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Mittwoch, 15. November 2006 15:38
Sind alle sexuellen Triebe gut?
Der Sexualität werden heute gesellschaftliche Heilswirkung und persönliche Erfahrungen der Transzendenz zugesprochen. Von Lisa Abelin.
Darstellung der Sodomie im England der frühen Neuzeit
Darstellung der Sodomie im England der frühen Neuzeit
(kreuz.net) Die Richtlinien zur Sexualerziehung der norddeutschen Länder folgen im Sexualkunde- unterricht nicht dem deutschen Grundgesetz und Bundes- verfassungsgericht, sondern rot-grünen Parteianliegen.

Die vorgeschriebenen Erziehungsziele „Mündigkeit“ und „sittliche Urteilskraft“ zum Beispiel sind in den Richtlinien von Hamburg und Nordrhein-Westfalen durch Orientierungsziele wie Ich-Stärke, Selbstbestimmung und sexuelle Identität abgelöst worden.

Diese Kategorien zeichnen sich aber dadurch aus, daß sie sittlich neutral und für Werte blind sind.

Das bedeutet, daß sexuelle Perversionen wie Sodomie und Masochismus ebenfalls als Ausdrucksformen der Sexualität begriffen und hingenommen werden.

Solche Formulierungen verweisen auf einen tieferliegenden anthropologischen Fehlansatz.

Die Hamburger Richtlinien schreiben der Sexualität euphorisch geradezu eine gesellschaftliche Heilswirkung und Transzendenzerfahrung zu:

„Lust kann Triebkraft des Lebens sein und Lebensmut erhöhen. Erotische Faszination und Erfahrung von Liebe steigern auch die geistig-seelischen Antriebskräfte des Menschen und ermöglichen ihm, seine Grenzen zu überschreiten und sich weiterzuentwickeln.“

In diesem Satz kommt zum ersten und einzigen Mal das Wort „Liebe“ vor, aber nur als Variation der Grundkategorie „Lust“.

Dieser Ansatz ist eine Umkehrung der Freudschen Lehre von der Sublimierung der Sexualität zu Kulturleistungen.

Das Böse der Sexualität – das „andere Gesicht“, wie die Hamburger Richtlinie sagt – „sexueller Mißbrauch, und sexuelle Gewalt, Prostitution, Pornographie“, kann durch diesen Ansatz nicht erklärt werden und kommt irgendwie von außen.

Dahinter steckt der Rousseausche Menschenbild, daß alles im Menschen „von Natur aus gut“ sei.

Aber schon der alte Sigmund Freud mußte eingestehen, daß alle (positive) libido von der (zerstörerischen) destrudo durchwirkt ist.

In religiös-christlicher Sprache ausgedrückt: die gute Schöpfung des Menschen ist erbsündlich belastet.

Bei der Sexualerziehung heißt das konkret, daß der Sexualtrieb wie jeder menschliche Trieb – Hunger, Bewegung etc. – weder gut noch böse ist, aber geformt, gelenkt und beherrscht werden muß, damit er für Individuum und Gesellschaft positiv wirkt und nicht gefährlich, gewalttätig und zerstörerisch wird.

Diese Dimensionen müssen bei der Sexualerziehung mitbedacht werden. Nur das ist eine realistische Sicht der Sexualität.

Für diese sittliche und kulturelle Formung des Sexualtriebs sind sittliche Normen und Werte notwendig, an denen sich die Urteilskraft orientiert.

Aber was ist sittlich geboten und was nicht?

Die Sexualerziehungsrichtlinie für das deutsche Bundesland Rheinland-Pfalz gibt dazu folgende Orientierung:

„Als Anhaltspunkt kann die Unterscheidung zwischen sozial tolerierbarem und sozial nicht tolerierbarem, strafrechtlich verfolgtem Sexualverhalten dienen.

So sind zu den sozial tolerierbaren Formen des Sexualverhaltens jene Verhaltensweisen zu zählen, die ohne physischen und psychischen Zwang vorkommen, zum Beispiel Homosexualität, Fetischismus.

Zu den sozial nicht tolerierbaren Formen der Sexualität zählen alle jene Formen, die mit Gewaltanwendung, körperlicher und seelischer Schädigung verbunden sind und daher strafrechtlich verfolgt werden: zum Beispiel Vergewaltigung, exzessiver Sadismus bis zu Körperverletzung aus sexuellen Motiven und anderen Perversionen, aber auch der Exhibitionismus“ (Seite 13).


Das schwedische Erziehungsministerium geht davon aus, daß Prostitution immer in Gewaltstrukturen eingebettet ist.

Als negative Abgrenzung reicht das Kriterium Tolerierbarkeit völlig aus. Es ersetzt aber nicht die positive sittliche Orientierung, die jedem Erziehungsprozeß innewohnen muß.

Der Maßstab für sittliche Entscheidungen im Zusammenhang der sexuellen Entwicklung ist und bleibt aber die Perspektive auf Ehe und Familie hin.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 83 Lesermeinungen:
Freitag, 24. November 2006 17:41
methusalix †: Dann bin ich aber froh,
Sulpicius:
Ist das ein Wunder? Scheußlich und unästhetisch ist diese Bekleidung…


dass Sie meine Tochter und meine Frau noch nicht in Jeans gesehen haben, auf dass Sie an Ihrer Meinung festhalten können und nicht, wie so vieles in unserer wunderbaren Religion, durch die Tatsachen widerlegt werden.
Freitag, 24. November 2006 14:26
Sulpicius: @Methu
Am liebsten würde er Mädchen das tragen von Jeans verbieten, wenn er könnte.

Ist das ein Wunder? Scheußlich und unästhetisch ist diese Bekleidung…
Freitag, 24. November 2006 14:10
Benedikt: @ Methusalix
Leider ist das hier:

dass eine rigide Moral heute kaum noch vermittelbar ist (aus gutem Grund) und daher auch kaum vermittelt wird?

Ihr ganz persönliches Wunschdenken


Nein, meine Erfahrung.

mit den Ansichten eines Andreas Laun oder Joachim Meisner relativ wenig bis nichts gemein hat. Diese beiden sind es aber die das Sagen in der Kirche haben; schon vergessen? Wir leben in einer Hierarchie

Herr Laun ist Weihbischof, was mit anderen Worten heißt, dass er (hierarchish gesehen) gar nichts zu sagen hat, da er auf eine untergegangene Diözese geweiht ist. Kardinal Meisner ist Bischof der Erzdiözese Köln. An deren Grenzen erlischt seine Macht. Da ich nicht in der Erzdiözese wohne…

Ganz abgesehen davon, dass Meisner und Laun sich sicher nicht nur mit Moraltheologie beschäftigen.

wenn er könnte

Nun ja. Er kann es eben nicht. Also muss einen das nicht interessieren. Die Privatmeinungen von Weihbischöfen ohne Jurisdiktionsbereich ist mir eigentlich regelmäßig egal.
Freitag, 24. November 2006 14:01
methusalix †: Lassen Sie es doch gut sein, Benedikt!
Wir alle wissen, dass Sie persönlich einem lockeren, geniesserischen Katholizismus frönen und allen anderen denselben gönnen.
Leider ist das hier:

dass eine rigide Moral heute kaum noch vermittelbar ist (aus gutem Grund) und daher auch kaum vermittelt wird?

Ihr ganz persönliches Wunschdenken, das mit den Ansichten eines Andreas Laun oder Joachim Meisner relativ wenig bis nichts gemein hat. Diese beiden sind es aber die das Sagen in der Kirche haben; schon vergessen? Wir leben in einer Hierarchie, in der Benedikt wenig bis nichts zu sagen hat, die Bischöfe dafür um so mehr. Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht damit, dass Laun und Meisner das alles nicht (mehr) so eng sehen. Ich kenne den Bischof Laun persönlich und er sieht das so eng, das können Sie mir glauben. Am liebsten würde er Mädchen das tragen von Jeans verbieten, wenn er könnte. Würde er, aus ersichtlichen Gründen, nie öffentlich zugeben, im privaten Gespräch tut er das sehr gerne.
Mittwoch, 22. November 2006 17:25
Benedikt: @ methusalix
Und den Sybariten dürfen Sie gerne mit leiser Ironie geniessen, Benedikt.

Warum sollte ich? Schließlich bin ich ein Genießer .

Ich hoffe nur, dass sich die „katholische“ Sexualmoral, wie sie sich in diesem Forum geriert und die Sie als nicht bezeichnend für die Gesamtkirche setzen, auch auf diese Typen beschränkt; habe da aber im Grunde wenig Hoffnung.

Und warum? Kommen Sie nicht vor die Tür oder ist Ihnen nur bloß aus anderen Gründen nicht aufgefallen, dass eine rigide Moral heute kaum noch vermittelbar ist (aus gutem Grund) und daher auch kaum vermittelt wird? Ich finde es einfach possierlich, dass Sie hier so tun, als würde der Weltklerus Woche für Woche von der Kanzel gegen die Verderbtheit der Sexualität predigen, obwohl Sie vermutlich selber genau wissen, dass dies praktisch nirgendwo der Fall ist.

Woher sollen Kleriker auch vernünftiges Wissen zu dem Thema haben?

Von ihrer Familie? Schließlich haben sie Vater und Mutter. Und die meisten Priester sind heutzutage Spätberufene. Von daher…
Mittwoch, 22. November 2006 17:11
methusalix †: Habe ich nie verheimlicht!
Benedikt: @ Methusalix

Wie Sie sicher wissen, ist dieses Forum nicht repräsentativ für die Kirche.

Sybarit

Heißen Sie nicht manchmal Obelix?


Und den Sybariten dürfen Sie gerne mit leiser Ironie geniessen, Benedikt.

Ich hoffe nur, dass sich die „katholische“ Sexualmoral, wie sie sich in diesem Forum geriert und die Sie als nicht bezeichnend für die Gesamtkirche setzen, auch auf diese Typen beschränkt; habe da aber im Grunde wenig Hoffnung. Woher sollen Kleriker auch vernünftiges Wissen zu dem Thema haben?
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