrekte Übersetzung von „pro multis“ in den modernsprachlichen Wiedergaben des Textes geklärt werden sollen.

Kurz nach seiner Wahl zum Papst soll Benedikt XVI. den Präfekten der Glaubenskongregation, William Kardinal Levada, angewiesen haben, die Studie weiterzuführen.

Zugleich forderte der Papst die Glaubenskongregation und die Gottesdienstkongregation auf, ihm eine einzige Schlußfolgerung vorzulegen.

Was geschah?

Kardinal Levada und die Glaubenskongregation kamen zur Erkenntnis, daß „pro multis“ eigentlich „für alle“ bedeutet.

Dagegen habe die Gottesdienstkongregation festgestellt, daß der Ausdruck entweder mit „für viele“ oder mit „für die Vielen“ übersetzt werden müsse.

Weil die beiden Kongregationen sich in der Sache nicht einigen konnten, beschloß die Gottesdienstkongregation offenbar, dem Heiligen Vater eine unabhängige Stellungnahme vorzulegen.

Das soll Kardinal Levada verärgert haben, da er doch den Auftrag hatte, dem Papst eine einzige Schlußfolgerung zu übermitteln.

Was aber denkt der Papst? Er soll zum Schluß gekommen sein, daß „für viele“ oder „für die Vielen“ die einzige akzeptable Übersetzung der Wendung ist.
      
13 Lesermeinungen
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#13   Michael60   09:37:14 | Montag, 20. November 2006
Stimme der Vernunft
Er hat es nicht verstanden. Sollte es den egal sein, wie – was zu übersetzen ist? Es gibt eine Sünde, die wird nach den Worten Jesu nicht verziehen, und das ist die Sünde wider den Heiligen Geist. Also kann es gar nicht sein, dass der Terminus „alle“ dort hineinpasst. Also doch – für viele oder was? Gerade bei der heiligen Wandlung geschieht Verkündigung, und dieser Auftrag muss nach dem Willen des Herrn geschehen und nicht, wie es uns gerade in den Kram passt.
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#12   HeinrichvonOfterdingen   17:13:46 | Mittwoch, 15. November 2006
Lieber haher,
Sie loben wohl die Bild-Zeitung, die den größten Unsinn behauptet ohne darauf hinzuweisen, dass ihr harte Fakten von unzuverlässigen Kantonisten zugetragen wurden?
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#11   deixter   05:29:18 | Mittwoch, 15. November 2006
gute kurze Argumentation zu „für viele/alle“
Pater Wildfeuer und Pater Prosinger haben je eine ausgezeichnete kurze Abhandlung erstellt, in der eindeutig belegt wird, dass nur „für viele“ korrekt ist.
www.kath-info.de/wandlungsworte.html
Alles andere ist eine bewußt falsche Übersetzung und die Verfälschung eines Zitates Christi. Und das mit dem Segen der Bichöfe.
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#10   haher   18:26:17 | Dienstag, 14. November 2006
na, sowas nennt man doch sachlichen und investigativen
Journalismus! :)3 Hat jemand sich mal die Mühe gemacht, wie oft hier das Wort „soll“ verwendet wird? Eine Nachricht bzw. Meldung konsequent im Konjunktiv! Das spricht doch für Objektivität und Wahrhaftigkeit! Weiter so … kreuz.net. , die unabhängige, überparteiliche und katholische Nachrichtenagentur. O:)
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#9   Karl Murx   16:29:17 | Dienstag, 14. November 2006
Lieber Zwobbel,
entweder der Episkope „Kardinal“ Levada ist wirklich Bischof, wirklich Kardinal usw. und meinetwegen wirklich Präfekt einer römischer Kongregation, dann hat er meinen Ratschlag nicht nötig; oder aber, er ist es nicht, was bedeutet, daß hier keine Kritik, sondern eine Entfernung dieses „Squatters“ aus den Räumlichkeiten des Vatikan angebracht wäre.
Darüber hinaus gab es früher keine Glaubenskongregation, sondern ein „Heiliges Offizium“, dem gemäß Can. 247 des CIC1917 der Papst selbst vorstand.
In diesem Falle stünde es mir erst recht nicht zu, die Entscheidungen des Heiligen Vaters zu kritisieren.
Wenn das Fußvolk von Frank’nchurch meint, es könne als Basis auf den Oberrabbiner der Goyim-Synagoge und auch auf den Episkopen Levada Einfluß nehmen, dann mag das für diese After-Kirche normal sein, für einen Katholiken ist es unnormal sich hier einzumischen.
^-^
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#8   zwobbel   15:23:57 | Dienstag, 14. November 2006
Lassen Sie sich nicht hindern: cdf@cfaith.va
Laut dieser Seite:
www.vatican.va/…pro_14071997_ge.html
lautet die Epostadresse der Glaubenskongregation cdf@cfaith.va
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#7   stimme der vernunft †   15:22:19 | Dienstag, 14. November 2006
Oh la la
Sind wir jetzt hier bei den man-muss-die-Bibel-unbedingt-in-jedem-Wort-buchstabengetreu-nehmen-sola-scriptura-Anhängern oder was?
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#6   Hyazinth   15:21:51 | Dienstag, 14. November 2006
3. Jahr
Lateinunterricht, in Bayern können das die Unterstüfler!
:'( Lingua latina, quo vadis?!?
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#5   duc in altum   15:21:35 | Dienstag, 14. November 2006
Mal was anderes
Ich selbst verfüge über keine allzugroßen Latein-Kenntnisse da ich in der Schule nie Latein hatte. Ich kann vielleicht so ein bisschen Kirchenlatein und bei „ pro multis“ hätte ich auch gedacht, es heisst: „für viele“, während ich „für alle“ mit „pro omnibus“ oder so übersetzt hätte.
Kann jemand einen guten Lateinkurs, vornehmlich online oder auf CD empfehlen? Ich würde meine Lateinkenntnisse gerne vertiefen.
Danke!
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#4   Karl Murx   15:11:32 | Dienstag, 14. November 2006
Vielleicht sollten wir Levada einmal den Kommentar des Römischen Katechismus zusenden?
Im Katechimus des Konzils von Trient ist nämlich genau erklärt, warum dort „für viele“ und nicht „für alle“ steht.
The additional words „for you and for many“, are taken, some from Matthew, some from Luke, but were joined together by the Catholic Church under the guidance of the Spirit of God. They serve to declare the fruit and advantage of His Passion. For if we look to its value, we must confess that the Redeemer shed His blood for the salvation of all; but if we look to the fruit which mankind have received from it, we shall easily find that it pertains not unto all, but to many of the human race. When therefore (‘our Lord) said: For you, He meant either those who were present, or those chosen from among the Jewish people, such as were, with the exception of Judas, the disciples with whom He was speaking. When He added, „And for many“, He wished to be understood to mean the remainder of the elect from among the Jews or Gentiles.
With reason, therefore, were the words „for all“ not used, as in this place the fruits of the Passion are alone spoken of, and to the elect only did His Passion bring the fruit of salvation. And this is the purport of the Apostle when he says: Christ was offered once to exhaust the sins of many; and also of the words of our Lord in John: I pray for them; I pray not for the world, but for them whom thou hast given me, because they are thine.
www.cin.org/…er/trent/tsacr-e.htm
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#3   ottaviani   15:07:37 | Dienstag, 14. November 2006
ich biete sehr günstige lateinstunden
die herren der kurie sind herzlich eingeladen
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#2   zwobbel   14:30:48 | Dienstag, 14. November 2006
vatikanische Realsatire
Wenn das stimmen sollte, wäre das ja ne echte Realsatire:
Der Papst will eine Definition, also bekommt er natürlich zwei !
Der jeweils andere Kongregationspräfekt ist der Böse und der Papst ist so klug als wie zuvor.
Zu welcher Erkenntnis die Altsprachler auch immer kommen mögen. Die Politikbeobachter kommen zu der Erkenntnis, daß Einigkeit eine im Vatikan fremdartige, ja unbekannte Sache ist.
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#1   Gastus   14:26:37 | Dienstag, 14. November 2006
– Gedanke dazu –
Es wird dargebracht für Alle die berufen sind. Und das werden nicht Viele sein.
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