Einzigartig
Der nationalsozialistische Massenmord an Juden war ebenso einzigartig wie der alliierte Bombenkrieg gegen deutsche Zivilisten. Von Leo G. Schüchter.

Papst Benedikt XVI. hatte bei seinem Besuch in Auschwitz-Birkenau der Opfergruppen von Juden, Zigeunern, Polen, Russen und anderer gedacht.
Diese Aneinanderreihung von Opfergruppen ist dem Papst von gewissen Medien teilweise als „relative Gleichstellung“ verübelt worden.
Er habe damit die Einzigartigkeit des millionenfachen Judenmords relativiert.
Bei diesem Vorwurf der politischen Korrektheitsrichter sitzt der Papst neben dem Philosophen Theodor W. Adorno († 1969) auf der Anklagebank.
Adorno hatte 1966 daran erinnerte, daß der Massenmord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg eine Vorstufe für den Massenmord an den europäischen Juden im Zweiten Weltkrieg darstellte.
Heute würde Adorno für diese historische Analogie politisch gesteinigt werden.
Gewisse mediale Großzensoren in Deutschland verlangen von den Medien und von jedem Bürger, daß der nationalsozialistische Massenmord an den europäischen Juden als einzigartige Singularität zu bekennen sei.
Das Problem besteht allerdings darin, zu definieren, was unter Einzigartigkeit zu verstehen ist.
Jedes historische Großereignis ist einzigartig.
Die Schreckensherrschaft der Französischen Revolution mit 40.000 Geköpften war sicherlich einzigartig.
Napoleon sagte nach dem Verlust von 800.000 Soldaten im Rußlandfeldzug: „Ich bin im Feld aufgewachsen. Ein Mann wie ich schert sich wenig um das Leben einer Million Menschen.“
Im Ersten Weltkrieg sind zehn Millionen Soldaten in den schrecklichen Stellungskriegen verblutet.
Nein, die besondere Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung bestehe darin, sagen die Wächter der Singularität, ein ganzes Volk im Herrschaftsbereich der Täter auslöschen zu wollen – also deren Genozid-Charakter.
Das trifft allerdings auch für die 500.000 von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma zu.
Die jungtürkische Regierung hatte 1915 ebenfalls die Absicht, die 1,5 Millionen Armenier in ihrem Herrschaftsgebiet zu vernichten.
Tatsache ist auch, daß die weißen Kolonialisten Nordamerikas mehr als die Hälfte der ungefähr 600 Indianer-Völker zum Verschwinden gebracht haben.
Die planmäßige Vorbereitung und fabrikmäßige Durchführung der Massenvernichtung der Juden im Zweiten Weltkrieg sei die singuläre Einzigartigkeit – so eine weitere Version.
Als wenn die nationalsozialistische Ermordung von 2,5 Millionen polnischen Intellektuellen und Bürgern weniger planmäßig abgelaufen und deshalb nicht einzigartig wäre.
Die planmäßige Erfassung und fabrikmäßige Liquidierung von 150.000 behinderten und kranken Deutschen in Gaskammern und mit Giftspritzen war sozusagen die Generalprobe für den Judenmord.
Dieser monströse nationalsozialistische Massenmord an wehrlosen Kranken und Behinderten war und ist sicherlich welthistorisch einmalig.
Gelegentlich schieben die Vertreter der Singularitätsthese die Behauptung nach, die Vernichtung der sechs Millionen Juden sei aus der Mitte eines hochstehenden Kulturvolkes begangen worden und insofern ein unvergleichlicher Zivilisationsbruch.
Doch stand das russische Kulturvolk auf einer niedrigeren Zivilisationsstufe, als Stalin und seine Millionen willigen Vollstrecker mehr als zehn Millionen Mitbürger liquidierten?
Waren die Chinesen kein hochstehendes Kulturvolk, als aus ihrer Mitte Mao Tse Tung und seine roten Parteigarden Zigmillionen Bürger umbrachten?
Der Schriftsteller Jörg Friedrich, der den Bombenkrieg gegen deutsche Städte nüchtern beschrieben und bilanziert hat, wurde gefragt, ob er die Einzigartigkeit des Holocausts anerkenne.
Seine Antwort: Wie der Bombenkrieg mit seinen 500.000 deutschen Opfern einzigartig war, so erkenne ich auch die nationalsozialistische Judenvernichtung als einzigartig an.
Es bleibt dabei: Der furchtbare Vernichtungsfeldzug von nationalsozialistischen Organisationen an ungefähr sechs Millionen europäischen Juden ist einzig in seiner Art, aber – leider – kein unvergleichliches Verbrechen.
Es rechtfertigt die verbreitete Tendenz der politischen Korrektheitszensoren nicht, andere Menschheitsverbrechen explizit oder implizit als „weniger schlimm“, „von geringerer moralischer Bedeutung“ oder „von niedrigerem Erinnerungswert“ herabzustufen oder gar zu leugnen.
Sämtliche Artikel weiterlesenWeiterlesen:
Dienstag, 20. Februar 2007 22:07
Lorenz: Goldhagens Kommentar der Auschwitzrede in DIE WELT – eine Replik
Goldhagens in der Zeitung die Welt vorgetragene Kritik an B XVI.’ Auschwitzrede, wonach der Papst von der Kollektivschuld der Deutschen abgelenkt und das deutsche Volk als von einer Schar gewalttätiger Machthaber verführt dargestellt habe, ist falsch: Weil B XVI. gleich zu Anfang seiner Rede die Singularität der Shoah anerkannte, kann er die Kollektivschuld nicht auch noch herausstellen. Beides geht nicht. Die Betonung der Kollektivschuld stünde einer Relationierung von Schuld entgegen. Die Kollektivschuld der Deutschen zum führenden Insignium der Shoah zu erklären, hieße auch, Auschwitz einzusortieren in eine Unzahl kollektiv begangener Verbrechen der Menschheit. Der politisch instrumentalisierte Verfolgungs- und Skandalisierungsrausch eines einmütigen Kollektives ist nun wirklich nichts Singuläres. Für ein kollektives Verbrechen bedarf es immer eines ersten Steines. Den ersten Stein hat das deutsche Volk aber nicht als Ganzes geworfen. Dieses Geschoss wurde von Machtopportunisten, die von Nietzscheanern, Sozialdarwinisten und Rassengnostikern beeinflusst waren und sich in der NS-Partei ihre Plattform geschaffen haben, abgeschossen. Indem Benedikt auf die Verführtheit der Masse besteht, sagt er auch, dass es Schuldigere und weniger Schuldige gegeben hat. Er verteidigt die Würde der Opfer von Auschwitz also gleich zweimal vor Entdifferenzierung und Relativierung. Was soll man von einem Papst anderes erwarten, als dass er verlangt, dass wir auf die eigene Schuld zuerst blicken
Donnerstag, 23. November 2006 16:17
kali: Israel Shahak
Jedenfalls hat dieser gute Mann ein schönes Buch geschrieben. Da er sein eigenes Volk, in seiner Geschichte
und seiner Religion und deren Auslegung, sowie das Verhältnis zu anderen Menschen (Tiere) anderer Völker,
sehr gut beschreibt, könnte ich mir vorstellen, daß sein Buch in der BRDDR nicht vertrieben werden darf.
Wo kämen wir auch hin, wenn in der BRDDR sich jeder über solche Dinge informieren könnte?
Wer dort einiges gelesen hat, kann sich dann auch erklären, warum fast alle Völker der Erde bessere und aufrichtigere Freunde haben.
Wer dort einiges gelesen hat, kann sich dann auch erklären, warum fast alle Völker der Erde bessere und aufrichtigere Freunde haben.
Donnerstag, 23. November 2006 10:31
Lord Werther: @Malle im Kopp
Naja… jeder Idiot darf einen Wiki-Artikel schreiben (deswegen kann man das ja leider nicht wirklich
oder nur in bestimmten Bereichen nutzen.), daher ist Wiki eh nicht alleine und nur mit besonderem Vorwissen
zu genießen.
Ferner würde mich interessieren, was das Adelaid Institut überhaupt ist. Es ist die erste Seite eines (angeblichen) Instituts, die ich je gesehen habe, die bunt strahlend, sehr schlecht aufgemacht ist (der Quellcode ist ja wirklich…), und auch recht zweifelhafter Herkunft (Logo etc.?)
Sorry, aber da biste wohl auf etwas reingefallen.
Ferner würde mich interessieren, was das Adelaid Institut überhaupt ist. Es ist die erste Seite eines (angeblichen) Instituts, die ich je gesehen habe, die bunt strahlend, sehr schlecht aufgemacht ist (der Quellcode ist ja wirklich…), und auch recht zweifelhafter Herkunft (Logo etc.?)
Sorry, aber da biste wohl auf etwas reingefallen.
Donnerstag, 23. November 2006 10:16
Malachias †: @kali: Israel Shahak ist nicht Israel Shamir…
…auch wenn die Namen sehr ähnlich klingen! Bin allerdings auch schon auf die Namensähnlichkeit hereingefallen…!
Näheres zu Israel Shamir:
deutsche Wikipedia,
die mehrsprachige Homepage,
Artikel bei Adelaide Institute (engl.)
Nähere Infos zu Israel Shahak:
– Biographie: Siehe letzter Eintrag von kali!
– Rezension zu seinem aufschlußreichen Buch „Jüdische Religion – Jüdische Geschichte“ von Harm Menkens in den „Vierteljahreshefte(n) für freie Geschichtsforschung“: VffG 1/2000
– Das Buch „Jüdische Religion – Jüdische Geschichte“ online bei Radio Islam
Viel Gewinn beim !:) !
Näheres zu Israel Shamir:
deutsche Wikipedia,
die mehrsprachige Homepage,
Artikel bei Adelaide Institute (engl.)
Nähere Infos zu Israel Shahak:
– Biographie: Siehe letzter Eintrag von kali!
– Rezension zu seinem aufschlußreichen Buch „Jüdische Religion – Jüdische Geschichte“ von Harm Menkens in den „Vierteljahreshefte(n) für freie Geschichtsforschung“: VffG 1/2000
– Das Buch „Jüdische Religion – Jüdische Geschichte“ online bei Radio Islam
Viel Gewinn beim !:) !
Mittwoch, 22. November 2006 12:30
kali: Die Vita von Israel Shahak
Geboren am 28. April 1933 in Warschau, Polen.
Von Ende 1939 bis April 1943 im Warschauer Ghetto.
Von April 1943 bis Ende Juni 1943 Konzentrationslager Poniatowo (Polen) und Versteck in Warschau.
von Ende Juni 1943 bis April 1945 Konzentrationslager Bergen-Belsen (in Deutschland). 8. September 1945: Ankunft in Palästina.
1945 – 1947: Internat Kefar Hanoar Hadati (in der Nähe von Haifa). 1947 – 1951: Gymnasium Herzliya, Tel Aviv.
1951 – 1953: Dienst in der israelischen Armee.
1953 – 1961: Studium an der Hebräischen Universität Jerusalem, Abschluß als Ph.D. [Dr.rer.nat.] in Organischer Chemie.
1961 – 1963: Studium der Organischen Chemie nach dem Doktorexamen an der University of Stanford, Kalifornien, USA.
1963 – 1971: Hebräische Universität in Jerusalem, Dozent, Senior Lecturer und Außerordentlicher Professor der Anorganischen Chemie.
1968: Beginn des Engagement bei der Verteidigung der Menschenrechte sowohl in Israel als auch in den besetzten Gebieten. Gewählt als Vorsitzender der Israelischen Liga für Menschen- und Bürgerrechte im Jahre 1970. Mehrere Male wiedergewählt bis in die 90er Jahre hinein. Veröffentlichte seit jener Zeit viele Artikel und Berichte über die Menschenrechte und die israelische Politik im allgemeinen und auch in der hebräischen Presse. Viele davon handeln von der jüdischen Religion.
1971 – 1972: Sabbatjahr im Imperial College, London.
1972 – 1986: Tätig an der Hebräischen Universität in Jerusalem, Ruhestand im Jahre 1986.
Von Ende 1939 bis April 1943 im Warschauer Ghetto.
Von April 1943 bis Ende Juni 1943 Konzentrationslager Poniatowo (Polen) und Versteck in Warschau.
von Ende Juni 1943 bis April 1945 Konzentrationslager Bergen-Belsen (in Deutschland). 8. September 1945: Ankunft in Palästina.
1945 – 1947: Internat Kefar Hanoar Hadati (in der Nähe von Haifa). 1947 – 1951: Gymnasium Herzliya, Tel Aviv.
1951 – 1953: Dienst in der israelischen Armee.
1953 – 1961: Studium an der Hebräischen Universität Jerusalem, Abschluß als Ph.D. [Dr.rer.nat.] in Organischer Chemie.
1961 – 1963: Studium der Organischen Chemie nach dem Doktorexamen an der University of Stanford, Kalifornien, USA.
1963 – 1971: Hebräische Universität in Jerusalem, Dozent, Senior Lecturer und Außerordentlicher Professor der Anorganischen Chemie.
1968: Beginn des Engagement bei der Verteidigung der Menschenrechte sowohl in Israel als auch in den besetzten Gebieten. Gewählt als Vorsitzender der Israelischen Liga für Menschen- und Bürgerrechte im Jahre 1970. Mehrere Male wiedergewählt bis in die 90er Jahre hinein. Veröffentlichte seit jener Zeit viele Artikel und Berichte über die Menschenrechte und die israelische Politik im allgemeinen und auch in der hebräischen Presse. Viele davon handeln von der jüdischen Religion.
1971 – 1972: Sabbatjahr im Imperial College, London.
1972 – 1986: Tätig an der Hebräischen Universität in Jerusalem, Ruhestand im Jahre 1986.
Mittwoch, 22. November 2006 12:29
Dr. Christoph Heger: @Sirilo
Sich zu befassen mit dem, *was* jemand sagt, ist nur sinnvoll, wenn man sich zuvor von seiner Glaubwürdigkeit
überzeugt hat. Mit den Aussagen eines Lügners, Desinformators und agent provocateurs zu befassen, führt
nur in die Irre.
Nein, das halte ich für falsch.
Erstens ist es allgemeine Erfahrung, daß auch ganz bösartige Menschen – zum Beispiel als Wissenschaftler – mitunter Wichtiges zu sagen haben, das zu vernachlässigen ganz falsch wäre.
Zweitens ist mit der Verdächtigungsstrategie, warum jemand etwas gesagt haben soll, die Aufgabe noch nicht erledigt, zu dem Stellung zu nehmen oder auch zu widerlegen, was er gesagt hat.
MfG
Christoph Heger
Nein, das halte ich für falsch.
Erstens ist es allgemeine Erfahrung, daß auch ganz bösartige Menschen – zum Beispiel als Wissenschaftler – mitunter Wichtiges zu sagen haben, das zu vernachlässigen ganz falsch wäre.
Zweitens ist mit der Verdächtigungsstrategie, warum jemand etwas gesagt haben soll, die Aufgabe noch nicht erledigt, zu dem Stellung zu nehmen oder auch zu widerlegen, was er gesagt hat.
MfG
Christoph Heger
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.
