Seit dreißig Jahren fallen österreichische Kinder der legalisierten Abtreibung zum Opfer
Vor 30 Jahren stürzten österreichische Politiker ihre ungeborenen Kindern in einen rechtsleeren Raum. Der Schutzzaun des Gesetzes wurde niedergerissen und durch einen Paragraphen ersetzt, der alles erlaubt. Ein Märchen, nach Weihbischof Andreas Laun, Salzburg.
(kreuz.net, Wien) In grauen Vortagen, vor langer, langer Zeit, geschah es, daß ein Wolf in Gottes Schöpfung
zum ersten Mal ein Schaf riß und samt Haut und Knochen auffraß. Die Schafe waren bestürzt und ganz
ohne Rat: Was war in einer solchen Situation zu tun?
Ein Schaf hatte eine Idee. Ein ökologisches Komitee
sollte sich um die Aussöhnung mit der Wolfsherde bemühen. Gesagt getan. Die Konsequenzen waren verheerend.
Von den zwölf Mitgliedern der Schafsdelegation überlebte keines die heikle Mission.
Darum errichteten
die Schafe Zäune mit scharfen Spitzen. Diese boten zwar keinen absoluten Schutz, aber die Wolfsbande
hatte beträchtliche Mühe sie zu überwinden. Meistens hielt der Zaun und nicht selten verletzte sich
ein hungriger Wolf daran.
Besonders gefährdet waren die ganz kleinen Schafe. Sie hatten noch keine Hörner
wie die größeren und konnten sich deshalb kaum wehren. Auch ihr Weideplatz war von dem Schutzzaun umgeben.
Doch wenn es einem Wolf gelang, sich durch die Drähte oder unter den Zäunen hindurchzuzwängen, hatten
sie keine Chance. So manches kleine Lamm mußte sein junges Leben lassen.
Dennoch. Der Zaun konnte das
Schlimmste verhindern.
„Wir können zwar keinen absoluten Schutz garantieren. Das ist aber kein Grund,
um nachlässig zu werden“, meinten die Schafe auf ihrer jährlichen Vollversammlung. Fleißig erneuerten
sie ihre Schutzanlagen Tag um Tag.
Eines Morgens erschien eine Gesandtschaft der Wölfe am Tor des Geheges
und wollten mit den zuständigen Oberschafen verhandeln. „Natürlich können wir euch, liebe Schafe, sehr
gut verstehen. Wir wollen euer Schafsrecht auf ein ungestörtes, friedliches Leben achten.“
Ein Raunen
ging durch die Schafsmenge.
Der Sprecher der Wölfe fuhr nach einer eleganten rhetorischen Kunstpause
fort. „Aber, geliebtes Schafsvolk, ihr müßt auch uns verstehen. Der Zaun, mit dem ihr eure winzigen
Schafskindlein umgebt, ist für uns nicht annehmbar. Was soll dieser Zaun? Wollt ihr vielleicht behaupten,
daß diese Dinger richtige Schafe sind? Richtige Schafe seid nur ihr, geschätzte Ratsherrn, ihr die großen,
starken Schafe mit den gekrümmten Hörnern. Ihr selbst nennt diese kleinen Dinger hinter dem Zaun doch
auch nicht ‘Schafe’, sondern bloß ‘Lämmer’.“ Bei diesen Worten verneigte sich der Sprecher der Wölfedelegation
mit Eleganz, um der Schafswürde der richtigen Schafe seinen ungeteilten Respekt zu zollen.
Wieder ging
ein Raunen durch die Schafsmenge.
„Hört, hört. Die Wölfe sind gar keine so schlechten Tiere.“ Bevor
die Schafe ihre Gedanken zu Ende denken konnten, setzte der Sprecher der Wölfedelegation mit weinerlicher
Stimme erneut an.
„Immer wieder kommt es vor, daß sich einer der Unsrigen verletzt.“ Der redende Wolf
gab mit seiner Pfote ein Zeichen. Da humpelte ein schwer verletzter Wolf in die Mitte. „Seht selbst“,
rief der Wolf pathetisch in den Raum: „Eure Zäune sind ein direkter Angriff gegen uns. Wollt ihr weiterhin
unschuldiges Blut vergießen.“
Der Auftritt verfehlte seine Wirkung nicht. Die ersten Schafe begannen
sich still Vorwürfe zu machen: „Wölfe sind einfach anders. Das muß man akzeptieren. Wie konnten wir
so herzlos sein und eine Gemeinheit wie einen Stacheldrahtzaun überhaupt errichten.“
„Wie kann Frieden
werden, zwischen uns und euch, wenn ihr uns derartig behandelt?“, fragte Sprecher Wolf vorwurfsvoll und
mit vielen Tränen in den Augen: „Außerdem. Was nützen eure Zäune? Wenn ein Wolfsmagen knurrt, kommt
er mit oder ohne Zaun in euer Gehege.“
Die Schafe schauten einander verwirrt und verblüfft an.
Nach
einer erneuten Kunstpause, schlug der Wolf eine Lösung vor. „Wir wollen die kleinen Lebewesen, die ihr
‘Lämmer’ nennt, gar nicht auffressen. Wir Wölfe wollen einzig und allein, daß der bedrohliche und nutzlose
Zaun rund um die Lebewesen entfernt wird. Natürlich hat jeder ein Lebensrecht, auch die sogenannten ‘Lämmer’.“
Die Schafe diskutierten Stunde um Stunde.
Einige militante Schafe waren empört und wollten die Wölfe
davonjagen. Andere meinten, man solle sich in die Lage der Wölfe versetzen und ihre Ansicht respektieren.
Die Diskussion wogte hin und her.
Eine Einigung war nicht zu erzielen. So beschloß man, eine demokratische
Abstimmung unter allen gehörnten Schafen durchzuführen. Diese ergab folgenden glücklichen Kompromiß.
Man war sich einig, den Zaun um die ausgewachsenen Schafe weiterhin aufrecht zu halten. Den Zaun um die
sogenannten ‘Lämmer’, die für die Wölfe völlig uninteressant sind, wollte man dagegen preisgeben.
Mit der neuen Regelung wollte man natürlich unter keinen Umständen den Eindruck erwecken, daß dadurch
das Lebensrecht der sogenannten ‘Lämmer’ grundsätzlich in Frage gestellt würde. Darum einigte man sich
darauf, anstelle des ehemaligen Zaunes jetzt einen Strich zu zeichnen.
So geschah es unter allgemeiner
Zustimmung. Nur eine verschwindende Minderheit radikaler Schafe protestierte.
Unter den gierigen Blicken
der Wölfe, rissen die Schafe in heiligem Eifer den Schutzzaun um die sogenannten ‘Lämmer’ nieder. Er
wurde durch die beschlossene Bodenmarkierung ersetzt. Dann richteten die politischen Vertreter der Schafe
einen dringenden und todernsten Appell an die Wölfe, die am Boden gezeichneten Linien gefälligst zu
respektieren. Auch um Wölfe, die ihrem Hunger nicht Herr werden könnten, kümmerte man sich. Ihnen sollte
eine kostenlose Gesprächstherapie angeboten werden und eine vegetarische Feldküche zur Verfügung stehen.
Die Herde der sogenannten ‘Lämmer’ blökte leise vor sich hin und hüpfte auf dem frischen Gras. Von
so viel Diplomatie und Politik verstanden sie wenig. Von den großen gehörnten Schafen schaute niemand
auf sie. Es war, als ob sie gar nicht existierten.
Nachdem der demokratische Beschluß der Schafe in
die Tat umgesetzt war, löste sich die zufriedene Versammlung wieder auf. Gemessenen Schrittes zogen sich
die gehörnten Schafe in ihr gut geschütztes Gehege zurück. In jenen Tagen wuchs das Gras so schnell
wie selten vorher in der Geschichte der Schafheit. Darum wurde in den folgenden Wochen nur wenig bis gar
nicht über die neue Regelung gesprochen. Es war sogar verpönt, über die „Strichlösung“ – so der Name
der neuen Regelung – zu debattieren.
„Wir müssen den hungrigen Wölfen helfen und sie beraten, nicht
sie diskriminieren“, sagten die intelligentesten Schafe zueinander. Es schien, als wollte man sich durch
die Wiederholung der Argumente der Wölfe Mut machen.
Nach einer gewissen Zeit wagten sich einige Schafe
an den Platz, wo man die sogenannten „Lämmer“ zurückgelassen hatte. Entsetzt stellten sie fest, daß
die Wölfe dort ein Lager aufgeschlagen hatten, um sich von dort regelmäßig eine gewisse Stückzahl
von sogenannten „Lämmern“ zu holen.
Die Linie, die zum Schutz der Schafe gezogen wurde, verband sich
mit dem ausgetretenen Wolfspfad, der sie überquerte, zu einem Kreuz. Schnurgerade führte der Weg der
Wölfe in das frühere Gehege.
Die Schafe versuchten scheu und unentschlossen mit den Wölfen in einen
Dialog zu treten. Doch die Wölfe fletschten ihre Zähne und drohten: „Wollt ihr neue Gräben zwischen
uns und euch aufreißen? Wollt ihr uns Wölfe wieder verletzen und den gesellschaftlichen Frieden zerstören?
Was fällt euch ein, hinter die modernen Errungenschaften zurückzufallen?“
Der Spähtrupp der Schafe
kehrte nach Hause zurück und erzählte den heimischen Regierungsvertretern, wie viele blutige Überreste
von sogenannten „Lämmern“ sie gesehen hatten. Doch die Regierungsvertreter unterbrachen ärgerlich: „Der
Strich am Boden zeigt deutlich, daß wir das Blutbad an den sogenannten „Lämmern“ nicht gutheißen können.
Aber mit blutrünstigen Erzählungen, hochgespielten Emotionen, Verurteilungen Andersdenkender und billigem
Aktionismus kommen wir nicht weiter. Zäune zu errichten wäre eine Kriminalisierung der Wölfe. Wir müssen
sie überzeugen. Wir müssen den Wölfen helfen, statt sie zu bestrafen.“
Nachdem man noch einige wichtige
Worte zum Thema Solidarität mit den Wölfen, Freiheit, Meinungsbildung und Grundlagendebatte gewechselt
hatte, zogen sich alle hinter den hohen Zaun der Schafsstallungen zurück.
Am Abend ging das Wächterschaf
der Abschrankung entlang, um zu prüfen, ob der Zaun in Ordnung und die Türen sicher verschlossen wären.
Danach legte auch es sich beruhigt schlafen.
Das Heulen der Wölfe, das die Stille der Nacht zerriß,
berührte die schlummernden Schafe hinter dem hohen Zaun nicht mehr. Am Abend tippelte das alte Wächterschaf,
halb blind, ganz taub, der vereinbarten Abgrenzung entlang, um die Lämmer zu zählen, die täglich weniger
wurden.
Betrübt ließ es den Kopf hängen. Selbst die flankierenden Maßnahmen mit einem sicheren Schutzraum,
welche die Schafe mit den Wölfen vereinbart hatten, fehlten immer noch.
Ein listiger Wolf aus dem bekannten
rotschwarz gefleckten Rudel mit den großen grünen Augen stürzte sich plötzlich auf das träumende
Wächterschaf und biß ihm den Kopf ab.
„Gut gemacht“, heutle der Leitwolf in die Nacht hinaus.
„Wozu
brauchen Schafe noch Köpfe, wenn sie ohnedies das Denken uns Wölfen und den Pferden überlassen.“
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5 Lesermeinungen
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@Catholicus Ich selbst weiß nicht, ob Auxiliarbischof Laun diese Fabel verfaßt hat. Die Frage ist, ob
sich kreuz.net tatsächlich mit „fremden“ Federn schmückt, wenn sie diesen Aufsatz bringt. Vielleicht
ist Pater Laun ja Teil der kreuz.net-Betreiberclique …? So groß ist Österreich ja bekanntlich nicht
(mehr), und im gläubigen katholischen Milieu trifft man recht bald immer wieder auf die gleichen „üblichen
Verdächtigen“ …
Mit fremden Federn geschmückt Die Fabel stammt meines Wissens von Weihbischof Andreas Laun. Frage an
kreuz.net: Ist das richtig bzw. wurde die ursprüngliche Fassung vielleicht abgewandelt?
Kein zweiter Teil in Sicht Zumindest, was Euopa betrifft, und wenn alles so weiterläuft, wie momentan.
Rein rechnerisch werden in rund 100 Jahren von den Europäern nur mehr ihre Kathedralen übrig geblieben
sein, als Zeugen ihrer untergegangenen Kultur, so wie die Pyramiden weltweit von alten Kulturen zeugen.
Vielleicht wird man in ferner Zukunft überhaupt bezweifeln, daß es eine hochtechnologisierte Kultur
wie jene der Europäer überhaupt jemals gegeben hat.
präzise gezeichnet, ich warte schon gespannt auf den 2.ten Teil der Story, wo die Schafe den Zaun wieder
aufstellen und den Wölfen gehörig den Marsch blasen.