13:48:25 | Samstag, 18. November 2006
Das Bistum Fulda bietet derzeit ein Bild totaler Zerrissenheit. Die Priesterschaft ist in drei Gruppen gespalten. Ein Kommentar von Ilo Mair-Zapf.

Mons. Heinz Josef Algermissen
(kreuz.net, Fulda) Die erste Gruppe von Fuldaer Priestern gehört zur sogenannten
‘Kirche von unten’.
Diese Gruppe jubelt. Endlich können sich ihre Mitglieder und Sympathisanten outen.
Was unter Erzbischof
Johannes Dyba († 2000) im Bistum nur als Wühlarbeit unter der Decke möglich war, wird durch Bischof
Heinz Josef Algermissen endlich öffentlich anerkannt und unterstützt.
Eine zweite Gruppe – in Teilen
personalgleich mit der ersten – paßt sich einfach nur an.
Ihre auf Wirkung bedachten Vertreter üben
sich in öffentlichen Lobeshymnen auf Bischof Algermissen und seine Maßnahmen. So geschehen im
Dekanat
Eschwege.
Man kann vermuten, daß damit die eigene Karriere gefördert werden soll. Auf jeden Fall garantiert
eine solche Anpassung ein ruhiges Leben.
Als kleines Häuflein bleibt eine dritte Gruppe übrig. Sie
wagt es – selten laut und offen – Kritik zu üben. Obwohl diese Gruppe die besten Argumente hat, wird
sie mit Strafaktionen bedacht und muß mit weiteren Sanktionen rechnen. Man denke nur an die Patres der
Diener Jesu und Mariens.
In einem Staat würde man die Verhältnisse im Bistum Fulda ohne zu zögern
als Diktatur bezeichnen.
Ideologisierte Jubler und Profiteure, Mitläufer und Angepaßte sind typisch
für eine solche Staatsform.
Daneben gibt es jene, die sich für die Wahrheit und das tatsächliche Interesse
der Menschen einsetzen, aber dafür verfolgt und ausgegrenzt werden.
Es gibt keine Diktatur ohne einen
Diktator – also einen Menschen mit unbeschränkter Macht, der von niemandem kontrolliert wird.
Ist es
übertrieben, in Bischof Algermissen einen solchen Menschen zu sehen?
Das kirchliche Recht benennt die
Pflichten eines Bischofs zwar genau. In diesem Rahmen kann er sehr unabhängig schalten und walten.
Wer
kontrolliert aber, ob er sich an den ihm gesetzten Rahmen hält?
Die Priester im Bistum versprechen ihrem
Ortsbischof bei der Weihe Gehorsam.
Doch wer kontrolliert den Bischof und schützt die Priester, wenn
der Bischof dieses Versprechen mißbraucht, um Priester seines Bistums zu unterdrücken und ungerechte
Strafen über sie zu verhängen?
Wer sorgt ferner dafür, daß die Gläubigen kirchentreu unterwiesen
und die Sakramente auf rechte Weise gespendet werden, wenn sich der Bischof nicht darum kümmert?
Wem
wird hier nicht der vom Bischof von Fulda mit Brachialgewalt und Zwang durchgedrückte ‘Pastorale Prozeß’
einfallen?
Der Bischof behauptet, der ‘Pastoral Prozeß’ sei eine Antwort auf den Priestermangel in der
Diözese Fulda. Glaubt man aber den veröffentlichten Zahlen der Diözese, dann gibt es den nachweisbar
nicht.
Auch der Rausschmiß der drei SJM-Patres, welchen Pressesprecher Ohnesorge beschönigend als „Entpflichtung“
bezeichnet, zeigt, daß diese Behauptung nicht wahr, sondern absurd ist.
Die Entlassung scheint ein taktisches
Manöver zu sein.
Man will von der eigentlichen Problematik ablenken: von der Zerschlagung des Bistums
durch den Bischof und seine Helfer im ‘Pastoralen Prozeß’.
Wie schon in der gesamten Vorbereitung des
‘Prozesses’ zeigt sich hier wieder, daß dieser Bischof nicht in der Lage ist, mit den Betroffenen offen
und ehrlich zu reden – weder mit den Priestern, noch den Gläubigen.
Mons. Algermissen scheint zum Dialog,
den er ständig fordert, unfähig zu sein. Auch Kompromisse kennt er offenbar nicht.
Ihm scheint nur
bewußt zu sein, daß er Macht über Menschen besitzt.
Um das Ablenkungsmanöver, zu kaschieren zieht
man alte Hüte hervor:
Was der unheilige Konzilsgeist der ‘Kirche von unten’ „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“
nannte, heißt jetzt ideologiebeladen „befreiende Botschaft Jesu Christi“ gegen „angstmachende Theologie“.
So ändert man die Worte. Der Nullinhalt bleibt gleich.
Ein Bischof sollte aber wissen und dafür einstehen,
daß es nur die unveränderliche Botschaft Jesu Christi gibt – verkündet vom römischen Lehramt.
Diesem
Lehramt ist jeder Bischof und jeder Gläubige unterworfen sowie Gehorsam schuldig, sonst steht er außerhalb
der Kirche.
Hält sich ein Bischof nicht daran und auch nicht an seine Aufgaben, wie sie das Kirchenrecht
festlegt, kann er keinen Gehorsam für sich und seine Anordnungen verlangen, weder von seinen Priestern,
noch von den Gläubigen.
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