Eine vorkonziliare Quarantänestation?
Heute gibt es in der Kirche spezielle Bewilligungen für die Zelebration der Alten Messe. Diese Praxis ist aber sinnlos, wenn die Alte Messe gar nicht verboten ist.

Seit 1984 erlaubt der Vatikan einzelnen Priestern die Zelebration der Alten Messe. Wie soll man das verstehen, wenn die überlieferte Liturgie verboten wurde?
Dieses sogenannte Indult ist eigentlich unredlich. Denn als Katholik des lateinischen Ritus habe ich ein explizites Recht auf diesen Ritus.
Das wird von vielen Bischöfen offensichtlich anders gesehen…
Die vielfach entwürdigende Handhabung dieses Indultes durch einzelne Ordinarien spricht eine deutliche Sprache. Die von Johannes Paul II. sicher gut gemeinte Maßnahme ist letztlich an ihrer Undurchführbarkeit gescheitert, zumal sie auf Grund des objektiven Unrechtscharakters ein untaugliches Mittel zur Wiederherstellung der göttlichen Liturgie der Kirche ist.
Was brachte das Indult von 1984 für die Praxis?
Wenngleich ich mich über jede heilige Messe freue, die im überlieferten römischen Ritus gefeiert wird, muß ich doch sagen, daß das Indult bei vielen die irrige Vorstellung verstärkt hat, daß es sich bei der Alten Messe um etwas grundsätzlich Verbotenes handle, um das auf teilweise kafkaesk anmutenden Wegen der kirchlichen Bürokratie eigens angesucht werden muß, um dann bestenfalls eine mit vielen demütigenden Auflagen verbundene Sondergenehmigung für eine „vorkonziliare Quarantänestation“ zu erhalten.
Also doch verboten?
Jedenfalls spielt man damit jenen in die Hände, die auch heute noch die unhaltbare These vertreten, wonach die tausendfünfhundert Jahre alte römische Messe eigentlich verboten sei, und bestenfalls als Auslaufmodell für einige unverbesserliche Traditionalisten indulgiert werden könne. Dementsprechend gibt es im deutschen Sprachraum nur wenige rühmliche Ausnahmen, in denen die Bischöfe das Indult gemäß dem Willen des Heiligen Vaters großzügig handhaben. Ich erwarte mir eine eindeutige Klarstellung, daß die Bulle ‘Quo primum’ nie außer Kraft gesetzt wurde. Dann findet das ganze unwürdige Spiel mit dem Indult ein Ende.
Somit war das Indult von Anfang an eine Totgeburt?
Eigentlich schon. Ein elementares Recht in der Kirche, wie das auf den eigenen Ritus, kann doch nicht vom Wohlwollen eines einzelnen Ordinarius abhängen. Darum ist die Herstellung der Rechtssicherheit zum ehebaldigsten Zeitpunkt dringend geboten.
Wie sollte das gehen?
Es genügt die lapidare Wiederverlautbarung von Quo primum. Angesichts des „verwüsteten Weinberges“ – um einen Buchtitel Dietrich von Hildebrands zu zitieren, der das ganze schon vor Jahrzehnten glasklar auf den Punkt gebracht hat – ist es kein Wunder, daß sogar den hartgesottensten Fortschrittsaposteln ein Licht aufgeht.
Eine Götterdämmerung?
Schauen Sie sich einmal die Statistiken der Kirche in den deutschsprachigen Ländern an: Während vor dem Konzil, um 1960, unsere Kirchen an den Sonn- und Feiertagen bei den damals noch drei bis vier Messen gefüllt waren, werden Kirchen heute veräußert, stillgelegt und abgerissen, weil der neue anthropozentrische Kult niemanden mehr anspricht. Die Seminare und Ordenshäuser stehen leer. Viele Berufungen gehen verloren. Man fragt sich, was noch alles passieren muß, bis endlich eine wirkliche Trendwende, wie sie der Heilige Vater von den österreichischen Bischöfen bei ihrem letzten Ad limina Besuch einforderte, einsetzt. Es bricht doch auch einem Bischof keine Perle aus der Mitra, wenn er zugibt, daß vieles in den letzten vierzig Jahren falsch gelaufen ist, und man daher wieder zu den geheiligten Traditionen zurückkehrt.
Sehen Sie eine Resignation bezüglich der sogenannten Liturgiereform?
Ganz gewiß. Jedermann erkennt doch heute, daß sich keine der in die Liturgiereform gesetzten Erwartungen erfüllt hat – schon gar nicht bezüglich des Ökumenismus. Den Protestanten ging es wie immer nicht weit genug. Die Orientalen sind entsetzt darüber, was wir aus unserer Liturgie gemacht haben. Wenn unser Herr uns im Evangelium mahnt, nach den Früchten zu urteilen, dann kann man aufgrund der ungenießbaren Früchte der Liturgiereform nur sagen: Hier ist etwas falsch gelaufen.
Eine Bilanz?
Etwas salopp formuliert, könnte man sagen, man hat die Rechnung ohne den Wirt – in diesem Fall ohne Gott – gemacht. Liturgie ist schließlich in erster Linie die von der Kirche unter der Anleitung des Heiligen Geistes im Laufe der Jahrhunderte festgelegte Form der Gottesverehrung, aus der man nicht per Dekret eine Gemeindeversammlung mit – schlechtem – katechetischem Inhalt unter der Leitung eines Animateurs machen kann, um sich dann zu wundern, daß niemand mehr daran teilnehmen will.
Hw. Siegfried Lochner ist Militärsuperior an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt.
© Bild: Latin-Mass-Society.org
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Dienstag, 21. November 2006 19:25
Benedikt: @ Heggi
Wir sprechen nicht von der Ungültikeit der Messe, sondern von der mangelnden Würde. Niemand würde und
könne ernsthaft behaupten, die Kirche hätte mit dem NOM eine ungültige Messe geschaffen. Das wäre
doch absurd, der Kirche so etwas zu unterstellen.
Aus dieser angeblich mangelnden Würde liest P. Mählmann FSSPX, der bestreitet, dass der Messritus katholisch ist, ab, dass niemand ohne Schuld bleiben kann, der an ihm aktiv teilnimmt. Mit anderen Worten: Derjenige begeht eine Sünde, der am approbierten Ritus der Kirche teilnimmt, was ungefähr 99,99% der Katholiken sein dürften.
Ich lass das auch mal so stehen.
Aus dieser angeblich mangelnden Würde liest P. Mählmann FSSPX, der bestreitet, dass der Messritus katholisch ist, ab, dass niemand ohne Schuld bleiben kann, der an ihm aktiv teilnimmt. Mit anderen Worten: Derjenige begeht eine Sünde, der am approbierten Ritus der Kirche teilnimmt, was ungefähr 99,99% der Katholiken sein dürften.
Ich lass das auch mal so stehen.
Montag, 20. November 2006 13:25
Agiafortuni: Heggi
der NOM ist nur dann gültig, wenn ein Priester ihn mit der Absicht liest, das zu tun, was die Kirche immer tat, nämlich das Sühneopfer unseres Herrn und Erlösers zu vollbringen. Aus dem NOM kann es nicht herausgelesen werden. Aus dem NOM selbst geht dies nicht eindeutig hervor und daher muss er – obschon man ihm formell keine Häresie nachweisen kann – als unzulänglich zurückgewiesen werden. Paul VI, dies steht eindeutig fest, wollte damit eine Annäherung an die Protestanten erreichen und war dafür bereit, denn alten Ritus ausser Kraft zu setzen bezw. einem Indult zu unterstellen.
Sonntag, 19. November 2006 22:09
Heggi: Benedikt
Ein Pater von FSSPX hat jetzt ganz frisch zur Äußerung von Lehman, die Verfechter der alten Messen würden
die Ungültigkeit des NOM behaupten, (fast wörtlich) gesagt: Kardinal Lehmann verdreht die Dinge leider.
Wir sprechen nicht von der Ungültikeit der Messe, sondern von der mangelnden Würde. Niemand würde und
könne ernsthaft behaupten, die Kirche hätte mit dem NOM eine ungültige Messe geschaffen. Das wäre
doch absurd, der Kirche so etwas zu unterstellen.
Ich denke, das darf zunächst ohne Kommentar so stehen bleiben.
Ich denke, das darf zunächst ohne Kommentar so stehen bleiben.
Sonntag, 19. November 2006 15:48
Benedikt: @ Dr. Regazzoni
wenn Sie kein Ideologe sind, was sind Sie dann? Bestimmt nicht katholisch
Na, immerhin maße ich mir kein göttliches Wissen an, wie Sie hier. Die Frage, ob mit dem NOM ein neuer Ritus approbiert wurde, oder lediglich die Überarbeitung des Missale Romanum ist, ist keine Glaubensfrage.
Verblendete Ideologen wie Sie machen aus jeder Frage gleich eine Glaubensfrage, auch wenn Sie gar nichts damit zu tun hat. Ihnen gefällt der NOM nicht, folglich muss er irgendwie ungültig sein. Das ist eine vollkommen egomane und letztlich irrationale Vorgehensweise.
Die Unfähigkeit, sich mit den Mängeln der Liturgie auseinanderzusetzen, ohne immer gleich das totschlagende „Ungültig!“-Argument zu fahren, darf man ja in ihren Kreisen recht häufig betrachten. Nichts schwächt die Position des Traditionalismus mehr, als diese letztlich nichtige Argumentation. Die Traditionalisten selbst sind es, die es ihren Gegnern leicht machen.
Das nächste ist die Unfähigkeit, die eigene Position gegenüber anderen Argumenten zu verteidigen. Sie bilden da keine Ausnahme. Statt die Argumente der andere zu widerlegen, kommt auf kurz oder lang die Abstempelung des Gegenübers als „Modernist“, „Liberaler“ oder gar „Nichtkatholik“. Sachzusammenhang: Fehlanzeige. Reichlich hilfloses Gebahren für Ihre angeblich überlegene Sichtweise, finden Sie nicht?
Na, immerhin maße ich mir kein göttliches Wissen an, wie Sie hier. Die Frage, ob mit dem NOM ein neuer Ritus approbiert wurde, oder lediglich die Überarbeitung des Missale Romanum ist, ist keine Glaubensfrage.
Verblendete Ideologen wie Sie machen aus jeder Frage gleich eine Glaubensfrage, auch wenn Sie gar nichts damit zu tun hat. Ihnen gefällt der NOM nicht, folglich muss er irgendwie ungültig sein. Das ist eine vollkommen egomane und letztlich irrationale Vorgehensweise.
Die Unfähigkeit, sich mit den Mängeln der Liturgie auseinanderzusetzen, ohne immer gleich das totschlagende „Ungültig!“-Argument zu fahren, darf man ja in ihren Kreisen recht häufig betrachten. Nichts schwächt die Position des Traditionalismus mehr, als diese letztlich nichtige Argumentation. Die Traditionalisten selbst sind es, die es ihren Gegnern leicht machen.
Das nächste ist die Unfähigkeit, die eigene Position gegenüber anderen Argumenten zu verteidigen. Sie bilden da keine Ausnahme. Statt die Argumente der andere zu widerlegen, kommt auf kurz oder lang die Abstempelung des Gegenübers als „Modernist“, „Liberaler“ oder gar „Nichtkatholik“. Sachzusammenhang: Fehlanzeige. Reichlich hilfloses Gebahren für Ihre angeblich überlegene Sichtweise, finden Sie nicht?
Sonntag, 19. November 2006 15:16
Bernd Stromberg: @Benedikt
Ich habe Ihre Argumentation gelesen und kann bin genau derselben Meinung. Das Missale Romanum von 1970
ist die revidierte Fassung des Missale Romanum von 1962 bzw. 1965 und tritt an dessen Stelle. Wohlgemerkt:
Ich schätze die Alte Liturgie sehr und würde mir ein „Generalindult“ aus tiefstem Herzen sehr wünschen.
Aber auch die „Neue Liturgie“ lehne ich aber keineswegs ab – ich nehme an ihr in der Regel teil – sofern
sie würdig und erhaben vollzogen wird, ohne „modische Spektakel“ mit erfundenen Hochgebeten und lärmender
Rockmusik. Dass ich in der „Neuen Liturgie“ nahezu regelmäßig die Lateinische Sprache vermissen muss,
hat ja nichts mit der offiziellen Gesetzgebung der Kirche zu tun, sondern mit dem Zeitgeistdenken so mancher
„moderner“ Kleriker.
Die neuen liturgischen Bücher sind selbstverständlich voll gültig. Man kann wohl hier und da überlegen, ob gewisse Streichungen wirklich notwendig waren, aber dies ist eine ganz andere Frage, die zu diskutieren vollkommen legitim ist.
Im übrigen sind Sie wirklich kein „Halbgebildeter, der glaubt katholisch zu sein“. Es gibt in diesem Forum leider ziemlich viele Halbgebildete, und zwar auf beiden Seiten, den harten Tradis wie den 68er Progressisten – ich denke, jeder weiß, wer gemeint ist. Ich verfolge Ihre Postings aufmerksam und Sie argumentieren sehr kenntnisreich und ganz und gar katholisch. Dieses Forum bräuchte mehr von Ihrem Schlage und weniger „halbgebildete Ideologen“. Lassen Sie sie sich nicht entmutigen. Weiter so!!!
Die neuen liturgischen Bücher sind selbstverständlich voll gültig. Man kann wohl hier und da überlegen, ob gewisse Streichungen wirklich notwendig waren, aber dies ist eine ganz andere Frage, die zu diskutieren vollkommen legitim ist.
Im übrigen sind Sie wirklich kein „Halbgebildeter, der glaubt katholisch zu sein“. Es gibt in diesem Forum leider ziemlich viele Halbgebildete, und zwar auf beiden Seiten, den harten Tradis wie den 68er Progressisten – ich denke, jeder weiß, wer gemeint ist. Ich verfolge Ihre Postings aufmerksam und Sie argumentieren sehr kenntnisreich und ganz und gar katholisch. Dieses Forum bräuchte mehr von Ihrem Schlage und weniger „halbgebildete Ideologen“. Lassen Sie sie sich nicht entmutigen. Weiter so!!!
Sonntag, 19. November 2006 14:37
Agiafortuni: Benedikt
wenn Sie kein Ideologe sind, was sind Sie dann? Bestimmt nicht katholisch sondern höchstens ein Halbgebildeter der glaubt katholisch zu sein. Prälat Lochner und Heggi besitzen bestimmt die grössere Kompetenz als Sie
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