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Donnerstag, 23. November 2006 16:21
Den Augen nicht getraut
Nach einer Segensfeier für homosexuell verirrte Paarungen im Wiener Stephansdom kann eine Klosterfrau ihre Begeisterung nicht zurückhalten.
Homo-Theater mit Männern in Frauenkleidern
Homo-Theater mit Männern in Frauenkleidern
(kreuz.net) Der Maler Leo Pfisterer (43) ist in Wien geboren und in Niederösterreich aufgewachsen.

Seit 1992 leitet er Ikonenmalseminare und arbeitet als Maler und Bildhauer.

Einige seiner Bronzearbeiten werden gegenwärtig im Diakoniewerk Maxvorstadt in München gezeigt. An der Vernissage am 9. November sprach der Altabt des Benediktinerklosters St. Bonifaz in München, Odilo Lechner (75).

Pfisterer besitzt eine eigene Webseite.

Unter der Rubrik „Privat“ veröffentlichte Pfisterer dort einen Beitrag, den er anläßlich der Segnung seines Homo-Konkubinats im Wiener Stephansdom in der Zeitschrift ‘Ja – die neue Kirchenzeitung’ publiziert hatte.

Der Text steht unter dem Titel „Wir haben uns getraut…“

Untertitel: „Wie ein schwules Paar den Segnungsgottesdienst für Liebende im Wiener Stephansdom erlebt hat.“

Im Vorfeld einer „Segensfeier für Liebende im Wiener Stephansdom“ habe es von Seiten der Dompfarrei St. Stephan geheißen, daß Homo-Paarungen „nur einzeln“ gesegnet würden:

„Andere Medien behaupten Gegenteiliges und bleiben damit bei der Wahrheit.“

„Wir – mein Partner und ich – sind eines der etwa dreißig gesegneten gleichgeschlechtlichen Paare“ – schreibt Pfisterer.

Ihre „Beziehung“ sei schon vor sieben Jahren von einem kirchlichen Würdenträger gesegnet worden.

In seiner Begrüßung habe der Dompfarrer betont, daß alle eingeladen seien. Er habe auch zu den Homos gesprochen und „gleichgeschlechtliche Partnerschaften“ als positiv bewertet.

In den Fürbitten sei „für uns homosexuell empfindende Menschen, die sich von der Kirche nicht angenommen fühlen“, gebetet worden:

„Doch heute, hier im Stephansdom, da haben wir das Gefühl dazuzugehören.“

Vor Beginn der Segnung habe man auf die Richtlinien der Bischofskonferenz verwiesen, „nach deren Theorie für uns nur die Segnung jedes Einzelnen, jedoch nicht als Paar, möglich wäre“.

Doch er habe – so Pfisterer – auf einen seit einigen Jahren bekannten Segnungspriester vertraut:

„Wir sind das erste schwule Paar, das vor die Stufen des Altars tritt. Der Priester lächelt uns an: »Schön, daß ihr da seid«.“

„Er legt uns beiden gleichzeitig die Hände auf die Schultern, betet um den Segen Gottes für unsere Partnerschaft »in guten und in bösen Tagen«.“

Pfisterer erinnerte sich dabei „sehr“ an das Ritual der Vermählung:

„Als der Priester uns gemeinsam die Hände auf die Stirn legt, geht es mir durch und durch. Eigentlich wollte ich meinen Partner dabei ja an der Hand nehmen, doch in der Aufregung hatte ich das ganz vergessen.“

„Als der Priester über uns das Kreuzzeichen macht, fühle ich nur noch Liebe und Dankbarkeit für meinen Partner und für den Segen der Kirche.“

Pfisterers Kommentar: „Ja, wir wurden als Paar gesegnet, öffentlich, mitten im Herzen der Stadt Wien, in der bedeutendsten Kathedrale Österreichs.“

Vor dem Stephansdom wurden die beiden Homos von einer älteren Dame gefragt, ob sie sich hätten segnen lassen:

„Als wir ihre Frage bejahen, bricht es euphorisch aus ihr heraus: »Sehr gut! Bravo!«“

Euphorisch ist auch Schwester Hiltrud von den Franziskanerinnen in Vöcklabruck – in Oberösterreich.

„Ihr beiden Lieben – ihr habt euch ge-traut!“ – schrieb die Klosterfrau am 16. Oktober begeistert in Pfisterers Gästebuch:

„Meine Gratulation! Alle Facetten dieses Wortes und alle Spielereien damit sind ergiebig: trauen, einander trauen, vertrauen etc.“

Das Durchblättern der Homepage habe sie fasziniert und in Staunen versetzt: „Viele deiner Plastiken, lieber Leo, sprechen mich sehr an und sind so ausdrucksstark.“

„Ich bin stolz auf dich, mein Ikonenmeister – sagt dir Hiltrud.“

© Bild: Fausto Fernos, flickr, Creative Commons Licence
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 129 Lesermeinungen:
Mittwoch, 29. November 2006 20:28
Fest_im_Glauben: Von der Redaktion entfernt
Mittwoch, 29. November 2006 20:19
Knecht Dummspecht †: Von der Redaktion entfernt
Mittwoch, 29. November 2006 19:10
gelasius: @pünktchen
und man weiß ja , wo und wie Nietzsche endete : Im Wahnsinn am Halse eines Gaules.
Mittwoch, 29. November 2006 19:04
Pünktchen: „Fundamentalismus“. Robert Spaemann:
Mittwoch, 29. November 2006 18:46
Auf 3Sat am 6. Januar 2007
„Mit Gott gegen alle“, Dokumentation im
Rahmen des 3sat-Thementags „Im Namen Gottes – Kampf und Toleranz der Kulturen“

„weltweit sind religiöse Fundamentalisten auf dem Vormarsch, verbreiten im Namen Gottes Furcht und Schrecken. Sie kämpfen, wie die Dokumentation von
Dirk Laabs zeigt, „Mit Gott gegen alle“. Der Filmemacher trifft religiöse Fundamentalisten christlicher und islamischer Couleur in Deutschland, Belgien, Kanada und den USA. Im Rahmen des 24-stündigen 3sat-Thementags „Im Namen Gottes – Kampf und Toleranz der Kulturen“ zeigt er, wie massiv der Einfluss religiöser Eiferer bereits ist und wie sehr er allgemein unterschätzt wird.“

Es freut mich UNSAGBAR, dass die Presse – sogar in den öffentlich-rechtlichen Kultursendern nicht mehr bei christlichem Fundamentalismus wegschaut, sondern diesen ganz klar benennt und in gleichem Atemzug mit islamischem Fundamentalismus nennt. Einen Unterschied gibt es da wirklich nicht mehr.

Jeder, der kreuz.net lang genug verfolgt, weiß wovon ich rede. Ich hoffe, dass entsprechende Sender bald erste Konzepte vorschlagen, wie man Minderjährige in Deutschland vor christlichem Terror und Gehirnwäsche besser schützen kann.
Mittwoch, 29. November 2006 09:43
Lord Werther: ekelhaft?
Ich halte es nur für angebracht, dass man in Zeiten in denen die Krichen immer leerer werden, die Menschlichkeit entdeckt.

Eigentlich ekel ich mich nur vor Leuten, die anderen Menschen aus irgendeinen vorgeschobenen Grund verurteilen wollen, damit sie sich selbst bestätigt sehen.

Ich wüsste nicht, was ich davon hätte, wenn diese Menschen im Leben nicht glücklich werden würden. Wenn Sie mir nun mit einen blöden Bibelspruch kommen, berufe ich mich auch zum ersten Mal in meinem Leben darauf, dass selbst die nichtauslegbaren Teile reine Auslegsache sind.
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